Danke, IBKA!

Noch einmal zur Anne-Will-Sendung: In ihr hatte Ruhrbischof Overbeck Homosexualität als Sünde und der Natur widersprechend bezeichnet – in Gegenwart der beiden bekennenden Homosexuellen Anne Will und Rosa von Praunheim.

Für diese Äußerung erhielt Bischof Overbeck Kritik quer durch das parteipolitische Spektrum.

Hierzu merkte der IBKA-Vorsitzende René Hartmann an: „Bischof Overbeck ist für seine herabsetzenden Äußerungen über Lesben und Schwule von Politikern zu Recht kritisiert worden. Diese Kritiker weigern sich aber zur Kenntnis zu nehmen, dass der Bischof lediglich die Grundsätze der katholischen Kirche dargelegt hat.“ Die Katholische Kirche werte gelebte Homosexualität in ihren Grundsatzdokumenten eindeutig als Sünde und könne sich dabei auf die Bibel berufen. Sinnvoller als eine folgenlose öffentliche Empörung über einzelne Kirchenvertreter seien konkrete Schritte zur Trennung von Staat und Kirche, erklärte Hartmann gemäß dem hpd.

Katechismus: Homosexualität „objektiv ungeordnet“

Anmerkung: Die folgenden Zitate stammen aus der aktuellen deutschen Übersetzung (2003) des lateinischen Katechismus von 1997. In der vorherigen Fassung fehlte die Aussage, Homosexualität sei „objektiv ungeordnet“. Leider findet sich auf der Vatikan-Website noch die ältere deutsche Übersetzung (1997), die die Änderungen der maßgeblichen lateinischen Ausgabe (ebenfalls 1997) noch nicht enthält.

In der Tat muss man angesichts einiger Äußerungen vermuten, dass die betreffenden Politikerinnen und Politiker sich gar nicht darüber im Klaren sind, dass die Katholische Kirche homosexuelle Neigungen als „objektiv ungeordnet“ beurteilt (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2358). Homosexuelle Handlungen „verstoßen gegen das natürliche Gesetz“, sind „in sich nicht in Ordnung“ und „auf keinen Fall zu billigen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357). „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2359)

Der Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Die Grünen) forderte von Overbeck eine Entschuldigung bei Lesben und Schwulen für seine Äußerungen. Diese seien „empörend, beleidigend und unverantwortlich“. Statt gleichgeschlechtliche Lebensweisen wertzuschätzen, dränge Overbeck mit seinen mittelalterlichen Ansichten Schwule und Lesben an den Rand der Gesellschaft.

Dies ist zwar richtig, es handelt sich dabei allerdings nicht um Overbecks persönliche Meinung, sondern Overbeck gab fast schon wörtlich die entsprechenden Passagen des Katholischen Katechismus wieder:

Overbeck sagte: „Das ist ‘ne Sünde, wissen Sie ja ganz klar und eindeutig, dass es das ist. Das widerspricht der Natur. Die Natur des Menschen ist angelegt auf das Miteinander von Mann und Frau.“

Im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) heißt es: „[Homosexuelle Handlungen] verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit“ (KKK Nr. 2357).

Das könnte man übrigens als katholischen Sozialdarwinismus bezeichnen: Nur was der Fortpflanzung dient, ist gut.

Allerdings meint z.B. der Beauftragte für Schwule und Lesben der SPD, Johannes Kahrs, Overbeck habe mit seiner Äußerung „der katholischen Kirche geschadet“, und hält eine „Klarstellung der katholischen Kirche“ für angebracht.

Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte: „„Wenn sich zwei Menschen inständig lieben und Verantwortung füreinander übernehmen, ist das sicher auch im Sinne von Jesus Christus“. Man fragt sich, weshalb Frau Bär dann katholisch ist. Ähnlich wie bei Sylvia Löhrmann von den Grünen in  NRW, die sagt: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für eine solche Aussage. Da fragt man sich, ob man in der katholischen Kirche richtig ist“, die allerdings auch Kuratoriumsmitglied bei der Stiftung „hilfreich, edel und gut“ ist, die – ausgerechnet! – die katholische Jugendarbeit fördern soll.

Die katholische Lehre entspricht nicht unserer Werteordnung

Am deutlichsten stellte der NRW-Landesvorsitzende der Grünen, Arndt Klocke, die katholische Lehre zur Homosexualität der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegenüber:

Klocke betonte, die Aussagen des Bischofs entsprächen nicht der Werteordnung des Landes und verstoßen gegen grundlegende Menschenrechte. „Mit der Streichung des Paragrafen 175, der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft und der Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungs-Gesetzes hat der deutsche Gesetzgeber eine Gleichstellung aller Lebensformen in Deutschland in der Gesetzgebung festgeschrieben“, erklärt Arndt Klocke in einer Pressemitteilung. [Der Westen, 12.04.2010]

Daran ist lediglich auszusetzen, dass es sich, wie gesagt, hierbei nicht um die Privatmeinung von Bischof Overbeck handelt, sondern um die offizielle Lehre der Katholischen Kirche. Einer Kirche, die auch in NRW auf Staatskosten Religionsunterricht erteilen lässt, Kindergärten betreibt und – allein in NRW –darüber hinaus noch jährlich mit wenigstens zweistelligen Millionenbeträgen aus Steuergeldern bezuschusst wird.

Danke, IBKA, für die Klarstellung!

PS: Zu den Äußerungen Ratzingers zu der von Klocke erwähnten rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften („Legalisierung des Bösen“) hatte ich hier bereits geschrieben.

PPS: Hier noch der einschlägige Abschnitt aus dem Katechismus der Katholischen Kirche in der aktuellen Übersetzung (2003):

Keuschheit und Homosexualität

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen (Vgl. dazu auch 2333).

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfaßtheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -, durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern (Vgl. dazu auch 2347).

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