Ketzerpodcast Outtakes

5. April 2010

Bis der nächste Ketzerpodcast online ist, hier drei Outtakes aus dem letzten. (Das heißt, es handelt sich um Sachen, die wir zwar während der Aufnahme besprochen haben, die aber nicht in der Endfassung enthalten sind, da der Podcast immer nur höchstens eine Stunde lang sein soll.)

  • Kondome für Mönche, Dildos für Nonnen
    Christian weist darauf hin, dass auch das Ende der DDR durch einen runden Tisch eingeläutet wurde. Daraufhin spekulieren die Ketzer über die möglichen Folgen des rundes Tisches zum Missbrauchsskandal.
  • Kirchenasyl im Vatikan
    Die Ketzer diskutieren, ob der Vatikan wohl kriminelle Geistliche an andere Länder ausliefert.
  • Runder Tisch und rote Käppchen
    Anhand der Menschenrechtsthematik und des runden Tisches zum Kindesmissbrauch spekulieren die Ketzer über die Bedeutung der roten Kardinalskäppchen.

Ketzerpodcast: Neue Ausschnitte bei YouTube

20. März 2010

Es sind jetzt wieder Ausschnitte der neuesten Folge auf dem YouTube-Kanal des Ketzerpodcasts, und zwar zu folgenden Themen:

  • Der Papst und der Missbrauchsskandal (5:36)
    Der Fall eines pädophilen Priesters in Ratzingers Bistum und die Direktive von Ratzingers Glaubenskongregation von 2001.
  • Georg Ratzingers Ausraster (2:06)
    Der langjährige Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen war froh, als er ab 1980 keine Kinder mehr ohrfeigen durfte.
  • Inzest in der Bibel (2:42)
    Lot und seine Töchter, Abraham und Sara: alles nicht ganz uninzestös!
  • Kirchlicher Doppel-Sprech (1:32)
    Matthias erläutert, was die Kirche seiner Meinung nach mit „Aufklärung“ meint.
  • Runder Tisch und Verjährung (4:15)
    Aufgabe des „rundes Tisches“ und das Pochen der Kirche auf strafrechtliche Verjährung.
  • Bischöfe bestehen auf Entschädigungen – für sich selbst! (4:25)
    Während die deutschen Bischöfe Entschädigungen für die Missbrauchsopfer fast durchgängig abgelehnt haben, bestehen sie weiterhin auf Entschädigung für die Säkularisation vor 200 Jahren. Und das, obwohl das Grundgesetz deren Ablösung vorschreibt.
  • Innerkirchliche Opposition (6:40)
    Reaktionen von „Wir sind Kirche“, „Kirche von unten“ „Priester ohne Amt. Wer heiratet, kann kein Priester mehr sein. Wer Kinder missbraucht, schon!
  • Advokat des Teufels (3:07)
    Matthias springt einen Moment lang für die Kirche in die Bresche.
  • Politiker und Journalisten (4:17)
    Es zeigt sich immer wieder, dass die katholische Kirche nur auf öffentlichen Druck reagiert. Leider übt sich die Bundeskanzlerin in Wischiwaschi-Statements und glaubt, Bischof Ackermann sei ein Sonderbeauftragter für die Aufklärung.
  • „Nur“ 300 Fälle von Pädophilie in 9 Jahren (5:44)
    Es war zu lesen, von 3000 Missbrauchsfällen, die der Vatikan in den letzten 9 Jahren bearbeitet hat, hätten nur 300 Pädophile Priester betroffen. Das kommt aber daher, dass  hier eine enge Definition von „Pädophilie“ benutzt wird, die sich nur auf den Missbrauch von vorpubertären Kindern bezieht. Die andern Fälle dürften sich ganz überwiegend auf Kinder in der Pubertät (Ephebophilie) bezogen haben.
  • Kirchenstrafen (2:45)
    Matthias erläutert, zu welchen Strafen die 3000 Missbrauchsfälle geführt haben, die der Vatikan von 2001 bis 2009 bearbeitet hat.
  • Kirchenrecht vs. Strafrecht (2:26)
    Matthias, Christian und Sigrid diskutieren das kirchliche Strafrecht und werfen die Frage auf, wie man eine Information kirchenrechtlich geheim hält, strafrechtlich aber offenbart.
  • Bischof Müller vs. Humanistische Union (4:21)
    Bischof Müller hatte der Bundesjustizministerin vorgeworfen, sie engagiere sich in “einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist”.
  • Kirchenaustritte und Vertrauensverlust durch Missbrauchsskandal (1:53)
    Der Missbrauchsskandal hat bereits zu vermehrten Kirchenaustritten und einem Vertrauensverlust bei der Bevölkerung geführt. Leider scheint die Bundeskanzlerin zu den 10% zu gehören die glauben, die Kirche tue genug für die Aufklärung.
  • Gesundbeten und Homöopathie (0:23)
    Peter konnte diese Woche leider nicht beim Podcast mitmachen. Wir sagen, warum.
  • Agora – Die Säulen des Himmels (1:00)
    Empfehlung, den Film anzusehen. Die ersten Kritiken waren ausgezeichnet.
  • Zitat der Woche von Albert Einstein (0:45)
    Es geht um Schafe…

Erzbischof Zollitsch in Rom: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen

14. März 2010

Pressemitteilung München / Rom, 12. März 2010

Wir sind Kirche: Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen Zum heutigen Besuch des Vorsitzenden der DBK, Erzbischof Zollitsch beim Papst

Wenig konkrete Ergebnisse und weiterhin viele offene Fragen im Umgang mit sexueller, physischer und psychischer Gewalt in der römisch-katholischen Kirche sieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche nach dem heutigen Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Papst.

Statt sich aus dem fernen Rom bei den Opfern zu entschuldigen, sollte Erzbischof Zollitsch sehr bald auf die Opfer zugehen, ihnen zuhören und gemeinsam mit ihnen nach Wegen und Ritualen der Versöhnung suchen. Bedauerlich ist, dass nicht Papst Benedikt XVI. selber mitfühlende und um Versöhnung bittende Worte für die Opfer gefunden hat – gerade heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem von Papst Johannes Paul II. gesprochenen eindrucksvollen „Mea Culpa“.

Zu den vielen, auch nach der heutigen Erklärung des Vorsitzenden der DBK unbeantworteten Fragen, gehören: ­

  • Wann endlich anerkennt der Vatikan sexualisierte Gewalt als weltweites und auch mit den Strukturen der katholischen Kirche zusammenhängendes Problem, das die jesuanische Botschaft immer mehr verdunkelt?
  • Wann wird endlich der Zölibat hinterfragt und die im Zölibatsgesetz kulminierende männerbündische Sexual- und Frauenfeindlichkeit in den Blick genommen, so wie dies jetzt Kardinal Schönborn in Wien getan hat, der die Priestererziehung, aber auch den Zölibat hinterfragt hat?
  • Wann werden die Deutsche Bischofskonferenz DBK und die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) endlich gegenüber jedem Täter das Null-Toleranz-Prinzip anwenden, das Papst Benedikt auch schon als Kardinal vor allem gegenüber den USA vertrat?
  • Warum hat angesichts der akuten Krisensituation nicht der von der Bischofskonferenz erst kürzlich ernannte Sonderbeauftragte, der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, an dem Gespräch in Rom teilgenommen und dem Papst über seine bisherigen und künftigen Aktivitäten berichtet?
  • Wenn das kirchliche Verfahren „selbstverständlich“ dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet sein soll, so ist zu fragen, warum beispielsweise im Kloster Ettal Erzbischof Dr. Reinhard Marx statt eines externen staatlichen Sonderermittlers einen kirchlichen „Sonderermittler“ eingesetzt hat, und dann sogar noch einen, der vor drei Jahren im Auftrag von Bischof Müller Schadensersatzansprüche eines Opfers abgewehrt hat?
  • Kann es sich die röm.-katholische Kirche in Deutschland wirklich leisten, nur an dem von Erzbischof Zollitsch selber angeregten großen Runden Tisch der Bundesfamilienministerin und der Bundesbildungsministerin „selbstverständlich“ teilzunehmen, aber die Teilnahme am Runden Tisch der Bundesjustizministerin abzulehnen?

Bei aller Anerkennung der Bemühungen des früheren Präfekten der Glaubenskongregation und jetzigen Papstes werden die Fragen immer virulenter, was Ratzinger 1977 bis 1981 als Erzbischof von München und Freising und erst Recht seit 1981 als Kardinal in Rom gewusst und getan oder nicht getan hat.

Wir sind Kirche wird die jetzt hoffentlich verstärkten Anstrengungen der Bischöfe gerne unterstützen, aber auch kritisch begleiten, damit es nicht zu dem von niemandem gewollten Pauschalverdacht gegenüber allen Priestern, Ordensleuten und römisch-katholischen Einrichtungen kommt. Solange nicht in allen Bistümern bzw. bundesweit unabhängige AnsprechpartnerInnen benannt werden, hält Wir sind Kirche den im Jahr 2002 eingerichteten Notruf weiterhin bereit (Telefon: 0180-3000862, E-Mail: zypresse@wir-sind-kirche.de).

Wir sind Kirche-Pressemitteilung vom 21. Februar zum Beginn der Bischofskonferenz mit 10 zentralen Forderungen der KirchenVolksBewegung für die Überarbeitung der Leitlinien:
http://www.wir-sind-kirche.de/www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=2408


Die Bischöfe reagieren nur auf öffentlichen Druck

6. März 2010

Der Verein ehemaliger Heimkinder hat bereits vor einigen Tagen eine sehr nachdenkenswerte Erklärung zu der Reaktion der katholischen Deutschen Bischofskonferenz auf die Missbrauchsfälle herausgegeben, die offenbar von der Medien fast völlig ignoriert oder nur häppchenweise erwähnt wurde:

[Alle Hervorhebungen im Fließtext stammen von mir.]

Erklärung der Bischofskonferenz zu Missbrauchsfällen unzulänglich

Einer Kritik an der Erklärung der Bischofskonferenz muss vorangestellt werden, dass sehr wohl anerkannt wird, dass die Kirche einen neuen Umgang auch mit der Vergangenheit einzuleiten wünscht. Es werden massgebliche Schritte zu Aufarbeitung und Prävention gesetzt. Schuldeingeständnisse und eine nicht zu unterschätzende Entschuldigung werden abgegeben. Leider erfolgte dies nicht als Antwort auf Forderungen, die seit Jahren aus dem Kreis der Opfer gestellt wurden, sondern erst als eine Antwort auf Grund des massiven öffentlichen Druckes unausweichlich wurde. Seit Jahren fordert der Verein ehemaliger Heimkinder e.V., fordern Opfer dies nun unter öffentlichen Druck abgegebenen Erklärungen. Dies wurde noch in 2009 auf arrogante Art und Weise abgetan.

Die Erkenntnis des Wandels erfolgt also nicht aus Einsicht , sondern mehr aus Unvermeidbarkeit.

Mag die Erklärung der Bischofskonferenz für die zu beschwichtigende Öffentlichkeit ausreichend sein, für den Kreis der Opfer und Betroffenen sind weiterhin massive Defizite erkennbar:

  1. Nicht in einem Punkt wird anerkannt, dass eine materielle Entschädigung bei den durch Missbrauch und Gewalt zerütteten Existenzen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, geschweige werden anständige Schadensersatzzahlungen zugesichert. In den USA wurden immerhin siebenstellige Beträge an die Opfer bezahlt – in der Bundesrepublik Deutschland wird sich weiterhin darauf verlassen, dass die Solidargemeinschaft die entstandenen Schäden „irgendwie“ auffängt: Die Krankenkassen bei Erkrankungen und Therapiebedarf, die Rentenkasse bei früher Verrentung, Arbeitsamt und Sozialamt bei Arbeitsunfähigkeit.
     
  2. Nicht mit einem Wort folgt man dem gerade von der Kirche zu erwartenden Anstand und erklärt Verzicht auf die Einrede der Verjährung. Der überwiegenden Mehrzahl der Opferansprüche wird deshalb kaum entsprochen werden – geschweige denn, dass die Täter jemals bestraft werden. Eine unverantwortliche Einstellung, nachdem man das Versagen eingesteht. Es wird gefordert, dass auf Einrede der Verjährung verzichtet wird und bei Hinzutreten weiterer Anhaltspunkte des Missbrauchs eine Beweislastumkehr akzeptiert wird.
     
  3. Als hochproblematisches Vorgehen sehen wir, dass es keine Ausschreibung für Therapieangebote und den Aufbau eines kirchenunabhängigen Therapeutennetzes gibt, sondern eine eigene Auswahl von Therapeuten benannt werden soll.
     
  4. Als mindestens ebenso problematisch wird die Einrichtung einer Hotline unter der Regie der Kirche eingeschätzt. Eine Hotline muss von Opfervertretern betrieben werden, da die Gefahr zu groß ist, dass eine kircheneigenen Hotline wieder in alte Strukturen zurückfällt, die da wären Strafvereitelung, Geld- oder Sachgeschenke gegen Schweigen etc.
     
  5. Beinahe schon als Affront zu betrachten ist der Hinweis, dass das Thema nun mit dem Papst zu besprechen sei. Schließlich bitten Missbrauchsopfer seit Jahren den Papst und die deutschen Bischöfe, sich ihnen zuzuwenden. Wie es scheint, führt auch hier der Druck der Öffentlichkeit und nicht etwa das Leid der Opfer zum Ziel. Wieder ist ein Blick in die USA angebracht: Dort wurden die Opfer weitaus früher von Bischöfen und (deutschem!) Papst beachtet – allerdings muss man dazu sagen, dass in den USA empfindliche finanzielle Entschädigungen für sexuellen Missbrauch an der Tagesordnung sind.
     
  6. Auch nach der „Auseinandersetzung“ zwischen dem Erzbischof Zollitsch und der Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zum Punkt der rückhaltlosen Aufklärung und Zusammenarbeit mit den Justizbehörden, erklärte der Erzbischof noch einmal eindeutig, dass die Kirche sich auch weiterhin nicht bei jedem Verdachtsfalle an die Staatsanwaltschaft wenden würde, da oftmals auch Unschuldige verdächtigt würden.
     
  7. Die Deutsche Bischofskonferenz hat die geforderte Einrichtung eines Runden Tisches abgelehnt.

Zusammenfassend ist zu sagen:

Wenn wir auch, wie eingangs erwähnt, durchaus die Bemühungen der katholischen Kirche um einen neuen Umgang mit der eigenen Vergangenheit sehen und anerkennen, muss doch gesagt werden, dass einige wichtige, der Öffentlichkeit nicht so bekannte Forderungen der Opfer völlig unbeachtet bleiben und somit wieder eine Chance vertan wird, wirklich auf die Opfer zuzugehen und sich nicht nur dem Druck zu beugen!

So muss sich das Eingeständnis des Versagens darauf erstrecken, dass am Runden Tisch Heimerziehung das Thema des Missbrauchs längst bekannt war und dort trotz Aufforderung durch Opfer nichts eingestanden wurde. Im Gegenteil, vor dem Kammergericht Berlin drohte die Kirche noch, die gesamte Aufarbeitung abzubrechen, falls die Opfer am Runden Tisch der Missbrauchsopfer eine gewichtige Stimme bekämen. Das war in 2009, als Wissenschaftler auch der Kirche den Umfang der Verfehlungen bereits kannten. Allerdings war zu der Zeit kein Druck durch die Öffentlichkeit zu befürchten.

Wir fordern, dass diese und andere aufgezeigte Lücken unverzüglich geschlossen werden. Und wir fordern Sie auf, diese Forderung ernster zu nehmen als die letzten Jahre, in denen wir immer wieder angeboten haben, ohne große Öffentlichkeit zu arbeiten. Nach dem Zwischenbericht des Runden Tisches Heimerziehung mussten wir handeln. Das Ergebnis spürten Sie seit Wochen.

Ferner kritisiert der VEH e.V. die Einsetzung eines Sonderermittlers bezüglich der genannten Vorkommnisse. Sowohl die Ablehnung eines Runden Tisches, als auch die Einsetzung eines Sonderermittlers lassen die Tendenz erkennen, Straftaten und Verfehlungen ohne Einbeziehung der Opfer und ihrer Interessen aufzuklären. Dies muss den Verdacht nähren, dass seitens der Kirche eine an den kirchlichen Interessen ausgerichtete Aufklärung erfolgen soll und keine ergebnisoffene.

Der VEH fordert daher die Einsetzung eines Sonderermittlers, der neben einer ergebnisoffenen Aufklärung zur Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden verpflichtet ist. Bei der Auswahl des Sonderermittlers ist die Opferseite zu beteiligen. Der Sonderermittler hat einem einzurichtenden Runden Tisch umfassend Bericht zu erstatten.

Darüber hinaus fordert der VEH vom Gesetzgeber, dass eine Pflicht zur Anzeige von Taten eingeführt wird – jedenfalls bei Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wenn die Tat unter Ausnutzung eines Abhängigkeits- oder besonderen Gewaltverhältnisses (also z.B. auch bei Heimkindern, Strafgefangenen, Menschen mit Behinderungen) geschieht.

Wir hoffen trotz allem auf eine konstruktive Zusammenarbeit, so wie wir sie bereits seit 2006 anbieten.

Verein ehemaliger Heimkinder e.V.

Anmerkung: Leider ist der Pressemitteilung kein Datum zu entnehmen. Bei den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg war der obige Text bereits am 2. März 2010 zu lesen. [Bzw. als Kommentar bereits am 1. März, siehe Nics Kommentar unten.]


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