Ketzerpodcast: Das Kirchenschiff hat Schlagseite

19. April 2010

Ketzerpodcast vom 18.04.2010. Die Themen:

  • Dümmster Spruch der Woche von Nina Hagen
  • Von Molchen und Nacktschnecken
  • HU erwirkt Unterlassungsverfügung gegen Bischof Müller
  • Mixa in Nöten
  • Bistum Aachen blieb bei Missbrauchsfall untätig
  • Lob aus dem Vatikan für kriminelle Vertuschung
  • Sündenbock für Pädophilen-Einsatz in Ratzingers Bistum
  • Kontroverse um Titanic-Titelbild
  • Der „Gotteslästerungs-Paragraf“ 166 StGB
  • Zitat der Woche

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.

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Ketzerpodcast: Neue Ausschnitte bei YouTube

20. März 2010

Es sind jetzt wieder Ausschnitte der neuesten Folge auf dem YouTube-Kanal des Ketzerpodcasts, und zwar zu folgenden Themen:

  • Der Papst und der Missbrauchsskandal (5:36)
    Der Fall eines pädophilen Priesters in Ratzingers Bistum und die Direktive von Ratzingers Glaubenskongregation von 2001.
  • Georg Ratzingers Ausraster (2:06)
    Der langjährige Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen war froh, als er ab 1980 keine Kinder mehr ohrfeigen durfte.
  • Inzest in der Bibel (2:42)
    Lot und seine Töchter, Abraham und Sara: alles nicht ganz uninzestös!
  • Kirchlicher Doppel-Sprech (1:32)
    Matthias erläutert, was die Kirche seiner Meinung nach mit „Aufklärung“ meint.
  • Runder Tisch und Verjährung (4:15)
    Aufgabe des „rundes Tisches“ und das Pochen der Kirche auf strafrechtliche Verjährung.
  • Bischöfe bestehen auf Entschädigungen – für sich selbst! (4:25)
    Während die deutschen Bischöfe Entschädigungen für die Missbrauchsopfer fast durchgängig abgelehnt haben, bestehen sie weiterhin auf Entschädigung für die Säkularisation vor 200 Jahren. Und das, obwohl das Grundgesetz deren Ablösung vorschreibt.
  • Innerkirchliche Opposition (6:40)
    Reaktionen von „Wir sind Kirche“, „Kirche von unten“ „Priester ohne Amt. Wer heiratet, kann kein Priester mehr sein. Wer Kinder missbraucht, schon!
  • Advokat des Teufels (3:07)
    Matthias springt einen Moment lang für die Kirche in die Bresche.
  • Politiker und Journalisten (4:17)
    Es zeigt sich immer wieder, dass die katholische Kirche nur auf öffentlichen Druck reagiert. Leider übt sich die Bundeskanzlerin in Wischiwaschi-Statements und glaubt, Bischof Ackermann sei ein Sonderbeauftragter für die Aufklärung.
  • „Nur“ 300 Fälle von Pädophilie in 9 Jahren (5:44)
    Es war zu lesen, von 3000 Missbrauchsfällen, die der Vatikan in den letzten 9 Jahren bearbeitet hat, hätten nur 300 Pädophile Priester betroffen. Das kommt aber daher, dass  hier eine enge Definition von „Pädophilie“ benutzt wird, die sich nur auf den Missbrauch von vorpubertären Kindern bezieht. Die andern Fälle dürften sich ganz überwiegend auf Kinder in der Pubertät (Ephebophilie) bezogen haben.
  • Kirchenstrafen (2:45)
    Matthias erläutert, zu welchen Strafen die 3000 Missbrauchsfälle geführt haben, die der Vatikan von 2001 bis 2009 bearbeitet hat.
  • Kirchenrecht vs. Strafrecht (2:26)
    Matthias, Christian und Sigrid diskutieren das kirchliche Strafrecht und werfen die Frage auf, wie man eine Information kirchenrechtlich geheim hält, strafrechtlich aber offenbart.
  • Bischof Müller vs. Humanistische Union (4:21)
    Bischof Müller hatte der Bundesjustizministerin vorgeworfen, sie engagiere sich in “einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist”.
  • Kirchenaustritte und Vertrauensverlust durch Missbrauchsskandal (1:53)
    Der Missbrauchsskandal hat bereits zu vermehrten Kirchenaustritten und einem Vertrauensverlust bei der Bevölkerung geführt. Leider scheint die Bundeskanzlerin zu den 10% zu gehören die glauben, die Kirche tue genug für die Aufklärung.
  • Gesundbeten und Homöopathie (0:23)
    Peter konnte diese Woche leider nicht beim Podcast mitmachen. Wir sagen, warum.
  • Agora – Die Säulen des Himmels (1:00)
    Empfehlung, den Film anzusehen. Die ersten Kritiken waren ausgezeichnet.
  • Zitat der Woche von Albert Einstein (0:45)
    Es geht um Schafe…

Ketzerpodcast: Missbrauchs-Special

18. März 2010

Unser neuer Ketzerpodcast ist online.

Eigentlich wollten wir uns gar nicht so viel mit dem Missbrauchsskandal beschäftigen und hatten noch andere Themen vorbereitet. Aber das Abhandeln der „unverzichtbaren“ Punkte hat dann doch schon fast den ganzen Podcast ausgefüllt!

  • Papst involviert
  • Georg Ratfingerf Aufrafter
  • Inzest in der Bibel
  • Zollitsch beim Papst
  • Reaktion der innerkirchlichen Opposition
  • Bischof Müller vs. Humanistische Union
  • Kirchenaustritte wegen Missbrauchsskandal
  • Empfehlung: Den Film „Agora“ ansehen!
  • Zitat der Woche von Albert Einstein

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.


Bischof Müller: Aussage „vor laufender Kamera“

15. März 2010

Bischof Müller, der wandelnden Nebelkerze, geht wahrscheinlich schon der Stift wegen der Berichte, er habe die Bundesjustizministerin als Mitglied „einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist“ bezeichnet.

Die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, die mit diesen Vorwürfen gemeint war, hat Müller dazu aufgefordert, diese Vorwürfe – wenn er sie denn gemacht hat – zurückzuziehen, da sie natürlich nicht wahr sind.

Das Bistum hatte zunächst mitteilen lassen, Müller habe kein Interview mit der italienischen Zeitung „La Stampa“ autorisiert.

Die WELT weist aber darauf hin, dass es in dem betreffenden Artikel heißt, der Bischof habe seine Aussage „vor laufender Kamera“ [und mehreren Journalisten, wie ich höre]  getroffen.

Dass Müller die Aussage tatsächlich so gemacht hat, davon darf man wohl ausgehen – andernfalls hätte er sicher die Äußerung selbst dementiert und nicht nur mitteilen lassen, dass er kein Interview autorisiert hat.

Müller offenbarte bereits in der Vergangenheit oft ein solides Halbwissen, das er gerne dazu benutzte, seine Gegner zu diffamieren. So hatte Müller seinerzeit in einer Predigt den Eindruck erweckt, Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke ließen in ihrem religionskritischen Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ Geistliche in Gestalt von Schweinen auftreten, und Schmidt-Salomon rechtfertige Kindestötungen mit dem Hinweis auf Berggorillas.

Erst kürzlich hatte Müller erklärt, Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels habe “in seiner berühmt-berüchtigten Rede aus dem Jahr 1937 im Sportpalast” den katholischen Klerus wegen sexuellem Kindesmissbrauch angegriffen.

Die „Sportpalastrede“ hielt Goebbels aber 1943, und sie ist deshalb „berühmt-berüchtigt“, weil der Propagandaminister darin zum „totalen Krieg“ aufrief. Es spricht nicht für Müller, wenn er diese Rede auf 1937 datiert, denn der Krieg begann erst zwei Jahre später.

Update: Auch seine Vernebelungskünste hat Müller in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt. Neben dem obigen Beispiel („Kein Interview autorisiert“) hatte er bereits vor zwei Jahren im Zusammenhang mit dem Wiedereinsatz eines wegen sexuellem Kindesmissbrauchs verurteilten Pfarrers in der Jugendarbeit – wo der Geistliche erneut straffällig wurde – erklärt:

Nach einer ersten Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Juli 2000 hätten die Richter das Bistum vor Ablauf der Bewährungsfrist vor dem pädophilen Geistlichen warnen müssen, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Stattdessen habe das Gericht damals erklärt, dass es für den Verurteilten keine Einschränkungen für einen allgemeinen pastoralen Einsatz gebe. Das Bistum Regensburg habe „nach bestem Wissen und Gewissen“ gehandelt, erklärte der Bischof. [SPIEGEL]

Später erfährt man aber aus dem SPIEGEL-Artikel,

der Pfarrer habe bereits 2001 voll die Seelsorge in Riekofen übernommen und Ministrantenausflüge organisiert. Seine Bewährungsfrist – mit der Auflage, keinesfalls mit Kindern zu arbeiten – dauerte aber bis 2003.


Bischof Müller: Kein Interview mit „La Stampa“ autorisiert

14. März 2010

Wie berichtet, hat die Humanistische Union (HU) dem Regenburger Bischof Müller ein Ultimatum gestellt, seine mutmaßlichen verleumderischen Äußerungen zurückzuziehen, die in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Stampa“ zu lesen waren. („Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist Mitglied einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist; daher kann sie uns nicht kritisieren.“)

Die HU stellte ihr Ultimatum, nachdem sie auf eine Anfrage beim Bistum Regensburg keine Reaktion erhalten hatte. (Vgl. dazu das Interview mit dem Geschäftsführer der HU, Sven Lüders.)

Kath.net meldet nun,  der Pressesprecher des Bistums, Clemens Neck, habe mitgeteilt, Bischof Müller habe kein Interview mit „La Stampa“ autorisiert.


Interview: Der HU-Geschäftsführer zu den mutmaßlichen Vorwürfen von Bischof Müller

13. März 2010

Sven Lüders,  der Geschäftsführer der Humanistischen Union, war so freundlich, mir ein Interview zu geben zu den Vorwürfen von Bischof Müller gegen die HU, über die berichtet wurde. („Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll.“, sueddeutsche.de)

mp3-Datei zum Download


Humanistische Union stellt Regensburger Bischof Müller ein Ultimatum zum Widerruf seiner Verleumdungen

13. März 2010

Auf der Website der Humanistischen Union habe ich soeben den Hinweis auf die folgende Meldung gefunden.

Go, HU!

Humanistische Union stellt Regensburger Bischof Müller ein Ultimatum zum Widerruf seiner Verleumdungen

Bürgerrechtsorganisation weist Unterstellungen über angebliche Befürwortung pädophiler Handlungen zurück und fordert Regensburger Bischof Müller zu einem klaren Dementi auf mehr…

Stellt die Humanistische Union Pädophilie als normal dar?

Müller hatte in einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa gesagt:

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll. Also kann sie uns nicht kritisieren.

Hintergrund: In einem Artikel bei kath.net wird der Vorwurf, die HU stelle Pädophilie als normal dar, wie folgt (nicht sehr überzeugend) „untermauert“:

Kath.Net hat bereits Ende Februar berichtet, dass die deutsche Bundesjustizministerin dem Beirat eines Vereines angehört, der „gegen den Einsatz des Strafrechts zur Durchsetzung von Sexualmoral“ eintritt. Die Humanistischen Union (HU) bezeichnet sich selbst als „unabhängige Bürgerrechtsbewegung“. In einer Erklärung zum Sexualstrafrecht aus dem Jahr 2000 äußert sich der Bundesvorstand der HU kritisch über die „zunehmende Tendenz … mit den Instrumenten der Kriminalpolitik den Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten“. Insbesondere hinsichtlich des sexuellen Kindesmissbrauchs ortet die HU eine „Entwicklung zu mehr staatlicher Repression und zur Strafe“ und spricht von „Maßlosigkeit sowohl in Bezug auf die eingesetzten Mittel, als auch hinsichtlich der beabsichtigten Zielsetzung“.

Wenn dies alles ist, was sie aufzubieten haben…

Die HU stellt also Pädophilie in den obigen Zitaten überhaupt nicht als normal dar, und wendet sich auch nicht gegen die Bestrafung an sich, sondern gegen „Maßlosigkeit“. Und bei der Formulierung, die HU trete „gegen den Einsatz des Strafrechts zur Durchsetzung von Sexualmoral“ auf, dürfte der Normalbürger eher an Strafbarkeit von Homesexualität und dergleichen denken.

Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass die genannten Zitate aus der Zeit stammen, als das Thema Kindesmissbrauch in Deutschland schon fast paranoide Züge angenommen hatte.

Der einzige Vorwurf, den ich der HU machen kann, ist, das sie keine Entgegnung zu diesen Verleumdungen auf ihrer Website haben.


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