Ketzerpodcast: Neue Ausschnitte bei YouTube

30. März 2010

Es sind jetzt wieder Ausschnitte der neuesten Folge auf dem YouTube-Kanal des Ketzerpodcasts, und zwar zu folgenden Themen:

  • Vertuschung und Meldepflicht (1:28)
    Bischof Ackermann gesteht ein, dass vertuscht worden ist. Die bayerischen Bischöfe fordern eine Meldepflicht bei sexuellem Missbrauch.
  • Falsche Tatsachenbehauptungen (1:45)
    Wer stellt falsche Tatsachenbehauptungen auf – die Bundesjustizministerin oder die katholische Kirche?
  • Leid-Linien 1: Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Leitlinien der Kirche (9:45)
    Leid-Linien 2 – Die Kirche spielt auf Zeit (2:37)
    Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert das Vorgehen der katholischen Kirche bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch. In ihrer Mitgliederzeitschrift findet sich im April ein vierseitiger Artikel mit dem Titel „Die Leid-Linien der katholischen Kirche“, in dem der Verfasser, Peter Jamin, der Kirche vorwarf, die Strafverfolgungsbehörden zu behindern und auf Zeit zu spielen.
  • Zollitsch unter Beschuss 1 (9:44)
    Report Mainz und die Badische Zeitung berichtete, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, habe in den 90er Jahren als Personalreferent des Bistums Freiburg einen der Pädophilie verdächtigten Priester in den Ruhestand versetzt, ohne die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten. Das Bistum reagierte mit einem Dementi, das exakt den gleichen Sachverhalt wiedergab. Außerdem wurde – offenbar wurde kurzfristig eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung von Fällen von sexuellem Missbrauch – auch die Vergangenheit betreffend – eingesetzt
  • Zollitsch unter Beschuss 2: Der Knackpunkt (1:19)
    Matthias erläutert, weshalb Zollitschs damaliges Verhalten Fragen aufwirft.
  • Keine Kontrollinstanz (1:47)
    Die katholische Kirche verfügt zwar über Leitlinien zum Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch – die Einhaltung dieser Regeln wird allerdings nicht kontrolliert.
    Trotzdem gut, dass Gott nicht strafend eingreift.
  • Hirtenbrief: belangloses Geschwätz (3:18)
    Der Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. zum Missbrauchsskandal in Irland.
    Peinlich und schwer zu ertragen.
  • Hirtenbrief: Bezug zur deutschen Kirche (2:15)
    Angeblich soll der Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. zum Missbrauchsskandal in Irland ja auch für Deutschland gelten.
    Ausgerechnet da, wo der Papst zur Überprüfung der kirchlichen Richtlinien aufruft, wendet er sich allerdings ausdrücklich an die Kirche in Irland.
  • Hirtenbrief: Deutliche Worte? (2:12)
    Es war zu hören, der Papst habe in seinem Hirtenbrief zum Missbrauchsskandal in Irland „deutliche Worte“ gebraucht.
    Matthias zeigt anhand Ratzingers Äußerungen zu Homosexualität, wie es klingt, wenn der Papst wirklich deutliche Worte findet.
  • Atheisten ohne moralische Maßstäbe? (0:30)
    Nach Monaten erklärte das Oberhaupt der Katholiken den Gläubigen in seinem Hirtenbrief, dass sexueller Missbrauch eindeutig als Verbrechen zu verurteilen ist.
    Da wären die Podcast-Ketzer nie drauf gekommen.
  • Kirchenaustritte und schwindendes Vertrauen in die Kirche (4:09)
    In Österreich haben die Kirchenaustritte in Folge des Missbrauchsskandals deutlich zugenommen. Wie ist die Entwicklung in Deutschland einzuschätzen?
    Einer Umfrage zufolge sollen nur 10% der Bevölkerung meinen, die Kirche täte genug zur Aufklärung der sexuellen Missbrauchsfälle. Wenn das so bleibt – wer soll dann noch seine Kinder in katholische Einrichtungen schicken?
  • Kindergärtnerinnen werden entlassen, Priester versetzt (1:51)
    Die katholische Kirche hat eigentümliche Maßstäbe: Einer Kindergärtnerin, die unehelich mit ihrem Partner zusammenlebt, droht die Kündigung, während pädosexuelle Priester lediglich versetzt werden.
  • Sammelklagen wegen sexuellen Missbrauchs gegen die Kirche (3:19)
    In Österreich und den USA sollen Sammelklagen gegen einzelne Bischöfe bzw. die katholische Kirche wegen Vertuschung von sexuellen Missbrauchsfällen vorbereitet werden.
  • SPIEGEL-Statistik: Die Liste des Schreckens (2:02)
    DER SPIEGEL veröffentlichte eine „Liste des Schreckens“ – eine Auflistung von Missbrauchsfällen in Deutschland.
    Der offene Brief eines Opfers zeigt, wie diese Statistik von der Kirchenseite geschönt wird.
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Veganismus und Christentum

1. Januar 2010

Gut ohne Gott (Teil 3, siehe auch Teil 1, Teil 2)

Sollte sich Veganismus gesellschaftlich durchsetzen, so werden Christen – wie immer! – versuchen, Gründe dafür aus der Bibel herauszulesen. Dies dürfte außerordentlich schwierig sein.

Nicht nur erfreut sich der biblische Gott am „lieblichen Geruch“ von verbrannten Tieren:

[3. Mose 1] 2 […] Wer unter euch dem HERRN ein Opfer darbringen will, der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen.

[…] 7 Und die Priester [… 8 …] sollen die Stücke samt dem Kopf und dem Fett auf das Holz legen, das über dem Feuer auf dem Altar liegt. 9 […] Das ist ein Brandopfer, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN.

Jesus hilft auch seinen Jüngern beim Fischfang:

[Joh 21] 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Und der Apostelgeschichte zufolge hatte Petrus eine Vision, die ihm befahl, auch nicht-koschere Tiere zu essen:

Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! [Apostelgeschichte 10,13; Hervorhebung von mir.]

Während man die letzten beiden Stellen aus dem Neuen Testament (nicht überzeugend, aber immerhin) noch mit den damaligen Ernährungsgewohnheiten „erklären“ könnte, gibt es keine ethische Rechtfertigung für das Brand- oder Ganzopfer aus dem Alten Testament . Den Erklärungen zur Lutherbibelzufolge handelte es sich dabei um ein „Ganzopfer (griechisch „Holocaust“), bei dem das ganze Opfertier mit Ausnahme von Fell/Haut und Gedärmen auf dem Altar verbrannt wurde“. Es ist also nicht so, dass nur ein Teil der Opfergabe verbrannt wurde und der Rest den Priestern zugute kam, wie es bei anderen Opfern (praktischerweise für die Priester) der Fall war. Damit wird dem Tier ohne jede Rechtfertigung Leid zugefügt. Was immer der biblische Gott an dem Opfer finden mag, das Leid des Opfertieres ist ihm offenbar weniger wichtig.

Letztlich werden die Christen solche Bibelstellen ignorieren und den Schutz der Tiere, wie bereits üblich, aus deren „Mitgeschöpflichkeit“ ableiten. Für diese Auffassung bräuchte es allerdings gar keinen Gott. Zwar steckt in dem Wort „Geschöpf“ die Annahme eines Schöpfers – gemeint ist allerdings, dass nicht erkennbar ist, weshalb hinsichtlich der Leidvermeidung ein Unterschied zwischen Menschen und Tieren bestehen sollte.


Das perfekte Verbrechen und Veganismus

31. Dezember 2009

Veganer: Gut ohne Gott (Teil 2)

Theologen wie Manfred Lütz thematisieren gerne die Frage „Weshalb sollte man eigentlich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?“ Lütz‘ Version dieser Frage lautet „Warum soll ich keine Bank überfallen, wenn ich sicher bin, dass ich nicht erwischt werde?

Lütz nimmt diese Frage zum Ausgangspunkt für die dümmstmögliche Argumentation (siehe Teil 1). Ich bin allerdings der Meinung, die Frage „Weshalb sollte man eigentlich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?“ sollte nicht anhand einer völlig unrealistischen Fragestellung wie dem perfekten Banküberfall diskutiert werden.

Vielmehr sollte man Verhaltensweisen untersuchen, wo Menschen sich tatsächlich ohne Strafandrohung ethisch verhalten.

Beim Anschauen eines Interviews mit Peter Singer und Richard Dawkins fiel mir ein, dass Veganer dieses Kriterium erfüllen – also Menschen, die weder Tiere noch tierische Produkte essen bzw. allgemein die Nutzung von Produkten vermeiden, durch die Tiere zu Schaden kommen (z.B. auch durch Tierversuche).

Dieses Verhalten ist offensichtlich nicht durch das Risiko einer Bestrafung verursacht: Der Verzehr von Fleisch und die Nutzung von Tierprodukten ist ja gesellschaftlich akzeptiert. Veganismus hat auch keine religiöse Tradition – zumindest bei den abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Mir wäre nicht bekannt, dass der abrahamitische Gott Strafen für den Konsum von Tierprodukten androht – er erfreut sich vielmehr an Tieropfern (siehe Teil 3).

Demzufolge muss Veganismus eine andere Begründung haben als die Furcht vor Strafe. Bisher sind mir zwei Erklärungen eingefallen: Den Rest des Beitrags lesen »


Manfred Lütz und das perfekte Verbrechen

30. Dezember 2009

Veganer: Gut ohne Gott (Teil 1)

Durch ein Interview mit Peter Singer und Richard Dawkins angeregt, wollte ich hier etwas zu zum perfekten Verbrechen und Veganismus schreiben. Dazu mehr in Teil 2.

Zunächst musste ich feststellen, dass die (sinngemäße) Frage: „Würden Sie ein Verbrechen begehen, wenn Sie genau wüssten, dass sie nicht erwischt werden?“ (perfektes Verbrechen) derzeit vor allem von Manfred Lütz thematisiert wird. Z.B. hier:

Liebe Hörerinnen und Hörer, warum überfallen Sie eigentlich keine Bank, wenn Sie sicher sein können, dass sie nicht erwischt werden?

Warum soll ich keine Bank überfallen, wenn ich sicher bin, dass ich nicht erwischt werde?

„Wenn es keinen Gott gibt und man nicht erwischt wird, gibt es keinen Grund, die Bank nicht zu überfallen.“

Lütz‘ dümmstmögliche Argumentation

Die Frage, ob man das perfekte Verbrechen begehen würde, wenn man die Gelegenheit dazu hätte, ist durchaus interessant. Bei Lütz ist sie allerdings lediglich der Ausgangspunkt für die dümmstmögliche Argumentation, die ich mir vorstellen kann:

Lütz behauptet nämlich mit Verweis auf Kant und Dostojewski, dass es nur dann vernünftig sei, das perfekte Verbrechen nicht zu begehen, wenn es einen Gott gäbe. Diese Argumentation scheitert auf mehreren Ebenen gleichzeitig, daher „dümmstmögliche Argumentation“. Nur drei Punkte dazu:

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Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde

2. Dezember 2009

„Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf, wie ich im »Wesen des Christentums« zeigte, Gott nach seinem Bilde.“ – Ludwig Feuerbach (1804-1872)

Die obige Vermutung Feuerbachs und vieler anderer Atheisten wurde jetzt durch eine Studie* an über 1.000 US-Amerikanern erhärtet.

Die Wissenschaftler befragten die überwiegend christlichen Probanden zu Themen wie der Todesstrafe, Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Ehen. Anschließend mussten die Teilnehmer die vermutete Haltung ihres Gottes einschätzen und mit der bekannter Persönlichkeiten oder des Durchschnittsamerikaners vergleichen. Die Probanden nahmen ihre eigene Meinung als gottesnah wahr.

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