Kirchliche „Transparenz“: Bistum Trier

7. Mai 2014

Bistum Trier vs Realität

Das Bistum Trier spielt in seinem neuen Geschäftsbericht mit gezinkten Karten. Wem der Text zu lang ist, kann gleich ans Ende springen.

Im März hat das Bistum Trier seinen ersten Geschäftsbericht vorgestellt. Darin werden nicht nur – wie bisher im Haushalt – die Einnahmen und Ausgaben des jeweiligen Jahres dargestellt, sondern auch das Vermögen des Bistums und die Schulden. Möglich wird dies durch die Umstellung des Haushalts- und Rechnungswesens von der Kameralistik auf die Doppik, die sich an der kaufmännischen Buchführung orientiert. Diesen Wechsel hatte das Bistum Trier bereits 2009 vollzogen, es handelt sich also nicht um eine Reaktion auf den Limburger Finanzskandal um Tebartz-van Elst letztes Jahr.

Entscheidend für die Umstellung war laut Generalvikar Dr. Bätzing die Überzeugung, „dass eine transparente und aussagekräftige Rechnungslegung als Grundlage des Wirtschaftens im Bistum unentbehrlich ist“. Auch im Geschäftsbericht schreibt Dr. Bätzing gleich zu Beginn: „Transparenz und Rechenschaft sind uns in dieser Hinsicht wichtige Anliegen.“

Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts soll nicht kleingeredet werden, und er ist auf jeden Fall besser als der „Geschäftsbericht“ des Erzbistums Hamburg, in dem die Bilanz leider fehlt (und der deshalb die Bezeichnung „Geschäftsbericht“ nicht wirklich verdient), und besser als der Geschäftsbericht des Bistums Hildesheim, das entgegen seiner Beteuerungen, nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) zu bilanzieren, seine Immobilien systematisch nicht bilanziert.

Ein echter Wille zur Transparenz ist allerdings im Geschäftsbericht des Bistums Trier nicht zu erkennen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Birnau: Abschiebeposten für pädophile Priester?

16. Juli 2010

Offenbar überstürzt und ohne Erklärung wurde 2008 ein Pater aus dem Zisterzienserkloster Birnau am Bodensee abgezogen. Der Pater hatte sich zuvor auch um die Messdiener gekümmert. Dies wäre an sich vielleicht noch keine Meldung wert – wenn man nicht den Eindruck gewinnen könnte, dass das 4-Mann-Kloster möglicherweise als Abschiebeposten für auffällig gewordene Priester diente.

Seit 6 Wochen recherchiere ich mittlerweile zum Thema „Birnau“. Anfangs stellte ich mir immer wieder die Frage: „Wer geht eigentlich freiwillig in ein Kloster, in dem nur vier Männer sind?“ Irgendwann kam mir der Gedanke: „Die gehen da möglicherweise gar nicht freiwillig hin!“

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„Aufklärung“ und „Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden“: Kirchensprech verstehen

30. April 2010

Beim Thema „sexueller Missbrauch“ werden Kirchenvertreter nicht müde zu beteuern, dass es ihnen um „Aufklärung“ und „Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden“ ginge. Bei genauerem Hinsehen kommen derartige Beteuerungen allerdings einem beherzten „Weiter so!“ gleich.

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Berliner Canisius-Kolleg Ende Januar werden die deutschen Bischöfe nicht müde zu beteuern, dass sie um „Aufklärung“ bemüht sind und „mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten“ wollen, und zwar „vorbehaltlos“. Einige Beispiele (Hervorhebungen von mir):

„Beide Seiten waren sich darin einig, dass es das vorrangige Ziel der katholischen Kirche und der staatlichen Stellen ist, in enger Kooperation miteinander und mit den Betroffenen alles zu tun, um eine umfassende Aufklärung der vergangenen Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in den kirchlichen Einrichtungen entschlossen voranzutreiben. [… Die Opfer] haben ein Recht auf eine ehrliche Aufklärung.“ (Deutsche Bischofskonferenz, 15.04.2010)

„Die Kirche unterstützt die staatlichen Strafverfolgungsbehörden bei der Verfolgung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche vorbehaltlos.“ (Deutsche Bischofskonferenz, 09.03.2010)

Der Eichstätter Bischof, Gregor Hanke, plädierte für eine „Aufklärung ohne wenn und aber“. (Erzbistum München, 06.03.2010)

„Wir wollen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zur Aufklärung beitragen“. (Sonderbeauftragter Bischof Ackermann, Bistum Trier, 26.02.2010)

Das erweckt beim unbefangenen Leser den Eindruck, die Bischöfe hätten den Ernst der Lage erkannt und würden jetzt entsprechend ernsthaft an einer Verbesserung der innerkirchlichen Vorschriften, insbesondere der Leitlinien zum Vorgehen bei Missbrauchsfällen arbeiten.

Kirchensprech hat Tradition

Tatsächlich dürfte allerdings nichts anderes gemeint sein als „Weitermachen wie bisher“. Wie kann das sein? Nun, die Katholische Kirche gebraucht gut klingende Wörter gerne in einem speziellen Sinn: So spricht man in der Katholischen Kirche z.B. gerne von „Wahrheit“, wenn die katholische Lehre gemeint ist. Die Behauptung „Außerhalb der Wahrheit oder gegen sie gibt es keine Freiheit“ (vgl. Enzyklika „Veritatis splendor“ von Papst Johannes Paul II., Ziffer 96) klingt halt für die meisten Menschen akzeptabler als „Außerhalb der katholischen Kirche oder gegen sie gibt es keine Freiheit.“ Oder auch folgende Aussage:

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Leitlinien: Pervertierung der Opferbelange

28. April 2010

Ich war wirklich willig zu glauben, nein: Ich hatte gehofft, die deutschen Bischöfe würden aufgrund des öffentlichen Drucks einerseits (z.B. Kirchenaustritte), andererseits aber auch aufgrund ihrer eigenen Beschäftigung mit dem Thema (Ausmaß der Fälle, Berichte von Betroffenen) ihre Leitlinien von 2002 wirksam verbessern.

Was ich aber bisher vom Sonderbeauftragten Ackermann und jetzt vom Mainzer Kardinal Lehmann gehört habe, erweckt bei mir den Eindruck, dass es weiterzugehen scheint wie bisher: Dass die Bischöfe sich nämlich nach wie vor gegen verbindliche Festlegungen wehren.

Der Sonderbeauftragte Ackermann hat ja schon Anfang April eine Meldepflicht abgelehnt – natürlich mit dem Hinweis auf die Betroffenen, die u.U. dadurch von einer Meldung abgehalten werden könnten (DBK). Dieser Einwand ist zwar ernst zu nehmen: Aber die Konsequenz müsste dann doch eine grundsätzliche Meldepflicht mit Vetorecht des Betroffenen sein, also grundsätzlich sofort Meldung an die Strafverfolgungsbehörden, es sei denn, das Opfer widerspricht dem ausdrücklich. Was soll also das Herumgeeiere?

Gestern wurde gemeldet, dass der ehemalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann aus Mainz, eine „generelle finanzielle Entschädigung“ von Missbrauchsopfern ablehnt (AD HOC NEWS, SWR). Das gleiche Spiel wie bei der Meldepflicht: Gründe, die möglicherweise gegen eine „pauschale“ Entschädigung von Opfern (Lehmann: „wie auf einer Preisliste“) sprechen, werden offenbar aufgebauscht, um von einer praktikablen Lösung abzulenken und finanzielle Zusagen abzublocken. (Auch ein kirchlicher Entschädigungsfonds wird von Lehmann abgelehnt.)

Glaubt irgendjemand, dass es der Kirche hierbei tatsächlich um die Opfer geht? Wie Ackermann bei der Meldepflicht verweist auch Lehmann auf die Gefühle der Opfer. Finanzielle Unterstützung therapeutischer Maßnahmen sei aber zumindest im Einzelfall möglich, sagt Lehmann. Einzelfall bedeutet: Das Opfer muss – vermutlich in einem langwierigen, belastenden Prozess – deutlich machen, dass es die finanzielle Unterstützung „verdient hat“. Viele Opfer würden hier sicher eine „Preisliste“ vorziehen, wie sie Lehmann offenbar zu taktlos findet. Und wir wissen aus einem bisherigen Fall, dass die Kirche nur bei erwiesenem Missbrauch zahlt, und auch dann nur für zukünftige, nicht aber bereits zurückliegende Therapien („Was die Übernahme von Therapiekosten betrifft, so gibt es bei uns folgende Regelung: Die Kosten zurückliegender Therapien können nicht erstattet werden.“) – ein Hohn allein schon angesichts der Tatsache, dass die Betroffenen von sexualisierter Gewalt sich oft erst nach Jahrzehnten trauen, darüber zu sprechen.

Lehmann geht aber noch weiter: Der Ruf nach finanzieller Entschädigung sei „verräterisch“, sagt er: „Hier ist auch die Begehrlichkeit nach Geld nicht zu übersehen, wie übrigens der Runde Tisch um die Heimkinder, aber auch ein Blick in die Situation der USA und Irlands zeigt.“ (Rhein-Zeitung) Da sexueller Missbrauch schwerste Schäden anrichten könne, sei die Forderung „Ich will endlich Geld sehen, viel Geld“ eine Verkennung „des ethischen Schwergewichts einer solchen Verfehlung und auch der Formen möglicher Wiedergutmachung“. (SWR).

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Erzbischof Zollitsch in Rom: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen

14. März 2010

Pressemitteilung München / Rom, 12. März 2010

Wir sind Kirche: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen Zum heutigen Besuch des Vorsitzenden der DBK, Erzbischof Zollitsch beim Papst

Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen im Umgang mit sexueller, physischer und psychischer Gewalt in der römisch-katholischen Kirche sieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche nach dem heutigen Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Papst.

Statt sich aus dem fernen Rom bei den Opfern zu entschuldigen, sollte Erzbischof Zollitsch sehr bald auf die Opfer zugehen, ihnen zuhören und gemeinsam mit ihnen nach Wegen und Ritualen der Versöhnung suchen. Bedauerlich ist, dass nicht Papst Benedikt XVI. selber mitfühlende und um Versöhnung bittende Worte für die Opfer gefunden hat – gerade heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem von Papst Johannes Paul II. gesprochenen eindrucksvollen „Mea Culpa“.

Zu den vielen, auch nach der heutigen Erklärung des Vorsitzenden der DBK unbeantworteten Fragen, gehören: ­

  • Wann endlich anerkennt der Vatikan sexualisierte Gewalt als weltweites und auch mit den Strukturen der katholischen Kirche zusammenhängendes Problem, das die jesuanische Botschaft immer mehr verdunkelt?
  • Wann wird endlich der Zölibat hinterfragt und die im Zölibatsgesetz kulminierende männerbündische Sexual- und Frauenfeindlichkeit in den Blick genommen, so wie dies jetzt Kardinal Schönborn in Wien getan hat, der die Priestererziehung, aber auch den Zölibat hinterfragt hat?
  • Wann werden die Deutsche Bischofskonferenz DBK und die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) endlich gegenüber jedem Täter das Null-Toleranz-Prinzip anwenden, das Papst Benedikt auch schon als Kardinal vor allem gegenüber den USA vertrat?
  • Warum hat angesichts der akuten Krisensituation nicht der von der Bischofskonferenz erst kürzlich ernannte Sonderbeauftragte, der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, an dem Gespräch in Rom teilgenommen und dem Papst über seine bisherigen und künftigen Aktivitäten berichtet?
  • Wenn das kirchliche Verfahren „selbstverständlich“ dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet sein soll, so ist zu fragen, warum beispielsweise im Kloster Ettal Erzbischof Dr. Reinhard Marx statt eines externen staatlichen Sonderermittlers einen kirchlichen „Sonderermittler“ eingesetzt hat, und dann sogar noch einen, der vor drei Jahren im Auftrag von Bischof Müller Schadensersatzansprüche eines Opfers abgewehrt hat?
  • Kann es sich die röm.-katholische Kirche in Deutschland wirklich leisten, nur an dem von Erzbischof Zollitsch selber angeregten großen Runden Tisch der Bundesfamilienministerin und der Bundesbildungsministerin „selbstverständlich“ teilzunehmen, aber die Teilnahme am Runden Tisch der Bundesjustizministerin abzulehnen?

Bei aller Anerkennung der Bemühungen des früheren Präfekten der Glaubenskongregation und jetzigen Papstes werden die Fragen immer virulenter, was Ratzinger 1977 bis 1981 als Erzbischof von München und Freising und erst Recht seit 1981 als Kardinal in Rom gewusst und getan oder nicht getan hat.

Wir sind Kirche wird die jetzt hoffentlich verstärkten Anstrengungen der Bischöfe gerne unterstützen, aber auch kritisch begleiten, damit es nicht zu dem von niemandem gewollten Pauschalverdacht gegenüber allen Priestern, Ordensleuten und römisch-katholischen Einrichtungen kommt. Solange nicht in allen Bistümern bzw. bundesweit unabhängige AnsprechpartnerInnen benannt werden, hält Wir sind Kirche den im Jahr 2002 eingerichteten Notruf weiterhin bereit (Telefon: 0180-3000862, E-Mail: zypresse@wir-sind-kirche.de).

Wir sind Kirche-Pressemitteilung vom 21. Februar zum Beginn der Bischofskonferenz mit 10 zentralen Forderungen der KirchenVolksBewegung für die Überarbeitung der Leitlinien:
http://www.wir-sind-kirche.de/www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=2408


Moral predigen, Missbrauch dulden? Wer stoppt die Scheinheiligen?

12. März 2010

Die gestrige Maybrit Illner Sendung ist jetzt hier online abrufbar.

Gäste:

Update: Diese Besprechung bein FOCUS ONLINE bringt es auf den Punkt: Katholische Ausweichmanöver.

Besprechung der Sendung hier bei WELT ONLINE. Die Besprechung ist m.E. allerdings grottenschlecht und enthält Fehler, so kann man bspw. meiner Erinnerung nach nicht fair schreiben, Bischof Ackermann „poche auf die Unabhängigkeit der Kirche mit ihrem eigenen Rechtssystem“ – er hat das erläutert, aber nicht „darauf gepocht“, und Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat sich ausdrücklich gegen die Formulierung von Moderatorin Illner verwehrt, Ihr Tisch sei als wichtiger zu bezeichnen, während es in dem WELT-Artikel heißt sie habe gesagt, „Mein Tisch ist wichtiger“. (Tatsächlich sagte sie: „Ich sage nicht er ist der wichtigere“.)

Und hier hat ein freundlicher Blogger schon etwas zu dem Buch Sacro Pop geschrieben. Darin hatte Abrantes Ostrowski schon 2002 die Zustände am Bad Godesberger Aloisiuskolleg beschrieben.


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