Klarstellung zur finanziellen Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Bistümer und ihren Finanzierungsquellen

5. März 2020

Auf der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) fragte ein anwesender Journalist nach der Finanzierung der “Entschädigungszahlungen” an Missbrauchsopfer (die die Bischöfe nicht “Entschädigungen” nennen wollen), speziell nach der Kirchensteuer. (Video der Pressekonferenz, ab Minute 46:41) In seiner Antwort erklärte der neue DBK-Vorsitzende Georg Bätzing:

»Das ist für einzelne Diözesen ganz schwierig. Es gibt Diözesen, die haben keinerlei andere Quellen, gerade im Osten unseres Landes, als die Kirchensteuern.«

(Video der Pressekonferenz ab Minute 49:49)

Das sind zwei Unwahrheiten in zwei Sätzen. Alle Bistümer erhalten außer der Kirchensteuer auch Staatsleistungen, darüber hinaus verfügen sie über Finanzerträge, z.B. aus Wertpapieren, Beteiligungen oder Zinsen. Diese Zahlen sind auch aus den Jahresabschlüssen der Bistümer bekannt. (Außer in Erfurt, wo die Staatsleistungen im Jahresabschluss nicht ausgewiesen werden.)

Schaut man sich diese Zahlen an, muss man sich fragen, für welches ostdeutsche Bistum die Zahlung der in Aussicht gestellten Beträge von 5.000 bis 50.000 Euro „schwierig“ werden soll: Den Rest des Beitrags lesen »


Wie der Missbrauchsskandal hätte verlaufen können, wenn Journalisten ihren Job machen würden

4. Februar 2020

Zehn Jahre nach dem Missbrauchsskandal von 2010 ist klar, dass die deutschen Bischöfe nur auf öffentlichen Druck reagieren. Aber wo soll dieser Druck herkommen, wenn die deutschen Kirchenredaktionen von Theologen dominiert werden, sich immer wieder als inkompetent und unkritisch erweisen, und von der Kirche an der Nase herumgeführt werden?

Fall 1: Die rückdatierten „Cut & Paste“-Missbrauchsbestimmungen

Fall 2: Der Erzbischof, der nicht zuständig sein wollte

Die Kirchenredaktionen werden von Theologen dominiert

Beispiel 1: Missbrauchsstudie

Beispiel 2: Kirchensteuer-Urteil

Die Institutionalisierung des Dunning-Kruger-Effekts in den deutschen Medien

Kirchliche Kommunikation: suggestio falsi

Beispiel 3: Verwendung der Kirchensteuer

Beispiel 4: Jahresüberschuss

Beispiel 5: Jugendstudie

Offensichtlicher Unsinn wird nicht erkannt

Fazit Den Rest des Beitrags lesen »


Fake News beim Bayerischen Rundfunk

26. Januar 2020

BR Titel

Die Auswirkungen der hier besprochenen Meldung werden sich zwar stark in Grenzen halten – sie ist allerdings einmal mehr ein Beispiel dafür, wie unkritisch und inkompetent der Bayerische Rundfunk über Kirchenthemen berichtet. Ein betont sachlicher Kommentar von mir dazu wurde nicht freigeschaltet. Den Rest des Beitrags lesen »


Kirchenfinanzen: Der Trick mit dem Bilanzgewinn

31. Oktober 2019

Bilanzgewinn.png

Das Erzbistum Paderborn, so ist derzeit überall (siehe „Presseschau“ weiter unten) zu lesen, hat im Jahr 2018 einen „Gewinn“ (WDR) bzw. einen „Jahresüberschuss“ (Domradio) von 15 Millionen Euro erzielt. „Das entspricht dem Vorjahresergebnis“, so Finanzdirektor Dirk Wummel laut Domradio, und der Betrag „fließe zu 100 Prozent an die Kirchengemeinden“.

Tatsächlich hat das Erzbistum Paderborn 2018 einen Jahresüberschuss von knapp 52 Mio. Euro (also mehr als das Dreifache) erwirtschaftet (Ergebnisrechnung für 2018, Zeile „Jahresüberschuss“, Finanzbericht S. 59). Die von den Medien erwähnten 15 Mio. sind lediglich der Teil des Überschusses, über dessen Verwendung der Kirchensteuerrat entscheiden durfte – der sog. „Bilanzgewinn“. Den Rest des Beitrags lesen »


Biblische Leichenfledderei: Das Leitwort des Ökumenischen Kirchentags 2021

28. Oktober 2019

OEKT-Motto

Atheisten schauen gerne etwas genauer hin, wenn die Theologen „erbauliche“ Bibelstellen präsentieren.* Denn immer wieder zeigt sich, dass der zugrundeliegende Bibeltext für den jeweiligen Zweck regelrecht vergewaltigt werden muss. Wieder und wieder hat man bei der Überprüfung solcher Bibelverse den Eindruck:

  1. Selbst Theologen haben offenbar Schwierigkeiten, in der Bibel Aussagen zu finden, die für die heutige Zeit relevant und zugleich ethisch akzeptabel sind.
  2. Theologen machen, was sie wollen, und suchen sich dann im Nachhinein „passende“ Bibelverse. Wobei „passend“ in Anführungszeichen stehen muss – denn die zitierten Stellen klingen oft nur passend, wenn man nicht weiß, was dort tatsächlich steht.

Das kürzlich vorgestellte Leitwort für den Ökumenischen Kirchentag 2021 ist mal wieder ein Musterbeispiel für diese biblische Leichenfledderei.

Das Leitwort lautet „schaut hin“. Gemeint ist – im Zusammenhang mit dem Kirchentag – natürlich, bei Ungerechtigkeiten und Missständen nicht wegzuschauen:

Präsidentin Bettina Limperg hält fest: „‚Schaut‘ ist ein Appell – an uns alle. Schauen ist mehr als sehen. Schauen nimmt wahr und geht nicht vorbei. Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung. Aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist unser Auftrag als Christinnen und Christen. […] ‚schaut hin‘ ist auch die Anfrage: Was übersehen wir? Wovor verschließen wir die Augen? Wo schauen wir weg?“ […]

Präsident Thomas Sternberg betont: „Mit dem Leitwort wollen wir die Botschaft setzen: ‚Wir schauen nicht weg‘. […] Der Ökumenische Kirchentag will mit seinem Leitwort die Menschen zu mehr Sensibilität für die Welt in ihren zahlreichen Dimensionen herausfordern, dabei wird es im Geiste des Evangeliums besonders darum gehen, Anwalt zu sein für die Armen und Bedrängten.“ [OEKT]

„schaut hin“ soll also ein Appell sein, sensibel zu sein, nicht wegzusehen, und Verantwortung zu übernehmen.

Hätte sich dafür eine geeignete Bibelstelle finden lassen? Man möchte meinen: Ja!

Doch woher stammt das Bibelzitat „schaut hin“? – Aus der Geschichte von der Speisung der Fünftausend im Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 38:

OEKT-Motto Bibel

Er [Jesus] aber sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht nach! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf, und zwei Fische.

Nicht nur, dass in der Bibel nicht von „Hinschauen“, sondern von „Nachschauen“ die Rede ist – es geht im Bibeltext auch überhaupt nicht um Gerechtigkeit, Sensibilität oder Verantwortung – sondern schlichtweg um die Frage, wie viele Brote die Jünger dabei haben.

Das Motto „Schaut hin“ als solches ist ja gar nicht mal so schlecht. Aber um es als Bibelzitat – ja, als Jesuswort – auszugeben, muss man nicht nur die bei Theologen so beliebte Wort-Assoziation bemühen – man muss auch aktiv ausblenden, dass das Jesuswort völlig banal ist.

Offenbar wiegen sich die ökumenischen Kirchentagsfunktionäre in der Gewissheit, dass kaum jemand die Bibelstelle nachschlägt.

Deutlicher könnte man jedenfalls kaum zum Ausdruck bringen, dass einem die Bibel inhaltlich völlig egal ist.

* Für besondere Leistungen im biblischen Rosinenpicken (engl.: cherry picking) verleiht Marc von AWQ.de (Answers Without Questions) schon seit einigen Jahren die „Goldene Rosine„.


„Erfüllte Prophezeiungen“ in der Bibel

18. Juni 2019

Christen zufolge beweisen 3268 erfüllte Prophezeiungen, dass die Bibel von Gott stammt. Offenbar hat noch nie jemand in der Quelle für diese Zahl nachgeschaut, was dort als „erfüllte Prophezeiung“ zählt.

Die Kollegen von Man Glaubt Es Nicht! haben eine Spezialfolge zum Thema „Prophezeiungen in der Bibel“ veröffentlicht. Aus diesem Anlass will ich – sozusagen „for the record“, damit es mal irgendwo nachzulesen ist – kurz zwei Punkte zum Thema „erfüllte Prophezeiungen in der Bibel“ notieren, die ich noch nirgendwo anders gesehen habe: Den Rest des Beitrags lesen »


Bibelwettbewerb: Pressesprecher performt Gleichnis

7. Mai 2019

In einem absoluten Novum hat der Pressesprecher des Justizministeriums von Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr erstmals ein Gleichnis selbst in die Praxis übersetzt: Nämlich das vom Fuchs und den Trauben.

Im Telefongespräch mit dem Nordkurier sieht der Pressesprecher die Möglichkeit, dass das Grußwort geändert werden könnte, da man sich nicht an einer Zahl aufhängen sollte.

„Man sollte sich nicht an einer Zahl aufhängen?“ — Es war doch die Justizministerin, die ihr Grußwort daran aufgehängt hat, dass in der Bibel (angeblich) „die ermutigenden Worte ‚Steh auf‘ mehr als 6.000 Mal vorkommen.“

Und es war doch der Arbeitskreis Bibelwettbewerb, der sich auf Nachfrage (ebenfalls fälschlich) auf den Standpunkt gestellt hatte:

In der Tat kommt die Kombination „steh auf“ seltener als 6.000 Mal in der Bibel vor. […] Nicht aber die beiden Worte allein „steh“ und „auf“.

Wobei die Formulierung „seltener als 6.000 Mal“ in der Sprache des Justizministeriums den Umstand beschreibt, dass die Formulierung nur rd. 70 Mal in der Bibel vorkommt.

Nein, der Grund dafür, dass das Grußwort möglicherweise geändert werden könne, liegt schlicht und einfach darin, dass die Behauptung nachweislich falsch ist und ein peinliches Armutszeugnis für den Arbeitskreis Bibelwettbewerb abgibt.

Vielleicht zeigt hier ja schon meine Petition Wirkung, in der ich darauf hingewiesen hatte, dass die absurden Ausreden das Vertrauen in das Justizministerium untergraben.

Mit dem jüngsten Versuch des Ministeriums, sich irgendwie herauszuwieseln, wird das Vertrauen allerdings nicht gerade gestärkt.

Aber es gibt auch etwas Gutes zu berichten:

Gestern hatte ich auf der Facebook-Website zum Bibelwettbewerb gefragt, warum die Seite als „Kirche“ kategorisiert ist, obwohl im Impressum das Justizministerium angegeben ist:

Bibelwettbewerb 4 Follower

Darauf habe ich zwar keine Antwort erhalten, aber heute ist die Facebook-Seite plötzlich als „Regierungsservice“ kategorisiert:

Bibelwettbewerb 7 Follower

Skydaddy gratuliert ganz herzlich zum Like-Tsunami.

 

 


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