Vatikanische Fensterpredigten

13. März 2010

domradio.de meldet: Vatikan will mehr Schutz für religiöse Minderheiten:

Rund 70 Prozent der Weltbevölkerung lebten in Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit, sagte Erzbischof Silvano Tomasi vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.

Der Vatikan hat hier gut reden – ist er doch (neben Weißrussland) der einzige europäische Staat, der die Europäische Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert hat.

Um Verfolgung und Diskriminierung künftig zu verhindern, [sei] unter anderem eine unabhängige Rechtsprechung […] notwendig, […] , forderte Tomasi.

Eine unabhängige Rechtsprechung (wie oben gefordert) oder gar Gewaltenteilung kennt man im Vatikan natürlich auch nicht. Vielmehr heißt es im Grundgesetz des Vatikans ausdrücklich:

Art. 1 

1. Der Papst besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt. [Hervorhebung von mir.]

Übrigens stammt das Grundgesetz des Vatikans – aus dem Jahr 2000!

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Ex-Bundespräsident Herzog: Die Menschenrechte in den Zehn Geboten

14. Dezember 2009

„Lesen Sie die Zehn Gebote und Sie stoßen unweigerlich auf die Menschenrechte.“ Leben, Familie, Eigentum, Würde – der Schutz all jener liege schon in den biblischen Gesetzen begründet, erklärte der ehemalige Bundespräsident Deutschlands, Roman Herzog, am vergangenen Wochenende auf der Tagung „Christliche Quellen freiheitlicher Systeme“ des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK) und der Jungen Union (JU) in Rheinland-Pfalz.  Die Bibel sei „die geistige Grundlage weiter Teile unseres verfassungspolitischen Denkens“, sagte Herzog. [Quelle: Christliches Medienmagazin pro]

Ich lese die Zehn Gebote und stoße unweigerlich auf Menschenrechtsverletzungen: Keine Religionsfreiheit (Gebote 1 und 2), Sippenhaft (2. Mose 20,5: „Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen„), Bild der Frau als Sache (2. Mose 20,17: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.„).

Unmittelbar nach den Zehn Geboten folgen in 2. Mose 21 die Vorschriften für den Umgang mit Sklaven (z.B. 2. Mose 21,7: „Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht freigelassen werden wie die Sklaven.„), Todesstrafe (z.B. 2. Mose 21,15: „Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.„), Gottesurteile per Losentscheid (2. Mose 22,8) sowie die Todesstrafe für Hexen, Sodomie und Götzenanbetung (2. Mose 22,17-19) .

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Weltparlament der Trittbrettfahrer

9. Dezember 2009

Während seit Montag die UN-Klimakonferenz zum 15. Mal zusammenkommt, trifft sich gleichzeitig noch bis heute in Australien unter dem Motto  „Einen himmelweiten Unterschied machen: einander zuhören, die Erde heilen“ das sog. „Parlament der Weltreligionen„. Die haben sich 1893 zum ersten Mal getroffen, dann hundert Jahre nicht mehr, um dann zum hundertjährigen Jubiläum 1993 einen Minimalkonsens der Religionen bezüglich Werten, Maßstäben und Verfahrensweisen zu formulieren. Ich nehme an, für eine Anerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) hat’s nicht gereicht.

Prominentester Gast dieses Jahr ist seine Heiligkeit, Dr. h.c. Dalai Lama: 

Bei dem Treffen setzte sich der Dalai Lama für einen gemeinsamen Kampf gegen die Umweltzerstörung ein. […]

Der Dalai Lama wies darauf hin, dass der weltweite Klimawandel in Tibet am deutlichsten zu spüren sei – die Temperaturen steigen auf dem tibetischen Hochplateau mit doppelter Geschwindigkeit. Dort entspringen die vier größten Wasseradern Asiens. Damit ist der Erhalt des tibetischen Ökosystems für den gesamten Kontinent von größter Bedeutung.

Darauf hat die Welt gewartet: Die Wissenschaftler sind sich seit Jahren im Grundsatz über den Klimawandel einig. Seit 15 Jahren finden Klimagipfel statt. Vor einigen Jahren gab es ein populäres Video – „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore – das mittlerweise auch schon wieder so alt ist, dass ich es schon als Zeitschriftenbeilage gesehen habe. Und jetzt springen auch noch die Weltreligionen auf den Zug auf?

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Frag den Frosch!

13. November 2009

“Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen.” Daran musste ich denken, als ich heute einen längeren Artikel im Rheinischen Merkur zum Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte las: „Kruzifix: Europa überhebt sich“.

Der Autor, Hans Michael Heinig, hält das Urteil für ein Fehlurteil. Herr Heinig ist allerdings auch der Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der Leser hat somit die Wahl, dem einstimmigen Urteil der sieben Straßburger Richter zu folgen, dem Bundesverfassungsgericht, das 1995 praktisch zu dem selben Urteil gekommen ist – oder einem großkirchlichen Sprachrohr. Gut – wer den Rheinischen Merkur liest, wird möglicherweise letzterem den Vorzug geben. Aber im Ernst: Wer glaubt ernsthaft, vom Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD eine ausgewogene, unvoreingenommen Einschätzung zu erhalten?

Möglicherweise gilt beim („katholischen“) Rheinischen Merkur ein Protestant bereits als „Außenstehender“ und damit als unparteiisch. Erstaunlich ist allerdings, dass Herr Heinig selbst die Stellungnahmen seiner evangelischen Glaubensgeschwister in Italien ignoriert. Dem Adventistischen Pressedienst zufolge hat nämlich der Sprecher der Vereinigung Evangelischer Christen Italiens (FCEI) das Urteil ausdrücklich begrüßt, da es der Religionsfreiheit diene. Auch von den Lutheranern, Baptisten, Adventisten und Waldensern kam Zustimmung.

Die Anbringung von Kruzifixen in Schulen wird also in Italien offenbar nicht einmal von den christlichen Minderheiten als Symbol für Toleranz, Freiheit und Nächstenliebe gedeutet.


Mixa als Militärbischof untragbar!

13. November 2009

Walter Mixa ist nicht nur Bischof von Augsburg, sondern seines Zeichens auch katholischer Militärbischof der deutschen Bundeswehr. Seine Militärgeistlichen sind – zusammen mit ihren evangelischen Kollegen – für den sog. „Lebenskundlichen Unterricht“ (LKU) für die Soldaten zuständig – und zwar für alle Soldaten – es besteht seit diesem Jahr keine Möglichkeit mehr, dem LKU fernzubleiben, da er gemäß Dienstvorschrift (ZDv 10/4) „kein Religionsunterricht und auch keine Form der Religionsausübung im Sinne von § 36 des Soldatengesetzes [ist], sondern eine berufsethische Qualifizierungsmaßnahme und damit verpflichtend. Er wird in der Regel von Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorgern und im Bedarfsfall auch von anderen berufsethisch besonders qualifizierten Lehrkräften erteilt.“

Mit „Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorgern“ sind hier – um es noch einmal ausdrücklich zu sagen – Militärgeistliche gemeint, also meist katholische oder evangelische Militärpfarrer. Die übrigens vom Staat – also aus allgemeinen Steuergeldern – bezahlt werden.

Von jemandem, der für die berufsethische Qualifizierung der deutschen Soldaten zuständig ist, müsste man erwarten, dass er die Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung – also des Grundgesetzes respektiert. Dazu gehören auch die allgemeinen, universellen Menschenrechte.

Es kann deshalb nicht hingenommen werden, wenn Bischof Mixa – laut einer Schlagzeile bei domradio.de – zu „zivilem Ungehorsam“ gegen die kürzliche Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) aufruft, dass obligatorische Kruzifixe in Schulklassen unzulässig sind, und Politikern empfiehlt, das Straßburger Urteil  „schlichtweg zu ignorieren“.

Die Straßburger Richter sind – übrigens einstimmig – praktisch zu dem selben Urteil gelangt wie schon das Bundesverfassungsgericht 1995. Auch in den USA wären Kreuze in öffentlichen Schulen übrigens verfassungswidrig. Wie kann Mixa sich anmaßen, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menscherechte – und damit praktisch auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts als „Verachtung der Menschenrechte“ zu bezeichnen?

Nun, in typischer Großkirchenmanier stellt Mixa das, was seiner Kirche nützt, über Grund- und Menschenrechte. Oder, mit den Worten des Atheist Media Blogs: „Bischof Mixa scheißt auf’s Kreuz-Urteil“.

Wem höchstrichterliche Urteile zu Menschenrechten egal sind, wenn sie ihm nicht passen – und wer dann noch öffentlich zu zivilem Ungehorsam aufruft und dazu, diese Urteile zu ignorieren – der darf nicht Militärbischof sein!


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