Fragen an die Staatsanwaltschaft Konstanz

22. Juli 2010

Die folgende E-Mail habe ich heute (22.07.2010 07:07 Uhr MESZ) an die Staatsanwaltschaft Konstanz geschickt:

Sehr […] geehrte Damen und Herren,

wie Ihnen bekannt ist, habe ich in den vergangenen Wochen für mein Blog in der Angelegenheit Birnau recherchiert und dabei der Staatsanwaltschaft – auf Anregung von Dr. [H.] – auch meine Rechercheergebnisse und die Stellungnahmen von Thomas P. Doyle zukommen lassen.

Ich hoffe, daher, dass Sie mir folgende Fragen beantworten, die sich auf Ihre gestrige Pressemitteilung zur Einstellung des Erfahrens gegen Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beziehen:

1. Ist die Staatsanwaltschaft in irgendeiner Weise „aktiv“ geworden, um den Sachverhalt zu klären?

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Liebes Ordinariat Freiburg!

21. Juli 2010

Ich freue mich über Ihr Interesse an meinen Seiten.

Ich möchte Ihnen noch den Ketzerpodcast ans Herz legen, insbesondere Folge 11, wo ich einen persönlichen Gruß an Robert Eberle richte.

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.


Wie Zollitsch und sein Ordinariat die Öffentlichkeit täuschen

20. Juli 2010

An dem gestrigen Beitrag von Report  MainzDie katholische Kirche und die Wahrheit“ wurde wieder sehr schön deutlich, wie das Bistum Freiburg mit ausgeklügelten Formulierungen die Öffentlichkeit täuscht.

In dem Beitrag heißt es: „Erst 1995 habe die Erzdiözese von einem Missbrauchsopfer erfahren“.

Diesen Eindruck haben Erzbischof Zollitsch und sein Ordinariat zwar erweckt – sie haben das aber nie tatsächlich so gesagt. Das Ordinariat Freiburg weiß nämlich (aus Erfahrung), dass – wenn es nur geschickt genug formuliert – es gar nicht selbst zu lügen braucht: Solange die Medien nämlich die Formulierungen des Ordinariats in dem beabsichtigten Sinn missverstehen und dann ihrerseits – unwissend – die Unwahrheit als Tatsachendarstellung verbreiten.

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Report Mainz: Neue Vertuschungsvorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch (19.07.2010)

20. Juli 2010

Die katholische Kirche und die Wahrheit – Sendung vom Montag, 19.7.2010 | 21.45 Uhr | Das Erste

Wie angekündigt, berichtete Report Mainz gestern Abend von neuen Vorwürfen gegen Erzbischof Zollitsch, der auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Dabei zeigt der Report-Beitrag von Ulrich Neumann und Gottlob Schober, dass vieles von dem, was – nach dem ersten „Report“-Beitrag über die Missbrauchsfälle in Oberharmersbach – im März von der Diözese verkündet wurde, sich heute als falsch herausstellt:

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Neues zur Kathpress-Meldung (war: „Verleumde nur dreist, etwas bleibt immer hängen“)

26. Juni 2010

Meine in den letzten Tagen hier geäußerte Vermutung, dass die diffamierende Kathpress-Meldung in ihrer ursprünglichen Form von der Abtei Mehrerau (bzw. Abt Anselm oder Harald Schiffl) an die Presse geschickt wurde, ist offenbar falsch.

In den letzten Tagen hatte ich über eine diffamierende Pressemeldung von Kathpress berichtet und darüber, dass diese Meldung zunächst geändert, dann zurückgezogen wurde.

Ich weiß, dass das Opfer massiv interveniert hat – zugleich hat wohl auch die Abtei Mehrerau auf eine Korrektur hingewirkt, möglicherweise auch auf die Löschung. 

Die Löschung der Meldung ändert natürlich nichts daran, dass irgend jemand die diffamierenden Aussagen in die Welt gesetzt hat – entweder in Mehrerau oder bei Kathpress!

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Hintergründe zur Anzeige gegen Zollitsch

6. Juni 2010

Die Staatsanwaltschaft Konstanz will heute (Montag) entscheiden, ob sie die Ermittlungen gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, übernimmt.

Aus diesem Anlass der Hinweis, dass auf der Website des Anzeigestellers – eines Missbrauchsopfers – eine ausführliche Darstellung zu dem Fall sowie Auszüge und Hintergründe zu der Strafanzeige zu finden sind.

Das Opfer weiß offenbar, was es tut.

Zunächst stellt man fest, dass nach Darstellung des Opfers die Presseerklärungen der Erzdiözese Freiburg tatsächlich voller Lügen sind (alle Hervorhebungen im Folgenden sind von mir, Schreibweisen z.T. zwecks besserer Lesbarkeit geändert):

Auf der Internetseite des Erzbistums Freiburg werden weiter Lügen verbreitet. Jetzt behauptet die Erzdiözese sogar [hier]

„Der Strafantrag wurde nicht nur der Staatsanwaltschaft, sondern auch Journalisten zugeleitet – in der erkennbaren Absicht, mit dem sensationsheischend formulierten Vorwurf der „Beihilfe zum sexuellen Missbrauch“ gegen einen Erzbischof Medieninteresse zu provozieren.“

Das ist eine schamlose Lüge und Unterstellung !!!

Richtig ist, dass ich eine Kopie der Anzeige an die Presse weiter leitete, aber erst auf Nachfrage und mit zu dem Zweck, dass über die von mir erhobenen Vorwürfe wahrheitsgemäß berichtet wird.

Manche mir in der Presse in den Mund gelegte Behauptung habe ich nicht erhoben!

[…]

Die Anzeige hat Erzbischof Zollitsch selbst herausgefordert, indem er

1. kein Schreiben beantwortete

2. die Diözese wahrheitswidrige und die Tatsachen entstellende Darstellungen in Interviews und auf der Homepage macht

3. Eine Richtigstellung, zu der ich Freiburg aufforderte, nicht erfolgte

4. Eine daraufhin beantragte Gegendarstellung nicht veröffentlicht wurde.

Somit blieb mir nur noch der Klageweg. Deshalb habe ich Strafanzeige wegen Verleumdung gegen die Diözese Freiburg und die Verantwortlichen, allen voran Dr. Fridolin Keck, erstattet.

Die Erzdiözese hat sogar die Unverfrorenheit, in den aktuellen Stellungnahmen, erneut auf die bewusst wahrheitswidrige Darstellung zu verweisen.

Damit macht sich Dr. Robert Zollitsch und seine Diözese Freiburg weiterhin unglaubwürdig.

Zum Hintergrund der Anzeige schreibt das Opfer:

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Freiburger Echo-Kammer

6. Juni 2010

Das Erzbistum Freiburg bringt auf seiner Website jetzt einen Artikel mit der Überschrift „Medien: Vorwurf gegen Erzbischof ist ‚Luftnummer‘“:

Der Vorwurf der „Beihilfe zum Missbrauch“ gegen Erzbischof Robert Zollitsch ist eine „Luftnummer“. Das schreiben inzwischen auch Journalisten, die gewissenhaft arbeiten und sich nicht instrumentalisieren lassen […]

Dabei betont Abt Anselm, dass Erzbischof Zollitsch mit Entscheidungen und Vorgängen im Priorat Birnau „sicher nichts zu hatte“.

Gewissenhaft arbeitenden Journalisten ist dies bei sorgfältiger Recherche inzwischen deutlich geworden. So schreibt die Badische Zeitung: „Der Vorwurf der Beihilfe zum Missbrauch ist eine Luftnummer (…). Selten wurde eine Anschuldigung so schnell aus der Welt geschafft wie die, der frühere Personalreferent Robert Zollitsch habe 1987 veranlasst, dass ein pädophiler Zisterzienserpater in Birnau ein zweites Mal angestellt wurde: Eine solche Anstellung hat es nicht gegeben. Die Erzdiözese war für das Birnauer Kloster auch gar nicht zuständig.“ Ähnlich kommentiert die Südwestpresse: „Es klingt wie eine Sensation: Gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wird wegen Beihilfe zum sexuellem Missbrauch von Kindern ermittelt. Doch es ist eine Luftnummer. Dem Freiburger Erzbischof werden Personalentscheidungen zur Last gelegt, die schon formal nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gefallen sind.“

Mal abgesehen davon, dass die Badische Zeitung als überregionale Zeitung mit christlicher Grundlage gegründet wurde und sich als unabhängige, überparteiliche Tageszeitung mit christlicher Grundhaltung versteht:

Beide Artikel geben in dieser Hinsicht lediglich die Informationen wieder, die sich auf der Bistums-Website befinden. (Sogenannte „Echo-Kammer“: Beide Seiten reflektieren jeweils lediglich die Informationen von der anderen Seite.) Dabei haben die dem Erzbistum Freiburg zufolge „gewissenhaft arbeitenden Journalisten“ die kirchliche Darstellung allerdings offenbar unkritisch übernommen:

Erstens: Wie ich gestern dargestellt habe (Zollitschs laxer Umgang mit der Wahrheit), kommt es durchaus vor, dass Institutionen, die nicht in den offiziellen Verantwortungsbereich eines Bistums fallen, sich mit dem Bistum beim Personaleinsatz abstimmen.

Zweitens: Die Badische Zeitung hatte selbst am 22. April 2010 in dem Artikel einer anderen Journalistin (Missbrauchskandal: Die Rückkehr des Paters) berichtet, dass das Opfer vom Bistum Freiburg am 23.03.2010 zunächst die Auskunft erhielt:

„Pater Gregor M. hat die Abtei Birnau 1968 verlassen und hielt sich seither nicht mehr in der Erzdiözese Freiburg und nicht mehr in Deutschland auf“

Diese Aussage klingt nicht so, als ob das Erzbistum Freiburg im Unklaren über das in Birnau eingesetzte Personal sei. Erst als das Opfer antwortete, dass es die Aussage eines Freundes habe, derzufolge der fragliche Pater 1988 dessen Kind in der Wallfahrtskirche Birnau getauft habe, kam vom Zollitschs Erzbistum folgende Antwort:

„In der Akte Birnau ist Pater Gregor für die von Ihnen benannten Jahre nicht nachweisbar. (…) In den Personalschematismen der Jahre 1989 bis 1995 ist Pater G. aufgeführt. Meine Aussage war also falsch. Die falsche Aussage entsprang nicht meiner Absicht, sondern den Angaben der Registratur. Die falsche Aussage bedauere ich, und ich bitte um Entschuldigung.“

Das klingt, als ob es in der Registratur des Erzbistums tatsächlich eine „Akte Birnau“ (s.o.) gibt. Außerdem war Pater Gregor von 1989 bis 1995 offenbar in den kirchlichen Personalverzeichnissen (Schematismen) aufgeführt. Die Darstellung des Erzbistums versucht aber gerade mit dem Hinweis auf die fehlende offizielle Zuständigkeit den Eindruck zu erwecken, Zollitsch könne von den Vorwürfen und dem Einsatz des Paters nichts gewusst haben.

Aus meiner Sicht lässt es journalistische Sorgfalt vermissen, wenn angesichts dieser Umstände einfach die Darstellung des Erzbistums inhaltlich übernommen wird und gemeldet wird:

„Selten wurde eine Anschuldigung so schnell aus der Welt geschafft wie die, der frühere Personalreferent Robert Zollitsch habe 1987 veranlasst, dass ein pädophiler Zisterzienserpater in Birnau ein zweites Mal angestellt wurde: Eine solche Anstellung hat es nicht gegeben. Die Erzdiözese war für das Birnauer Kloster auch gar nicht zuständig.“

Wie dargestellt, steht – durch das Erzbistum Freiburg bestätigt – fest, dass der betreffende Pater wieder in Birnau tätig war. Gemeint ist, dass – nach Darstellung des Erzbistums – der Pater während dieser Zeit nicht im kirchenrechtlichen Verantwortungsbereich des Erzbistums, sondern des Zisterzienserordens eingesetzt war. Richtig ist, dass Zollitsch diese Anstellung kaum „veranlasst“ haben dürfte, und fraglich ist, ob Zollitsch während seiner Zeit als Personalreferent des Erzbistums vom Einsatz des Paters und dessen pädophilen Neigungen wusste. (Der Vorwurf des Opfers geht auch eher dahin, dass Zollitsch davon hätte wissen können und müssen.) Beim Nachbarbistum Basel waren die Vorwürfe gegen Pater Gregor jedenfalls dokumentiert:

In seinem Archiv hat das Schweizer Bistum Basel Teile der Vorgeschichte des Paters gefunden, der unter anderem im Vorarlberger Kloster Mehrerau Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. Die Verantwortlichen im Bistum waren demnach informiert über die Missbrauchsvorwürfe aus Deutschland und Österreich – und stellten ihn trotzdem an.

Und der Pater tauchte auch schon während Zollitschs Zeit als Personalreferent (1983-2003) jahrelang in den Personalverzeichnissen auf und hat offenbar Taufen (mindestens eine) vorgenommen.

Es verwundert, dass Journalisten die Verteidigung „nicht zuständig“ immer noch so leicht akzeptieren. Schließlich ist es gerade mal zwei Monate her, dass Bischof Mixa im Interview mit der BILD-Zeitung erklärte:

„Ich war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und war nie als Erzieher für das Kinderheim zuständig.“


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