Erzbischof Zollitsch in Rom: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen

Pressemitteilung München / Rom, 12. März 2010

Wir sind Kirche: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen Zum heutigen Besuch des Vorsitzenden der DBK, Erzbischof Zollitsch beim Papst

Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen im Umgang mit sexueller, physischer und psychischer Gewalt in der römisch-katholischen Kirche sieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche nach dem heutigen Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Papst.

Statt sich aus dem fernen Rom bei den Opfern zu entschuldigen, sollte Erzbischof Zollitsch sehr bald auf die Opfer zugehen, ihnen zuhören und gemeinsam mit ihnen nach Wegen und Ritualen der Versöhnung suchen. Bedauerlich ist, dass nicht Papst Benedikt XVI. selber mitfühlende und um Versöhnung bittende Worte für die Opfer gefunden hat – gerade heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem von Papst Johannes Paul II. gesprochenen eindrucksvollen „Mea Culpa“.

Zu den vielen, auch nach der heutigen Erklärung des Vorsitzenden der DBK unbeantworteten Fragen, gehören: ­

  • Wann endlich anerkennt der Vatikan sexualisierte Gewalt als weltweites und auch mit den Strukturen der katholischen Kirche zusammenhängendes Problem, das die jesuanische Botschaft immer mehr verdunkelt?
  • Wann wird endlich der Zölibat hinterfragt und die im Zölibatsgesetz kulminierende männerbündische Sexual- und Frauenfeindlichkeit in den Blick genommen, so wie dies jetzt Kardinal Schönborn in Wien getan hat, der die Priestererziehung, aber auch den Zölibat hinterfragt hat?
  • Wann werden die Deutsche Bischofskonferenz DBK und die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) endlich gegenüber jedem Täter das Null-Toleranz-Prinzip anwenden, das Papst Benedikt auch schon als Kardinal vor allem gegenüber den USA vertrat?
  • Warum hat angesichts der akuten Krisensituation nicht der von der Bischofskonferenz erst kürzlich ernannte Sonderbeauftragte, der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, an dem Gespräch in Rom teilgenommen und dem Papst über seine bisherigen und künftigen Aktivitäten berichtet?
  • Wenn das kirchliche Verfahren „selbstverständlich“ dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet sein soll, so ist zu fragen, warum beispielsweise im Kloster Ettal Erzbischof Dr. Reinhard Marx statt eines externen staatlichen Sonderermittlers einen kirchlichen „Sonderermittler“ eingesetzt hat, und dann sogar noch einen, der vor drei Jahren im Auftrag von Bischof Müller Schadensersatzansprüche eines Opfers abgewehrt hat?
  • Kann es sich die röm.-katholische Kirche in Deutschland wirklich leisten, nur an dem von Erzbischof Zollitsch selber angeregten großen Runden Tisch der Bundesfamilienministerin und der Bundesbildungsministerin „selbstverständlich“ teilzunehmen, aber die Teilnahme am Runden Tisch der Bundesjustizministerin abzulehnen?

Bei aller Anerkennung der Bemühungen des früheren Präfekten der Glaubenskongregation und jetzigen Papstes werden die Fragen immer virulenter, was Ratzinger 1977 bis 1981 als Erzbischof von München und Freising und erst Recht seit 1981 als Kardinal in Rom gewusst und getan oder nicht getan hat.

Wir sind Kirche wird die jetzt hoffentlich verstärkten Anstrengungen der Bischöfe gerne unterstützen, aber auch kritisch begleiten, damit es nicht zu dem von niemandem gewollten Pauschalverdacht gegenüber allen Priestern, Ordensleuten und römisch-katholischen Einrichtungen kommt. Solange nicht in allen Bistümern bzw. bundesweit unabhängige AnsprechpartnerInnen benannt werden, hält Wir sind Kirche den im Jahr 2002 eingerichteten Notruf weiterhin bereit (Telefon: 0180-3000862, E-Mail: zypresse@wir-sind-kirche.de).

Wir sind Kirche-Pressemitteilung vom 21. Februar zum Beginn der Bischofskonferenz mit 10 zentralen Forderungen der KirchenVolksBewegung für die Überarbeitung der Leitlinien:
http://www.wir-sind-kirche.de/www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=2408

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