Leitlinien: Schwächen und Kirchensprech

21. Juni 2010

Anlässlich der gegenwärtigen Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz und womöglich der Präsentation der überarbeiteten Leitlinien möchte ich auf ein Paar Blog-Artikel von mir hinweisen, in denen ich Schwächen der bisherigen Leitlinien und Wissenswertes zum „Kirchensprech“ aufzeige:

Außerdem sei noch einmal auf den ausführlichen und fachkundigen Artikel von Peter Jamin in der Mitgliederzeitschrift der Gewerkschaft der Polizei hingewiesen: Die Leid-Linien der katholischen Kirche (Pressemitteilung der GDP hier).

Um die Erklärungen der Deutschen Bischofskonferenz bei der Vorstellung der überarbeiteten Leitlinien angemessen würdigen zu können, empfiehlt sich übrigens, mal die Nachrichten von September 2002 zu recherchieren, als die Bischöfe die Leitlinien vorgestellt haben. Z.B. schrieb der SPIEGEL darüber:

Regensburg – Gerade war die Debatte um den sexuellen Missbrauch durch Priester über die katholische Kirche hinweggefegt, da gaben sich Deutschlands Bischöfe zerknirscht und reumütig. Fortan gelte „die Fürsorge der Kirche zuerst dem Opfer“ schrieben sie in Leitlinien zum Umgang mit der Sünde. Den Betroffenen werde „menschliche, therapeutische und pastorale Hilfe“ angeboten. Den Opfern solle bei der „Überwindung von Irritationen, Sprachlosigkeit und Trauer“ von „kompetenten Ombudsmännern“ (Kardinal Karl Lehmann) geholfen werden.

Für die überarbeiteten Leitlinien ist bereits angekündigt: Die Opfer sollen mehr im Focus stehen…


Gewerkschaft der Polizei: „Ermittler in Priesterrobe“ ersetzen nicht die Polizei

18. März 2010

Passend zur vorigen Meldung hier eine Pressemitteilung der Gewerkschaft der Polizei (GdP):

Berlin, 17. März 2010

Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche:

GdP: „Ermittler in Priesterrobe“ ersetzen nicht die Polizei

Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die katholische Kirche aufgefordert, die Ermittlungen bei Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen nicht auf eigene Faust durchzuführen, sondern den staatlichen Verfolgungsbehörden zu überlassen. GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg: „Die Aufklärung von Straftaten ist Sache derer, die gesetzlich legitimiert sind, dafür ausgebildet wurden und über große Fachkenntnis durch Hunderttausende von Ermittlungs- und Gerichtsverfahren verfügen: Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte. Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester oder kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen muss unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstattet werden.“

In der April-Ausgabe ihres Fachorgans DEUTSCHE POLIZEI setzt sich die GdP kritisch mit den für die innerkirchlichen Ermittlungen maßgeblichen „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der deutschen Bischofskonferenz“ auseinander, die im Jahre 2002 nach einer Welle von Mißbrauchsfällen in den USA von der Bischofskonferenz erlassen wurden.

Autor Peter Jamin: „Geradezu als Herrscher über Recht und Gesetz positionieren sich die Bischöfe, wenn sie in ihrem Papier bestimmen, wann ein Fall als erwiesen gilt, dem Verdächtigen zu Selbstanzeige geraten und gegebenenfalls das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht wird.“ GdP-Vorsitzender Freiberg: „Hier ersetzt Kirchen-Justiz die des Staates.“

Nach Auffassung der GdP wird durch die Vorgehensweise der Kirche der Opferschutz missachtet. Freiberg: „Bei Opferhelfern, Polizei und Justiz besteht heute weitgehend Einigkeit darüber, dass vor allem minderjährige Opfer-Zeugen mit größtmöglicher Behutsamkeit, nicht mehrmals und auf keinen Fall von Laien zum Geschehen befragt werden dürfen. Davon ist in den Leitlinien keine Rede.“

Die Leitlinien der deutschen Bischofskonferenz, so Freiberg, bergen die Gefahr der Vertuschung und Verschleierung. Freiberg: „Die katholische Kirche täte gut daran sich durch ein sofortiges Einschalten der Strafverfolgungsbehörden in solchen Fällen nicht dieses Verdachtes auszusetzen.“


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