Neue Ketzerpodcasts

22. Juni 2010

Seit ich das letzte Mal hier darauf hingewiesen habe, sind die Folge 5, Folge 8 und Folge 9 des Ketzerpodcasts online gestellt worden. Die letzte gerade eben.

Themen der neuesten Folge:

  • Dümmster Spruch von Annette Schavan (Bildungsministerin!)
  • „Frohe Prozession“ mit Prügel-Nonne und GWUP-Konferenz
  • Attentat auf Lars Vilks wegen Mohammed-Karikatur
  • Abmahnungen gegen Blogger
  • Die Pille als Geschenk Gottes laut Margot Käßmann
  • Horst Köhler wünscht sich mehr Missionierung
  • Islamkonferenz
  • Zölibat: Katholische Kirche denkt angeblich über Lockerung nach
  • Zitat der Woche von Kurt Tucholsky

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.

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Appell an Bischofskonferenz: Zuhören ist gut – Handeln ist notwendig

21. Juni 2010

Heute und morgen (Mo+Di) tagt der ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz im Wäruburger Kloster Himmelspforten und berät dabei auch über die Überarbeitung der Leitlinien zum sexuellen Missbrauch. Aus diesem Anlass hier eine Pressemitteilung der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ und der Hinweis auf einen sehr lesenswerten Artikel aus der Südwestpresse: Schweigen in allen Sprachen: Opfer sexueller Gewalt in der Kirche stoßen oft noch immer auf eine Mauer von Unverständnis.

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Erzbischof Zollitsch in Rom: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen

14. März 2010

Pressemitteilung München / Rom, 12. März 2010

Wir sind Kirche: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen Zum heutigen Besuch des Vorsitzenden der DBK, Erzbischof Zollitsch beim Papst

Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen im Umgang mit sexueller, physischer und psychischer Gewalt in der römisch-katholischen Kirche sieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche nach dem heutigen Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Papst.

Statt sich aus dem fernen Rom bei den Opfern zu entschuldigen, sollte Erzbischof Zollitsch sehr bald auf die Opfer zugehen, ihnen zuhören und gemeinsam mit ihnen nach Wegen und Ritualen der Versöhnung suchen. Bedauerlich ist, dass nicht Papst Benedikt XVI. selber mitfühlende und um Versöhnung bittende Worte für die Opfer gefunden hat – gerade heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem von Papst Johannes Paul II. gesprochenen eindrucksvollen „Mea Culpa“.

Zu den vielen, auch nach der heutigen Erklärung des Vorsitzenden der DBK unbeantworteten Fragen, gehören: ­

  • Wann endlich anerkennt der Vatikan sexualisierte Gewalt als weltweites und auch mit den Strukturen der katholischen Kirche zusammenhängendes Problem, das die jesuanische Botschaft immer mehr verdunkelt?
  • Wann wird endlich der Zölibat hinterfragt und die im Zölibatsgesetz kulminierende männerbündische Sexual- und Frauenfeindlichkeit in den Blick genommen, so wie dies jetzt Kardinal Schönborn in Wien getan hat, der die Priestererziehung, aber auch den Zölibat hinterfragt hat?
  • Wann werden die Deutsche Bischofskonferenz DBK und die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) endlich gegenüber jedem Täter das Null-Toleranz-Prinzip anwenden, das Papst Benedikt auch schon als Kardinal vor allem gegenüber den USA vertrat?
  • Warum hat angesichts der akuten Krisensituation nicht der von der Bischofskonferenz erst kürzlich ernannte Sonderbeauftragte, der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, an dem Gespräch in Rom teilgenommen und dem Papst über seine bisherigen und künftigen Aktivitäten berichtet?
  • Wenn das kirchliche Verfahren „selbstverständlich“ dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet sein soll, so ist zu fragen, warum beispielsweise im Kloster Ettal Erzbischof Dr. Reinhard Marx statt eines externen staatlichen Sonderermittlers einen kirchlichen „Sonderermittler“ eingesetzt hat, und dann sogar noch einen, der vor drei Jahren im Auftrag von Bischof Müller Schadensersatzansprüche eines Opfers abgewehrt hat?
  • Kann es sich die röm.-katholische Kirche in Deutschland wirklich leisten, nur an dem von Erzbischof Zollitsch selber angeregten großen Runden Tisch der Bundesfamilienministerin und der Bundesbildungsministerin „selbstverständlich“ teilzunehmen, aber die Teilnahme am Runden Tisch der Bundesjustizministerin abzulehnen?

Bei aller Anerkennung der Bemühungen des früheren Präfekten der Glaubenskongregation und jetzigen Papstes werden die Fragen immer virulenter, was Ratzinger 1977 bis 1981 als Erzbischof von München und Freising und erst Recht seit 1981 als Kardinal in Rom gewusst und getan oder nicht getan hat.

Wir sind Kirche wird die jetzt hoffentlich verstärkten Anstrengungen der Bischöfe gerne unterstützen, aber auch kritisch begleiten, damit es nicht zu dem von niemandem gewollten Pauschalverdacht gegenüber allen Priestern, Ordensleuten und römisch-katholischen Einrichtungen kommt. Solange nicht in allen Bistümern bzw. bundesweit unabhängige AnsprechpartnerInnen benannt werden, hält Wir sind Kirche den im Jahr 2002 eingerichteten Notruf weiterhin bereit (Telefon: 0180-3000862, E-Mail: zypresse@wir-sind-kirche.de).

Wir sind Kirche-Pressemitteilung vom 21. Februar zum Beginn der Bischofskonferenz mit 10 zentralen Forderungen der KirchenVolksBewegung für die Überarbeitung der Leitlinien:
http://www.wir-sind-kirche.de/www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=2408


Fragen und Antworten zur Missbrauchs-Debatte

13. Februar 2010

So ungerne ich auch zur Versachlichung der Diskussion um die katholische Sexualpest beitrage 😉 – Die WELT hat seit gestern einen Artikel mit Fragen und Antworten zur herdenmäßigen Unzucht aktuellen Missbrauchsdebatte: Die Kirche, der Sex und der Zölibat.

Ein interessanter Aspekt aus meiner Sicht:

2008 hat der Vatikan neue Richtlinien für die Aufnahme ins Priesterseminar erlassen. […] Es soll mehr Wert auf die Förderung der emotionalen Reife gelegt werden, denn es hat sich bei Experten die Einsicht durchgesetzt, dass das katholische Priesteramt hoch attraktiv für Menschen ist, die in ihrer sexuellen Entwicklung auf einer kindlichen oder pubertären Stufe stehen geblieben sind. [Hervorhebung von mir.]

Um noch einmal widerstrebend zu versachlichen: Eine „kindliche oder pubertäre sexuelle Entwicklungsstufe“ ist natürlich keinesfalls gleichzusetzen mit Pädo- oder Ephebophilie, Homosexualität oder strafbewehrten Handlungen.

Fragt sich allerdings, ob sich die katholische Kirche damit angesichts des obigen Zusammenhangs nicht selbst das Wasser (Priesternachwuchs) abdreht.

Und wie zum Teufel soll man über die kindlich-pubertäre sexuelle Entwicklungsstufe hinauskommen, wenn man keinen Sex haben darf???

Update: Passend dazu in der ZEIT:

Meine Sexualität ist eine Grauzone

Der Zölibat macht die Kirche attraktiv für junge Männer, die sich sexuell ein Rätsel sind. Versäumen sie es nachzureifen, sind sie gefährdeter, Missbrauch zu begehen


Bischof Müller: Die Nazis stellten auch einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch her

13. Februar 2010

Bischof Müller: In diesen Tagen entfachen kirchenfeindliche Kreise einen medialen Sturm und stellen Kirche und Priestertum unter einen Generalverdacht. Zölibat ist keineswegs die ‚Quelle des Übels‘ wie es Goebbels vor 20.000 Nazis ausgerufen hat

Quelle und Predigttext: Kirche von scheinheiligen Selbstbespieglern an den Pranger gestellt (kath.net)

In Müllers Predigttext heißt es:

Zudem ist die zölibatäre Lebensform keineswegs die „Quelle des Übels“, Grund für einen durch und durch verdorbenen Klerus – wie es Goebbels in seiner berühmt-berüchtigten Rede aus dem Jahr 1937 im Sportpalast vor 20.000 Nazifanatikern ausgerufen hat.

Weiß jemand, was für eine „berühmt-berüchtigte Rede“ Müller meint? [Update: Ja, ich – hier!]

Die „Sportpalast-Rede„, für die Goebbels normalerweise berühmt-berüchtigt ist, ist die von 1943, in der er fragt, „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Vielleicht ist ja beim katholischen Klerus der totale Krieg nicht so schlimm wie Kritik am Zölibat. Ich habe allerdings selbst in diesem Dokument keinen Hinweis auf eine 1937er Rede von Goebbels im Sportpalast, obwohl es eine Rede Goebbels‘ von 1937 aus der Deutschlandhalle erwähnt:

Auf einer Massenkundgebung in der Berliner Deutschlandhalle eröffnete Dr. Joseph Goebbels am 28. Mai 1937 die Hatz auf die Kirche, geiferte in geheuchelter Empörung von „himmelschreienden Skandalen“, einer „allgemein sittlichen Korruption, wie sie die Geschichte der Zivilisation kaum jemals gekannt hat“, „pervertierten und skrupellosen Jugendschändern“ und kündigte an, dass „diese Sexualpest mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden“ müsse.

Diese Polemik ist mit der Berichterstattung z.B. des Spiegels dann vielleicht doch nicht so gut vergleichbar.

Es ist allerdings bezeichnend, dass Müller keine bessere Entgegnung hat als die, dass die Nazis ebenfalls den Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch hergestellt haben sollen.

Wenn er alles, was die Nazis getan und gesagt haben, so schlimm findet (was ich erst einmal für eine gute Arbeitshypothese halte), dann kann er sich ja mal um eine Aufhebung des Reichskonkordats bemühen!


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