Freiburger Echo-Kammer

6. Juni 2010

Das Erzbistum Freiburg bringt auf seiner Website jetzt einen Artikel mit der Überschrift „Medien: Vorwurf gegen Erzbischof ist ‚Luftnummer‘“:

Der Vorwurf der „Beihilfe zum Missbrauch“ gegen Erzbischof Robert Zollitsch ist eine „Luftnummer“. Das schreiben inzwischen auch Journalisten, die gewissenhaft arbeiten und sich nicht instrumentalisieren lassen […]

Dabei betont Abt Anselm, dass Erzbischof Zollitsch mit Entscheidungen und Vorgängen im Priorat Birnau „sicher nichts zu hatte“.

Gewissenhaft arbeitenden Journalisten ist dies bei sorgfältiger Recherche inzwischen deutlich geworden. So schreibt die Badische Zeitung: „Der Vorwurf der Beihilfe zum Missbrauch ist eine Luftnummer (…). Selten wurde eine Anschuldigung so schnell aus der Welt geschafft wie die, der frühere Personalreferent Robert Zollitsch habe 1987 veranlasst, dass ein pädophiler Zisterzienserpater in Birnau ein zweites Mal angestellt wurde: Eine solche Anstellung hat es nicht gegeben. Die Erzdiözese war für das Birnauer Kloster auch gar nicht zuständig.“ Ähnlich kommentiert die Südwestpresse: „Es klingt wie eine Sensation: Gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wird wegen Beihilfe zum sexuellem Missbrauch von Kindern ermittelt. Doch es ist eine Luftnummer. Dem Freiburger Erzbischof werden Personalentscheidungen zur Last gelegt, die schon formal nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gefallen sind.“

Mal abgesehen davon, dass die Badische Zeitung als überregionale Zeitung mit christlicher Grundlage gegründet wurde und sich als unabhängige, überparteiliche Tageszeitung mit christlicher Grundhaltung versteht:

Beide Artikel geben in dieser Hinsicht lediglich die Informationen wieder, die sich auf der Bistums-Website befinden. (Sogenannte „Echo-Kammer“: Beide Seiten reflektieren jeweils lediglich die Informationen von der anderen Seite.) Dabei haben die dem Erzbistum Freiburg zufolge „gewissenhaft arbeitenden Journalisten“ die kirchliche Darstellung allerdings offenbar unkritisch übernommen:

Erstens: Wie ich gestern dargestellt habe (Zollitschs laxer Umgang mit der Wahrheit), kommt es durchaus vor, dass Institutionen, die nicht in den offiziellen Verantwortungsbereich eines Bistums fallen, sich mit dem Bistum beim Personaleinsatz abstimmen.

Zweitens: Die Badische Zeitung hatte selbst am 22. April 2010 in dem Artikel einer anderen Journalistin (Missbrauchskandal: Die Rückkehr des Paters) berichtet, dass das Opfer vom Bistum Freiburg am 23.03.2010 zunächst die Auskunft erhielt:

„Pater Gregor M. hat die Abtei Birnau 1968 verlassen und hielt sich seither nicht mehr in der Erzdiözese Freiburg und nicht mehr in Deutschland auf“

Diese Aussage klingt nicht so, als ob das Erzbistum Freiburg im Unklaren über das in Birnau eingesetzte Personal sei. Erst als das Opfer antwortete, dass es die Aussage eines Freundes habe, derzufolge der fragliche Pater 1988 dessen Kind in der Wallfahrtskirche Birnau getauft habe, kam vom Zollitschs Erzbistum folgende Antwort:

„In der Akte Birnau ist Pater Gregor für die von Ihnen benannten Jahre nicht nachweisbar. (…) In den Personalschematismen der Jahre 1989 bis 1995 ist Pater G. aufgeführt. Meine Aussage war also falsch. Die falsche Aussage entsprang nicht meiner Absicht, sondern den Angaben der Registratur. Die falsche Aussage bedauere ich, und ich bitte um Entschuldigung.“

Das klingt, als ob es in der Registratur des Erzbistums tatsächlich eine „Akte Birnau“ (s.o.) gibt. Außerdem war Pater Gregor von 1989 bis 1995 offenbar in den kirchlichen Personalverzeichnissen (Schematismen) aufgeführt. Die Darstellung des Erzbistums versucht aber gerade mit dem Hinweis auf die fehlende offizielle Zuständigkeit den Eindruck zu erwecken, Zollitsch könne von den Vorwürfen und dem Einsatz des Paters nichts gewusst haben.

Aus meiner Sicht lässt es journalistische Sorgfalt vermissen, wenn angesichts dieser Umstände einfach die Darstellung des Erzbistums inhaltlich übernommen wird und gemeldet wird:

„Selten wurde eine Anschuldigung so schnell aus der Welt geschafft wie die, der frühere Personalreferent Robert Zollitsch habe 1987 veranlasst, dass ein pädophiler Zisterzienserpater in Birnau ein zweites Mal angestellt wurde: Eine solche Anstellung hat es nicht gegeben. Die Erzdiözese war für das Birnauer Kloster auch gar nicht zuständig.“

Wie dargestellt, steht – durch das Erzbistum Freiburg bestätigt – fest, dass der betreffende Pater wieder in Birnau tätig war. Gemeint ist, dass – nach Darstellung des Erzbistums – der Pater während dieser Zeit nicht im kirchenrechtlichen Verantwortungsbereich des Erzbistums, sondern des Zisterzienserordens eingesetzt war. Richtig ist, dass Zollitsch diese Anstellung kaum „veranlasst“ haben dürfte, und fraglich ist, ob Zollitsch während seiner Zeit als Personalreferent des Erzbistums vom Einsatz des Paters und dessen pädophilen Neigungen wusste. (Der Vorwurf des Opfers geht auch eher dahin, dass Zollitsch davon hätte wissen können und müssen.) Beim Nachbarbistum Basel waren die Vorwürfe gegen Pater Gregor jedenfalls dokumentiert:

In seinem Archiv hat das Schweizer Bistum Basel Teile der Vorgeschichte des Paters gefunden, der unter anderem im Vorarlberger Kloster Mehrerau Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. Die Verantwortlichen im Bistum waren demnach informiert über die Missbrauchsvorwürfe aus Deutschland und Österreich – und stellten ihn trotzdem an.

Und der Pater tauchte auch schon während Zollitschs Zeit als Personalreferent (1983-2003) jahrelang in den Personalverzeichnissen auf und hat offenbar Taufen (mindestens eine) vorgenommen.

Es verwundert, dass Journalisten die Verteidigung „nicht zuständig“ immer noch so leicht akzeptieren. Schließlich ist es gerade mal zwei Monate her, dass Bischof Mixa im Interview mit der BILD-Zeitung erklärte:

„Ich war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und war nie als Erzieher für das Kinderheim zuständig.“


Bistum Freiburg: Katholische Nachrichtenagentur stellt erwiesenen Missbrauch als „mutmaßlich“ dar

5. Juni 2010

Die Katholische Nachrichtenagentur KNA veröffentlichte gestern einen Artikel („Vorwürfe völlig grundlos“), in dem erwiesener sexueller Missbrauch als „mutmaßlich“ dargestellt wird. Es handelt sich um den Fall, in dessen Zusammenhang diese Woche auch Vorwürfe aufkamen gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch.

Zum Hintergrund der Vorwürfe heißt es in dem KNA-Artikel:

Hintergrund ist die Anzeige eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers eines Mönchs aus der österreichischen Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau. Zu der bei Bregenz gelegenen Abtei gehören auch die Wallfahrtskirche in Birnau und weitere Pfarreien am deutschen Bodenseeufer. In einer der Pfarreien soll der Missbrauch geschehen sein. [Hervorhebungen von mir.]

Hier nun die Fakten, soweit sie sich den Medien entnehmen lassen:

Der Missbrauch ist erwiesen, der Täter geständig. Tatort war dem Opfer zufolge eine Zelle in der Wallfahrtskirche Birnau (Badische Zeitung, 22.04.2010). Das Birnauer Opfer und der Täter haben sich ausgesprochen (Erzbistum Freiburg, 22.03.2010) und für diesen Fall soll seit 2006 ein schriftliches Geständnis vorliegen (PR-inside.com, 23.03.2010). Auf Druck einiger Opfer gab der Pater im März diesen Jahres zu, später noch weitere Minderjährige missbraucht zu haben (Blick.ch, 18.03.2010). Dem Landeskriminalamt Vorarlberg (Österreich) liegen eine E-Mail und ein Fax vor, in dem der Pater seine Taten eingestanden hat (kath.ch, 28.03.2010)

Es ist bedauerlich, dass ausgerechnet die KNA – die doch wohl über solche Sachverhalte auf dem Laufenden sein sollte – in ihrem Artikel den Eindruck erweckt, es ginge hier um „mutmaßliche“, also unbewiesene Missbrauchsvorwürfe.

Die KNA beliefert täglich kirchliche und weltliche Redaktionen mit Meldungen, so wie es auch die Nachrichtenagenturen Associated Press (AP), Reuters oder die Deutsche Presse-Agentur (dpa) tun. Dementsprechend fand sich die Darstellung bei kurzer Suche auch auf mehreren Online-Nachrichtenportalen, z.B. Domradio oder beim Münchner Kirchenradio.

Und auf der Website des Erzbistums Freiburg.


TITANIC-Karikatur: Kirche muss sich satirischer Kritik stellen

28. Mai 2010

Pressemitteilung des Deutschen Presserats vom 28.05.2010:

 Kein Verstoß gegen den Pressekodex erkennbar

Der Beschwerdeausschuss 2 des Deutschen Presserats hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der TITANIC-Karikatur „Kirche heute“ vom April 2010 befasst und 198 Beschwerden hierzu als unbegründet zurückgewiesen. Das Satire-Magazin hatte auf dem Titelbild der April-Ausgabe einen katholischen Geistlichen gezeigt, der in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Die Hände des Geistlichen sind ebenfalls auf Schritthöhe des am Kreuze hängenden Jesus zu sehen. 198 Leser hatten sich über diese Karikatur beim Presserat beschwert und vor allem einen Verstoß gegen die Ziffer 10 des Kodex angeführt. Darin heißt es: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“

Der Beschwerdeausschuss machte in der Diskussion deutlich, dass die vorliegende Karikatur die zugespitzte Darstellung eines gesellschaftlichen Missstandes innerhalb der Institution Kirche ist und als solche nicht eine Religion schmäht. Aufgabe von Karikaturen und Satire ist es, Diskussionen in einer Gesellschaft so aufzugreifen, dass sie diese pointiert und manchmal auch an Grenzen gehend darstellt. Die aktuelle Debatte über den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in der katholischen Kirche wird in der Darstellung visualisiert. Die Karikatur ist provozierend. Genau deshalb rüttelt sie auf und veranlasst Leser, über die Missstände in der Kirche nachzudenken. Ursula Ernst, Vorsitzende des Beschwerdeausschusses: „Hier wird nicht Jesus oder der christliche Glaube verhöhnt, sondern das Verhalten christlicher Würdenträger kritisiert, die sich ihren Schutzbefohlenen gegenüber falsch verhalten haben. Eine Kirche, die dies deckt oder nicht genügend zur Aufklärung beiträgt, muss auch mit dieser Art von Kritik leben. In einer Demokratie ist die Pressefreiheit ein maßgebliches Gut, die auch Kritik an ihren Grundpfeilern, wie sie das Christentum in Deutschland darstellt, mit einschließt.“

Der Ausschuss erläutert, dass die Karikatur Jesus am Kreuz auch als Opfer darstellt. Es handelt sich somit eben nicht um die Verhöhnung der religiösen Gefühle der Gläubigen, sondern um eine Kritik an den Würdenträgern und der dahinter stehenden Kirche, die sich dieser Kritik stellen muss.


Bischofsblatt-Blog: „Der Mut der Bischöfe wächst“

22. April 2010

7 Millionen Euro pro Jahr sollen die deutschen Bischöfe angeblich zur Erhaltung der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ ausgeben – man möchte ein „zitierfähiges“ Organ, das gesellschaftliche Multiplikatoren, sprich: Politiker, Führungskräfte usw. mit katholischen, oder doch wenigstens christlich-konservativen Standpunkten versorgt.  Früher (ob dies heute noch der Fall ist, weiß ich nicht) gingen auch 12.000 Abonnements an Kasernen und Gefängnisse. Dort waren die gesellschaftlichen Multiplikatoren zwar nicht so zahlreich, aber es stützte die Auflage (derzeit: ca. 65.000) doch spürbar. Eigentümer des Blattes sind Wikipedia zufolge mehrere Diözesen und die Deutsche Bischofskonferenz.

Die christliche Ausrichtung des Merkurs wird zwar nicht verheimlicht, ist allerdings auch nicht auf den ersten Blick auszumachen. Am ehesten fällt noch der Teil „Christ und Welt“ ins Auge, der früher auch im Titel geführt wurde: „Rheinischer Merkur – Christ und Welt“.

Das Ressort „Christ und Welt“ leitet evangelischerseits Werner Thielmann, den ich früher schon einmal erwähnt habe. Werner Thielmann bloggt auch auf merkur.de, und – welche Überraschung! –heute lobt er seine Geldgeber:

Missbrauch: Der Mut der Bischöfe wächst

Thielmann schreibt:

„Das Rücktrittsangebot des Augsburger Bischofs Walter Mixa zeigt wachsenden Mut der katholischen Bischöfe angesichts der Krise.“

Thielmann hält allerdings nicht Mixa für mutig, sondern Zollitsch und Marx:

„Beide, Zollitsch und Marx, waren zu einer Gratwanderung über ihre Zuständigkeiten hinaus bereit. Sie waren bereit, ihre persönliche Autorität aufs Spiel zu setzen. Keiner von ihnen hat die Möglichkeit, einen Kollegen im Bischofsamt zu disziplinieren. Um trotzdem handeln zu können, fand Zollitsch eine originelle, sehr katholische Möglichkeit.“

Damit spielt Thielmann auf die folgende Erklärung von Zollitsch und Marx an: Diese ließen verlauten, sie hätten mit Mixa

“überlegt, wie er in der derzeit schwierigen Situation im Bistum Augsburg zur Beruhigung beitragen und ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken.”

Thielmann meint:

„Zollitsch und Marx waren entschlossen zu reden und damit die Richtung zu zeigen. Ein Zeichen, das Katholiken  Hoffnung machen kann.”

Nachdem Mixa am Freitag – nur gut eine Stunde, bevor Sonderermittler Knott auf einer Pressekonferenz seinen Zwischenbericht zu den Prügel- und Untreuevorwürfen gegen Mixa präsentierte – eingestanden hatte, dass er „die eine oder andere Watsch’n“ „natürlich“ nicht ausschließen könne und somit klar gemacht hatte, dass er einfach erst einmal alles abstreitet und nur zugibt, was sich ohnehin nicht mehr leugnen lässt, erklärte Zollitsch noch am Samstag, er habe mit Mixa vereinbart, dass dieser alles ihm Mögliche tun werde, um zu einer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beizutragen. Und, so Zollitsch, er sei sich sicher, dass Mixa dies auch tun werde.

Ich bezweifele zwar, dass Zollitsch wirklich an Mixas Aufklärungsbereitschaft glaubte. Aber Mut hat Zollitsch mit dieser Aussage nicht bewiesen. Vielmehr wird folgendes Problem deutlich:

Wenn – womit Werner Thielmann ja nicht ganz Unrecht hat – es tatsächlich Mut benötigt, damit ein Bischof – angesichts des inakzeptablen Verhaltens von Mixa – seinen „Mitbruder“ auch nur verklausuliert zu einer Auszeit auffordert, dann hat die Katholische Kirche ein Problem: Selbst in diesem offensichtlichen Fall darf nämlich das einzig Angebrachte – und in der Öffentlichkeit nahezu Unumstrittene, der Rücktritt – eigentlich nicht ausgesprochen werden.

Leute wie Mixa können sich darauf verlassen, dass ihre Mitbrüder und erst recht ihre Untergebenen, solange es irgendwie möglich ist, eben keine Rücktrittsforderungen stellen werden und sogar „Vertrauen“ bekunden werden (s.o.).

Und deshalb umso unbeirrter an ihrem Sessel kleben.


Danke, IBKA!

14. April 2010

Noch einmal zur Anne-Will-Sendung: In ihr hatte Ruhrbischof Overbeck Homosexualität als Sünde und der Natur widersprechend bezeichnet – in Gegenwart der beiden bekennenden Homosexuellen Anne Will und Rosa von Praunheim.

Für diese Äußerung erhielt Bischof Overbeck Kritik quer durch das parteipolitische Spektrum.

Hierzu merkte der IBKA-Vorsitzende René Hartmann an: „Bischof Overbeck ist für seine herabsetzenden Äußerungen über Lesben und Schwule von Politikern zu Recht kritisiert worden. Diese Kritiker weigern sich aber zur Kenntnis zu nehmen, dass der Bischof lediglich die Grundsätze der katholischen Kirche dargelegt hat.“ Die Katholische Kirche werte gelebte Homosexualität in ihren Grundsatzdokumenten eindeutig als Sünde und könne sich dabei auf die Bibel berufen. Sinnvoller als eine folgenlose öffentliche Empörung über einzelne Kirchenvertreter seien konkrete Schritte zur Trennung von Staat und Kirche, erklärte Hartmann gemäß dem hpd.

Katechismus: Homosexualität „objektiv ungeordnet“

Anmerkung: Die folgenden Zitate stammen aus der aktuellen deutschen Übersetzung (2003) des lateinischen Katechismus von 1997. In der vorherigen Fassung fehlte die Aussage, Homosexualität sei „objektiv ungeordnet“. Leider findet sich auf der Vatikan-Website noch die ältere deutsche Übersetzung (1997), die die Änderungen der maßgeblichen lateinischen Ausgabe (ebenfalls 1997) noch nicht enthält.

In der Tat muss man angesichts einiger Äußerungen vermuten, dass die betreffenden Politikerinnen und Politiker sich gar nicht darüber im Klaren sind, dass die Katholische Kirche homosexuelle Neigungen als „objektiv ungeordnet“ beurteilt (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2358). Homosexuelle Handlungen „verstoßen gegen das natürliche Gesetz“, sind „in sich nicht in Ordnung“ und „auf keinen Fall zu billigen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357). „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2359)

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Benedikts Schweigen – Sind wir noch Papst? (Anne Will)

14. April 2010

Die Anne-Will-Sendung vom 11.04.2010 ist jetzt hier online verfügbar. Besprechungen bei der WELT und der Süddeutschen.

Die Gäste waren: Matthias Matussek (Journalist), Sophia Kuby („Katholikenaktivistin“, Generation Benedikt), Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, Hans-Ulrich Jörges (Journalist), Rosa von Praunheim (Filmemacher, Schwulenaktivist), und als Betroffener Alexander Probst, der nach eigener Aussage bei den Regensburger Domspatzen missbraucht wurde.

Leider waren die kritischen Gäste (Jörges und von Praunheim) ziemlich schwach: Jörges zeigte sich mehrfach schlecht informiert und von Praunheim arbeitete mit unbewiesenen Behauptungen. Hier hätte man besser argumentieren können (s.u.).

Erstaunt war ich, mit welcher Unverfrorenheit Bischof Overbeck auftrat. Zum „Beweis“, dass die Kirche alles in ihrer Macht stehende täte um aufzuklären und Missbrauchsfälle zu verhindern, verwies er immer wieder auf die bischöflichen Leitlinien von 2002. Overbeck war das perfekte Beispiel dafür, wie die katholische Kirche so tut, als ließe sich das Missbrauchsproblem mit Worten lösen. Die Richtlinien werden ja in der April-Ausgabe der Zeitschrift von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) als mangelhaft und Hinhaltetaktik bezeichnet (ich berichtete). Ein Hinweis darauf hätte sich angeboten, leider waren die papstkritischen Gäste schlecht vorbereitet.

Das Gleiche mit der Behauptung der Papst-Unterstützer, Benedikt hätte sich klar zu den Missbrauchsfällen geäußert. Weiß von Praunheim nicht, in welchem Ton sich Ratzinger zu Homosexualität geäußert hat?

Matussek sah sich wie immer als Katholik, er ist aber in Wirklichkeit gar keiner, da er die Lehre der Katholischen Kirche offenbar nicht in allen Dingen teilt. Während Bischof Overbeck es auf den Punkt brachte, dass Homosexualität (er meinte vermutlich: ausgelebte Homosexualität) von der katholischen Kirche als Sünde angesehen wird, meinte Matussek, er glaube nicht, „dass der liebe Gott etwas gegen Homosexuelle hat“. Im SPIEGEL hatte Matussek vor kurzem noch geschrieben, Benedikt habe ihn „in seinen Enzykliken überzeugt“ – bei diesem Thema offenbar aber nicht.


Blasphemiker-Podcast zum zweiten Mal LIVE!

11. April 2010

Heute um 20 Uhr (MESZ) senden die Blasphemiker zweiten Mal LIVE. Wie üblich kann man wieder per Skype in der Sendung anrufen und seine Meinung zum Besten geben. Alle Informationen darüber, wie man zuhören und mitdiskutieren kann, hier.


Merkwürdige Prioritäten

9. April 2010

Wenn es nach dem Leiter des evangelikalen ideaSpektrums geht, so ist das Schlimmste, was uns in diesen Tagen am Zeitungsstand entgegenschlägt – das Titelbild des Satiremagazins Titanic.

Wenn Helmut Matthies dieser Tage an einen Zeitschriftenstand kommt, dann vermisst er einen Aufschrei ob der undenkbaren Schamlosigkeit, mit der Hunderttausende dort täglich konfrontiert werden.

Was Matthies aufregt (und veranlasste, einen ganzen Artikel darüber zu schreiben), sind allerdings nicht die Schamlosigkeiten katholischer Priester, die die Öffentlichkeit seit Wochen zur Kenntnis nehmen muss, z.B. der sexuelle Missbrauch von bis zu 200 gehörlosen Jungen in den USA oder von blinden Schülern vor versammelter Klasse in Holland, sondern das aktuelle Titelbild des Satiremagazins Titanic, bei der sich ein Geistlicher an einem Kruzifix zu schaffen macht. Während spekuliert wurde, ob er vielleicht nur das Kreuz gerade rückt, handelt es sich Matthies zufolge um „Sex mit dem sterbenden Jesus“: „So viel Blasphemie gab es noch nie!“

„Feige“ nennt Matthies das. (Das Titelbild, wohlgemerkt – nicht den Missbrauch der wehrlosen Kinder.) Denn: „Warum dann nicht auch Mohammed im Sex mit einem Imam vereint – um sozusagen religiös ausgewogen zu diffamieren?“ Nun, das liegt womöglich daran, dass Muslime derzeit nicht wöchentlich mit neuen Missbrauchsfällen in den Schlagzeilen sind. Matthies verschweigt auch, dass die Titanic-Redaktion bereits 2008 mit einem „Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb“ über Deutschlands Grenzen hinaus den Ärger von Muslimen provoziert hatte. Die Satiriker sind also durchaus um religiöse Ausgewogenheit bemüht.

Im Übrigen ist die Titanic-Redaktion auch nicht feiger als Matthies, der seine christlich-evangelikale Zeitschrift ideaSpektrum ja auch in Deutschland produziert und vertreibt und nicht etwa in Saudi-Arabien oder im Iran. (Was Matthies veröffentlicht, gilt nämlich in diesen Ländern als Gotteslästerung.) Und der in seiner Zeitschrift zwar letztes Jahr anlässlich der Ermordung zweier Bibelschülerinnen im Jemen darauf hinwies, dass „[d]er christliche Glaube jedenfalls [..] außerhalb des Mittelmeerraums nur deshalb bekannt [wurde], weil Christen bereit waren, den Missionsbefehl ihres Herrn zu befolgen – und zwar oft unter Lebensgefahr“, der selbst aber dem Befehl seines Herrn lieber vom sicheren Schreibtisch aus nachkommt.

Jedenfalls malt sich Matthies genüsslich aus, was (seiner Fantasie zufolge) wohl passiert wäre, wenn das Satireblatt seinem Vorschlag nachgekommen wäre: „Zahllose deutsche Botschaften in aller Welt hätten in Flammen gestanden, und halb Deutschland wäre über Ostern im bürgerkriegsähnlichen Zustand gewesen, denn auch die mittlerweile 4,3 Millionen Muslime in Deutschland hätten sich das nicht bieten lassen. Das zeigen die Erfahrungen mit den vergleichsweise harmlosen dänischen Anti-Mohammed-Karikaturen 2005.“

Nun waren die Proteste, auf die sich Matthies bezieht, allerdings nicht spontan, sondern sie wurden bewusst angestachelt: Nachdem ein Aufschrei zunächst ausgeblieben war, stellten zwei Imame ein Dossier mit den Karikaturen zusammen und ließen es Muslimen in aller Welt zukommen. Matthies geht ganz ähnlich vor: Direkt neben seiner Klage über den ausbleibenden Aufschrei angesichts der vermeintlichen Blasphemie zeigt er das schlimme Titanic-Titelbild in Farbe – und das Foto eines verkehrt herum gekreuzigten Jesus (mit nacktem Gesäß zum Betrachter), der auf das Konto von „mutmaßlich Linksradikalen“ gehen soll. Werden nun bald die deutschen Botschaften in Italien, Spanien und Polen wegen der Titanic-Karikatur in Flammen stehen?

Glücklicherweise leben wir zu einer Zeit und auf einem Kontinent, wo Bürgerinnen und Bürger weitgehend vor dem Zorn des Mobs und Lynchjustiz geschützt sind. (Das letzte Mal entlud sich der geballte „Volkszorn“ in besorgniserregender Weise anlässlich der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, dass in italienischen Schulen kein Kruzifix-Zwang herrschen darf.) Dieser zivilisierte Umgang kommt übrigens nicht nur den Titanic-Redakteuren zugute, sondern auch den Geistlichen, die sich an wehrlosen Kindern vergangen haben, und die man zu anderen Zeiten gewiss ganz unbürokratisch kastriert oder zu Tode gequält hätte. Und die heute aufgrund von Verjährungsfristen zum großen Teil straflos ausgehen.


Die Blasphemiker Live!

27. März 2010

Am 28.03.2010 um 20:00 Uhr (MESZ) ist es soweit. „Die Blasphemiker“ senden das erste Mal LIVE. Sie können sogar in die Livesendung via Skype anrufen. Wie das alles genau funktioniert, finden Sieauf der Blasphemiker-Website unter Stream oder unter diesem Link.


Forum Deutscher Katholiken: „Müller und Mixa haben recht!“

24. März 2010

Papst- und kirchentreuer Verein springt seinem Kuratoriumsmitglied Bischof Müller zur Seite. 

Das Forum Deutscher Katholiken hat heute über kath.net eine Erklärung veröffentlicht mit dem Titel „Bischof Müller hat recht„. (Am 17. Februar erklärte das Forum bereits „Bischof Mixa hat Recht!„)

Das Forum Deutscher Katholiken ist eine Vereinigung „papst- und kirchentreuer Katholiken“ und wurde Wikipedia zufolge im Jahr 2000 als Reaktion auf das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gegründet.

In seiner Erklärung behauptet das Forum, Medien hätten sich wegen der sexuellen Missbrauchsfälle über Wochen „in konzertierter Aktion“ nahezu ausschließlich auf die Katholische Kirche eingeschossen.

Allerdings kann man bei den kirchentreuen Medien durchaus ebenfalls den Eindruck einer konzertierten Aktion haben – und die Erklärung des Katholikenforums ist ein gutes Beispiel dafür: Bischof Müller ist dort nämlich Kuratoriumsmitglied (wie auch Kardinal Meisner).

Dieser Umstand wird allerdings in der Meldung nicht erwähnt.

Nachtrag: Wie es sich für einen papst- und kirchentreuen Verein gehört, enthalten auch die älteren Pressemitteilungen des Katholikenforums keine wirklichen Überraschungen. Hier einige Beispiele:

Bischof Mixa hat Recht! – Bischof Müller handelt pflichtgemäß! – Hl. Vater wir stehen an Deiner Seite! –  Erklärung zur ungerechtfertigten Kritik am Papst – Erklärung zur Diffamierung Kardinal Meisners – Antirömischer Affekt – Kardinal Meisner hat den Punkt getroffen.


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