Die Behauptung „Ohne Gott ist alles erlaubt“ führt sich selbst ad absurdum

5. Mai 2011

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Philipp Möller hat auf „The European“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er die kirchliche Zweckbehauptung, ohne Gott gebe es keine Moral, meines Erachtens sachlich völlig richtig als „dummdreistes Drohszenario“ beschreibt. Das bot mir die Möglichkeit, in einem Kommentar auf einen Punkt hinzuweisen, den ich bisher noch nirgends erwähnt gefunden habe:

Wieso erkennt eigentlich keiner (weder Christ noch Atheist), dass Argumente á la „Ohne Gott ist alles erlaubt“ oder „Werte brauchen Religion“ sich selbst ad absurdum führen, wenn sie gegenüber Ungläubigen gebraucht werden?

Beide Behauptungen appellieren beim Gegenüber an die Einsicht bzw. den Wunsch, dass eben nicht alles erlaubt sein soll, dass Werte für die Gesellschaft unverzichtbar sind.

Wenn jemand gegenüber nichtreligiösen Menschen so argumentiert, dann zeigt dies, dass er sich zumindest unbewusst darüber im Klaren ist, dass eben auch Ungläubige von der Notwendigkeit von Werten überzeugt sind und nicht alles erlauben wollen. Dass er dies ohne weitere Begründung (und ohne es selber zu merken) tun kann zeigt, dass im Grunde jedem klar ist, dass der Wunsch nach Werten und (ggf. Verbots-) Regelungen des Miteinanders allen Menschen unmittelbar einsichtig ist.

Argumente wie „Ohne Gott ist alles erlaubt“ oder „Werte brauchen Religion“ sind „Trittbrettfahrer-Argumente“, die behaupten, irgendetwas Notwendiges könne nur durch Gott oder Religion bereitgestellt werden. Diese Argumente tun jedoch genau das Gegenteil von dem, was sie behaupten: Sie versuchen, Gott bzw. die Religion mit der Notwendigkeit von Regeln für das Zusammenleben zu begründen, anstatt zu zeigen, weshalb diese Regeln ohne Gott nicht zustande kommen sollten.

Das Argument funktioniert nur bei Notwendigkeiten (andernfalls ließe sich ja wiederum die Notwendigkeit Gottes anzweifeln), und dadurch führt es sich zwangsläufig ad absurdum: Was notwendig ist, existiert ohnehin bereits (andernfalls wäre die Menschheit ja schon ausgestorben) und wird auch weiterhin bereitgestellt, eben weil es notwendig ist – und nicht, weil es Gott gibt.


Spendenkampagne für Rechtsbeistand

19. März 2010

Nachfolgend ein Spendenaufruf von Philipp Möller, dem ich mich voll anschließe. Gespendet werden kann über Helpedia.

Liebe Freunde und Bekannte,

im Dezember 2009 erschien im Brights-Blog Marburg ein Beitrag, der sich kritisch mit einem Bischof und dessen Umgang mit einem einige Jahre zurückliegenden Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Geistlichen in seiner Diözese auseinandersetzte.

Im Februar 2010 wurde dem Betreiber des Blogs per Einstweiliger Verfügung eine Passage untersagt, in der die Auffassung vertreten wird, der Bischof habe eine gerichtliche Empfehlung ignoriert. Mehr Informationen dazu gibt’s beim Humanistischen Pressedienst.

Der Betreiber des Brights-Blog Marburg hat etwa 1.500 Euro für Anwalts- und Gerichtsgebühren aufwenden müssen. Nun möchte ich mit Hilfe des Alibri-Verlags, der Giordano Bruno Stiftung, des Humanistischen Pressedienstes und vielen weiteren Mitstreitern Geld einsammeln, um den Blogger bei der Begleichung der ihm entstandenen Kosten zu helfen.

Beim Erreichen des ersten Spendenziels in Höhe von 500 Euro werden wir das Ziel um jeweils 500 Euro anheben, bis wir die Summe von 1.500 Euro möglichst beisammen haben.

Sollte sogar noch mehr Geld als benötigt eingehen, wird der Überschuss als Grundstock für einen zukünftigen Solidaritätsfonds zur Verteidigung der Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit verwendet.

Vielen Dank im Voraus,

Philipp Möller

im Namen des Alibri Verlags, der Giordano Bruno Stiftung und des humanistischen Pressedientes

Falls Ihr nun Euren Skydaddy auf der Liste der Spender sucht – ich habe bereits vor der Einrichtung der Helpedia-Aktion direkt auf das Konto der Giordano-Bruno-Stiftung gespendet. Ich wiederhole das Konto hier noch mal, falls jemand Schwierigkeiten bei Helpedia hat:

Spendenkonto der Giordano Bruno Stiftung:

Konto: 25 95 700 00
BLZ: 500 400 00
Commerzbank Frankfurt/Höchst
Vermerk: Solidaritätsaktion Brights Marburg

Die obigen Infos habe ich aus diesem Artikel – nur, dass ihr wisst, dass ich nicht meine eigene Bankverbindung angegeben habe 😉

Natürlich sollte vorzugsweise über Helpedia gespendet werden – Müller und Konsorten sollen ja sehen, dass sie mit ihren Abmahnungen oder dergleichen nur eine Solidarisierung bewirken.

Das ist für mich auch der Hauptvorteil der Aktion: Die Gegenseite soll wissen, dass wir durchaus die Möglichkeit haben, uns professionell gegen juristische Attacken zu wehren.

Deshalb hoffe ich (auch im eigenen Interesse…), dass bei der Aktion ein Überschuss zustandekommt, der für künftige Auseinandersetzungen kurzfristig zur Verfügung steht.


Neuer atheistischer Podcast – auf Deutsch!

1. März 2010

Neulich hatte ich festgestellt, dass es außer dem geschätzten hpd-Podcast mit Philipp Möller leider keinen anderen atheistischen deutschen Podcast gibt.

Sogleich fanden sich einige hochkarätige Mitstreiter, um dies zu ändern: nämlich Verquer von „Glaube ist heilbar“, Amazone von „Gottlos glücklich“ und der Admiral, die sich – wie Verquer und ich natürlich auch – in den einschlägigen Blogs tummeln.

Nachdem wir vor ein, zwei Wochen übereinkamen, dass wir gestern unsere Pilotfolge aufnehmen wollten, habe die Verantwortlichen in beiden Kirchen wohl irgendwie davon Wind bekommen und uns ohne Rücksicht auf Verluste interessante Themen geliefert.

In der gestrigen Folge unterhielten wir uns über:

  • Kreuze in Gerichtssälen
  • den Rücktritt von Frau Käßmann
  • den Missbrauchsskandal
  • Moral ohne Gott
  • logische Fehlschlüsse
  • Charlie Chaplin

Natürlich lüften wir auch unsere Geheimidentitäten. 🙂

Also: Viel Spaß beim Hören! Wir suchen übrigens noch Leute, die mitmachen wollen. Mailt an podcast@atheismus.de.

Ketzer 2.0 – Gottlose Gedanken zu Leben (Folge 1, 28.02.2010)

Und hier noch das Interview mit Gerhard Czermak zu Kreuzen in Gerichtssälen, das in dem Podcast angesprochen wird.


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