Henry Tesch und die rätselhafte Zusammenarbeit

15. Januar 2010

Während es auf dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser fände „in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart“ statt, erhielt ich von der Stiftung die Auskunft, der Wettbewerb fände „ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur“ statt.

Gestern bin ich – mit einigen Gebetsraum-Fotos – in Deutschland angekommen, und es warteten (u.a.) schon die „Anti-Ferkelbuch-CD“ und eine E-Mail vom Vorstand der Stiftung Bibel und Kultur auf mich.

Die Stiftung Bibel und Kultur hatte ich angemailt, weil es in dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser Wettbewerb fände „in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart“ statt. Das Logo der Stiftung ist außerdem auf dem Flyer abgebildet (unten, Mitte):

Der Vorstand der Stiftung, Dr. Jan-A. Bühner, teilte mir allerdings mit, „der Wettbewerb in Meck.-Pomm findet ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur statt.“ Diese Information ist erst einmal glaubhaft, da auf der Website der Stiftung unter dem Thema „Schüler- und Jugendwettbewerb“ nicht auf den Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen wird. (Stattdessen gibt es Informationen zum Bibelwettbewerb im Saarland, bei dem Ministerpräsident Peter Müller (CDU) die Schirmherrschaft hat. Im Gegensatz zu dem Wettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Anmeldung und Abgabe der Wettbewerbsbeiträge beim Bildungsministerium erfolgt, sind bei dem Wettbewerb im Saarland Adressen kirchliche Adressen angegeben.)

Damit stellt sich natürlich die Frage, weshalb bei dem Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur erwähnt wird und deren Logo auf dem Flyer abgebildet ist. Diese Frage habe ich gestern nachmittag an das Bildungsministerium gemailt. Es hatte noch keine Zeit zu antworten. Da ich aber auf meine erste Mail bezüglich des Wettbewerbs nach zwei vollen Tagen noch nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten habe und es ja durchaus interessant ist, falls das Bildungsministerium auf nichtexistente Zusammenarbeiten hinweist, hier schon einmal die Info.

Advertisements

Anfrage zum Bibelwettbewerb beim Bildungsministerium MV

13. Januar 2010

Update: Ich habe heute, am 24.02.2010, einen Kommentar von Ministerialrat Ulrich Hojczyk (s.u.) aus dem Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern erhalten, in dem er beanstandet, dass ich hier den Namen der Person, die auf der Homepage des Bildungsministeriums und auch auf dem Werbeflyer als „Kontakt für Rückfragen zum Wettbewerb“ genannt wurde, veröffentlicht habe.

Obwohl ich es nach wie vor als unproblematisch ansehe, hier den Nachnamen der Ansprechperson in der Anrede zu nennen, nachdem – wie gesagt – das Bildungsministerium bereits den Namen, berufliche Telefon- und Faxnummer sowie die E-Mail-Adresse als Ansprechperson für den Bibelwettbewerb veröffentlicht hat (immer noch abrufbar), respektiere ich natürlich die, nun ja, Privatsphäre der betreffenden Person und entferne daher vorsorglich Namen und Anrede. Zumal sie natürlich inhaltlich völlig irrelevant sind.

Nicht, dass mir die Person selbst bereits gemailt oder gar auf meine Anfrage geantwortet hätte…

Die folgende E-Mail habe ich am 13. Januar 2010 an die Kontaktperson geschickt, die in dem Flyer „für Rückfragen zum Wettbewerb“ genannt war. Bis heute habe ich weder eine Antwort noch eine Eingangsbestätigung erhalten.

Fragen zum Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“

[Anrede der Person, die vom Ministerium als „Kontakt für Rückfragen und Beratung zum Wettbewerb“ genannt wurde],

mit Erstaunen habe ich gestern gelesen und auf meinem Blog atheismus.de darüber berichtet, dass das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern den Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ ausrichtet bzw. maßgeblich fördert:

Der Bildungsminister ist Schirmherr des Wettbewerbes, Träger ist ein Arbeitskreis beim Minister, der auch den Flyer zum Wettbewerb herausgibt, und für Rückfragen sind ausschließlich Kontakte beim Bildungsministerium angegeben.

Wenn eine Landesbehörde einen „Bibelwettbewerb“ derart unterstützt, dann stellt sich die Frage nach der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Der Staat hat „Heimstatt aller Bürger“ zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern gehören gut drei Viertel der Bevölkerung keiner Kirche an. Diese Bürgerinnen und Bürger könnten den Eindruck haben, dass die Regierung die Missionierung ihrer Kinder fördert – noch dazu mit ihren eigenen Steuergeldern.

Den Rest des Beitrags lesen »


Meck-Pomm: Bildungsministerium fördert Bibelwettbewerb für Schüler

12. Januar 2010

Manchmal gibt es Dinge, da bin selbst ich fassungslos: Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Henry Tesch (CDU) hat die Schirmherrschaft für den Bibelwettbewerb 2010 „Voll das Leben“ übernommen. Auf der Homepage des Bildungsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern ruft er alle Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme auf:

„Wenn Ihr die Bibel zur Hand nehmt und in ihr lest, erfahrt ihr viel über den Ursprung unseres Verhaltens, unerer Gewohnheiten und unseres Lebensablaufes. Ihr werdet merken, wie spannend es ist zu erfahren, wie stark die Bibel unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst geprägt hat. Deshalb lasst Euch einladen über die gestellten Themen nachzudenken und sie nach Euren Vorstellungen in einen Beitrag umzusetzen.“

Träger des Wettbewerbs ist der Arbeitskreis Bibelwettbewerb beim Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart und dem Niederdeutschen Bibelzentrum St. Jürgen in Barth. Im Arbeitskreis arbeiten Lehrerinnen und Lehrer sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Mecklenburgischen und der Pommerschen Bibelgesellschaften und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Wie kann es sein, dass das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern – das zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist! – eine so offensichtliche Bibelwerbung betreibt?

Die Wortwahl lässt ahnen, dass sich das Ministerium der Problematik durchaus bewusst ist. Wer genau hinschaut erkennt, dass Tesch sich damit herausreden kann, dass es lediglich um die „Anerkennung des prägenden Kultur- und Bildungsfaktors“ der Bibel geht: Diese Formulierung stammt aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum christlichen Charakter der schulischen Erziehung (habe ich kürzlich hier erläutert). Das Bildungsministerium wird sich darauf berufen, dass es bei dem Wettbewerb nicht um die religiösen Aspekte ginge, sondern lediglich darum geht, wie die Bibel Bildung und Kultur geprägt hat – oder wie Tesch formuliert: „unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst“. Und weiter wird das Ministerium sich damit rechtfertigen, dass es gerade in den „entchristlichten“ östlichen Bundesländern wichtig sei, den Schülerinnen und Schülern den biblischen Hintergrund unserer Kultur zu vermitteln.

Ich werde morgen beim Ministerium anfragen, ob es auch Wettbewerbe gibt, die den Beitrag der griechischen Kultur oder der Aufklärung beleuchten.

Davon abgesehen überschreitet das Ministerium die Grenze des Unzulässigen meines Erachtens spätestens dort, wo die Themen, die zur Auswahl stehen, nicht nur kulturellen, sondern klar religiös-weltanschaulichen Charakter haben – und das sind einige:

  • Schöpfung erleben“ setzt offenbar eine Schöpfung – und damit einen Schöpfer voraus.
  • Aus der Bibel leben“ – Ist es überhaupt möglich, dies nicht religiös aufzufassen?
  • Themenbereich 4: Sinn des Lebens
    • Leben ist mehr
    • Erfülltes Leben
    • Biblische Perspektive

Es kommt noch hinzu, dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in Anbetracht der Träger des Wettbewerbs (Stiftung Bibel und Kultur, Niederdeutsches Bibelzentrum,  Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen , Bibelgesellschaften) sich wohl kaum angehalten sehen, Beiträge abzuliefern, die sich abwägend oder gar kritisch mit dem Einfluss der Bibel auseinandersetzen.

Erschreckenderweise ist dies bereits der fünfte Wettbewerb dieser Art!

Update: Anfrage zum Bibelwettbewerb beim Bildungsministerium MV


%d Bloggern gefällt das: