Mixa: Unglaubwürdig bis zum Schluss

22. April 2010

In einer Pressemitteilung anlässlich des Rücktrittsgesuchs, pardon: der „Bitte um Entpflichtung“ von Bischof Mixa an den Papst meldete das Bistum Augsburg:

Als Bischof, so Dr. Walter Mixa, habe das Wohl der Diözese Augsburg für ihn immer höchste Priorität gehabt. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet. Mit seinem Rücktritt wolle er dafür Sorge tragen, weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen.

Wenn Mixa ernsthaft am Wohl der Kirche interessiert gewesen wäre und nicht in erster Linie an seinem eigenen, dann hätte er schon anlässlich der Prügelvorwürfe zurücktreten sollen, spätestens, nachdem das Waisenhaus den Sonderermittler Knott eingesetzt hatte, der nicht nur den Anschuldigungen des Prügelns, sondern auch dem Verdacht auf finanzielle Unstimmigkeiten nachgehen sollte. Mixa musste wissen, dass seine finanziellen Eskapaden bereits aktenkundig waren und zweifellos ans Licht kommen würden.

Mixa hätte auch gleich zugeben sollen, dass er „möglicherweise“ Kinder geohrfeigt hat. Stattdessen bezeichnete er die Vorwürfe – die nicht nur, aber auch Ohrfeigen beinhalteten – als absurd und erlogen.

Mixa hoffte wohl, die Sache aussitzen zu können, zumal sich die Prügelvorwürfe nach so langer Zeit wohl kaum zweifelsfrei belegen lassen würden und sowohl die körperlichen Übergriffe als auch die Untreue Mixas, so sie denn stattgefunden haben, ohnehin verjährt sind.

Spätestens aber, als er zurückruderte und erklärte, er könne nicht ausschließen, vor 20 oder 30 Jahren die eine oder andere Ohrfeige ausgeteilt zu haben, hätte er sich darüber im Klaren sein müssen, dass er moralisch nicht zu halten war. Ein Bischof, der – zwar nicht ausdrücklich, aber doch deutlich – zugibt, die Unwahrheit gesagt zu haben: In welchem Universum lebt Mixa, dass er glaubte oder sich weismachen ließ, das könne – gerade in der derzeitigen Vertrauenskrise der Katholischen Kirche – durchzuhalten sein?

Mixa versuchte offenbar auf Zeit zu spielen: Am Montag  beauftragte er die Bischöfliche Finanzkammer und eine Münchner Anwaltskanzlei, „die finanziellen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Waisenhausstiftung in Schrobenhausen aufzuklären“. Das muss wie reiner Aktionismus erscheinen: Diesen „Fragestellungen“ wird die Waisenhausstiftung gewiss auch so nachgehen, denn sie ist es ja, die den Schaden erlitten hat. Vielleicht hoffte Mixa, bis zum Abschluss dieser Untersuchungen würde man seitens der Bischofskonferenz nicht seinen Rücktritt fordern, vielleicht erhoffte er sich auch Einsicht, welche Vorwürfe gegen ihn sich belegen lassen und welche nicht.

Mixa spekulierte wohl darauf, dass er als Bischof nur vom Papst abgesetzt werden kann, und rechnete nicht damit, dass sich Teile seiner Augsburger Priester und Laien wie auch die maßgeblichen Bischöfe Zollitsch und Marx offen gegen ihn stellen würden, solange die Vorwürfe nicht abschließend geklärt waren.

In bisher nicht gekannter Weise erklärten Zollitsch und Marx gestern, sie hätten mit Mixa „überlegt, wie er in der derzeit schwierigen Situation im Bistum Augsburg zur Beruhigung beitragen und ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken.“

Zollitsch und Marx dürften Mixa diesen Schritt mit großer Wahrscheinlichkeit angekündigt haben, um Mixa die Möglichkeit zu geben, das Gesicht zu wahren, und auch um der Kirche die Peinlichkeit einer solchen Erklärung zu ersparen, gerade in der jetzigen Situation. Viermal soll Zollitsch mit Mixa telefoniert haben.

Dass es dennoch erst dieser Bloßstellung bedurfte, um Mixa zum Rücktritt zu bewegen, zeugt von Mixas Starrsinn.

In der Pressemitteilung des Bistums heißt es:

An einer weiteren lückenlosen Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe wolle er auch in Zukunft weiter aktiv mitwirken.

Mixa will „auch in Zukunft“ an einer „lückenlosen Aufklärung“ „aktiv“ mitwirken? Davon war bisher nichts zu merken – Mixa hat alle Vorwürfe erst einmal pauschal abgestritten und juristische Gegenmaßnahmen in Aussicht gestellt. Bezüglich der Untreuevorwürfe ließ des Bistum mitteilen, es sei „wohl mehrfach zu finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen zwischen der Waisenhausstiftung und der Pfarrkirchenstiftung gekommen. Dabei ging es nicht um private Anschaffungen des Pfarrers sondern um antiquarische Möbel und Ausstattungsgegenstände für die Kirche und den historischen Pfarrhof.“ Mixa wurde zitiert mit den Worten „Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe.“

Nun zitierte Sonderermittler Knott aber aus einem Dokument, in dem Mixa die Anschaffung von (noch dazu überteuerten) Kunstgegenständen ganz eindeutig dem Waisenhaus zuordnen wollte, damit die Waisen „durch eine entsprechende Ausgestaltung des Hauses ein Gespür für Kunstwerke und für das Schöne entwickeln sollten“. Ganz zu schweigen von der Frage, wer für über 5.000 Mark Wein konsumiert haben soll.

Dem Sonderermittler Knott lässt sich gewiss keine „Hetzkampagne“ oder „Stimmungsmache“ gegen Mixa oder gar die Kirche vorwerfen. Es ist nicht ersichtlich, wie die Untreuevorwürfe aufgeklärt werden sollten, ganz ohne Mixa zu belasten.

Trotzdem hätte der (Noch-) Bischof bei seiner Entschuldigung gestern nicht allgemeiner bleiben können:

 „Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung.“

Kein Wort zu den Ohrfeigen, kein Wort zu seinen Beschuldigungen gegen die Menschen, die sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt hatten, kein Wort zu den überteuerten Anschaffungen, kein Wort zu seiner verspäteten Einsicht, möglicherweise doch geohrfeigt zu haben.

Mixas Worte und Taten (bzw. seine Untätigkeit) lassen nur einen Schluss zu: Dieser Mann ist uneinsichtig bis zum Schluss und gibt nur zu, was sich nicht mehr abstreiten lässt.

Von ihm ist – auch in Zukunft – kein aktiver Beitrag zur Aufklärung zu erwarten.

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Manchmal haben Waisen…

17. April 2010

Audio-Datei (m4a) hier.

Manchmal haben Waisen…

In Schrobenhausen sprach er mich an,
er war gebräunt und er roch nach Wein.

Er sagte „Junge, hör mir zu,
du gottverdammtes Atheistenschwein!

Frau Käßmann im Phaeton war der gerechte Lohn
für die sexuelle Revolution.

Doch bei uns Prälaten gibt’s zwischen Worten und Taten
einen Unterschied der ganz gewaltig klafft.“

Und was ich dann hörte,
was mich total empörte,
es wiederzugeben fehlt mir fast die Kraft:

Er sagte:

„Manchmal, aber nur manchmal,
haben Waisen ein kleines bisschen Haue gern.“


Peinliche Prälaten (1): Georg Ratzinger

11. März 2010

Papstbruder und Ehrenprälat Georg Ratzinger, dreißig Jahre lang Domkapellmeister bei den Regensburger Domspatzen, hat die Opfer der körperlichen Misshandlungen dort um Verzeihung gebeten und eingeräumt, bis zum gesetzlichen Verbot der körperlichen Züchtigung 1980 auch selber Kinder geohrfeigt zu haben. (domradio.de)

Die Ohrfeigen will ich G. Ratzinger nicht zum Vorwurf machen, damals waren „normale“ Ohrfeigen halt noch gang und gäbe.

Aber die folgende Aussage lässt sich wohl nur als peinlich bezeichnen:

„Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurden”, sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. der “Passauer Neuen Presse“ An diese Maßgabe habe er sich „striktissime“ gehalten und war nach dem Verbot “innerlich erleichtert.“ [WELT]

Wenn er so froh war, als die Ohrfeigen endlich verboten wurden, warum hat er nicht schon früher damit aufgehört?

Vielleicht, weil die Bibel das Schlagen von Kindern ausdrücklich anordnet?

Sprüche 13,24: “Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.”

Wieder so ein Beispiel, wo die heutigen Gesetze weitaus ethischer sind als die Bibel.


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