Report Mainz: Neue Vertuschungsvorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch (19.07.2010)

20. Juli 2010

Die katholische Kirche und die Wahrheit – Sendung vom Montag, 19.7.2010 | 21.45 Uhr | Das Erste

Wie angekündigt, berichtete Report Mainz gestern Abend von neuen Vorwürfen gegen Erzbischof Zollitsch, der auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Dabei zeigt der Report-Beitrag von Ulrich Neumann und Gottlob Schober, dass vieles von dem, was – nach dem ersten „Report“-Beitrag über die Missbrauchsfälle in Oberharmersbach – im März von der Diözese verkündet wurde, sich heute als falsch herausstellt:

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Kirchensprech: „Verhältnis mit einer Frau“

17. Juli 2010

Anlässlich der aktuellen Berichterstattung um die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen möchte ich noch einmal auf den (englischsprachigen) Artikel hinweisen: Code Words to Hide Sex Abuse – Codes, um sexuellen Missbrauch zu tarnen.

Der Artikel beruht auf einer Analyse von Personalakten von Priestern aus den USA, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden. Offensichtlich wurden in den Personalakten beschönigende Begriffe verwendet, wie z.B. „unreifes Verhalten“, „Grenzüberschreitungen“, „Probleme mit Nähe und Distanz“, oder auch „Alkoholismus“ oder „Depression“.

Frau Jepsen sagt offenbar, sie habe 1999 nicht von Kindesmissbrauch erfahren, sondern ihr sei nur von einem außerehelichen Verhältnis des Pfarrers mit einer Frau berichtet worden.

Witzig: Mit der gleichen Begründung (natürlich ohne das „außerehelich“) soll das Schönstatt-Institut der Diözesanpriester das Bistum Mainz 2004 um die Versetzung eines Priesters gebeten haben, der – wie erst dieses Jahr bekannt wurde – „sexuelle Beziehungen zu weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen unterhalten“ haben soll:

Das Bistum Mainz wurde nicht über den konkreten Verdacht informiert. Der Generalrektor der Priestergemeinschaft bat den Bischof von Mainz unter Hinweis auf eine frühere Beziehung des betroffenen Priesters zu einer Frau darum, ihm eine Zeit der Besinnung zu gewähren. Er schlug vor, ihn nicht, wie geplant, im Bistum Mainz einzusetzen, sondern ihm eine Neuorientierung als Auslandspriester zu ermöglichen. [Hervorhebung von mir.]

Das kann natürlich alles so gewesen sein. Aber wenn man weiß, dass in den USA offenbar bewusst Codes benutzt wurden, um das Wissen um sexuelle Übergriffe von Geistlichen in den Akten und der Kommunikation zu tarnen, muss man sich natürlich fragen: Wurde dies in Deutschland auch praktiziert?

Interessant wäre es in diesem Zusammenhang, zu wissen, ob der betreffende Pfarrer in Ahrensburg tatsächlich ein außereheliches Verhältnis mit einer Frau hatte.

Denn warum sonst hätte man Bischöfin Jepsen darüber informieren sollen?


Jepsen tritt zurück – und Zollitsch?

17. Juli 2010

Die evangelische Hamburger Bischöfin Maria Jepsen ist zurückgetreten, weil sie möglicherweise geleugnet hat, 1999 – mündliche – Hinweise auf einen pädophilen Pfarrer erhalten zu haben.

Fast zeitgleich hat das Ordinariat des Erzbistums Freiburg eingeräumt, dass es bereits 1992 das Geständnis eines pädokriminellen Priesters hatte, obwohl das Bistum im März noch erklärt hatte, es habe erst 1995 weitere Hinweise auf den Täter erhalten. Und selbst diesen Umstand hatte Erzbischof Zollitsch wenige Tage zuvor noch lediglich als „Hinweise“ bezeichnet.

Frau Jepsen tritt offenbar wegen einer geringfügigeren Sache (schlimm genug ist es, wenn sie gelogen hat) zurück. Bei Zollitsch kommt aber noch hinzu, dass er 2006 nicht in dem Fall Birnau ermittelt hat, wozu er verpflichtet gewesen wäre, und dass sein Ordinariat weiterhin irreführende Mitteilungen abgibt, die die Öffentlichkeit von seiner Zuständigkeit ablenken. Selbst Kirchenrechtler wurden dadurch irregeführt.

Den Aufruf an Zollitsch, zurückzutreten, spare ich mir, da der Herr Erzbischof ja bereits in der Vergangenheit (Ultimatum die die Bundesjustizministerin, siehe auch „Zollitschs laxer Umgang mit der Wahrheit„) deutlich gemacht hat, dass er im Zweifel lieber auf Dreistigkeit setzt als auf Einsicht.

Vielleicht gibt es ja einflussreichere Kräfte als mich, die Einfluss auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz nehmen könnten?

Gibt es kein „Geheim-Dossier“ mit vagen Vorwürfen?


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