Allmächtiger Pragmatiker?

Ich würde ehrlich viel lieber auf Angela Merkel oder Ursula von der Leyen rumhacken als auf Andrea Nahles (und sei es auch nur, weil ich von ihr zuwenig weiß), aber ihr folgendes Soundbite aus dem gestrigen Interview in der Bild am Sonntag erschien mir auch noch erwähnenswert:

Gott ist ein Pragmatiker. Hätte er vor 2000 Jahren eine Frau geschickt, wäre niemand gefolgt. Heute würde er vielleicht eine Frau schicken . . . (lacht)

Eine durchaus sympathische Idee. Ich halte sie allerdings für nicht vereinbar mit der Idee von Gottes Allmächtigkeit. An die Frau Nahles als „bekennende Katholikin“ zweifellos glaubt, heißt es doch bereits in der ersten Zeile des apostolischen Glaubensbekenntnisses:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

Pragmatismus – in politischer Hinsicht – würde ich als „die Kunst des Machbaren“ bezeichnen. Ein Pragmatist (bei den Grünen früher „Realo“ genannt) würde sich auf das Erreichbare konzentrieren und sich damit „zufriedengeben“ – nach dem Motto: „Besser als Nichts!“ Im Gegensatz dazu würde ein „Idealo“ auf dem theoretisch Optimalen bestehen und dadurch u.U. den  Fortschritt ganzlich verhindern, nach quasi dem Motto „Alles oder Nichts!“

Wenn man tatsächlich an die Allacht Gottes glaubt, macht es keinen Sinn, ihn als Pragmatiker zu bezeichnen. Pragmatismus ist ja gerade ein Verhalten angesichts von Unmöglichkeiten und Un-Machbarem. Für einen allmächtigen Gott kann sich diese Problematik nicht stellen.

Wikipedia definiert Pragmatismus nicht in dem obigen Sinne, allerdings erscheinen auch die dortigen Definitionen ausgesprochen „ungöttlich“: Demzufolge bezeichnet Pragmatik in der Problemtheorie eine Lösung, die funktioniert, ohne dass Fachwissen einbezogen wird. Pragmatismus bezeichnet umgangssprachlich ein Verhalten oder Handlungen, die […] auf eine theoretische Analyse und genaue Begründung der Wirkungen verzichtet. Pragmatisches Handeln ist nicht an unveränderliche Prinzipien gebunden.

Damit steht die Wikipedia-Definition im Widerspruch zu Gottes (vermeintlicher) Allwissenheit. Sollte der christliche Gott existieren, so besitzt er zweifellos alles Fachwissen, und er kennt alle Zusammenhänge und Wirkungsbegründungen. Sonst wäre er nicht allwisend. Andererseits steht Gott aber gerade für unveränderliche Prinzipien.

Wenn Frau Nahles Gott als Pragmatiker bezeichnet, steht das somit in deutlichem Gegensatz zu den verbindlichen Vorstellungen der katholischen Kirche von Gottes Allmächtigkeit und Allwissenheit. Es mag sein, dass sie eine „bekennende“ Katholikin ist – auf jeden Fall scheint sie eine etwas naive und oberflächliche Katholikin zu sein. (Siehe dazu auch meinen gestrigen Eintrag.)

Kann man nur hoffen, dass das nicht auf die Politik abfärbt. Ich hoffe, bei der SPD gibt es Atheisten, die das Programm auf logische Stimmigkeit prüfen.

Ich wünsche Andrea Nahles trotzdem alles Gute!

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2 Responses to Allmächtiger Pragmatiker?

  1. skydaddy sagt:

    Die Idee, dass Gott eine Frau schickt, ist übrigens genauso kurzgedacht. Alle Prophezeiungen aus dem Alten Testament, die von den Christen auf Jesus bezogen werden, sprechen ja von einem Mann. „Seht, die Jungfrau wird […] einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben“. „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ (Matthäus, Kapitel 1 und 2.) Usw.

    Gott, der alte Pragmatiker, hätte natürlich die Prophezeiungen von vornherein auf Töchter münzen können. Frau Nahles‘ Logik zufolge hätte dann aber wahrscheinlich keiner an die Prophezeiungen geglaubt… Gott in der Zwickmühle.

  2. Max Headroom sagt:

    😉 . Gott, wenn er sowas wie die Allmacht besitzt, wäre wohl Pragmatiker wie auch Idealist … ganz nach belieben. Er würde wahrscheinlicherweise einen Menschen („nach Abbild Gottes“) erschaffen/erzeugen/klonen/kneten, ihn Stück für Stück „sündigen“, also ihm Teile der Allmacht wieder entfernen, und ihn dann in die Gebärmutter einer unschuldigen Frau verfrachten, wie er es schon vor ein paar tausend Jahren getan haben soll.
    Das Resultat wäre ein Mensch(ensohn) mit teilw. göttlichen Fähigkeiten, der dann natürlich ganz durch den Einfluss der Umwelt erzogen wird und demnach nicht nur die Landessprache wie auch die lokale Politik kennt, sondern wahrscheinlicherweise auch mit ganz profanen Problemen und eben Ideologien „zurechterzogen“ wird.
    Aller Wahrscheinlichkeit nach war Jesus von Nazareth kein besonderer Mensch im Sinne der Übernatürlichkeit, sondern eher der Ideen. Das die Fans ihn einige Jahrzehnte nach seinem Tode zum „prophezeitem Sohn Gottes“ hochstilisierte, und er eine nach ihm benannte Weltreligion bekam, verdanken wir der unaufhörlichen Powermissionierung der Händefalter und ihre bekannte „Bestrafung“ gegenüber Andersdenkenden 😉 .

    Für ein allmächtiges Wesen ist es tatsächlich kein Problem, eine Frau, eine sprechendes Pferd (Hallo Mr. Ed) oder eine zornige Feuersäule zu erschaffen. Der Kerl soll ja ganze Planeten erschaffen haben, da ist ihm ein wenig Biochemie und Zellteilung wohl kaum ein Hindernis.

    Wie gesagt … er *könnte*. Wenn „ER“ existieren würde. Jedoch sind bis jetzt noch nicht einmal Hinweise auf eine (Ein-)Wirkung irgendwelcher übernatürlichen Wesen – geschweige eines einzelnen – nachgewiesen worden. Egal ob es sich um Blitze (Zeus), Donner (Thor) oder Liebe (Aphrodite) gehandelt habe … stets entpuppten ich die „unglaublichen“ Glaubenszeichen als ganz natürliche Prozesse.

    Nur wenn man diesen Aspekt, die Natur, vollkommen ausblendet und sich – wahrlich *unbewiesen* – eine Übernatürlichkeit vorraussetzt, werden Situationen wie Pragmatische Allmachtsfantasien, fliegende Nudelmonster oder Xenu-Aliens mit Vulkanaffinität möglich. Die Beweislast liegt bei den „Gläubigen“, die eine solche Übernatürlichkeit nachweisen müssen. Ansonsten sind Aussagen über „Gott wäre…“ oder „Ich glaube, ER hat …“ zumindest für mich nicht unterscheidbar von „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage …“, von Märchentexten 😉 .

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