EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider lehnt „Sühnopfer“ ab

6. August 2010

Stellt sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider gegen DEN zentralen christlichen Glaubensinhalt?

Gegenüber der Frankfurter Rundschau sprach er sich dagegen aus, dass man „einem Einzelnen alle Schuld aufbürdet und gleichsam ein Sühnopfer verlangt“.

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Ketzerpodcast: Neue Ausschnitte bei YouTube

20. März 2010

Es sind jetzt wieder Ausschnitte der neuesten Folge auf dem YouTube-Kanal des Ketzerpodcasts, und zwar zu folgenden Themen:

  • Der Papst und der Missbrauchsskandal (5:36)
    Der Fall eines pädophilen Priesters in Ratzingers Bistum und die Direktive von Ratzingers Glaubenskongregation von 2001.
  • Georg Ratzingers Ausraster (2:06)
    Der langjährige Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen war froh, als er ab 1980 keine Kinder mehr ohrfeigen durfte.
  • Inzest in der Bibel (2:42)
    Lot und seine Töchter, Abraham und Sara: alles nicht ganz uninzestös!
  • Kirchlicher Doppel-Sprech (1:32)
    Matthias erläutert, was die Kirche seiner Meinung nach mit „Aufklärung“ meint.
  • Runder Tisch und Verjährung (4:15)
    Aufgabe des „rundes Tisches“ und das Pochen der Kirche auf strafrechtliche Verjährung.
  • Bischöfe bestehen auf Entschädigungen – für sich selbst! (4:25)
    Während die deutschen Bischöfe Entschädigungen für die Missbrauchsopfer fast durchgängig abgelehnt haben, bestehen sie weiterhin auf Entschädigung für die Säkularisation vor 200 Jahren. Und das, obwohl das Grundgesetz deren Ablösung vorschreibt.
  • Innerkirchliche Opposition (6:40)
    Reaktionen von „Wir sind Kirche“, „Kirche von unten“ „Priester ohne Amt. Wer heiratet, kann kein Priester mehr sein. Wer Kinder missbraucht, schon!
  • Advokat des Teufels (3:07)
    Matthias springt einen Moment lang für die Kirche in die Bresche.
  • Politiker und Journalisten (4:17)
    Es zeigt sich immer wieder, dass die katholische Kirche nur auf öffentlichen Druck reagiert. Leider übt sich die Bundeskanzlerin in Wischiwaschi-Statements und glaubt, Bischof Ackermann sei ein Sonderbeauftragter für die Aufklärung.
  • „Nur“ 300 Fälle von Pädophilie in 9 Jahren (5:44)
    Es war zu lesen, von 3000 Missbrauchsfällen, die der Vatikan in den letzten 9 Jahren bearbeitet hat, hätten nur 300 Pädophile Priester betroffen. Das kommt aber daher, dass  hier eine enge Definition von „Pädophilie“ benutzt wird, die sich nur auf den Missbrauch von vorpubertären Kindern bezieht. Die andern Fälle dürften sich ganz überwiegend auf Kinder in der Pubertät (Ephebophilie) bezogen haben.
  • Kirchenstrafen (2:45)
    Matthias erläutert, zu welchen Strafen die 3000 Missbrauchsfälle geführt haben, die der Vatikan von 2001 bis 2009 bearbeitet hat.
  • Kirchenrecht vs. Strafrecht (2:26)
    Matthias, Christian und Sigrid diskutieren das kirchliche Strafrecht und werfen die Frage auf, wie man eine Information kirchenrechtlich geheim hält, strafrechtlich aber offenbart.
  • Bischof Müller vs. Humanistische Union (4:21)
    Bischof Müller hatte der Bundesjustizministerin vorgeworfen, sie engagiere sich in “einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist”.
  • Kirchenaustritte und Vertrauensverlust durch Missbrauchsskandal (1:53)
    Der Missbrauchsskandal hat bereits zu vermehrten Kirchenaustritten und einem Vertrauensverlust bei der Bevölkerung geführt. Leider scheint die Bundeskanzlerin zu den 10% zu gehören die glauben, die Kirche tue genug für die Aufklärung.
  • Gesundbeten und Homöopathie (0:23)
    Peter konnte diese Woche leider nicht beim Podcast mitmachen. Wir sagen, warum.
  • Agora – Die Säulen des Himmels (1:00)
    Empfehlung, den Film anzusehen. Die ersten Kritiken waren ausgezeichnet.
  • Zitat der Woche von Albert Einstein (0:45)
    Es geht um Schafe…

Ketzerpodcast: Missbrauchs-Special

18. März 2010

Unser neuer Ketzerpodcast ist online.

Eigentlich wollten wir uns gar nicht so viel mit dem Missbrauchsskandal beschäftigen und hatten noch andere Themen vorbereitet. Aber das Abhandeln der „unverzichtbaren“ Punkte hat dann doch schon fast den ganzen Podcast ausgefüllt!

  • Papst involviert
  • Georg Ratfingerf Aufrafter
  • Inzest in der Bibel
  • Zollitsch beim Papst
  • Reaktion der innerkirchlichen Opposition
  • Bischof Müller vs. Humanistische Union
  • Kirchenaustritte wegen Missbrauchsskandal
  • Empfehlung: Den Film „Agora“ ansehen!
  • Zitat der Woche von Albert Einstein

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.


Peinliche Prälaten (1): Georg Ratzinger

11. März 2010

Papstbruder und Ehrenprälat Georg Ratzinger, dreißig Jahre lang Domkapellmeister bei den Regensburger Domspatzen, hat die Opfer der körperlichen Misshandlungen dort um Verzeihung gebeten und eingeräumt, bis zum gesetzlichen Verbot der körperlichen Züchtigung 1980 auch selber Kinder geohrfeigt zu haben. (domradio.de)

Die Ohrfeigen will ich G. Ratzinger nicht zum Vorwurf machen, damals waren „normale“ Ohrfeigen halt noch gang und gäbe.

Aber die folgende Aussage lässt sich wohl nur als peinlich bezeichnen:

„Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurden”, sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. der “Passauer Neuen Presse“ An diese Maßgabe habe er sich „striktissime“ gehalten und war nach dem Verbot “innerlich erleichtert.“ [WELT]

Wenn er so froh war, als die Ohrfeigen endlich verboten wurden, warum hat er nicht schon früher damit aufgehört?

Vielleicht, weil die Bibel das Schlagen von Kindern ausdrücklich anordnet?

Sprüche 13,24: “Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.”

Wieder so ein Beispiel, wo die heutigen Gesetze weitaus ethischer sind als die Bibel.


Erste Kritiken zum Animationsfilm „Die Zehn Gebote“

17. Februar 2010

Morgen wird der Film „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ in Deutschland veröffentlicht (Ich hatte bereits darüber berichtet.)

Mittlerweile gibt es auch einige Besprechungen des Films, die nicht bloß die Presseinformationen des Filmverleihs bzw. der EKD wiederkäuen.

Wie berichtet, war beim US-Publikum der größte Kritikpunkt des Films die billig wirkende 3D-Animation. Dieser Punkt findet sich auch in allen Filmkritiken, die ich bisher gefunden habe:

So schreibt selbst die EKD-Website evangelisch.de – die den von der EKD mitproduzierten Film eigentlich bedingungslos „pushen“ müsste – in einer offenbar vom Evangelischen Pressedienst (epd) gelieferten Besprechung des Films:

Insgesamt hätten der Dramaturgie der Geschichte deutlichere Akzente und etwas Humor gut getan. Um Ernsthaftigkeit bemüht erscheinen auch die Zeichnungen. Die Gesichter wirken etwas zu glatt und flach, manche Bewegungen holprig. Die Animation erinnert mehr an Computerspiele oder Fernsehformate und reicht an den Charme der Großmeister der Animation wie Disney oder Pixar nicht heran.

Das (evangelikale) Christliche Medienmagazin Pro betont natürlich die biblisch-christliche Botschaft des Films, weist allerdings auch auf die Schwächen bei der Animation hin:

Die Geschichte zählt

Beim Ansehen wird schnell klar: an die Optik von Animationsblockbustern aus den Häusern Pixar (von Disney aufgekauft) oder Dreamworks oder gar an den Kassenschlager „Avatar“ reicht die Produktion nicht heran. Kritiker zogen Vergleiche zum vielgelobten „Der Prinz von Ägypten“ aus dem Jahre 1998, der ebenfalls von Mose handelt […]. Allein visuell hat dieser zehn Jahre ältere Film mehr zu bieten, die Messlatte hing also hoch. Die Figuren wirken in der Tat etwas künstlich, ihre Bewegungen erscheinen als das, was sie sind: computeranimiert. Und doch beweist die Filmgeschichte: Auch Zeichentrickfilme mit weniger naturgetreuer Darstellung können fesselnd sein, insofern sie eine gute Geschichte erzählen. Und Stoff dafür bieten die fünf Bücher Mose allemal.

Der (katholische  – aber das sieht man ihm nicht auf den ersten Blick an) film-dienst fällt da schon ein vernichtenderes Urteil. Er kritisiert

[…] die lausige Animation, die weit hinter dem „State of the Art“ zurückbleibt. Optisch erinnert der Film an Videospiele der ersten Generation, in denen die Bewegungen der Figuren noch ähnlich unbeholfen wirkten und es kaum eine Interaktion mit der Umwelt gab. […] Wie wenig in eine eigenständige Ästhetik investiert wurde, offenbaren am deutlichsten die visuellen Anleihen, die von „Shrek“ bis „Das fünfte Element“ ungeniert das Bilderreservoir von Fantasy und Science Fiction plündern, ohne sich über die damit verbundenen Implikationen Rechenschaft zu geben. Der dezidiert fiktionale Charakter dieser Genres überträgt sich durch Bildästhetik und Erzähldramaturgie ungebrochen aufs biblische Sujet, dessen religiös-theologische Eigenheit gänzlich unreflektiert bleibt.

Die rein „weltlichen“ Filmkritiker scheinen den Film bisher zu ignorieren. Dies liegt vermutlich daran, dass der Film gar nicht bundesweit in die Kinos kommt, sondern mit nur zwölf Kopien bis Anfang Juni durch die Gebiete der Evangelischen Landekirchen tourt.

Morgen – zum Start des Films – gibt es eine ausführliche Filmkritik von mir.


Einer der schlechtesten Filme kommt nach Deutschland!

11. Februar 2010

Nächste Woche kommt ein neuer Bibelfilm in, nun ja, „ausgewählte“ Kinos (es scheint bundesweit nur 12 Kopien zu geben). Es handelt sich um den Animationsfilm „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln„. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) war an der Produktion beteiligt (s.u.) und versucht den Film nun zu pushen. Publikumspremiere mit der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann ist am 21. Februar um 14 Uhr im CinemaxX Hannover-Nikolaistraße.

Im Zuge der Filmpromotion wird wieder mal herumposaunt, die Zehn Gebote seien die unverzichtbare Grundlage der heutigen Gesellschaft:

Die Zehn Gebote sind eine der ältesten gesetzlichen Regelungen, die einerseits das Verhältnis von Gott zu den Menschen ansprechen, andererseits das Verhältnis der Menschen untereinander regeln. Die Werteordnung unserer westlichen Gesellschaft basiert auf diesen Geboten, gleichermaßen wie die französische oder amerikanische Verfassung oder die UN-Menschenrechtscharta. Die Zehn Gebote gehören zu den „Basics“ christlicher Verkündigung. Darüber hinaus sind sie sowohl das Urmaterial der Gesetzgebung in allen westlichen Zivilisationen als auch die unbestrittene Grundlage unserer Kultur: Emanzipation der Geschlechter, soziale Gerechtigkeit, Sozialgesetzgebung, Demokratie und Schulpflicht, das Recht des Kindes auf Kindheit sind ohne die Zehn Gebote nicht denkbar. [Hervorhebungen von mir, Anmerkungen von mir dazu hier, ausführliche Würdigung der dreisten EKD-Behauptungen bei Aufklärung 2.0.]

Update: Diese dreiste Behauptung findet sich nicht einmal auf der Website der amerikanischen Originalversion.

Der Leiter des EKD-Referates „Medien und Publizistik“, Oberkirchenrat Udo Hahn, schreibt in einem Brief an die Dekaninnen und Dekane, Superintendentinnen und Superintendenten in den Gliedkirchen der EKD:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

mit diesem Schreiben möchte ich Sie auf den Spielfilm „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ aufmerksam machen. […]

Wir wünschen diesem großen Film einen großen Erfolg. Dafür müssen möglichst viele Menschen eine Kinokarte kaufen. Deshalb bitten wir Sie: Machen Sie die Menschen in Ihrem Kirchenkreis und in Ihren Gemeinden auf diesen Film aufmerksam. Sie können ihn empfehlen, weil er eine der zentralen biblischen Geschichten spannend erzählt und zur Beschäftigung mit den Zehn Geboten und ihrer Bedeutung heute einlädt.

Da will ich natürlich nicht zurückstehen – man hilft schließlich, wo man kann! Allerdings möchte ich nicht nur auf den Film an sich aufmerksam machen, sondern auch auf den Umstand, dass der Film bereits Ende 2007 in den USA veröffentlicht wurde und bei der International Movie Database (IMDB) derzeit eine Wertung von 2,6 von 10 möglichen Sternen hat. Das ist noch mal deutlich schlechter als „Catwoman“ (3,2), „Batman und Robin“ (3,5) oder „Angriff der Killer-Tomaten“ (4,2). Der Film soll bei IMDB unter den schlechtesten 100 sein.

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Scheiß-Ferkelbuch! dachte der Vater der kleinen Charlotte

10. Februar 2010

Ferkel und Igel sind nicht in Gefahr.

„Papa steht sich manchmal selbst im Weg“ heißt es in dem Buch „Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte“. Papa, das ist Sven Grotendiek, der sich über das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ geärgert hatte. Grotendieks religiöse Entgegnung ist allerdings nur ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit des Original-Ferkelbuches.

Eins gleich vorweg: Das Ferkelbuch von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke ist nicht in Gefahr! Die vom Bundesfamilienministerium geförderte Entgegnung „Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte“ ist aus atheistischer Sicht völlig belanglos. Es handelt sich lediglich um ein weiteres religiöses Kinderbuch unter vielen, und nicht einmal um ein besonders gutes.

Warum das so ist, will ich im Folgenden deutlich machen. Ich hätte auch gerne etwas Positives über das Buch geschrieben, nachdem sich der Autor, Dr. Sven Grotendiek, hier in den Kommentaren ja ziemlich engagiert hat. Aber an Positivem fallen mir nur drei Dinge ein:

  • Die Gestaltung der CD-Hülle ist ganz nett.
  • Der Sprecher des Hörbuchs, Werner Hahn, leistet ganz ordentliche Arbeit, wenigstens zu Beginn.
  • Das Buch/Hörbuch fördert den interreligiösen Dialog.

Aus atheistischer Sicht sind m.E. vor allem folgende Punkte von Interesse:

  • Wie nimmt das Buch auf das Original-Ferkelbuch Bezug?
  • Wird der religiöse Glaube in dem Buch irgendwie begründet?
  • Welche religiöse Botschaft wird hier – durch Steuergelder gefördert – verbreitet, und wie kommen Nicht-Angehörige der abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam dabei weg?
  • Und schließlich: Wie ist das Buch/Hörbuch als Ganzes einzuschätzen?

Die folgenden Ausführungen und Zitate beziehen sich alle auf die Hörbuch-Version, die man (Dank der Förderung durch das Ministerium!) für 2 Euro Kostenbeitrag beim Verlag bestellen kann. 19,95 Euro für das Buch wären mir zu teuer gewesen. Außerdem ist das Buch derzeit vergriffen.

Wie nimmt das Buch auf das Original-Ferkelbuch Bezug?

Erzähl mir bitte von Gott! sagte die kleine Charlotte. Ein Buch für alle, die es wissen wollen“ orientiert sich schon im Titel deutlich an dem Buch „Wo bitte geht‘s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke. Auch in Grotendieks Buch heißt es an einer Stelle – ziemlich unmotiviert –, dass sich die kleine Charlotte „nichts vormachen“ lässt. Auf dem Umschlag der Hörbuch-CD sind außerdem ein Ferkel und ein Igel abgebildet.

Das „Original-Ferkelbuch“ liefert auch den Anstoß für die Geschichte mit der kleinen Charlotte. Diese sieht ihren Vater eines Morgens verärgert am Küchentisch sitzen. Er hat gerade das Ferkelbuch gelesen und schimpft darüber. Natürlich sagt er nicht „Scheiß-Ferkelbuch“, aber „Wie gemein!“, sein Kopf wird ganz rot und er ärgert sich darüber, dass in dem Original-Buch das kleine Ferkel und der kleine Igel die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gruselig und merkwürdig finden und zu dem Schluss kommen, dass es Gott wahrscheinlich gar nicht gibt: „So verärgert hatte Charlotte Papa lange nicht erlebt.“

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