Dompropst Norbert Feldhoff sagte die Unwahrheit

21. Oktober 2013

In der gestrigen Günther Jauch-Sendung „Heilige Millionen – wozu braucht die Kirche so viel Geld?“ behauptete der Kölner Dompropst und Aufsichtsratsvorsitzende der Pax-Bank, Norbert Feldhoff, über die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen (ab Minute 47:20):

„Die Kirche stellt sich immer schlecht. Denn eine unbefristete Zahlung kann niemals durch eine einmalige Zahlung abgedeckt werden.“

Diese Aussage ist objektiv falsch. Wenn Herr Feldhoff dies tatsächlich glaubt, ist er als Aufsichtsratsvorsitzender für eine Bank ungeeignet. Wenn er es besser weiß, hat er gelogen.

Denn wie ich neulich schon erläutert habe, bedarf es zur Ablösung einer ewigen Zahlungsreihe lediglich der Summe, deren Zinsen jedes Jahr den entsprechenden Betrag liefern – ggf. mit Inflationsausgleich.

Wenn wir z.B. mit langfristig erzielbaren Zinsen von 6% rechnen und einer langfristigen Inflationsrate von 3% kommen wir für jährliche Staatsleistungen von 500 Mio. Euro auf einen Ablösebetrag von 16,666 Milliarden.

6% Zinsen darauf sind 1 Milliarde Euro. Davon ersetzt die Hälfte die bisherigen Staatsleistungen von einer halben Milliarde, die andere Hälfte (3% der Ablösesumme) erhöht die Ablösesumme gerade um die Inflationsrate, so dass im nächsten Jahr die Zahlung mit Inflationsausgleich geleistet werden kann und so fort…

Die 16 Milliarden Ablösesumme sind auch keine Zusatzbelastung des Staates, sondern entsprechen exakt dem heutigen Gegenwert des zukünftigen (ewigen) Zahlungen – es ist für den Staat finanziell einerlei, ob er ewig weiter zahlt oder einmal die Ablösesumme.

Hier geht es aber nur um folgendes: Domprobst Feldhoff hat gestern Abend bei Günther Jauch die Unwahrheit gesagt. Unendliche Zahlungsreihen lassen sich (aufgrund des Zinseszinseffektes) durchaus durch Einmalzahlungen ablösen. Seine Behauptung „eine unbefristete Zahlung kann niemals durch eine einmalige Zahlung abgedeckt werden“ ist objektiv falsch, und jeder, der sich professionell mit Finanzen beschäftigt, weiß das.


Kirchenfinanzen: Dichtung und Wahrheit

25. August 2013

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) lässt sich von kirchlichen Darstellungen blenden. Und der Haushalt des Erzbistums München und Freising belegt: Die Kirchensteuer entlastet den Staat nicht, sie belastet ihn.

Wie die Kirchen ihre Anteile für Bildung und Caritas aufblähen – mit staatlichen Geldern

Anstatt ihren Mitgliedern mitzuteilen, wie viel Geld von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke wie Bildung oder Caritas ausgegeben wird, veröffentlichen die Kirchen lieber ihre Haushalte. Diese umfassen allerdings nicht nur die Einnahmen aus der Kirchensteuer, sondern auch die staatlichen Zuschüsse und alle anderen Einnahmen (z.B. Schulgeld, Gebühren, Pfründe-, Pacht- und Zinseinnahmen, Spenden). Da die staatlichen Zuschüsse im Wesentlichen in die gemeinnützigen Tätigkeitsbereiche gehen, erhöhen sie dort die Haushaltsansätze (s.u.) – und damit den Anteil der gemeinnützigen Bereiche am Haushaltsvolumen. Die Prozentangaben, wie viel anteilig für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird, sind daher für den kirchlichen Haushalt immer viel größer, als wenn der Prozentsatz angegeben würde, der von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird (s.u.).

Nun ist zwar nichts dagegen einzuwenden und es ist absolut sinnvoll, dass die Kirchen ihre Haushalte veröffentlichen. Ein für die Kirchen angenehmer Nebeneffekt ist allerdings, dass die Öffentlichkeit durch die überhöhten Prozentangaben einen falschen Eindruck von der Verwendung der Kirchensteuer bekommt. Das Erzbistum München und Freising, um das es im Folgenden geht, verweist sogar in seiner Broschüre „Informationen zur Kirchensteuer 2013“ als Antwort auf die selbstgestellte Frage (S. 13) „Wofür wird die Kirchensteuer im Erzbistum München und Freising verwendet?“ auf die Haushaltsangaben – anstatt die Anteile an der Kirchensteuer auszuweisen, wie ich es unten tue.

… und die SZ fällt darauf rein

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Parasitäre Existenzformen

27. Mai 2012

In einem Interview bezeichnete der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller innerkirchliche Reformgruppen als „parasitäte Existenzformen“. Eine dieser Reformgruppen, „Wir sind Kirche“, hat nun einen Brief an Bischof Müller veröffentlicht, der mir aus dem Herzen spricht und sehr zu Recht darauf hinweist, dass Müller mit seinem Vorwurf im Glashaus sitzt.

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Faktencheck mit Bischof Dröge: Wer nichts weiß, muss alles glauben

22. Mai 2012

Predigt „Versachlichung“: Der Berliner Landesbischof Markus Dröge. Pressefoto: Andreas Schoelzel

Wer Ahnung hat, hat mehr vom Leben. Oder anders ausgedrückt: „Wer nichts weiß, muss alles glauben“.

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Neues Buch von Carsten Frerk: Violettbuch Kirchenfinanzen – Wie der Staat die Kirchen finanziert

29. Oktober 2010
Carsten Frerk: Violettbuch Kirchenfinanzen (Alibri Verlag)

Sehr schönes Titelbild!

Lange erwartet, endlich da (oder zumindest fast): Der Nachfolger von Carsten FrerksFinanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland„, das sich seit seit der ersten Auflage 2002 als Standardwerk in Sachen Kirchenfinanzen etabliert hat, aber natürlich mit den Jahren nicht gerade aktueller wurde. So sind die Beträge in „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ noch in D-Mark angegeben, weil das damals verfügbare Datenmaterial natürlich noch nicht in Euro vorlag.

Pünktlich zu den in letzter Zeit gelegentlich gehörten Forderungen, auch die Staatsgelder an die Kirchen nicht vom allgemeinen Sparzwang auszunehmen, wird nun in Kürze der Nachfolger erhältlich sein: das Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert. Der Alibri-Verlag hat mir freundlicherweise schon ein Exemplar zur Verfügung gestellt.

Das erste Aha-Erlebnis hatte ich bereits vor dem Inhaltsverzeichnis: Dort heißt es, Carsten Frerk gelte „als ausgewiesener unabhängiger Fachmann für die Finanzen der Kirche“. Unabhängig! Bisher hatte ich mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht, dass zumindest die kirchlichen Experten praktisch alle von der Kirche bezahlt werden und daher kein Interesse daran haben können, dass sich bei der Kirchenfinanzierung etwas ändert. Und weil sie daran kein Interesse haben können, können sie eigentlich auch nicht daran interessiert sein, dass die Öffentlichkeit überhaupt erfährt, wofür und wieviel Geld die Kirchen vom Staat erhalten – nicht nur über die Kirchensteuer, sondern auch aus allgemeinen Steuergeldern und durch Steuerbefreiung.

Auf dieses Buch hatte ich mich schon gefreut, seit ich Anfang des Jahres las und hörte, dass Carsten Frerk den Reichdeputationshauptschluss von 1803 – der regelmäßig als Rechtsgrundlage für Zahlungen des Staates an die Kirchen angeführt wird – unter die Lupe genommen hat und dabei feststellte, dass dieses Dokument nur vereinzelt Entschädigungen begründet, die auch heute noch gezahlt werden müssten. (Mehr dazu in einem Interview mit Carsten Frerk beim hpd-Podcast und hier).

Das Vorgängerbuch, „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland„, entstand aus dem Vorhaben, ein Gesamtbild der Kirchenfinanzen in Deutschland zu erstellen, das akademischen Ansprüchen genügen sollte. Dieser Anspruch schlug sich bisweilen z.B. in umfangreichen Tabellen nieder, so dass ich mich gelegentlich gefragt habe, ob das Buch für „Normalbürger“ nicht zu akademisch daher kommt. Ein kurzer Blick durch das neue Buch zeigt mir, dass es nur noch drei Tabellen gibt (Staatsdotationen der Bundesländer 2009, Religionsunterricht in den Bundesländern und Zusammenfassung der staatlichen Zuwendungen) – und die sind in den Anhang verlegt worden. Außerdem ist das neue Buch mit 269 Seiten gut ein Drittel kompakter und mit 16 Euro auch ein Drittel billiger als sein Vorgänger.

Somit ist zu hoffen, dass das „Violettbuch“ eine noch größere Leserschaft findet als sein Vorgänger.

Hinweis: Auf der Website des Alibri-Verlages gibt es das Inhaltsverzeichnis und ein Probekapitel („Bundes-Missions-Zentrale?“ über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ) als PDF.


Carsten Frerk: Den Seinen gibt’s der Herr vom Staat

29. März 2010

Ausschnitte aus dem ersten Teil des Vortrages von Dr. Carsten Frerk bei der Mitgliederversammlung des HVD-Thüringen in Weimar am 27.3.2010

Dr. Frerk wird diesen Vortrag offenbar im April noch einmal in Köln halten, hier die Ankündigung von der IBKA-Website:

Vortragsveranstaltung mit Dr. Carsten Frerk

Samstag, 17. April 2010 um 18:00 Uhr
Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 Köln

Eintritt: € 5,00
ermäßigt: € 3,00

„Sie meinen, dass Kardinal Meisner von der Kirche bezahlt wird? Nein. Das macht der Staat!“

Bringen Sie vorsichtshalber Beruhigungspillen mit, denn wenn Sie heute Abend erfahren, wie vieles an kirchlichen Einrichtungen aus Steuergeldern von uns allen, also auch von Ihnen, finanziert wird, könnten Sie sich aufregen. Die kirchlichen Kitas, Schulen, der Religionsunterricht, die Ausbildung des Nachwuchses, Denkmalpflege, Kirchentage etc., Steuerbefreiungen und die schönen alten Rechtstitel, angeblich seit 1803… Carsten Frerk nimmt Sie mit durch ein konfessionelles Deutschland, das Sie wahrscheinlich bisher nicht gekannt haben und das auch mit Ihrem Geld finanziert wird. Motto: „Den Seinen gibt’s der Herr vom Staat.“

Vortrag mit anschl. Diskussion.

Der Referent:

Dr. Carsten Frerk, Sozialwissenschaftler, Autor und Publizist, hat 2002 das inzwischen als Standardwerk geltende Sachbuch „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ veröffentlicht. Er gilt als außerkirchlicher Fachmann für Kirchenfinanzen, und sein besonderes Augenmerk gilt den finanziellen Verflechtungen von Kirche und Staat. Er ist u.a. Leiter der „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) und verantwortlicher Redakteur des Humanistischen Pressedienstes (hpd). 2009 hat er als einer der Hauptverantwortlichen die deutschlandweit sehr beachtete „Gottlosen-Buskampagne“ organisiert und durchgeführt, mit der um eine stärkere Präsenz der Nichtreligösen in der öffentlichen Debatte geworben wurde.

Voranmeldungen sind erbeten an nrw@ibka.org.

Veranstalter: Regionalgruppe Köln-Bonn-Düsseldorf des Förderkreises der giordano-bruno-stiftung
in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e.V. Landesverband NRW.


Jährlich über 100 Mio Euro für Bischöfe, Priester, Pfarrer – allein in Baden-Württemberg!

23. Februar 2010

Aufklärung über finanzielle Kirchen-Privilegien anlässlich der Bischofskonferenz in Freiburg

Pressemitteilung des IBKA Regionalverbands Freiburg vom 22. Februar 2010

Nicht nur die jüngsten Missbrauchsfälle verdienen größtmöglichste Aufklärung, meint der Regionalverband Freiburg des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e.V., sondern darüber dürfe man die Aufklärung der Menschen über die „dauerhafte und skandalöse Privilegierung der christlichen Kirchen“ mit Geld aus den öffentlichen Kassen nicht vergessen.

Der Freiburger Regionalverband des IBKA wird deshalb der katholischen Bischofskonferenz am Dienstag, 23. Februar, gegen 12 Uhr vor dem Freiburger Münsterplatz ein „kritisches Willkommen entbieten“, so der Regionalsprecher Arno Ehret (Freiburg). Die Organisation nichtreligiöser Menschen wird dabei ein Informationsblatt verteilen, auf dem diese „Verschwendung von Steuergeldern“ in sechs Punkten exemplarisch dargestellt und auch mit Quellenangaben belegt wird.

Gegen Staatsverträge mit den Kirchen

Pressemitteilung des IBKA Regionalverbands Freiburg vom 6. Februar 2010

Atheistenverband erinnert an das Jesuswort: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Gegen Staatsverträge mit den Kirchen.

Der Regionalverband Freiburg des IBKA hat das Land Baden-Württemberg aufgefordert, seine „wahrhaft überdimensionalen“ Zahlungen die Kirchen einzustellen und die entsprechenden Staatsverträge zu kündigen. Baden-Württemberg zahlt den evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg sowie den katholischen (Erz-)Diözesen Freiburg und Rottenburg- Stuttgart, derzeit (Stand: 2009) jährlich über 100 Millionen Euro allein für die Gehälter sowie der Versorgungsbezüge der Bischöfe, Priester, Pfarrer usw. Hinzu kommen zahlreiche weitere Geldleistungen des Landes an die Kirchen (vom Ersatz für den Religionsunterricht durch kirchliche Lehrkräfte bis zur Unterhaltung der theologischen Fakultäten an den Landesuniversitäten). Das Geld erhalten die Kirchen zusätzlich zu den Kirchensteuern, also von allen Steuerzahlern, auch jenen, die keiner Kirche angehören. Das ist in den großzügig dotierten Staatsverträgen mit den beiden Großkirchen aus dem Jahr 2007 so festgelegt.

Der IBKA setzt sich für die Weltanschauungsfreiheit und die konsequente Trennung von Staat und Religion ein. „Religion ist Privatsache und Staatsgeld für religiöse Organisationen darf es nicht geben“, erklärte der Regionalsprecher des IBKA, Arno Ehret (Freiburg). Ehret erinnerte die Kirchen und die Landesregierung an das Jesuswort: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Matthäus 22, 15-22). „Da steht nicht, dass Gott (= die Kirche) Geld vom Kaiser (= dem Staat) kriegen soll,“ sagte Ehret, „sondern jede Seite muss mit dem auskommen, was ihr zusteht, der Staat mit den Steuern und die Kirche mit dem, was die Gläubigen ihr spenden.“ Auch den staatlichen Kirchensteuereinzug sieht der IBKA als unzulässige Vermischung von Kirche und Staat an.

Konkreter Anlass für diesen Vorstoß ist die Absicht des Landes, jetzt auch mit den beiden Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg einen Staatsvertrag schließen, der ähnlich üppig dotierte Staatsleistungen vorsieht. Die Landesregierung hat hierzu soeben einen Gesetzentwurf im Landtag eingebracht.


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