Selbstverschuldete Ahnungslosigkeit

25. Februar 2010

Politiker wie Stephan Mayer (CSU) erschweren eine bessere Bekämpfung von Kindesmissbrauch, weil sie irreführender bischöflicher Propaganda unkritisch Glauben schenken, anstatt sich sachkundig zu machen.

In dem SPIEGEL-Artikel „Unionspolitiker verurteilen Leutheusser-Schnarrenbergers Kirchen-Kritik“ lesen wir heute:

Der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stephan Mayer, warf der FDP-Politikerin Respektlosigkeit vor. Mayer sagte der „Süddeutschen Zeitung“, […] ihre Unterstellung, der Kirche liege nichts an der Aufklärung schwerster Straftaten, gehe „völlig an der Wirklichkeit vorbei“. Anders als von ihr dargestellt habe die Bischofskonferenz mit ihren Leitlinien im Jahr 2002 ihre „rückhaltlose Bereitschaft“ gezeigt, „Missbrauchsfälle schnell und umfassend aufzuklären“.

Mayer betonte, er sei überzeugt davon, dass „in jedem Fall, in dem sich Verdachtsmomente eines sexuellen Missbrauchs erhärten, eine konstruktive Kooperation der katholischen Kirche mit den jeweils zuständigen Ermittlungsbehörden erfolgen wird“. [Hervorhebung von mir.]

Einmal mehr ein selbstverschuldet Ahnungsloser, der kirchliche Propaganda ungeprüft nachplappert. Und damit die Bekämpfung von Kindesmissbrauch erschwert!

In den Leitlinien steht nämlich genau drin, was zu geschehen hat, wenn sich der Verdacht auf sexuellen Missbrauch erhärtet – und konstruktive Kooperation mit den Ermittlungsbehörden wird dabei weder ausdrücklich genannt noch impliziert:

5. Bei Erhärtung des Verdachts wird eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet. […]

6. Bestätigt die Voruntersuchung den Verdacht sexuellen Missbrauchs, wird der Apostolische Stuhl befasst. […]

7. In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten zur Selbstanzeige geraten und ggf. das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht [… alle Hervorhebungen von mir.]

Bei Erhärtung des Verdachts kommt es also nur zu einer kirchlichen Voruntersuchung – und nicht zu einer „konstruktiven Kooperation mit den jeweils zuständigen Ermittlungsbehörden“, wie der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe phantasiert.

Dass die kirchliche Voruntersuchung ggf. auf eine Selbstanzeige hinausläuft kann nur bedeuten, dass vor dem Beweis keine Hinweise an die Strafverfolgungsbehörden gegeben werden.

Und was zu geschehen hat, wenn ein erwiesener Täter sich nicht selbst anzeigt – dazu schweigen die bischöflichen Leitlinien!

Aber um das zu wissen, hätte der Bundestagsabgeordnete und CSU-Landesgruppensprecher die Leitlinien zunächst einmal lesen müssen, bevor er sich dazu äußerte. Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat dies übrigens offensichtlich getan: Sie wusste, wovon sie redete.

Politiker wie Herr Mayer erschweren eine bessere Bekämpfung von Kindesmissbrauch, weil sie irreführender bischöflicher Propaganda (Verweis auf die Leitlinien) unkritisch Glauben schenken, anstatt sich sachkundig zu machen!

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Ex-Bundespräsident Herzog: Die Menschenrechte in den Zehn Geboten

14. Dezember 2009

„Lesen Sie die Zehn Gebote und Sie stoßen unweigerlich auf die Menschenrechte.“ Leben, Familie, Eigentum, Würde – der Schutz all jener liege schon in den biblischen Gesetzen begründet, erklärte der ehemalige Bundespräsident Deutschlands, Roman Herzog, am vergangenen Wochenende auf der Tagung „Christliche Quellen freiheitlicher Systeme“ des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK) und der Jungen Union (JU) in Rheinland-Pfalz.  Die Bibel sei „die geistige Grundlage weiter Teile unseres verfassungspolitischen Denkens“, sagte Herzog. [Quelle: Christliches Medienmagazin pro]

Ich lese die Zehn Gebote und stoße unweigerlich auf Menschenrechtsverletzungen: Keine Religionsfreiheit (Gebote 1 und 2), Sippenhaft (2. Mose 20,5: „Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen„), Bild der Frau als Sache (2. Mose 20,17: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.„).

Unmittelbar nach den Zehn Geboten folgen in 2. Mose 21 die Vorschriften für den Umgang mit Sklaven (z.B. 2. Mose 21,7: „Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht freigelassen werden wie die Sklaven.„), Todesstrafe (z.B. 2. Mose 21,15: „Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.„), Gottesurteile per Losentscheid (2. Mose 22,8) sowie die Todesstrafe für Hexen, Sodomie und Götzenanbetung (2. Mose 22,17-19) .

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