Jepsen tritt zurück – und Zollitsch?

17. Juli 2010

Die evangelische Hamburger Bischöfin Maria Jepsen ist zurückgetreten, weil sie möglicherweise geleugnet hat, 1999 – mündliche – Hinweise auf einen pädophilen Pfarrer erhalten zu haben.

Fast zeitgleich hat das Ordinariat des Erzbistums Freiburg eingeräumt, dass es bereits 1992 das Geständnis eines pädokriminellen Priesters hatte, obwohl das Bistum im März noch erklärt hatte, es habe erst 1995 weitere Hinweise auf den Täter erhalten. Und selbst diesen Umstand hatte Erzbischof Zollitsch wenige Tage zuvor noch lediglich als „Hinweise“ bezeichnet.

Frau Jepsen tritt offenbar wegen einer geringfügigeren Sache (schlimm genug ist es, wenn sie gelogen hat) zurück. Bei Zollitsch kommt aber noch hinzu, dass er 2006 nicht in dem Fall Birnau ermittelt hat, wozu er verpflichtet gewesen wäre, und dass sein Ordinariat weiterhin irreführende Mitteilungen abgibt, die die Öffentlichkeit von seiner Zuständigkeit ablenken. Selbst Kirchenrechtler wurden dadurch irregeführt.

Den Aufruf an Zollitsch, zurückzutreten, spare ich mir, da der Herr Erzbischof ja bereits in der Vergangenheit (Ultimatum die die Bundesjustizministerin, siehe auch „Zollitschs laxer Umgang mit der Wahrheit„) deutlich gemacht hat, dass er im Zweifel lieber auf Dreistigkeit setzt als auf Einsicht.

Vielleicht gibt es ja einflussreichere Kräfte als mich, die Einfluss auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz nehmen könnten?

Gibt es kein „Geheim-Dossier“ mit vagen Vorwürfen?

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Interview: Der HU-Geschäftsführer zu den mutmaßlichen Vorwürfen von Bischof Müller

13. März 2010

Sven Lüders,  der Geschäftsführer der Humanistischen Union, war so freundlich, mir ein Interview zu geben zu den Vorwürfen von Bischof Müller gegen die HU, über die berichtet wurde. („Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll.“, sueddeutsche.de)

mp3-Datei zum Download


Humanistische Union stellt Regensburger Bischof Müller ein Ultimatum zum Widerruf seiner Verleumdungen

13. März 2010

Auf der Website der Humanistischen Union habe ich soeben den Hinweis auf die folgende Meldung gefunden.

Go, HU!

Humanistische Union stellt Regensburger Bischof Müller ein Ultimatum zum Widerruf seiner Verleumdungen

Bürgerrechtsorganisation weist Unterstellungen über angebliche Befürwortung pädophiler Handlungen zurück und fordert Regensburger Bischof Müller zu einem klaren Dementi auf mehr…

Stellt die Humanistische Union Pädophilie als normal dar?

Müller hatte in einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa gesagt:

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll. Also kann sie uns nicht kritisieren.

Hintergrund: In einem Artikel bei kath.net wird der Vorwurf, die HU stelle Pädophilie als normal dar, wie folgt (nicht sehr überzeugend) „untermauert“:

Kath.Net hat bereits Ende Februar berichtet, dass die deutsche Bundesjustizministerin dem Beirat eines Vereines angehört, der „gegen den Einsatz des Strafrechts zur Durchsetzung von Sexualmoral“ eintritt. Die Humanistischen Union (HU) bezeichnet sich selbst als „unabhängige Bürgerrechtsbewegung“. In einer Erklärung zum Sexualstrafrecht aus dem Jahr 2000 äußert sich der Bundesvorstand der HU kritisch über die „zunehmende Tendenz … mit den Instrumenten der Kriminalpolitik den Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten“. Insbesondere hinsichtlich des sexuellen Kindesmissbrauchs ortet die HU eine „Entwicklung zu mehr staatlicher Repression und zur Strafe“ und spricht von „Maßlosigkeit sowohl in Bezug auf die eingesetzten Mittel, als auch hinsichtlich der beabsichtigten Zielsetzung“.

Wenn dies alles ist, was sie aufzubieten haben…

Die HU stellt also Pädophilie in den obigen Zitaten überhaupt nicht als normal dar, und wendet sich auch nicht gegen die Bestrafung an sich, sondern gegen „Maßlosigkeit“. Und bei der Formulierung, die HU trete „gegen den Einsatz des Strafrechts zur Durchsetzung von Sexualmoral“ auf, dürfte der Normalbürger eher an Strafbarkeit von Homesexualität und dergleichen denken.

Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass die genannten Zitate aus der Zeit stammen, als das Thema Kindesmissbrauch in Deutschland schon fast paranoide Züge angenommen hatte.

Der einzige Vorwurf, den ich der HU machen kann, ist, das sie keine Entgegnung zu diesen Verleumdungen auf ihrer Website haben.


Gottes Bodenpersonal in Not (Satire)

3. März 2010

Dieser Beitrag stammt allerdings nicht aus der Redaktion „Religion und Kirche„, nehme ich an.


Ultimative Unverschämtheit

24. Februar 2010

In einem beispiellosen Vorgang hat der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, Behauptungen über eine mangelnde Kooperation der Katholischen Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden beim Verdacht auf Missbrauchsfälle zurückzunehmen.

Die Bundesjustizministerin hatte am Montag Abend (22.02.2010) in den Tagesthemen gesagt, es sei bisher nicht der Eindruck da, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche auch bei Verdachtsfällen konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Ein aktives Interesse an rückhaltloser und lückenloser Aufklärung sei bisher leider nicht ersichtlich. Sie erwarte, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.

„Maßlose Polemik“? „Undifferenziert und emotional“?

Zollitsch nannte die Äußerungen „undifferenziert und emotional“. Er erwarte, dass Leutheusser-Schnarrenberger sie innerhalb von 24 Stunden zurücknehme. [sueddeutsche.de]

Aus Kreisen der in Freiburg tagenden Vollversammlung der katholischen Bischöfe hieß es dazu, die Fristsetzung sei ein notwendiger Schritt, um eventuell mit einer Unterlassungsklage dafür zu sorgen, dass die Ministerin ihre Behauptungen aus dem Tagesthemen-Interview vom Montagabend nicht mehr wiederhole. [domradio.de]

Er könne sich keiner schlimmeren Attacke eines Mitglieds einer Bundesregierung gegen die katholische Kirche entsinnen, sagte Zollitsch bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Freiburg. „Sie hat maßlos gegen unsere katholische Kirche polemisiert.“ [FAZ.NET]

Er wolle seinen Protest am Dienstag auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausdrücken. [kath.net]

„Wahrheitswidrig“?

Zollitsch kritisierte die Ministerin scharf, weil diese der Kirche wahrheitswidrig vorhalte, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten. „Die Ministerin behauptet, bisher habe sie nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche auch nur beim Verdacht auf sexuellen Missbrauchs konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollten“, so Zollitsch. Dies sei rundweg falsch. Auch gebe es seit mehreren Jahren kirchliche Leitlinien, die eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft vorsähen. [kath.net]

Es ist allerdings Zollitsch, der hier die Unwahrheit sagt. In dem entscheidenden Satz der bischöflichen Leitlinien heißt es nämlich:

In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten zur Selbstanzeige geraten und ggf. das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht.

Mit anderen Worten: Solange es sich nur um einen unbewiesenen Verdacht handelt, wird die Staatsanwaltschaft nicht informiert – anders macht der Hinweis auf die Selbstanzeige keinen Sinn.

Dies war auch genau das, was die Ministerin kritisiert hat, als sie davon sprach, dass nicht erkennbar sei, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche auch bei Verdacht auf Missbrauch konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Konkret zu den Richtlinien sagte sie:

Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt. Und da können nicht andere drüber entscheiden, ob dieses Delikt verfolgt wird oder nicht. Und dann muss es eben andere Richtlinien geben. Ich glaube, es ist vorbei, zu versuchen, solche Richtlinien zu rechtfertigen. Über 120 Missbrauchsfälle allein in den letzten wenigen Wochen – und es ist ja wohl zu befürchten, dass es immer mehr werden –, und deshalb muss natürlich sofort die Staatsanwaltschaft informiert werden, und es muss aufgeklärt werden – im Interesse der Katholischen Kirche.

Die Moderatorin hatte gefragt:

Nach den bisherigen Leitlinien der Katholischen Kirche wird immer erst eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet, und dann gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Müsste das nicht sofort in jedem Verdachtsfall geschehen?

Was, bitteschön, hatte die Justizministerin anders darauf antworten sollen?

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