Veganismus und Christentum

1. Januar 2010

Gut ohne Gott (Teil 3, siehe auch Teil 1, Teil 2)

Sollte sich Veganismus gesellschaftlich durchsetzen, so werden Christen – wie immer! – versuchen, Gründe dafür aus der Bibel herauszulesen. Dies dürfte außerordentlich schwierig sein.

Nicht nur erfreut sich der biblische Gott am „lieblichen Geruch“ von verbrannten Tieren:

[3. Mose 1] 2 […] Wer unter euch dem HERRN ein Opfer darbringen will, der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen.

[…] 7 Und die Priester [… 8 …] sollen die Stücke samt dem Kopf und dem Fett auf das Holz legen, das über dem Feuer auf dem Altar liegt. 9 […] Das ist ein Brandopfer, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN.

Jesus hilft auch seinen Jüngern beim Fischfang:

[Joh 21] 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Und der Apostelgeschichte zufolge hatte Petrus eine Vision, die ihm befahl, auch nicht-koschere Tiere zu essen:

Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! [Apostelgeschichte 10,13; Hervorhebung von mir.]

Während man die letzten beiden Stellen aus dem Neuen Testament (nicht überzeugend, aber immerhin) noch mit den damaligen Ernährungsgewohnheiten „erklären“ könnte, gibt es keine ethische Rechtfertigung für das Brand- oder Ganzopfer aus dem Alten Testament . Den Erklärungen zur Lutherbibelzufolge handelte es sich dabei um ein „Ganzopfer (griechisch „Holocaust“), bei dem das ganze Opfertier mit Ausnahme von Fell/Haut und Gedärmen auf dem Altar verbrannt wurde“. Es ist also nicht so, dass nur ein Teil der Opfergabe verbrannt wurde und der Rest den Priestern zugute kam, wie es bei anderen Opfern (praktischerweise für die Priester) der Fall war. Damit wird dem Tier ohne jede Rechtfertigung Leid zugefügt. Was immer der biblische Gott an dem Opfer finden mag, das Leid des Opfertieres ist ihm offenbar weniger wichtig.

Letztlich werden die Christen solche Bibelstellen ignorieren und den Schutz der Tiere, wie bereits üblich, aus deren „Mitgeschöpflichkeit“ ableiten. Für diese Auffassung bräuchte es allerdings gar keinen Gott. Zwar steckt in dem Wort „Geschöpf“ die Annahme eines Schöpfers – gemeint ist allerdings, dass nicht erkennbar ist, weshalb hinsichtlich der Leidvermeidung ein Unterschied zwischen Menschen und Tieren bestehen sollte.


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