Scheiß-Ferkelbuch! dachte der Vater der kleinen Charlotte

10. Februar 2010

Ferkel und Igel sind nicht in Gefahr.

„Papa steht sich manchmal selbst im Weg“ heißt es in dem Buch „Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte“. Papa, das ist Sven Grotendiek, der sich über das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ geärgert hatte. Grotendieks religiöse Entgegnung ist allerdings nur ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit des Original-Ferkelbuches.

Eins gleich vorweg: Das Ferkelbuch von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke ist nicht in Gefahr! Die vom Bundesfamilienministerium geförderte Entgegnung „Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte“ ist aus atheistischer Sicht völlig belanglos. Es handelt sich lediglich um ein weiteres religiöses Kinderbuch unter vielen, und nicht einmal um ein besonders gutes.

Warum das so ist, will ich im Folgenden deutlich machen. Ich hätte auch gerne etwas Positives über das Buch geschrieben, nachdem sich der Autor, Dr. Sven Grotendiek, hier in den Kommentaren ja ziemlich engagiert hat. Aber an Positivem fallen mir nur drei Dinge ein:

  • Die Gestaltung der CD-Hülle ist ganz nett.
  • Der Sprecher des Hörbuchs, Werner Hahn, leistet ganz ordentliche Arbeit, wenigstens zu Beginn.
  • Das Buch/Hörbuch fördert den interreligiösen Dialog.

Aus atheistischer Sicht sind m.E. vor allem folgende Punkte von Interesse:

  • Wie nimmt das Buch auf das Original-Ferkelbuch Bezug?
  • Wird der religiöse Glaube in dem Buch irgendwie begründet?
  • Welche religiöse Botschaft wird hier – durch Steuergelder gefördert – verbreitet, und wie kommen Nicht-Angehörige der abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam dabei weg?
  • Und schließlich: Wie ist das Buch/Hörbuch als Ganzes einzuschätzen?

Die folgenden Ausführungen und Zitate beziehen sich alle auf die Hörbuch-Version, die man (Dank der Förderung durch das Ministerium!) für 2 Euro Kostenbeitrag beim Verlag bestellen kann. 19,95 Euro für das Buch wären mir zu teuer gewesen. Außerdem ist das Buch derzeit vergriffen.

Wie nimmt das Buch auf das Original-Ferkelbuch Bezug?

Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte. Ein Buch für alle, die es wissen wollen“ orientiert sich schon im Titel deutlich an dem Buch „Wo bitte geht‘s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke. Auch in Grotendieks Buch heißt es an einer Stelle – ziemlich unmotiviert –, dass sich die kleine Charlotte „nichts vormachen“ lässt. Auf dem Umschlag der Hörbuch-CD sind außerdem ein Ferkel und ein Igel abgebildet.

Das „Original-Ferkelbuch“ liefert auch den Anstoß für die Geschichte mit der kleinen Charlotte. Diese sieht ihren Vater eines Morgens verärgert am Küchentisch sitzen. Er hat gerade das Ferkelbuch gelesen und schimpft darüber. Natürlich sagt er nicht „Scheiß-Ferkelbuch“, aber „Wie gemein!“, sein Kopf wird ganz rot und er ärgert sich darüber, dass in dem Original-Buch das kleine Ferkel und der kleine Igel die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gruselig und merkwürdig finden und zu dem Schluss kommen, dass es Gott wahrscheinlich gar nicht gibt: „So verärgert hatte Charlotte Papa lange nicht erlebt.“

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