Erzbistum Köln: Weiterer Einsatz von Missbrauchstätern?

28. Mai 2012

Der Kölner Generalvikar Dr. Stefan Heße (Pressefoto: Erzbistum Köln)

Neulich hatte ich auf facebook anerkennende Worte für Kardinal Meisners Erzbistum Köln gefunden, nachdem evangelisch.de gemeldet hatte: „Erzbistum Köln will ‘Null Toleranz’ bei Missbrauch”.

Ich hätte natürlich wissen müssen, dass auf Artikel bei evangelisch.de kein Verlass ist. (Beispiele hier und hier.) Durch die Überschrift „eingenordet“ (und, zugegebenermaßen, durch meinen bisherigen eher guten Eindruck vom Erzbistum Köln beim Thema Missbrauch, verglichen mit anderen Bistümern), habe ich offenbar den Artikel nicht mit der üblichen Skydaddy-Aufmerksamkeit gelesen.

Ich muss mein Lob wieder zurückziehen, nachdem ich heute das dem Artikel zugrundeliegende Interview mit dem neuen Kölner Generalvikar, Stefan Heße, beim Kölner Stadtanzeiger gelesen habe. Heße war vorher Personalchef des Erzbistums. Er weiß also, ob in seinem Erzbistum wissentlich Missbrauchstäter weiter eingesetzt werden oder nicht.

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Narrenfreiheit für Militärbischöfe: Das Maß ist voll!

17. Mai 2012

„Gott mit uns“: Von den Koppelschlössern mittlerweile entfernt – offenbar aber nicht aus den Köpfen der Bundeswehr-Führung. (Soll nicht heißen, dass die Bundeswehr faschistisch oder nationalsozialistisch ist.)

Mein folgendes Schreiben an die Fraktion der Grünen im Bundestag gibt einen Überblick darüber, wie problematisch die derzeitige Militärseelsorge-Praxis ist. Ich habe mich angesichts des Verhaltens des Bundesverteidigungsministeriums jetzt dazu entschlossen, nachträglich den Wehrdienst zu verweigern (s.u.). Ich kann und will nicht Angehöriger von „Streitkräften“ sein, deren Führung vor einem homophoben Hassprediger in Frauenkleidern den Schwanz einzieht.

Betr.: Militärseelsorge
Anfrage der Fraktion vom 11. April 2012 an die Bundesregierung

Sehr geehrte Frau Künast, sehr geehrter Herr Trittin,
liebe Grüne,

nach meinem Entsetzen über den Vorschlag einiger katholischer Grüner nach einer Kirchenaustritts-Verhinderungssteuer für Konfessionslose schlug meine Stimmung heute regelrecht in Entzücken um, als ich von Ihrer Anfrage an die Bundesregierung und deren Antwort zum Thema „Militärseelsorge“ erfuhr. Als ehemaliger Zeitsoldat und Reserveoffizier beobachte ich die Militärseelsorge seit langem kritisch, nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen als Atheist beim Heer (1987-1989).

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Missbrauch: Berichterstattung 2002

22. Juni 2010

Gestern hatte ich empfohlen, sich mal die Medienberichterstattung zu den kirchlichen Missbrauchsskandalen von 2002 anzusehen, um diesen Sommer, wenn die deutschen Bischöfe ihre überarbeitete Fassung der „Leitlinien“ vorstellen, die kirchlichen Erklärungen hierzu beser einschätzen zu können.

Diese Berichte zu finden ist allerdings nicht ganz einfach, daher hier ein paar Hinweise (alle Hervorhebungen in den Texten von mir):

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Forum Deutscher Katholiken: „Müller und Mixa haben recht!“

24. März 2010

Papst- und kirchentreuer Verein springt seinem Kuratoriumsmitglied Bischof Müller zur Seite. 

Das Forum Deutscher Katholiken hat heute über kath.net eine Erklärung veröffentlicht mit dem Titel „Bischof Müller hat recht„. (Am 17. Februar erklärte das Forum bereits „Bischof Mixa hat Recht!„)

Das Forum Deutscher Katholiken ist eine Vereinigung „papst- und kirchentreuer Katholiken“ und wurde Wikipedia zufolge im Jahr 2000 als Reaktion auf das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gegründet.

In seiner Erklärung behauptet das Forum, Medien hätten sich wegen der sexuellen Missbrauchsfälle über Wochen „in konzertierter Aktion“ nahezu ausschließlich auf die Katholische Kirche eingeschossen.

Allerdings kann man bei den kirchentreuen Medien durchaus ebenfalls den Eindruck einer konzertierten Aktion haben – und die Erklärung des Katholikenforums ist ein gutes Beispiel dafür: Bischof Müller ist dort nämlich Kuratoriumsmitglied (wie auch Kardinal Meisner).

Dieser Umstand wird allerdings in der Meldung nicht erwähnt.

Nachtrag: Wie es sich für einen papst- und kirchentreuen Verein gehört, enthalten auch die älteren Pressemitteilungen des Katholikenforums keine wirklichen Überraschungen. Hier einige Beispiele:

Bischof Mixa hat Recht! – Bischof Müller handelt pflichtgemäß! – Hl. Vater wir stehen an Deiner Seite! –  Erklärung zur ungerechtfertigten Kritik am Papst – Erklärung zur Diffamierung Kardinal Meisners – Antirömischer Affekt – Kardinal Meisner hat den Punkt getroffen.


Kardinal Meisner sagt Unwahrheit über „Gebetsraum-Urteil“

24. Dezember 2009

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Kardinal Meisner die Unwahrheit über das sog. „Gebetsraum-Urteil“ gesagt:

Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten. […] Ich sage jetzt nicht, wir müssen das in Deutschland genau so machen, […] Aber wenn gleichzeitig in Europa verboten wird oder geboten wird, dass wir die Kreuze abnehmen – Europäischer Gerichtshof –, und ein deutsches Gericht verfügt, dass in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet freigemacht werden muss, dann ist das so eine Asymmetrie, dass die Leute sagen, hier stimmt doch was nicht. [Hervorhebung von mir.]

Tatsächlich hat das Berliner Verwaltungsgericht hat lediglich einem muslimischen Schüler das Recht gewährt, während der Schulzeit außerhalb des Unterrichts ein Gebet verrichten zu dürfen. (Siehe Verwirrung um „Gebetsraum-Urteil“.) Die Richter wiesen im Urteilstext sogar ausdrücklich darauf hin:

In diesem Zusammenhang ist ausdrücklich zu betonen, dass weder der Kläger einen Anspruch auf einen Gebetsraum erhoben noch das Gericht […] die Schule zur Bereitstellung eines entsprechenden Raumes verpflichtet hat.

Die Frage ist jetzt, ob Kardinal Meisner wissentlich oder unwissentlich die Unwahrheit sagte. Es gibt weltweit weniger als 200 Kardinäle und in Deutschland nur 7. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand in dieser herausgehobenen Position sich nicht von Experten darüber informieren lässt, was ein solches Urteil – es geht ja hier um die Religionsfreiheit – bedeutet.

Da Meisner „die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger“ auf „Asymmetrien“ wie die obige zurückführt, täte er gut daran, nicht durch das Verbreiten von Unwahrheiten selber die Bildung solcher Aversionen zu fördern. Denn mit seiner übertriebenen Darstellung des „Gebetsraum-Urteils“ vergrößert er ja die wahrgenommene Asymmetrie.


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