Wurde Zollitsch überhaupt vernommen?

23. Juli 2010

Heute (23.07.2010, 07:23 Uhr MESZ) schickte ich folgende E-Mail an die Staatsanwaltschaft Konstanz:

Sehr […] geehrte Damen und Herren,

ich möchte noch einmal um die Beantwortung meiner gestrigen Fragen bitten, denen ich noch folgende Frage hinzufüge:

Wurde Erzbischof Dr. Zollitsch dazu befragt,

  • ob er nicht nur von Vorwürfen aus den 60er Jahren, sondern auch nichts von Vorwürfen aus späteren Jahren gewusst hat, und
  • ob er von der Pädophilie (oder auch Ephebophilie – um Spitzfindigkeiten vorzubeugen) des Beschuldigten gewusst hat (Pädophilie muss ja nicht zwangsläufig als „Vorwurf“ aufgefasst werden, solange der Betreffende sich beherrscht. Und da der Täter während seines vorangegangenen Aufenthaltes im Bistum Basel sich offenbar einer Therapie unterzogen hatte und Medikamente nehmen musste, könnte dieser Umstand Dr. Zollitsch bekannt gewesen sein, ohne dass ihm dazu konkrete Vorwürfe hätten bekannt sein müssen.)

Hintergrund:

In meiner Zusammenstellung, die ich am 06.07.2010 auf Anregung von Oberstaatsanwalt Dr. [H.] an die Staatsanwaltschaft gemailt hatte, hatte ich bereits auf der ersten Seite erwähnt, dass Dr. Zollitsch die Kenntnis von der Pädophilie des Beschuldigten oder von Vorwürfen nach den 60er Jahren m.W. nie dementiert hat. Später schrieb ich unter einer eigenen Überschrift:

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Report Mainz: Ordinariat Freiburg „not amused“

20. Juli 2010

Oha! Die Rheinische Post berichtet von einer „harschen Reaktion“ des Erzbistums Freiburg auf den Beitrag in Report Mainz von gestern abend:

Das Erzbistum Freiburg hat dem ARD-Magazin „Report Mainz“ eine zum wiederholten Mal betriebene Diffamierung von Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, vorgeworfen. […] Der Sprecher des Erzbistums verwahrte sich gegen die „Präsentation aus dem Zusammenhang gerissener Briefausschnitte und geschickt arrangierter Fernsehbilder sowie das bewusste Weglassen von Zitaten Zollitschs. Hätte man die Brief in voller Länge präsentiert, ergäbe sich ein anderes, Zollitsch entlastendes Bild“. Der Sprecher fuhr fort: „Hier wurde nach dem Motto verfahren: forget the facts, push the story“ (frei übersetzt: Was stören uns Fakten, wenn nur die Story weiter getrieben werden kann).

Nun ja: Solange das Bistum Freiburg seine Taktik nicht ändert – nämlich Verschweigen und Täuschen – darf es sich natürlich nicht wundern, wenn diesbezügliche Vorwürfe immer wieder erhoben werden.

Vielleicht zur Erinnerung: Vor einigen Wochen hatte das Ordinariat nach Berichten (ebenfalls bei Report Mainz) über eine Strafanzeige gegen Zollitsch verbreitet:

Der Strafantrag wurde nicht nur der Staatsanwaltschaft, sondern auch Journalisten zugeleitet – in der erkennbaren Absicht, mit dem sensationsheischend formulierten Vorwurf der „Beihilfe zum sexuellen Missbrauch“ gegen einen Erzbischof Medieninteresse zu provozieren.

Tatsächlich hatte die Staatsanwaltschaft aber die Vorwürfe aus der Anzeige übertrieben dargestellt, und die Medien hatten diese Darstellung – Zollitsch habe die erneute Einstellung eines pädokriminellen Paters veranlasst – ungeprüft weiter verbeitet. Erst daraufhin hatte das Opfer Journalisten den Wortlaut der Anzeige übermittelt – um sich gegen die verfälschende Darstellung zu wehren.

Im übrigen hätte das Bistum Freiburg ja vier Monate Zeit gehabt, Zollitschs Briefe von 1995 selbst zu veröffentlichen, wenn sie denn so entlastend sind, wie das Bistum behauptet. Nach der Vorlage oben wäre das Bistum jetzt in der Pflicht, seinen Behauptungen Taten folgen zu lassen und die Briefe öffentlich zu machen. (Anfrage an Pressesprecher Robert Eberle ist abgeschickt.)

„Report Mainz“ bezeichnete die Reaktion aus Freiburg übrigens als „absurd und an den Haaren herbeigezogen“.


Wie Zollitsch und sein Ordinariat die Öffentlichkeit täuschen

20. Juli 2010

An dem gestrigen Beitrag von Report  MainzDie katholische Kirche und die Wahrheit“ wurde wieder sehr schön deutlich, wie das Bistum Freiburg mit ausgeklügelten Formulierungen die Öffentlichkeit täuscht.

In dem Beitrag heißt es: „Erst 1995 habe die Erzdiözese von einem Missbrauchsopfer erfahren“.

Diesen Eindruck haben Erzbischof Zollitsch und sein Ordinariat zwar erweckt – sie haben das aber nie tatsächlich so gesagt. Das Ordinariat Freiburg weiß nämlich (aus Erfahrung), dass – wenn es nur geschickt genug formuliert – es gar nicht selbst zu lügen braucht: Solange die Medien nämlich die Formulierungen des Ordinariats in dem beabsichtigten Sinn missverstehen und dann ihrerseits – unwissend – die Unwahrheit als Tatsachendarstellung verbreiten.

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Report Mainz: Neue Vertuschungsvorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch (19.07.2010)

20. Juli 2010

Die katholische Kirche und die Wahrheit – Sendung vom Montag, 19.7.2010 | 21.45 Uhr | Das Erste

Wie angekündigt, berichtete Report Mainz gestern Abend von neuen Vorwürfen gegen Erzbischof Zollitsch, der auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Dabei zeigt der Report-Beitrag von Ulrich Neumann und Gottlob Schober, dass vieles von dem, was – nach dem ersten „Report“-Beitrag über die Missbrauchsfälle in Oberharmersbach – im März von der Diözese verkündet wurde, sich heute als falsch herausstellt:

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Zollitsch unter Zeitdruck?

19. Juli 2010

Die Badische Zeitung – die sich immerhin als „Tageszeitung mit christlicher Grundhaltung“ versteht – weist auf folgende Ungereimtheit im Interview von Erzbischof Robert Zollitsch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hin:

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*schnauf*: Fridolin Keck dementiert ALLES!

19. Juli 2010

Wer zweieinhalb Minuten Zeit zu verschwenden hat, der kann sich das nichtssagende Video von Generalvikar Dr. Fridolin Keck auf dem YouTube-Kanal des Erzbistums Freiburg (Abonnenten: 63; zum Vergleich: Ketzerpodcast: 49 Abonnenten) anschauen – und -hören:

Der schwer atmende Generalvikar, dessen Auftritt Erinnerungen an Padre Benedetto hervorruft, erklärt, die Vorwürfe seien „weder neu, noch gerechtfertigt“. Ich glaube gerne, dass Dr. Keck bereits früher von dem Geständnis des Täters 1992 wusste, oder davon, dass der damalige Personalreferent Zollitsch 1995 festlegte, die Gemeinde Oberharmersbach nicht über wesentliche Details des Missbrauchsskandals zu informieren. Für die Öffentlichkeit dürften diese Enthüllungen jedoch neu sein, da Erzbischof Zollitsch, Dr. Keck und die übrigen Verantwortlichen im Freiburger Ordinariat bisher davon abgesehen hatten, die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen, und stattdessen falsche Informationen verbeiteten.

Armer Fridolin Keck! Wer sich die Mühe macht, auf dem YouTube-Kanal des Erzbistums die Informationen zu seinem Video (weiße Schrift auf hellgrauem Grund) mit dem Cursor einzufärben, erfährt: Erzbischof Zollitsch hält sich derzeit im Ausland auf, Keck muss stattdessen seinen Kopf hinhalten ihn stattdessen vertreten.

Aber Dr. Keck wird sich freuen, dass ich seinen Aufruf zur Vorbeugung befolge: Er rät zu einer „Kultur des aufmerksamen Hinschauens“. Ich werde beim Erzbistum Freiburg auch weiterhin aufmerksam hinschauen – insbesondere bei den Erklärungen des Ordinariats zu Missbrauchsfällen.


Katholischer Pfarrer und Opfer erheben Vertuschungsvorwürfe gegen Robert Zollitsch im Oberharmersbacher Missbrauchsfall

18. Juli 2010

Zollitsch in einem Brief 1995: „Aufklärung“ sei „Racheakt“ gegenüber dem mutmaßlichen Täter

Hier die Pressemitteilung von Report Mainz (18.07.2010) im vollen Wortlaut:

Achtung: Diese Original-Pressemitteilung ist ausführlicher als die Meldungen beim SWR, Zeit, Süddeutsche usw.

Presseinformation REPORT MAINZ, Montag, 19.07.2010, 21:45 Uhr im ERSTEN

REPORT MAINZ:

Katholischer Pfarrer und Opfer erheben Vertuschungsvorwürfe gegen Robert Zollitsch im Oberharmersbacher Missbrauchsfall

Zollitsch in einem Brief 1995: „Aufklärung“ sei „Racheakt“ gegenüber dem mutmaßlichen Täter

Mainz. Gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, gibt es neue Vertuschungsvorwürfe. Dem ARD Politikmagazin REPORT MAINZ liegen zwei, von Robert Zollitsch selbst unterschriebene Briefe aus dem Jahr 1995 vor, in denen er sich zum Missbrauchsfall in Oberharmersbach äußert. Darin schildert er detailliert die Vorgehensweise  der Erzdiözese bei der Aufklärung der Vorwürfe. So sollte zum Beispiel die Gemeinde Oberharmersbach nicht über wesentliche Details des Skandals informiert werden. Zollitsch wörtlich: „Eine solche „Aufklärung hätte zudem … nur noch den Sinn eines Racheaktes gegenüber einem alten und kranken Mann … Eine solche nachträgliche Rache nützte niemandem und würde einen Menschen ohne Not in den Ruin oder gar Tod treiben“.

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