Gescheiterte Missbrauchsstudie: Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer an den Haaren herbeigezogen

11. Januar 2013

Ein Blick auf das Forschungskonzept zeigt, dass die Vorwürfe von Prof. Laubenthal an den Haaren herbeigezogen sind.

Leser meines Blogs wissen, dass ich nach der Ankündigung der Missbrauchsstudie selbst Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer erhoben habe – natürlich, weil er ziemlich haltlose Statement zugunsten der Kirche abgab.

Ich hatte mich gerade gefragt, wer wohl jetzt die Missbrauchsstudie durchführen soll, da meldete sich der Würzburger Kriminologe Prof. Klaus Laubenthal öffentlich zu Wort. Laubenthal ist auch Missbrauchsbeauftragter des Bistum Würzburg und sei nach dem ersten Expose von Prof. Pfeiffer um Stellungnahme dazu gebeten worden.

Jetzt soll er der Pfeiffer-Studie methodische Mängel attestiert haben:

So sei die Frage des Opferschutzes nicht zufriedenstellend gelöst worden, sagte Laubenthal am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dabei bemängelte er das Vorhaben von Pfeiffers Institut, die allein aus Akten hervorgehenden Missbrauchsopfer anzuschreiben. Damit wären sie ungefragt erneut mit den zum Teil Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen konfrontiert worden.

ich weiß nicht, ob Laubenthal auch den Forschungsvertrag gelesen hat, den Pfeiffer und der verband der Diözesen Deutschlands 2011 unterzeichnet haben. In dem Forschungskonzept, das Bestandteil des Vertrages ist, heißt es jedenfalls (Punkt 2.6.1):

Die Fragebogenerhebung muss methodisch so realisiert werden, dass weder die datenschutzrechtlichen noch die sonstigen Interessen des Opfers verletzt werden. Wir sehen hier folgenden Weg als geeignetes Verfahren an: Die kirchliche Institution, bei der sich das Opfer ursprünglich gemeldet hat, bitten wir darum, schriftlich bei ihm anzufragen, ob es mit der Zusendung des Fragebogens einverstanden wäre oder ob es selber Kontakt zum KFN aufnehmen möchte. Hiergegen ließe sich zwar einwenden, Familienmitglieder könnten unbefugt das Schreiben der Kirche öffnen und dadurch zum ersten Mal von dem Missbrauch Kenntnis erhalten. Dies erscheint uns allerdings nur in extremen Ausnahmefällen als realistische Gefahr. Ein Opfer, das den Mut gehabt hat, sich an die Kirche zu wenden, wird dies in aller Regel mit den Familienmitgliedern besprochen haben, mit denen es zusammenlebt. Im Übrigen werden die kirchlichen Stellen selber diesen Weg der brieflichen Kommunikation mit Missbrauchsopfern gehen müssen, wenn sie beispielsweise Fragen der Schadenswiedergutmachung klären möchten. 

Bei Pfeiffers Institut KFN war man sich also der Sensibilität des Themas durchaus bewusst, dort wurden ja auch vorher schon Missbrauchsopfer interviewt. Wenn man so eine Studie durchführen will, dann müssen die Opfer natürlich irgendwie kontaktiert werden. Von daher erscheint die Argumentation am Ende des obigen Zitats plausibel. Zuvor wird noch erläutert, dass die Opfer nicht sofort mit dem Fragebogen konfrontiert werden, sondern zunächst nur gefragt werden, ob sie mit der Zusendung eines Fragebogens einverstanden wären, oder – offenbar für Fälle, in denen sich die Opfer nicht mehr an die Kirche wenden wollen – ob sie selbst Kontakt zum KFN aufnehmen wollen.

Ich kann mir vorstellen, dass man einen Forscherkollegen öffentlich kritisiert, wenn er groben Unsinn macht – Pfeiffer hätte dies m.E. auch bei anderer Gelegenheit verdient gehabt. Aber sich hier zu mokieren – noch dazu, nachdem sowieso schon klar ist, dass Pfeiffer die Studie gar nicht durchführen wird – ist nicht anders zu erklären, als dass der Kirche hier „Munition“ gegen Prof. Pfeiffer geliefert werden soll.

Noch absurder ist Laubenthals zweiter Vorwurf:

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