Überraschung: Evangelikale liberaler als Bayerische Landeskirche

16. November 2012

In der Diskussion um die evangelikale Lukas-Schule in München wirft die Landeskirche fleißig Nebelkerzen: Es wird eingeräumt, was nicht abzustreiten ist. Es wird „widerlegt“, was niemand behauptet hat. Die Evangelikalen seien nicht fundamentalistisch, wird erklärt; ihre theologische Basis widerspreche dem von evangelischen Trägern geforderten Bekenntnis nicht. Bei genauem Hinsehen zeigt sich: Die Landeskirche kann die Evangelikalen nicht als Fundamentalisten bezeichnen, weil das Bekenntnis der Landeskirche von 1530 noch radikaler ist als die evangelikale Glaubensbasis von 1846.

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Fundamentalismus-Vorwurf: Evangelische Lukas-Schule in München in der Kritik (Transkript)

11. November 2012

Die Sendung „Religion und Kirche“ auf BR5 aktuell brachte am Sonntag, de, 28. Oktober 2012 einen vierminütigen Beitrag von Julie Metzdorf über die evangelikale Lukas-Schule in München (ab Minute 15). Ein Beitrag, von dem ich hoffe, dass er Beachtung findet.

Leider ist die Sendung ist nur als Podcast verfügbar, aber nicht als Transkript. Ich habe deshalb die Sendung transkribiert, um die Inhalte leichter auffindbar zu machen:

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Merkwürdige Prioritäten

9. April 2010

Wenn es nach dem Leiter des evangelikalen ideaSpektrums geht, so ist das Schlimmste, was uns in diesen Tagen am Zeitungsstand entgegenschlägt – das Titelbild des Satiremagazins Titanic.

Wenn Helmut Matthies dieser Tage an einen Zeitschriftenstand kommt, dann vermisst er einen Aufschrei ob der undenkbaren Schamlosigkeit, mit der Hunderttausende dort täglich konfrontiert werden.

Was Matthies aufregt (und veranlasste, einen ganzen Artikel darüber zu schreiben), sind allerdings nicht die Schamlosigkeiten katholischer Priester, die die Öffentlichkeit seit Wochen zur Kenntnis nehmen muss, z.B. der sexuelle Missbrauch von bis zu 200 gehörlosen Jungen in den USA oder von blinden Schülern vor versammelter Klasse in Holland, sondern das aktuelle Titelbild des Satiremagazins Titanic, bei der sich ein Geistlicher an einem Kruzifix zu schaffen macht. Während spekuliert wurde, ob er vielleicht nur das Kreuz gerade rückt, handelt es sich Matthies zufolge um „Sex mit dem sterbenden Jesus“: „So viel Blasphemie gab es noch nie!“

„Feige“ nennt Matthies das. (Das Titelbild, wohlgemerkt – nicht den Missbrauch der wehrlosen Kinder.) Denn: „Warum dann nicht auch Mohammed im Sex mit einem Imam vereint – um sozusagen religiös ausgewogen zu diffamieren?“ Nun, das liegt womöglich daran, dass Muslime derzeit nicht wöchentlich mit neuen Missbrauchsfällen in den Schlagzeilen sind. Matthies verschweigt auch, dass die Titanic-Redaktion bereits 2008 mit einem „Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb“ über Deutschlands Grenzen hinaus den Ärger von Muslimen provoziert hatte. Die Satiriker sind also durchaus um religiöse Ausgewogenheit bemüht.

Im Übrigen ist die Titanic-Redaktion auch nicht feiger als Matthies, der seine christlich-evangelikale Zeitschrift ideaSpektrum ja auch in Deutschland produziert und vertreibt und nicht etwa in Saudi-Arabien oder im Iran. (Was Matthies veröffentlicht, gilt nämlich in diesen Ländern als Gotteslästerung.) Und der in seiner Zeitschrift zwar letztes Jahr anlässlich der Ermordung zweier Bibelschülerinnen im Jemen darauf hinwies, dass „[d]er christliche Glaube jedenfalls [..] außerhalb des Mittelmeerraums nur deshalb bekannt [wurde], weil Christen bereit waren, den Missionsbefehl ihres Herrn zu befolgen – und zwar oft unter Lebensgefahr“, der selbst aber dem Befehl seines Herrn lieber vom sicheren Schreibtisch aus nachkommt.

Jedenfalls malt sich Matthies genüsslich aus, was (seiner Fantasie zufolge) wohl passiert wäre, wenn das Satireblatt seinem Vorschlag nachgekommen wäre: „Zahllose deutsche Botschaften in aller Welt hätten in Flammen gestanden, und halb Deutschland wäre über Ostern im bürgerkriegsähnlichen Zustand gewesen, denn auch die mittlerweile 4,3 Millionen Muslime in Deutschland hätten sich das nicht bieten lassen. Das zeigen die Erfahrungen mit den vergleichsweise harmlosen dänischen Anti-Mohammed-Karikaturen 2005.“

Nun waren die Proteste, auf die sich Matthies bezieht, allerdings nicht spontan, sondern sie wurden bewusst angestachelt: Nachdem ein Aufschrei zunächst ausgeblieben war, stellten zwei Imame ein Dossier mit den Karikaturen zusammen und ließen es Muslimen in aller Welt zukommen. Matthies geht ganz ähnlich vor: Direkt neben seiner Klage über den ausbleibenden Aufschrei angesichts der vermeintlichen Blasphemie zeigt er das schlimme Titanic-Titelbild in Farbe – und das Foto eines verkehrt herum gekreuzigten Jesus (mit nacktem Gesäß zum Betrachter), der auf das Konto von „mutmaßlich Linksradikalen“ gehen soll. Werden nun bald die deutschen Botschaften in Italien, Spanien und Polen wegen der Titanic-Karikatur in Flammen stehen?

Glücklicherweise leben wir zu einer Zeit und auf einem Kontinent, wo Bürgerinnen und Bürger weitgehend vor dem Zorn des Mobs und Lynchjustiz geschützt sind. (Das letzte Mal entlud sich der geballte „Volkszorn“ in besorgniserregender Weise anlässlich der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, dass in italienischen Schulen kein Kruzifix-Zwang herrschen darf.) Dieser zivilisierte Umgang kommt übrigens nicht nur den Titanic-Redakteuren zugute, sondern auch den Geistlichen, die sich an wehrlosen Kindern vergangen haben, und die man zu anderen Zeiten gewiss ganz unbürokratisch kastriert oder zu Tode gequält hätte. Und die heute aufgrund von Verjährungsfristen zum großen Teil straflos ausgehen.


Hey, Margot Käßmann, tralleri trallera trallehoppsassa

12. Dezember 2009

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, äußerte sich kürzlich in einem Kamingespräch mit dem Sender Phoenix (Ausstrahlung morgen, Sonntag, 13 und 22:30 Uhr) wie folgt zur evangelikalen Bewegung:

Diese sei „Teil unserer Kirche“ und stärker einem fundamentalistischen Flügel zugeordnet. Zugleich wandte die Bischöfin sich gegen einen Fundamentalismus, der andere herabwürdige und deshalb nicht mehr dem Christentum entspreche: „Wenn es anfängt, in eine fast kriegerische Sprache überzugehen, dann ist das nicht mehr akzeptabel. Da ist ein Punkt erreicht, der mit unserer evangelischen Kirche nicht mehr vereinbar ist. (…) Es gibt solche Gruppen. Die würde ich dann aber nicht mehr auf dem Boden unserer Grundsätze sehen.“

Kriegerische Sprache nicht mit der evangelischen Kirche vereinbar?

Schon mal was vom „Herrn Zebaoth“ gehört, Bischöfin Käßmann? Eine Bezeichnung für Gott. Kommt 274 mal in der Bibel vor. Es bedeutet „Herr der Heerscharen„. In der katholischen Einheitsübersetzung wird es mit „Herr der Heere“ übersetzt.

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