Meck-Pomm: Bildungskonzeption für 0- bis 10-jährige Theologen

4. Mai 2011

Das Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet derzeit eine „Bildungskonzeption für 0- bis 10-jährige Kinder in Mecklenburg-Vorpommern“. Nach Regionalkonferenzen Mitte 2010 wurden hierzu Entwürfe zu den Themen

  • Gestaltung des Übergangs von der Familie in die Kindertageseinrichtung,
  • Wertorientiert handelnde Kinder und
  • Bildungs- und Erziehungsbereiche – Leitgedanken

erstellt, die vom 04.01.2011 bis 04.03.2011 im Rahmen einer „Internetanhörung“ von Interessierten kommentiert werden konnten. Die Ergebnisse sollen dann offenbar ihren Weg in die bestehende Konzeption finden.

Das obige Zeitfenster ist zwar schon vorbei, ich habe mir interessehalber aber trotzdem den Entwurf „Wertorientiert handelnde Kinder“ angeschaut und musste (nicht ganz unerwartet) feststellen, dass Henry Teschs Ministerium jegliche Distanz zum christlichen Glauben vermissen lässt und das Thema durch und durch aus der religiösen Perspektive wahrnimmt und beschreibt. Hier die Highlights, religionsfreien Lesern dürfte allerdings auch noch an anderen Stellen mulmig werden.

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Meck-Pomm: Bildungsministerium fördert Bibelverteilung an Schulen

3. Mai 2011
‚Wertvolles Kulturgut‘: Gideon-Informationsblatt für Schulleiterinnen und Schulleiter

Hier eine E-Mail, die ich soeben an das Missions- Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern geschickt habe. Einer Meldung zufolge hatte es dem christlich-missionarischen Gideonbund erlaubt, Bibeln an Schulen zu verteilen. Das Ministerium hatte breits in der Vergangenheit mehrfach missionarische Aktivitäten unterstützt, siehe:

Wikipedia zufolge „bekannten“ sich 2004 in Mecklenburg-Vorpommern knapp 22% der Bevölkerung zur evangelischen oder katholischen Kirche, der überwiegende Teil der Bevölkerung ist konfessionslos. Bildungsminister ist Henry Tesch, CDU.

******************

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Matthias Krause, ich blogge zum Thema Kirche und Religion, mit besonderem Augenmerk auf das Verhältnis von Staat und Kirche.

Mit einem gewissen Erstaunen las ich gestern, dass das Kultusministerium dem christlich-missionarischen Gideonbund die Verteilung von Bibeln und Schulen genehmigt hat.

Auf seiner deutschen Website beschreibt der Gideonbund sein „fest umrissenes Missionsprogramm“ so:

Unser Ziel:

Menschen mit Jesus Christus bekannt zu machen durch

  • gemeinsamen Dienst
  • persönliches Zeugnis
  • Auslegen und Weitergabe von Gottes Wort – der Bibel

[…]

Was wir glauben:

Wir glauben an Jesus Christus als den ewigen Sohn Gottes, haben Ihn als persönlichen Erlöser angenommen, erkennen die Bibel als inspiriertes Wort Gottes an und möchten in unserem täglichen Leben Jesus Christus folgen.

Auf der deutschen Website der Gideons gibt es auch ein Informationsblatt für Schulleiterinnen und Schulleiter. Dort ist freilich von „Missionierung“ keine Rede, sondern die Bibel wird als „wertvolles Kulturgut“ dargestellt, die „Vermittlung von Werten [biete] die beste Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und teambefähigtes Arbeiten“.

Dem Informationsblatt zufolge entscheidet grundsätzlich die Schulleitung darüber, ob Bibeln an die Schülerinnen und Schüler abgegeben werden. „Auch, wenn die Kultusministerien die Weitergabe der Bibeln begrüßen“.

Dem Informationsblatt zufolge geschieht die Weitergabe der Bibeln wie folgt:

1.)       Wenn von der Schulleitung gewünscht, finden sich die Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse für max. 10 Minuten für eine kurze Ansprache mit anschließender Verteilung in der Aula ein.

2.)       Bewährt hat sich auch die Übergabe im Unterricht (max. 5 Minuten) oder

3.)       auf dem Schulhof/Schulgelände z. B. zu Unterrichtsbeginn oder in der großen Pause. Ideal wäre es, wenn die Schulleitung über die Aktion durch einen Aushang oder Durchruf informiert.

Hierzu habe ich folgende Fragen:

a)      Weshalb unterstützt das Kultusministerium überhaupt derartige missionarische Aktionen? Wie ist das mit dem Verfassungsgrundsatz der Trennung von Staat und Kirche zu vereinbaren?

b)      In Aufzählungspunkt 1.) ist von einer Veranstaltung in der Aula die Rede. Wären solche Veranstaltungen für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend, oder wäre die Teilnahme freiwillig?

c)       Wie ist die Weitergabe von religiösem Material in Mecklenburg-Vorpommerns Schulen geregelt? Könnten auch der Koran oder Schriften von Scientology verteilt werden? Nach welchem Kriterium wird hier unterschieden?

d)      Ich vermute, das Kultusministerium rechtfertigt die Verteilung der Bibeln mit ihrer kulturellen Bedeutung. Könnten auch andere kulturell  bedeutende Schriften verteilt werden? Ich denke z.B. an Christopher Hitchens „The Portable Atheist, eine kommentierte Textsammlung von Denkern von der Antike bis zur Gegenwart, z.B. Lucretius, Benedict de Spinoza, Charles Darwin, Karl Marx, Mark Twain, George Eliot, Bertrand Russell, Emma Goldman, H. L. Mencken, Albert Einstein, Daniel Dennett, Sam Harris und Richard Dawkins. Oder auch Michael Schmidt-Salomons „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. Solange haltlose Behauptungen verbreitet werden wie „Ohne Gott ist alles erlaubt“ oder „Werte brauchen Religion“ ist es m.E. unverzichtbar, den Schülerinnen und Schülern zu erläutern, wie eine säkulare Ethik begründet wird. Dies gilt gerade für die neuen Bundesländer und Mecklenburg-Vorpommern, wo nur ein kleiner Teil der Schülerinnen und Schüler religiös ist.

e)      Können auch andere Bibelversionen an Schulen verteilt werden? Ich denke speziell an die Reimbibel von Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen (www.reimbibel.de). Davon existiert bereits eine CD mit ausgewählten Bibelgeschichten, die sich sicher kostengünstig vervielfältigen und an Schülerinnen und Schüler verteilen ließe. Da die Reimbibel das Alte Testament abdeckt, würde sie nicht nur weltanschaulich, sondern auch  thematisch ideal die Gideonbibel ergänzen, die lediglich die Psalmen, Sprüche und das Neue Testament enthält. Da ich selbst an der Produktion der Reimbibel-CD mitgewirkt habe: Was müssten wir beachten, wenn wir die Reimbibel-CD an Schulen verteilen wollten? Gelten die gleichen Grundsätze wie bei den Gideons, d.h. die Schulleitung entscheidet? Oder benötigen wir eine Genehmigung des Ministeriums?

Die obigen Fragen wurden z.T. bereits in Internetforen wie dem Atheist Media Blog aufgeworfen, bei dem ich mitarbeite. Ich denke daher, dass ein öffentliches Interesse an der Beantwortung dieser Fragen besteht:

  • Für die Mehrheit der nichtreligiösen Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern ist es sicher nicht unerheblich, ob die Regierung mit der Genehmigung derartiger Aktionen gegen die Verfassung verstößt.
  • Schüler müssen wissen, ob die Teilnahme an Bibelverteilungen freiwillig ist.
  • Eltern wollen wissen, ob sie zukünftig mit der Abgabe von Koranen oder Scientology-Material rechnen müssen.
  • Sicher gibt es auch Spender, die die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern gerne durch die Abgabe von weiterem wertvollen Kulturgut unterstützen würden.

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Krause

PS: In dem Artikel wurde erwähnt, dass an offenbar mehreren Schulen zu Auseinandersetzungen mit Schulleitern kam, die die Verteilung der Bibeln nicht zulassen wollten. Da es in dem Artikel heißt, dass die Aktion vom Kultusministerium genehmigt worden war, nehme ich an, dass die Verteilung von Bibeln oder ähnlichem Material ohne Genehmigung unzulässig gewesen wäre? – Auf der Homepage Ihres Kultusministeriums fand ich die Meldung „Landesregierung will Lehrerberuf in M-V attraktiver machen“. Der Attraktivität des Lehrer- oder Schulleiterberufs ist es sich nicht zuträglich, wenn die Schulleiter und Lehrkräfte nicht vorab über solche Genehmigungen informiert werden.


Adventskirche: Ministerium bestätigt Zuschuss, verschweigt aber dessen Höhe

24. Dezember 2010

Auf meine Anfrage an das Kultusministerium von Mecklenburg-Vorpommern, weshalb  es die missionarische Adventskirche auf dem Greifswalder Weihnachtsmarkt bezuschusst hat, erhielt ich gestern folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Krause,

das Projekt „Adventskirche“ Greifswald ist vom Kultusministerium finanziell unterstützt worden. [Anmerkung: Auf meine Frage, wie hoch der Zuschuss war, wird nicht eingegangen.]

Der entsprechende Förderverein hat  diese Förderung bekommen, damit mit Behinderten des Diakoniewerkes dieser Weihnachtsmarktstand in Form einer Kirche gebaut werden konnte. [<sarkasmus>Läuft wohl unter „Kirchenbaulast“.</sarkasmus>]

Damit will der Trägerverein einen Ort schaffen, an dem die kulturellen Traditionen des Weihnachtsfestes einen Ort haben, wie das Programm zeigt. Dazu gehört Adventssingen und musizieren, Plätzchen backen mit und für Kinder und Erwachsene, Bastelnachmittage, Leseveranstaltungen und vieles andere mehr. [Anmerkung: Bemerkenswerterweise verschweigt das Ministerium in seiner Antwort gerade den religiösen Programmpunkt „Andachten“ den ich ausrücklich erwähnt hatte.]

Die Adventskirche Greifswald ist ein Ort, der Menschen einlädt zu vorweihnachtlicher Besinnung.

Das Kultusministerium, das für Kirchenangelegenheiten zuständig ist, unterstützt alle Kirchgemeinden im Land.

Mit anderen Worten: Die Kirche macht Werbung für sich, und das CDU-geführte Kultusministerium bezuschusst die Werbemittel.


Meck-Pomm: Bildungsministerium fördert Missionierung

14. Dezember 2010

UPDATE: Antwort des Ministeriums hier.

UPDATE: Auskunft vom Nordkurier: Regionalbeträge werden nach einiger Zeit automatisch gelöscht. Netterweise hat man mir aber eine PDF-Version der Seite zur Verfügung gestellt. Im Artikelkopf, der online nicht zu lesen war, wird die missionarische Ausrichtung nochmals deutlich. Dort heißt es: „Mit einer Holzkirche auf dem Weihnachtsmarkt will die Kirche wieder näher an die Menschen heranrücken. Die Hemmschwelle ist allerdings groß.

Dank an den Nordkurier für die Überlassung des PDF! (Anklicken)

UPDATE: Der Artikel beim Nordkurier ist nicht mehr verfügbar. Er ist aber im Google-Cache nachlesbar.

UPDATE: Noch zwei Artikel zur Adventskirche bei kirche-mv und der Ostseezeitung. In diesen Artikeln ist der missionarische Zweck praktisch nicht erkennbar.

Im Januar hatte ich darüber berichtet, wie das Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern (dort sind mehr als 75 Prozent der Bevölkerung konfessionslos) und Bildungsminister Henry Tesch (CDU) einen Bibelwettbewerb unterstützten – m.E. in unzulässiger Weise: Denn während in anderen Bundesländern zwar der Ministerpräsident oder der Kultusminister die „Schirmherrschaft“ für den Bibelwettbewerb übernehmen, die Veranstaltung aber von kirchlicher Seite organisiert wird, saßen die Ansprechpartner beim diesjährigen Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern in Teschs Bildungsministerium.

Trotz Kritik vom Humanistischen Verband in Mecklenburg Vorpommern (hier und hier) hat das Ministerium jetzt offenbar erneut die christliche Missionierung der Bevölkerung aus Steuermitteln gefördert: Im Nordkurier ist zu lesen, dass die missionarische Greifswalder Adventskirche „unbürokratisch und schnell“ Zuschüsse vom Bildungsministerium erhalten habe. Wofür man sich auch in dem Artikel artig bedankte.

Damit war mal wieder eine E-Mail an das Ministerium fällig:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Matthias Krause, ich blogge unter dem Namen „Skydaddy“ und bin auch Redakteur beim Atheist Media Blog.

Im Nordkurier las ich soeben über die „Greifswalder Adventskirche“. Diese verfolgt offenbar einen missionarischen Zweck: „Uns ist es wichtig, dass die Menschen wieder zur Kirche finden, aber dann muss die Kirche erst mal zu den Menschen kommen. Und die halten sich zurzeit nun mal hier auf dem Markt auf.“

Umso überraschter war ich, dass die Adventskirche offenbar vom Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern „unbürokratisch und schnell“ Zuschüsse erhalten hat:

Neben der Diakonie lobt Harder vor allem das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern, das unbürokratisch und schnell für Zuschüsse sorgte.

Meine Frage: Weshalb bezuschusst das Ministerium missionarische Aktivitäten? Wie verträgt sich das nach Auffassung des Ministeriums mit dem Gebot zu staatlicher Neutralität?

Meines Erachtens wäre die einzige denkbare, gerade noch zulässige Rechtfertigung, dass es hier auch um die Vermittlung von Kultur geht:

Der Greifswalder Theologieprofessor Roland Rosenstock findet den Schritt der Kirche auf den Weihnachtsmarkt richtig: „Auf diese Weise können wir versuchen, den Menschen nahezubringen, dass die Wurzeln von Weihnachten eben nicht im Kommerz liegen sondern im Christentum. Das ist ein wichtiges Stück unserer Kultur.“

Allerdings werden in der Adventskirche auch religiöse Handlungen vorgenommen:

Wenn der Weihnachtsmarkt mittags eröffnet wird, findet im hölzernen Andachtsraum ein „Lichtpunkt“ statt, eine viertelstündige Andacht. Täglich wird sie von einem anderen gehalten – vom Gemeindepfarrer bis zum Theologie-Professor sind Greifswalds Kleriker reihum dran.

Zudem ist unzweifelhaft, dass der Zweck der Adventskirche in der Missionierung besteht und die „Angebote, vor allem für Kinder“ vor allem dazu dienen, die Leute für die Kirche zu interessieren.

Damit handelt es sich klar um eine religiös-missionarische Veranstaltung, und ich sehe nicht, wie eine Bezuschussung durch den Staat zu rechtfertigen wäre. Wie schon beim Bibelwettbewerb überschreitet das Ministerium hier m.E. seine Befugnisse und verwendet die Steuermittel der überwiegend (zu mehr als drei Vierteln) nichtchristlichen Bevölkerung zu deren Missionierung.

Ich halte dies für einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Trennung von Staat und Kirche. Für diese Auffassung spricht m.E. auch, dass eine Verflechtung wie bei der Adventskirche oder auch beim Bibelwettbewerb (wo die Ansprechpartner beim Ministerium saßen und nicht bei den kirchlichen Veranstaltern, wie dies in anderen Bundesländern der Fall ist) meines Wissens nur in Mecklenburg-Vorpommern existiert. Wäre dies zulässig, dürfte man wohl annehmen, dass dies auch in anderen Bundesländern so praktiziert würde.

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Krause

(Dank an die Greifswalder Hochschulgruppe für Humanismus und Aufklärung für den Hinweis.)

UPDATE: In einem Artikel bei WELT ONLINE heißt es:

Kirchliche Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern nutzen Advents- und Weihnachtsmärkte immer häufiger dazu, in Kontakt mit Besuchern der Märkte zu kommen. Auf dem Greifswalder Weihnachtsmarkt, der am Sonnabend eröffnet wird, will der im Juni gegründete „Kapellenverein“ eine kleine Adventskirche betreiben, teilte Vorstandsvorsitzender Hans-Martin Harder mit.

Bis zum Ende des Weihnachtsmarktes am 21. Dezember werde während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes immer mindestens ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Adventskirche sein. Es werde dort gesungen, gebastelt, vorgelesen und musiziert. Einmal pro Woche würden abends speziell Jugendliche, an einem anderen Tag die anderen Budenbetreiber des Weihnachtsmarktes in die Adventskirche eingeladen. Das Kirchlein bietet Platz für etwa 25 bis 30 Menschen.


Henry Tesch und die rätselhafte Zusammenarbeit

15. Januar 2010

Während es auf dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser fände „in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart“ statt, erhielt ich von der Stiftung die Auskunft, der Wettbewerb fände „ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur“ statt.

Gestern bin ich – mit einigen Gebetsraum-Fotos – in Deutschland angekommen, und es warteten (u.a.) schon die „Anti-Ferkelbuch-CD“ und eine E-Mail vom Vorstand der Stiftung Bibel und Kultur auf mich.

Die Stiftung Bibel und Kultur hatte ich angemailt, weil es in dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser Wettbewerb fände „in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart“ statt. Das Logo der Stiftung ist außerdem auf dem Flyer abgebildet (unten, Mitte):

Der Vorstand der Stiftung, Dr. Jan-A. Bühner, teilte mir allerdings mit, „der Wettbewerb in Meck.-Pomm findet ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur statt.“ Diese Information ist erst einmal glaubhaft, da auf der Website der Stiftung unter dem Thema „Schüler- und Jugendwettbewerb“ nicht auf den Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen wird. (Stattdessen gibt es Informationen zum Bibelwettbewerb im Saarland, bei dem Ministerpräsident Peter Müller (CDU) die Schirmherrschaft hat. Im Gegensatz zu dem Wettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Anmeldung und Abgabe der Wettbewerbsbeiträge beim Bildungsministerium erfolgt, sind bei dem Wettbewerb im Saarland Adressen kirchliche Adressen angegeben.)

Damit stellt sich natürlich die Frage, weshalb bei dem Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur erwähnt wird und deren Logo auf dem Flyer abgebildet ist. Diese Frage habe ich gestern nachmittag an das Bildungsministerium gemailt. Es hatte noch keine Zeit zu antworten. Da ich aber auf meine erste Mail bezüglich des Wettbewerbs nach zwei vollen Tagen noch nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten habe und es ja durchaus interessant ist, falls das Bildungsministerium auf nichtexistente Zusammenarbeiten hinweist, hier schon einmal die Info.


Anfrage zum Bibelwettbewerb beim Bildungsministerium MV

13. Januar 2010

Update: Ich habe heute, am 24.02.2010, einen Kommentar von Ministerialrat Ulrich Hojczyk (s.u.) aus dem Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern erhalten, in dem er beanstandet, dass ich hier den Namen der Person, die auf der Homepage des Bildungsministeriums und auch auf dem Werbeflyer als „Kontakt für Rückfragen zum Wettbewerb“ genannt wurde, veröffentlicht habe.

Obwohl ich es nach wie vor als unproblematisch ansehe, hier den Nachnamen der Ansprechperson in der Anrede zu nennen, nachdem – wie gesagt – das Bildungsministerium bereits den Namen, berufliche Telefon- und Faxnummer sowie die E-Mail-Adresse als Ansprechperson für den Bibelwettbewerb veröffentlicht hat (immer noch abrufbar), respektiere ich natürlich die, nun ja, Privatsphäre der betreffenden Person und entferne daher vorsorglich Namen und Anrede. Zumal sie natürlich inhaltlich völlig irrelevant sind.

Nicht, dass mir die Person selbst bereits gemailt oder gar auf meine Anfrage geantwortet hätte…

Die folgende E-Mail habe ich am 13. Januar 2010 an die Kontaktperson geschickt, die in dem Flyer „für Rückfragen zum Wettbewerb“ genannt war. Bis heute habe ich weder eine Antwort noch eine Eingangsbestätigung erhalten.

Fragen zum Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“

[Anrede der Person, die vom Ministerium als „Kontakt für Rückfragen und Beratung zum Wettbewerb“ genannt wurde],

mit Erstaunen habe ich gestern gelesen und auf meinem Blog atheismus.de darüber berichtet, dass das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern den Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ ausrichtet bzw. maßgeblich fördert:

Der Bildungsminister ist Schirmherr des Wettbewerbes, Träger ist ein Arbeitskreis beim Minister, der auch den Flyer zum Wettbewerb herausgibt, und für Rückfragen sind ausschließlich Kontakte beim Bildungsministerium angegeben.

Wenn eine Landesbehörde einen „Bibelwettbewerb“ derart unterstützt, dann stellt sich die Frage nach der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Der Staat hat „Heimstatt aller Bürger“ zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern gehören gut drei Viertel der Bevölkerung keiner Kirche an. Diese Bürgerinnen und Bürger könnten den Eindruck haben, dass die Regierung die Missionierung ihrer Kinder fördert – noch dazu mit ihren eigenen Steuergeldern.

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Meck-Pomm: Bildungsministerium fördert Bibelwettbewerb für Schüler

12. Januar 2010

Manchmal gibt es Dinge, da bin selbst ich fassungslos: Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Henry Tesch (CDU) hat die Schirmherrschaft für den Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ übernommen. Auf der Homepage des Bildungsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern ruft er alle Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme auf:

„Wenn Ihr die Bibel zur Hand nehmt und in ihr lest, erfahrt ihr viel über den Ursprung unseres Verhaltens, unerer Gewohnheiten und unseres Lebensablaufes. Ihr werdet merken, wie spannend es ist zu erfahren, wie stark die Bibel unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst geprägt hat. Deshalb lasst Euch einladen über die gestellten Themen nachzudenken und sie nach Euren Vorstellungen in einen Beitrag umzusetzen.“

Träger des Wettbewerbs ist der Arbeitskreis Bibelwettbewerb beim Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart und dem Niederdeutschen Bibelzentrum St. Jürgen in Barth. Im Arbeitskreis arbeiten Lehrerinnen und Lehrer sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Mecklenburgischen und der Pommerschen Bibelgesellschaften und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Wie kann es sein, dass das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern – das zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist! – eine so offensichtliche Bibelwerbung betreibt?

Die Wortwahl lässt ahnen, dass sich das Ministerium der Problematik durchaus bewusst ist. Wer genau hinschaut erkennt, dass Tesch sich damit herausreden kann, dass es lediglich um die „Anerkennung des prägenden Kultur- und Bildungsfaktors“ der Bibel geht: Diese Formulierung stammt aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum christlichen Charakter der schulischen Erziehung (habe ich kürzlich hier erläutert). Das Bildungsministerium wird sich darauf berufen, dass es bei dem Wettbewerb nicht um die religiösen Aspekte ginge, sondern lediglich darum geht, wie die Bibel Bildung und Kultur geprägt hat – oder wie Tesch formuliert: „unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst“. Und weiter wird das Ministerium sich damit rechtfertigen, dass es gerade in den „entchristlichten“ östlichen Bundesländern wichtig sei, den Schülerinnen und Schülern den biblischen Hintergrund unserer Kultur zu vermitteln.

Ich werde morgen beim Ministerium anfragen, ob es auch Wettbewerbe gibt, die den Beitrag der griechischen Kultur oder der Aufklärung beleuchten.

Davon abgesehen überschreitet das Ministerium die Grenze des Unzulässigen meines Erachtens spätestens dort, wo die Themen, die zur Auswahl stehen, nicht nur kulturellen, sondern klar religiös-weltanschaulichen Charakter haben – und das sind einige:

  • Schöpfung erleben“ setzt offenbar eine Schöpfung – und damit einen Schöpfer voraus.
  • Aus der Bibel leben“ – Ist es überhaupt möglich, dies nicht religiös aufzufassen?
  • Themenbereich 4: Sinn des Lebens
    • Leben ist mehr
    • Erfülltes Leben
    • Biblische Perspektive

Es kommt noch hinzu, dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in Anbetracht der Träger des Wettbewerbs (Stiftung Bibel und Kultur, Niederdeutsches Bibelzentrum,  Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen , Bibelgesellschaften) sich wohl kaum angehalten sehen, Beiträge abzuliefern, die sich abwägend oder gar kritisch mit dem Einfluss der Bibel auseinandersetzen.

Erschreckenderweise ist dies bereits der fünfte Wettbewerb dieser Art!

Update: Anfrage zum Bibelwettbewerb beim Bildungsministerium MV


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