Erste Kritiken zum Animationsfilm „Die Zehn Gebote“

17. Februar 2010

Morgen wird der Film „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ in Deutschland veröffentlicht (Ich hatte bereits darüber berichtet.)

Mittlerweile gibt es auch einige Besprechungen des Films, die nicht bloß die Presseinformationen des Filmverleihs bzw. der EKD wiederkäuen.

Wie berichtet, war beim US-Publikum der größte Kritikpunkt des Films die billig wirkende 3D-Animation. Dieser Punkt findet sich auch in allen Filmkritiken, die ich bisher gefunden habe:

So schreibt selbst die EKD-Website evangelisch.de – die den von der EKD mitproduzierten Film eigentlich bedingungslos „pushen“ müsste – in einer offenbar vom Evangelischen Pressedienst (epd) gelieferten Besprechung des Films:

Insgesamt hätten der Dramaturgie der Geschichte deutlichere Akzente und etwas Humor gut getan. Um Ernsthaftigkeit bemüht erscheinen auch die Zeichnungen. Die Gesichter wirken etwas zu glatt und flach, manche Bewegungen holprig. Die Animation erinnert mehr an Computerspiele oder Fernsehformate und reicht an den Charme der Großmeister der Animation wie Disney oder Pixar nicht heran.

Das (evangelikale) Christliche Medienmagazin Pro betont natürlich die biblisch-christliche Botschaft des Films, weist allerdings auch auf die Schwächen bei der Animation hin:

Die Geschichte zählt

Beim Ansehen wird schnell klar: an die Optik von Animationsblockbustern aus den Häusern Pixar (von Disney aufgekauft) oder Dreamworks oder gar an den Kassenschlager „Avatar“ reicht die Produktion nicht heran. Kritiker zogen Vergleiche zum vielgelobten „Der Prinz von Ägypten“ aus dem Jahre 1998, der ebenfalls von Mose handelt […]. Allein visuell hat dieser zehn Jahre ältere Film mehr zu bieten, die Messlatte hing also hoch. Die Figuren wirken in der Tat etwas künstlich, ihre Bewegungen erscheinen als das, was sie sind: computeranimiert. Und doch beweist die Filmgeschichte: Auch Zeichentrickfilme mit weniger naturgetreuer Darstellung können fesselnd sein, insofern sie eine gute Geschichte erzählen. Und Stoff dafür bieten die fünf Bücher Mose allemal.

Der (katholische  – aber das sieht man ihm nicht auf den ersten Blick an) film-dienst fällt da schon ein vernichtenderes Urteil. Er kritisiert

[…] die lausige Animation, die weit hinter dem „State of the Art“ zurückbleibt. Optisch erinnert der Film an Videospiele der ersten Generation, in denen die Bewegungen der Figuren noch ähnlich unbeholfen wirkten und es kaum eine Interaktion mit der Umwelt gab. […] Wie wenig in eine eigenständige Ästhetik investiert wurde, offenbaren am deutlichsten die visuellen Anleihen, die von „Shrek“ bis „Das fünfte Element“ ungeniert das Bilderreservoir von Fantasy und Science Fiction plündern, ohne sich über die damit verbundenen Implikationen Rechenschaft zu geben. Der dezidiert fiktionale Charakter dieser Genres überträgt sich durch Bildästhetik und Erzähldramaturgie ungebrochen aufs biblische Sujet, dessen religiös-theologische Eigenheit gänzlich unreflektiert bleibt.

Die rein „weltlichen“ Filmkritiker scheinen den Film bisher zu ignorieren. Dies liegt vermutlich daran, dass der Film gar nicht bundesweit in die Kinos kommt, sondern mit nur zwölf Kopien bis Anfang Juni durch die Gebiete der Evangelischen Landekirchen tourt.

Morgen – zum Start des Films – gibt es eine ausführliche Filmkritik von mir.

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EKD-Missionsleiter: Ich würde niemals religiöse Analphabeten schlechtreden

23. Dezember 2009

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat Missionszentren in Dortmund, Greifswald und Stuttgart gegründet. Ein Kommentar erübrigt sich eigentlich anhand der Äußerungen von Missionsleiter Hans-Hermann Pompe gegenüber WELT ONLINE:

Pompe: In unserer Gesellschaft mit einem guten Drittel Konfessionsloser grassiert eine spirituelle Armut, die man ganz sicher nicht als kulturellen Gewinn bezeichnen kann. […] Vielen Zeitgenossen gehen grundlegende spirituelle Fähigkeiten ab. […] Angesichts von Tod und Leid bleibt diesen religiösen Analphabeten oft nur noch radikale Verdrängung.

[…]

WELT ONLINE: Sie sagen einem Andersgläubigen letztlich: Dein Glaube ist weniger wert als meiner. Schmeiß die Dalai-Lama-Bücher weg und lies die Bibel. Das könnte man respektlos nennen.

Pompe: So würde ich nie sprechen. Mission muss immer wertschätzen und darf niemanden schlechtreden.

Soll die EKD ruhig mal machen – bei der charmanten Ansprache werden die Leute sicher bald Schlange stehen. Aber Hut ab vor Till-Reimer Stoldt, der die Fragen gestellt hat. So kritisch kenne ich die WELT sonst gar nicht.

WELT-Artikel via Brightsblog.


Kircheneintritte: Kein Grund zum Jubel

27. November 2009

In einem Umfeld beständig sinkender Mitgliederzahlen, einbrechender Kirchensteuereinnahmen und Kirchenschließungen hat die EKD diese Woche einen Aufwärtstrend bei den Eintritten verkündet. Heute will die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hierzu eine Studie mit dem Titel „Schön, dass Sie (wieder) da sind!“ vorstellen.

Erfreulicherweise haben nicht alle Medien die Jubelschlagzeile „Evangelische Kirche verzeichnet 60.000 Eintritte neuer Mitglieder“ des Evangelischen Pressedienstes epd übernommen. Sie ist zwar technisch richtig, aber dennoch irreführend, denn die Gesamtmitgliederzahl der beiden Großkirchen sinkt bekanntermaßen stetig. So titelte z.B. Der Westen: „Für jeden Kircheneintritt treten zwei andere Mitglieder aus„. Das kommt der Wahrheit schon näher.

Wiedereintritt per „Rasterfahndung“?

Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die gemeldeten 60.000 „neuen Mitglieder“ pro Jahr etwa 5.000 (also fast 10%) „Zwangs-Wiedereingegliederte“ beinhalten dürften, die mit Hilfe einer „Rasterfahndung“ ermittelt wurden und keinen Nachweis über ihren Kirchenaustritt mehr erbringen konnten. Der HVD hat erst letzte Woche wieder einen Verzicht auf diese Praktik gefordert. Wahrlich kein Grund für die EKD, stolz zu sein.

Die 60.000 beinhalten zudem diejenigen, die in die Kirche eintreten, weil sie eine Anstellung bei einer evangelischen Einrichtung anstreben oder haben.

Wiedereintritt „auf Zeit“ zwecks Eheschließung

Auch Formulierungen bzw. Interpretationen wie „Danach kehrt fast jeder zweite Protestant nach einem Austritt in die Kirche zurück“ sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Es ist nämlich keineswegs immer so, dass der Eintritt auf den Austritt folgt. Es gibt durchaus Menschen, die „zeitweise“ wieder Kirchenmitglied werden, z.B. um kirchlich zu heiraten. Und dann wieder austreten. Das „bläht“ die Statistik auf mit je einem Ein- und einem Austritt, ohne dass sich an der Nettozahl etwas ändert.

Im Übrigen ist eine Selbstverständlichkeit, dass, je mehr Leute aus der Kirche ausgetreten sind, auch mehr Leute wieder eintreten. Das „Win-back-Potential“ ist ja größer. 

Ein sicheres Mittel zur Senkung der Kirchenaustritte: Verzicht auf die Säuglingstaufe

Margot Käßmann hat angekündigt, die Problematik der Kirchenaustritte zu einem Schwerpunkt ihrer Amtszeit machen. Ein sehr einfaches Mittel zur Senkung der Kirchenaustritte dürfte der Verzicht auf die ungefragte Zwangsmitgliedschaft per Säuglingstaufe sein. Wer gar nicht erst ungefragt zum Mitglied gemacht wird, der braucht später auch nicht auszutreten. Umgekehrt gilt: Wer die Menschen ungefragt zu Mitgliedern macht, der darf sich über hohe Austrittszahlen nicht wundern. Das ist aber nicht Käßmanns Strategie: Sie setzt auf Kindertagesstätten, Eltern, die christlich erziehen, und auf evangelische Schulen.


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