Noch mal Gotteswahn

3. Dezember 2010

In einer Adventspredigt für den Papst kritisierte der Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa den „militanten Atheisten“ Richard Dawkins und führte aus:

Ein Wissenschaftler oder Atheist, der behauptet ‚Es gibt keinen Gott‛, urteilt über eine Welt, die er nicht kennt, und wendet seine Gesetze auf ein Objekt an, dass außerhalb seiner Erreichbarkeit liegt.

Wie bereits gestern beim Beethoven-Trugschluss hat sich Dawkins in seinem Buch Der Gotteswahn bereits zu diesem Einwand geäußert (S. 95):

Welche Fachkenntnisse, die ein Naturwissenschaftler nicht besitzt, können Theologen in die Untersuchung weitreichender kosmologischer Fragen einbringen? In einem anderen Buch habe ich berichtet, was mir ein Astronom aus Oxford antwortete, als ich ihm eine dieser weit reichenden Fragen stellte: »Ach, damit verlassen wir den Bereich der Naturwissenschaft. An dieser Stelle muss ich das Wort meinem guten Freund erteilen, dem Kaplan.« Ich war damals nicht schlagfertig genug, um die Antwort zu geben, die ich später zu Papier brachte : »Aber warum dem Kaplan? Warum nicht dem Gärtner oder dem Koch?« Warum sind Naturwissenschaftler so voll kriecherischem Respekt vor den Ambitionen der Theologen – und das in Fragen, zu deren Beantwortung die Theologen sicher keine größere Qualifikation mitbringen als die Naturwissenschaftler selbst?

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„… dass man das jetzt nicht hinterfragt“: Religionsunterricht gegen Extremisten?

15. Dezember 2009

Gestern schrieb ich über Prof. Bülent Uçars Behauptung, mit einem bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht ließe sich gegenüber Extremisten „überzeugend argumentieren“. Die beiden Artikel, auf die ich am Ende des Eintrags verlinkt habe, liefern weitere Beispiele für absurde Behauptungen, wie sie typisch sind für Theologen und Religions-Lobbyisten.

Ich will noch einmal hervorheben, dass den Muslimen in Deutschland natürlich das Recht auf einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht und damit entsprechend der gängigen Praxis auch eine staatlich bezahlte Theologenausbildung zusteht. Es wäre mir lieber, es gäbe einen für alle verbindlichen Ethik- bzw. Lebenskundeunterricht wie in Berlin, und keine staatlich bezahlte Theologenausbildung. Solange dies aber der Fall ist, muss gleiches Recht für alle gelten.

Die Kritik an den folgenden Aussagen richtet sich auch nicht speziell gegen Prof. Uçar, sondern sie dienen lediglich als Beispiel – denn von katholischen oder evangelischen Theologen ist man genau dieselbe Sprache gewöhnt.

Der Artikel gliedert sich in vier Abschnitte:

  • Bekenntnisgebundener Unterricht überzeugender als „rein rationaler“ Unterricht?
  • Fundamentalisten nehmen auch die „Binnenperspektive“ ein
  • Keine Indoktrination?
  • „… dass man das jetzt nicht hinterfragt“

Also, los geht’s: Den Rest des Beitrags lesen »


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