Kirche: Vermögen höher als bekanntgegeben

17. Oktober 2013

Angesichts des Finanzskandals im Bistum Limburg haben diese Woche mehrere katholische Bistümer Zahlen zu ihrem Vermögen veröffentlicht, um dem Eindruck von Intransparenz entgegenzuwirken.

Allerdings dürften die veröffentlichten Zahlen viel niedriger sein als die tatsächlichen Werte. Grund dafür sind die deutschen Bilanzierungsvorschriften, die den Ausweis von Wertsteigerungen verbieten.

Artikel von mir beim hpd.

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Schamlos und dreist: Der Kirchenkreis Bonn

15. Oktober 2013

Die evangelischen Kirchen in und um Bonn, die in einer Broschüre behaupten, der Staat würde nicht für Bischofsgehälter zahlen, kassieren vom Staat Zuschüsse für die Pfarrerbesoldung und -versorgung.

Neulich hatte ich darauf hingewiesen, dass der Kirchenkreis Bonn in seiner Broschüre „Die Kirche und das liebe Geld“ behauptet, der Staat würde nicht für Bischofsgehälter zahlen. Wie die Herausgeber diese Behauptung rechtfertigen wollen, ist mir schleierhaft.

Heute kam mir der Gedanke, mal kurz nachzuschauen, was sich dazu in den Staat-Kirche-Verträgen und den Haushalten der betreffenden Bundesländer (NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland) findet. Ich brauchte auch nicht lange zu suchen.

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Schamlos und dreist: Evangelische Broschüre zu Kirchenfinanzen

12. Oktober 2013

Kirche und GeldEvangelische Kirchen im Rheinland beklagen sich in einer neuen Broschüre über „viele falsche Vorwürfe“ – und nehmen es doch selbst mit der Wahrheit nicht genau.

Während das Handelsblog heute die Frage beantwortet, „Warum zahlt der Staat eigentlich die Bischofsgehälter?„, behaupten einige Kirchenkreise aus dem Rheinland in einer neuen Broschüre („Die Kirche und das liebe Geld„), der Staat zahle gar keine Bischofsgehälter (S. 8):

Zahlt der Staat für die Gehälter der Bischöfe?

Nein! Die so genannten »Staatsleistungen« geistern – zusammen mit vielen falschen Vorwürfen – immer wieder durch die politische Debatte: Gemeint sind damit diejenigen Gelder, mit denen der Staat den Kirchen Ersatz leistet für frühere Enteignungen, wie sie in großem Umfang vor allem zur Zeit Napoleons Anfang des 18. Jahrhunderts geschehen sind.

Bischofsgehälter

Um dem Vorwurf der Lüge auszuweichen, könnten sich die Herausgeber höchstens auf folgende, lahme Ausreden berufen:

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Subventionsbericht: Kirchensteuerabzug kostet den Staat 3 Milliarden pro Jahr

5. Oktober 2013

Kirchensteuer Subvention

Ich rechne ja gern vor (zuletzt der Süddeutschen Zeitung), dass allein die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer den Staat mehr kostet, als im Gegenzug aus Kirchensteuermitteln für gemeinnützige Zwecke verwendet wird.

Denn die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer vom Einkommen führt dazu, das Kirchenmitglieder weniger Lohn- und Einkommensteuer zahlen als ihre konfessionslosen Mitbürger (ceteris paribus).

Im August hat die Bundesregierung ihren 24. Subventionsbericht veröffentlicht, in dem diese Mindereinnahmen für die Jahre 2011 und 2012 auf jährlich über drei 3 Milliarden Euro beziffert werden.

Dem Statistischen Jahrbuch zufolge hat das Kirchensteueraufkommen für die evangelische und die katholische Kirche hat im selben Zeitraum jährlich etwa 10 Milliarden Euro betragen.

Das heißt, dass die Kirchensteuer zu einem Drittel subventioniert wird.

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Kirchenfinanzen: Dichtung und Wahrheit

25. August 2013

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) lässt sich von kirchlichen Darstellungen blenden. Und der Haushalt des Erzbistums München und Freising belegt: Die Kirchensteuer entlastet den Staat nicht, sie belastet ihn.

Wie die Kirchen ihre Anteile für Bildung und Caritas aufblähen – mit staatlichen Geldern

Anstatt ihren Mitgliedern mitzuteilen, wie viel Geld von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke wie Bildung oder Caritas ausgegeben wird, veröffentlichen die Kirchen lieber ihre Haushalte. Diese umfassen allerdings nicht nur die Einnahmen aus der Kirchensteuer, sondern auch die staatlichen Zuschüsse und alle anderen Einnahmen (z.B. Schulgeld, Gebühren, Pfründe-, Pacht- und Zinseinnahmen, Spenden). Da die staatlichen Zuschüsse im Wesentlichen in die gemeinnützigen Tätigkeitsbereiche gehen, erhöhen sie dort die Haushaltsansätze (s.u.) – und damit den Anteil der gemeinnützigen Bereiche am Haushaltsvolumen. Die Prozentangaben, wie viel anteilig für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird, sind daher für den kirchlichen Haushalt immer viel größer, als wenn der Prozentsatz angegeben würde, der von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird (s.u.).

Nun ist zwar nichts dagegen einzuwenden und es ist absolut sinnvoll, dass die Kirchen ihre Haushalte veröffentlichen. Ein für die Kirchen angenehmer Nebeneffekt ist allerdings, dass die Öffentlichkeit durch die überhöhten Prozentangaben einen falschen Eindruck von der Verwendung der Kirchensteuer bekommt. Das Erzbistum München und Freising, um das es im Folgenden geht, verweist sogar in seiner Broschüre „Informationen zur Kirchensteuer 2013“ als Antwort auf die selbstgestellte Frage (S. 13) „Wofür wird die Kirchensteuer im Erzbistum München und Freising verwendet?“ auf die Haushaltsangaben – anstatt die Anteile an der Kirchensteuer auszuweisen, wie ich es unten tue.

… und die SZ fällt darauf rein

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Der große ProChrist-Gebetsbetrug?

13. Januar 2013
Gebetsexperiment

Screenshot von der ProChrist-Werbeaktion

Auf Pferderennbahnen oder beim Roulette werden Zuschauer dann und wann von Leuten angesprochen, die einen „todsicheren“ Tipp versprechen – gegen Geld, versteht sich. Trotzdem geht derjenige, der sich darauf einlässt, kein Risiko ein, denn das Geld muss erst dann bezahlt werden, wenn die Vorhersage auch eingetroffen ist.

Tatsächlich sprechen die Tippgeber natürlich viele Leute an und erzählen allen etwas anderes. Wenn sie genügend Dumme finden, gewinnen sie immer – einer ihrer „todsicheren“ Tipps wird schließlich immer eintreffen.

Das große „Gebetsexperiment„, bei dem der evangelikale Verein ProChrist derzeit Menschen aufruft, einen „Wunsch an Gott“ einzusenden, für den dann von Christen gebetet werden soll, kommt der oben beschriebenen Betrugsmasche deutlich näher als einem Experiment.

2.000 Menschen stehen laut ProChrist als Beter bereit, das heißt, man richtet sich offenbar auf Tausende von Gebetswünschen ein. Bei einer 50 zu 50-Chance, dass der Wunsch durch bloßen Zufall eintritt, würde so die Hälfte derer, die sich überhaupt auf so ein „Experiment“ einlassen, in ihrem Glauben an die Wirksamkeit von Gebeten bestärkt. Natürlich dürfte die tatsächliche „Ausbeute“ etwas geringer ausfallen, aber selbst bei völliger Unwirksamkeit von Gebeten wird ProChrist rein aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass etliche dieser Wünsche durch bloßen Zufall erfüllt werden, massenhaft Leichtgläubige für den Glauben gewinnen.

Hinter die Überschrift – die sich übrigens an der Überschrift in Richard Dawkins‘ Buch „Der Gotteswahn“ zu der legendär gescheiterten Templeton-Gebetsstudie orientiert – habe ich ein Fragezeichen gesetzt. Ich will den Leuten von ProChrist und den Betern nicht pauschal bösen Willen unterstellen – ebenso wenig, wie davon ausgegangen werden kann, dass die meisten der Beteiligten den obigen Zusammenhang überhaupt durchschauen. (Der Grund, weshalb ich überhaupt etwas dazu schreibe ist, dass im Internet ofenbar noch niemand auf diesen Zusammenhang hingewiesen hat, also auch kein Atheist.) Zum Betrugsvorwurf würde vermutlich bereits die Absicht fehlen, den Getäuschten materiell zu schädigen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Masche mit dem Gebetsexperiment nach genau dem selben Schema funktioniert wie der Betrug beim Pferderennen oder beim Roulette.

Diesen Punkt wollte ich machen, und ob man das als Betrug auffasst, kann ja jeder selber entscheiden.


Missbrauchsstudie: Sollte vor dem Salzgitter-Skandal noch schnell Aufklärungswille demonstriert werden?

11. Januar 2013

Es fällt auf, dass Bischof Ackermann am 13. Juli 2011 mit der Präsentation zweier Forschungskonzepte (darunter die offenbar vorschnell unterzeichnete Pfeiffer-Studie) Aufklärungswillen demonstrierte, zwei Tage bevor in Salzgitter ein pädophiler Priester verhaftet wurde, der bereits im Juni gegen ein Kontaktverbot verstoßen hatte und kurz darauf angezeigt worden war.

In der Öffentlichkeitsarbeit ist das richtige Timing von großer Bedeutung. Rein professionell gesehen leistete Jo Moore exzellente Arbeit, als sie am 11. September 2001, nachdem die beiden Flugzeuge ins World Trade Center geflogen waren – aber noch bevor die Türme zusammenstürzten – eine E-Mail an ihre Presseabteilung schickte mit den Worten:

„Jetzt ist ein guter Tag, alles zu veröffentlichen, was wir begraben wollen.“

Professionelle Arbeit muss man auch dem Pressesprecher des Bistums Hildesheim bescheinigen, Dr. Michael Lukas: Vor fast genau einem Jahr wies ich darauf hin, dass im Bistum Hildesheim von 1993 bis Ende 2009 fast ununterbrochen Priester mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt wurden, obwohl das Bistum von deren sexuellen Übergriffen wusste. Trotzdem gelang es dem Bistum seit der Einstellung von Dr. Lukas als Pressesprecher, sich als Musterbistum in Sachen Missbrauch zu etablieren. Die Verlautbarungen des Bistums Hildesheim in Sachen Missbrauch sind meiner Einschätzung nach extrem raffiniert (siehe hier und hier).

Beispielhaft sind die folgenden Ausführungen des Hildesheimer Personalleiters Bogartz, die dieser 2010 gegenüber einer Gemeinde in Celle machte, nachdem herausgekommen war, dass dort jahrelang ein Missbrauchstäter eingesetzt war (Dr. Lukas saß daneben, als er sie machte):

„Es ist wahr, dass Dechant [S.] 1995 in Ostdeutschland ein Missbrauchsverbrechen begangen hat. Es war eine befreundete Familie, bei der er übernachte hatte. Dabei kam es zu einem Übergriff gegen einen 12-jährigen Jungen. Acht Jahre später hat sich die Familie an den Ortsbischof gewandt. Die Familie wünschte ausdrücklich in Gesprächen mit der Bistumsleitung keine strafrechtliche Verfolgung des Falls und wünschte Verschwiegenheit. Das Bistum hat sehr deutlich mit Herrn [S.] gesprochen. Daraufhin ist ein psychologisches Gutachten erstellt worden, dass der Übergriff nicht aus einer pädophilen Neigung heraus geschehen sei.

Es ist außerdem bescheinigt worden, dass ein weiterer Einsatz in der Pfarrgemeinde ausdrücklich ohne Auflage möglich ist. Die deutsche Bischofkonferenz hat 2002 vier der besten Forensiker benannt, um die Kirche zu beraten und Gutachten zu erstellen. Heute sagen wir, dass diese Gutachten wahrscheinlich nicht in der Weise helfen, wie wir ihnen damals vertraut haben.

2003 ist von den damals Verantwortlichen entschieden worden, dass Hermann [S.] in der Gemeinde verbleibt.

Wer käme dabei wohl auf den Gedanken, dass das psychologische Gutachten und die Therapie erst erfolgt sein könnten, nachdem S. aus Celle abberufen worden war? Das legen andere Informationen nahe, die ich bei Bedarf gerne nachliefere. Hier geht es nur um die Formulierungen:

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