Gebetsraum-Mekka: Flughafen Frankfurt

8. Februar 2010

Neulich erlitt eins meiner Hauptargumente gegen einen speziell christlichen Gebetsraum am zukünftigen Flughafen Berlin Brandenburg einen schweren Rückschlag: nämlich das Argument, man könne schließlich nicht jeder Religionsgemeinschaft einen eigenen Gebetsraum einrichten.

Am Flughafen Frankfurt kann man das offenbar. Hier gibt es – festhalten, Leute! – 5 Moscheen, 2 gemeinsame katholisch-evangelische Kapellen, 2 Synagogen und eine christlich-orthodoxe Kapelle. Hier dürfte also selbst Edward Current auf seine Kosten kommen – das ist der Typ, der aus Sorge um sein Seelenheil sicherheitshalber zu allen Religionen konvertiert ist. Nimmt man noch das italienische Restaurant hinzu, haben selbst die Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters einen Ort, um Ihre Gottheit zu preisen.

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Gebetsraumcheck am Flughafen Berlin

30. Januar 2010

Neulich war ich in Berlin, um Carsten Frerk und Philipp Möller vom hpd einen Besuch abzustatten. Dabei war ich auch am Flughafen Tegel – es war also Zeit für eine weitere Gebetsraum-Recherche.

Im Internet sah es so aus, als gäbe es zwar eine Flughafenseelsorge für die beiden derzeitigen Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (wobei es allerdings wohl nur einen Seelsorger gibt, und der hat sein Büro am Flughafen Schönefeld), allerdings keinen speziellen Gebetsraum.

Meine Informanten am Flughafen Tegel sagten mir jedoch, es gäbe am Flughafen Schönefeld einen christlichen Andachtsraum bei der Flughafenseelsorge. Außerdem käme der Flughafenseelsorger auch zu vorher angekündigten Zeiten zum Flughafen Tegel für Rundgänge – offenbar, um sich die Sorgen und Nöte der dortigen Beschäftigten und Reisenden anzuhören und, wenn ich es richtig verstanden habe, auch mit ihnen zu singen oder so etwas ähnliches.

Nachdem dies der erste Flughafen (den ich aufsuchte) ohne Gebetsraum war, erkundigte ich mich, was denn die Muslime machen würden, wenn sie beten wollten. Die Antwort war ähnlich wie die, die ich in Düsseldorf erhalten hatte: Die Muslime erkundigen sich (offenbar gerne bei muslimischen Taxifahrern), wo die Gebetsrichtung ist, und suchen sich einen mehr oder weniger stillen Platz, um dort ihr Gebet zu verrichten. Für die rituelle Waschung benutzen sie die Flughafentoiletten.

Ich hatte also trotz aller Bemühungen wieder keine Möglichkeit, ein Kreuz umzudrehen… 😉 Ich muss mir mal einen Christenfisch-Aufkleber besorgen und den dann verkehrt herum im nächsten Andachtsraum aufkleben. Ich habe nämlich mal gelesen, dass der Fisch in eine bestimmte Richtung „gucken“ muss, sonst ist es sozusagen ein Antichristenfisch. Leider habe ich vergessen, ob es links oder rechts war…

Deshalb kann ich auch noch nicht verraten, an welchem Flughafen ich als nächstes den Gebetsraum untersuchen werde. Sonst lauert mir der Flughafenseelsorger noch auf…


Gebetsräume im Flughafen Hamburg

26. Januar 2010

 

Gestern war ich am Flughafen Hamburg und habe natürlich auch hier die Andachtsräume unter die Lupe genommen. (Sicher konntet ihr es kaum erwarten, noch mehr über Flughafengebetsräume zu erfahren…) 

Nachdem die offizielle Flughafen-Website nur einen christlichen Andachtsraum mit Flughafenseelsorger erwähnte und ich dann auf dem obigen Schild mehrere Andachtsräume angekündigt sah, dachte ich zunächst, es würde sich um einen katholischen und einen evangelischen Raum handeln. Aber weit gefehlt: Es gab einen islamischen Gebetsraum und einen christlichen Andachtsraum: 

 

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Gebetsraum im Flughafen Düsseldorf

25. Januar 2010

Ich bin gerade am Flughafen Düsseldorf und habe natürlich die Möglichkeit genutzt, mir den dortigen Gebetsraum anzusehen. Düsseldorf war für mich besonders interessant, weil dies anscheinend der (bisher) einzige multireligiöse – oder, wie es auf der Website des Flughafens heißt: konfessionsfreie (!) – Gedenkraum auf einem deutschen Flughafen ist. Bei der Forderung der evangelischen und katholischen Kirche in Berlin und Brandenburg nach einem ausdrücklich christlichen Andachtsraum für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg musste der neutrale Düsseldorfer Gedenkraum sogar als abschreckendes Beispiel herhalten:

[Der evangelische Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann findet „neutrale Besinnungsräume nicht nur aus religiösen Gründen problematisch“:] Er verweist auf den „Raum der Stille“ am Düsseldorfer Flughafen. „Das ist wie ein gehobener Wartesaal, wo man Geschäftsleute trifft, die noch schnell ein Protokoll in den Laptop tippen.“

Diese Beschreibung hat mit der Realität wenig zu tun. Eigentlich gar nichts.

Der Raum ist als „Gedenkraum“ statt als „Gebetsraum“ ausgeschildert, nur auf der englischen Flughafenkarte wird er als „chapel“ (Kapelle) bezeichnet. Der Grund besteht offenbar darin, dass sich im Eingangsbereich eine Gedenkstätte für die Opfer des Brandunglücks von 1996 befindet.

Allerdings befindet sich unmittelbar angrenzend ein „richtiger“ Andachtsraum. Von einem „Wartesaal“, wie Konsistorialpräsident Seelemann sich ausdrückte, kann allerdings keine Rede sein. Dies ist ganz klar erkennbar ein Andachtsraum, und ich habe auch keine Geschäftsleute vorgefunden, die dort ihre Laptops ausgepackt hätten. Wobei ich mir allerdings vorstellen kann, dass dies bei Hochbetrieb gelegentlich vorkommt.

Stören dürfte dies allerdings kaum. Das ausliegende Gästebuch enthielt ca. 50 Einträge seit Weihnachten, d.h. etwa ein bis zwei Einträge pro Tag. Das deutet m.E. nicht auf eine übermäßige Frequentierung des Raumes hin, selbst wenn sich nur ein Teil der Besucher im Gästebuch verewigt.

Etwa die Hälfte der Einträge stammte übrigens augenscheinlich von muslimischen Besuchern. Einige wünschten sich eine Markierung der Gebetsrichtung nach Mekka und Gebetsteppiche. Der Raum ist allerdings strikt neutral gehalten, ich habe überhaupt keine religiösen Symbole entdeckt. (Johannes Singhammer (CSU) würde den Raum daher vermutlich als „atheistischen Gebetsraum“ bezeichnen.) Im Gegensatz zu dem multireligiösen Gebetsraum am Flughafen Amsterdam fand sich hier auch kein Hinweis, wo Muslime ihre rituelle Reinigung hätten vornehmen können. (In Amsterdam fand sich ein ausdrücklicher Hinweis am Eingang zu dem Gebetsraum, dass die Waschmöglichkeiten 20 Meter entfernt in den Toiletten seien.)

Die Information, wo die Toiletten sind (spezielle Räume für die rituellen Waschungen gibt es am Flughafen Düsseldorf nicht), und vor allem, in welche Richtung gebetet werden muss, holen sich die betwilligen Muslime offenbar von den freundlichen Mitarbeiterinnen eines Konferenzservices an einem Schalter gegenüber von dem Gebetsraum-Eingang. Die Damen wissen mittlerweile, wo die Gebetsrichtung ist (bzw. „wo die Sonne aufgeht“). Da könnte der Flughafen vielleicht tatsächlich noch mal nachlegen, denn es erscheint mir etwas widersprüchlich, wenn ein frommer Muslim sich erst an eine unverschleierte junge Frau, mit der er nicht verwandt ist, wenden muss, um die Gebetsrichtung in Erfahrung zu bringen. Die freundlichen Damen bestätigten mir auch, dass der Raum hauptsächlich von Muslimen für ihre fünf täglichen Gebete genutzt wird.

Das Gästebuch wurde von einigen Gläubigen offenbar auch dazu genutzt, für ihre jeweilige Weltanschauung zu werben. Auf der ersten Seite hatte gleich jemand seitenfüllend in großer Blockschrift eingetragen:

AN GOTTES SEGEN IST ALLES [dreimal unterstrichen!] GELEGEN!

Lesen und glauben Sie die Bibel, GOTTES HEILIGES WORT!

Schöne Weihnachten.

Lucas 2:14.

Hatte der Christ noch auf die Bibel verwiesen, hatte in einem anderen Eintrag offenbar ein Anhänger des Dalai Lama gleich eine Internetadresse angegeben: www.dalailama.com.

Eine Flughafenseelsorge scheint es übrigens in Düsseldorf nicht zu geben. Ich fand dies etwas überraschend, weil Düsseldorf dem Passagieraufkommen nach der drittgrößte Flughafen in Deutschland ist. Ich vermute mal, dass die Kirchen keine kostenlosen Büros für ihre Seelsorger bereitgestellt bekommen haben.


Internationaler Gebetsraum-Check mit Skydaddy

16. Januar 2010

Neulich protestierten die beiden Großkirchen dagegen, dass der neue Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ einen „Raum der Stille“ erhalten soll, der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften für Gebet und Meditation offen stehen soll. Stattdessen fordern die Kirchen einen christlich gestalteten Andachtsraum mit Kreuz und Altar sowie zwei christlich gestaltete Büro- bzw. Gesprächsräume für die beiden Flughafenseelsorger (je einer katholisch und evangelisch), die sie freundlicherweise „bereitstellen“ wollen. Für Muslime soll ggf. ein gesonderter Bereich abgetrennt werden.

Dies warf natürlich die Frage auf, wie dies international gehandhabt wird. Da ich diese Woche von Singapur über Amsterdam nach Deutschland geflogen bin, habe ich die Andachtsräume der betreffenden Flughäfen gleich mal unter die Lupe genommen.

Gut – man könnte fragen, ob ein Atheist qualifiziert ist, über Gebetsräume zu schreiben. Aber solange zur Ehelosigkeit Verpflichtete sich zu Ehe, Homosexualität und Kondomen äußern, brauche ich, glaube ich, keine unnötige Zurückhaltung zu üben.

Eins gleich vorweg: Die Räumlichkeiten in Singapur und Amsterdam waren echt gut – ich wäre beinahe gläubig geworden… Den Rest des Beitrags lesen »


Antwort der Evangelischen Kirche zu Andachtsraum

12. Januar 2010

Die Evangelen haben ihre Antwort auf meine Anfrage knackiger formuliert als die Katholische Kirche, hier ist sie:

AW: Forderung nach christlichen Räumen im Flughafen

Sehr geehrter Herr Krause,

vielen Dank für Ihre Anfrage! Ein christlich gestalteter Raum ist deswegen gerechtfertigt, weil es eben nur die beiden großen christlichen Kirchen sind, die auf dem Flughafen Schönefeld ein, personell ausgestattetes, Angebot der Andacht und Seelsorge anbieten und eben dafür die entsprechenden Räumlichkeiten benötigen. Bisher sind weder muslimische Verbände noch ein atheistischer Dachverband mit Seelsorge in Schönefeld in Erscheinung getreten, insofern ist es müßig, eine Disskussion über andere Räume zu führen, für die aber gar kein Angebot vorliegt. 

Ein Seelsorgerliches Gespräch erfordert genau wie etwa Psychotherapie einen geschützten Raum und ist nicht in der Wartehalle des Flughafens möglich. Da es zwei Seelsorger gibt, die zum Teil gleichzeitig ihrem Dienst nachgehen sind auch zwei Gesprächsräume notwendig.

Ihr Gegenargument, dass nur noch 20% der Berliner einer Kirche angehören, verwundert mich. Auch mit 20% sind die Kirchen immer noch die größte gesellschaftliche Gruppe in Berlin mit mehr Mitgliedern als jeder Verein, jede Gewerkschaft und jede Partei. Zudem wird ein Flughafen ja nicht nur von Berlinern in Anspruch genommen, sondern ist ein Ort der Internationalität. Nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit ist das Christentum mit Abstand die größte Religion.

Wenn Sie sich über die Flughafenseelsorge informieren wollen, finden Sie detaillierte Informationen im Netz: http://www.airportchapel.de/

Alle guten Wünsche und freundliche Grüße

Florian Kunz

Evangelische Kirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

An dieser Stelle herzlichen Dank an beide, Herrn Kunz von der Evangelischen Kirche und Herrn Förner vom Erzbistum Berlin, für ihre freundlichen und umgehenden Antworten!


Antwort des Erzbistums Berlin zu Andachtsraum

12. Januar 2010

Das Erzbischöfliche Ordinariat Berlin hat umgehend auf meine Anfrage geantwortet. Meines Erachtens kaum neue Informationen oder Argumente (vielleicht habe ich meine Fragen nicht deutlich genug formuliert), aber lest selbst:

AW: Forderung nach christlichen Räumen im Flughafen

Sehr geehrter Herr Krause,

gerne will ich Ihnen antworten, auch wenn ich echte Fragen in Ihrer E-Mail kaum gefunden habe. Es handelt sich im Wesentlichen um Unterstellungen und eigene Statements, die Ihnen unbenommen sind.

In aller Kürze:

Flughafenseelsorge wendet sich an alle Menschen, die am Flughafen sind: die Fluggäste, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens, Touristen und auch die, die dort gestrandet sind (wie jüngst eine Finnin in Tegel).

Das Angebot der seelsorglichen Begleitung richtet sich auch nicht nur an Mitglieder einer christlichen Kirche.

Ein besonderer Aspekt ist die Notfallseelsorge, die auch im schlimmsten Fall einer Flugzeugkatastrophe tätig wird, aber auch beispielsweise einem ankommenden Fluggast eine Todesnachricht überbringt und damit die Arbeit von Polizei oder anderen begleitet.

Die evangelische und die katholische Kirche übernehmen an anderen Flughäfen die Personalkosten für hauptamtliche Seelsorger, dies ist für BBI auch so vorgesehen. Sie werben darüber hinaus auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die das Angebot einer Flughafenkapelle betreuen.

Die Erfahrungen mit neutralen Räumen zeigt, dass bei einem Ort, der keine „Identität“ hat, auch niemand sich mit der Gestaltung und Pflege dieses Ortes beschäftigt.

Ein identifizierbarer Ort dagegen findet Besucher.

Auch „normale“ Kirchen sind solche Orte, die gastfreundlich wirken auf viele Menschen, die sich nicht einer christlichen Kirche zugehörig fühlen, warum sollte diese bewährte Gastfreundschaft nicht auch am Flughafen funktionieren. Viele Menschen suchen Kirchen auf, auch wenn sie dort nicht beten wollen.

Der Flughafen Willi Brandt wird ein „Drehkreuz“ werden, so dass Menschen aus vielen Ländern dort landen, starten oder umsteigen. Darunter werden Menschen aus christlich geprägten Ländern genauso sein wie aus muslimisch oder anders geprägten Ländern, über den Anteil der Christen darunter lässt sich nur sehr vage spekulieren.

Die evangelische und die katholische Kirche gehen davon aus: Wo Kirche drin ist, soll auch Kirche drauf stehen, alles andere wäre eine Mogelpackung. Dass die christliche Flughafenseelsorge auch von den Flughafenbetreibern gewünscht ist, ist m.E. unumstritten, dann halten wir es nur für konsequent, dass die Rahmenbedingungen auch stimmen.

Wenn zwei Seelsorger dort tätig sind, wird es auch im Sinne derer, die ein persönliches Gespräch führen wollen, sinnvoll sein, dass jeder hierfür einen Raum zur Verfügung hat, aber wir haben auch hinreichend klar gemacht, dass wir in allen Fragen weiterhin gesprächsbereit sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Förner

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin
Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit

Update: Die Antwort der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz


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