Petra Bahrs modifiziertes Manuskript

Am 20. Juni 2012 hielt die EDK-Kulturbeauftragte Dr. Petra Bahr einen Vortrag vor Vertretern der höchsten deutschen Gerichte (Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof) und der Bundesanwaltschaft. (Ich berichtete.) Die Veranstaltung war unter dem Titel „Salafisten, Atheisten und Co.“ angekündigt, dem Titel von Frau Bahrs Vortrag.

Frau Bahr, die sich wenige Wochen zuvor noch über „Verschwörungstheorien“ beschwert hatte, bei denen atheistische Verbände angeblich ein „Zerrbild“ der Kirche verträten, zeichnete nun selbst ein Zerrbild der atheistisch-humanistischen Szene. Am 22. Juni veröffentlichte Frau Bahr ihr Redemanuskript auf der Website der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Nach einem kritischen Bericht von mir beim Humanistischen Pressedienst (hpd) am 25. Juni und einem einem offenen Brief des Präsidenten des Humanistischen Verbands Deutschlands an Frau Bahr und die Juristen, die bei ihrem Vortrag anwesend waren (veröffentlicht am 27. Juni), hat Frau Bahr dann offenbar am 29. Juni das Redemanuskript auf ihrer Website durch ein deutlich modifiziertes Manuskript ersetzt: Auf 12 Seiten finden sich mehr als zwei Dutzend inhaltliche Änderungen. So wurde z.B. der ursprüngliche Titel „Salafisten, Atheisten und Co.“, unter dem auch die Veranstaltung in Karlsruhe angekündigt war, ersetzt durch „Auf dem Weg zu einem neuen Kulturkampf?“ Frau Bahrs „ethnologischer Erkundungsgang“ wird jetzt nachträglich als Fiktion gekennzeichnet, und die implizite Behauptung, wer aus der Kirche austrete sei zumeist ein „oberflächlicher, ganz dem materiellen Glanz der Konsumgesellschaft  verfallener Mensch“, die Frau Bahr den versammelten Juristen in Karlsruhe offenbar noch selbst präsentiert hatte, wird nun anderen in den Mundgelegt.

Trotz der umfangreichen inhaltlichen Änderungen und Korrekturen wird der modifizierte Text allerdings auf Frau Bahrs Website nach wie vor als Redemanuskript ihres Vortrags In Karlsruhe ausgewiesen. Die ursprüngliche Version des Manuskripts ist verschwunden. Damit erhält der Leser aber keinen zutreffenden Eindruck mehr davon, was Frau Bahr offenbar in Karlsruhe tatsächlich gesagt hat. Stattdessen wird ihm ein weniger unschmeichelhaftes Bild präsentiert, das auch die Kritik an Frau Bahrs Rede etwas weniger gut nachvollziehbar macht.

Daher halte ich es für nötig, in guter theologischer Tradition die ursprünglich veröffentlichte Version von Frau Bahrs Redemanuskript zu dokumentieren und der modifizierten Version gegenüberzustellen (Synopse).

Bahr-Synopse.pdf

2 Antworten zu Petra Bahrs modifiziertes Manuskript

  1. […] Die versprochene Gegenüberstellung von Petra Bahrs Redemanuskripten zu ihrem Vortrag “Salafisten, Atheisten und Co.” in Karlsruhe gibt es hier. […]

  2. okasch sagt:

    „Lying for Jesus“

    Hier sieht man einen ähnlichen Fall. Lustiger Vortrag von Richard Dawkins:

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