Blinder Glaube als Tugend: Indoktrination mit Pixibüchern

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AN: Carlsen Verlag, Deutsche Bibelgesellschaft, Simone Nettingsmeier

BETREFF: Stellungnahme zu biblischen Pixibüchern

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Kind mochte ich die Pixibücher, heute (mit 48) interessiere ich mich dafür, wie Kindern biblische Geschichten vermittelt werden. Als ich daher neulich von den neuen Pixibüchern mit “Geschichten aus der Bibel” erfuhr (Serie 243), habe ich sie mir gleich bei amazon bestellt und habe vor, sie am kommenden Sonntag im Ketzerpodcast zu besprechen.

Zum Hintergrund: Vor etwa 10 Jahren erschien Richard Dawkins’ Buch “Der Gotteswahn”. Einer von Dawkins’ Hauptkritikpunkten an der Religion ist, dass sie blinden Glauben als Tugend vermittelt. Dawkins’ Kritiker bestreiten, dass dies heute noch der Fall sei. Was sie nicht bestreiten ist, dass es kritikwürdig ist, blinden Glauben als Tugend zu vermitteln.

In diesem Zusammenhang wurde mir klar, dass zwar – zumindest in Deutschland – heute tatsächlich kaum noch jemand blinden Glauben ausdrücklich als Tugend vermitteln dürfte. Was allerdings immer noch völlig kritiklos vermittelt wird, sind die biblischen Geschichten. Und diese vermitteln äußerst wirksam die Botschaft, dass blinder Glaube eine Tugend ist.

Das geht schon beim Sündenfall los – nicht auf Gott gehört! – und endet (zumindest in den Evangelien) mit dem ungläubigen Thomas, der zwar überzeugt wird, wo es allerdings heißt (Joh 20:29): »Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!«

Sobald man dies erkannt hat, wird deutlich, dass die Bibel massiv die Botschaft vermittelt, dass blinder Glaube eine Tugend ist. (Besonders deutlich z.B auch bei der Geschichte von Abraham und Isaak.) Und wie gesagt: Selbst Dawkins’ Gegner bestreiten nicht, dass es kritikwürdig ist, blinden Glauben als Tugend zu vermitteln. Sie behaupten nur fälschlich, das würde nicht mehr getan.

Wie Sie wissen, werden derzeit Programme aufgelegt, um zu verhindern, dass sich Jugendliche radikalisieren. Wie Sie vielleicht nicht wissen, wirbt der Islamische Staat (IS) aktiv um Christen – und zwar exakt mit dem Gottesbild, das das Alte Testament (aus dem 6 der 8 Pixi-Geschichten sind) vermittelt. Im IS-Magazin “Dabiq” erzählen mehrere Ex-Christen, wie sie zum Islam und zum islamischen Staat konvertiert sind.

Ich meine daher, dass die Veröffentlichung der 8 Pixi-Bücher ein Schritt in die falsche Richtung ist, und würde gerne wissen, was der Carlsen Verlag und die Texterin der Bücher, Frau Nettingsmeier hierzu meinen. Vielleicht ist es ja möglich, noch bis zum Sendetermin des Podcasts am kommenden Sonntag (19. Februar) eine Stellungnahme zu erhalten.

Ich habe mir auch erlaubt, die Pixi-Serie bei amazon zu ausführlich zu rezensieren und meine Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Meiner Rezension, die ich unten anhänge, will ich noch folgende Punkte hinzufügen:

Kindern beizubringen, die Welt sei dem biblischen Schöpfungsbericht gemäß entstanden, halte ich nicht für sinnvoll. Das spielt lediglich Kreationisten in die Hände – die es übrigens nicht nur unter Christen, sondern gerade auch unter Muslimen gibt. Und beim IS.

In “Die Arche Noah” heißt es:

Die Menschen hatten längst vergessen, dass Gott die Erde gemacht hatte. Ständig schlugen sie aufeinander ein. Sie taten sich weh, und oft genug verletzten sie auch Tiere und Pflanzen. Das machte Gott sehr traurig. Er wollte doch, dass die Menschen friedlich zusammen leben.

M.E. kann dies bei Kindern Angst vor einem erneuten, göttlichen Genozid erzeugen, denn die Menschen verhalten sich heute ja nicht anders.

Als Frau Nettingsmeyer, ganz unbiblisch (in der Bibel wird das böse Treiben nicht spezifiziert), auch noch die Verletzung von Pflanzen erwähnen zu müssen meinte, hat sie wohl übersehen, dass sie eine Doppelseite zuvor Noahs Familie als Bauern dargestellt hatte. Das macht ihre Version der Geschichte nicht stimmiger.

Bei der Geschichte “Mose im Körbchen” will ich hingegen mal loben: Oft wird diese Geschichte ja als wundersame Rettung dargestellt. Frau Nettingsmeyer hingegen verdeutlicht, dass das Mose-Baby der ägyptischen Prinzessin ganz un-wunderlich untergeschoben wurde. Ich frage mich allerdings, ob es heute angebracht ist, in Kinderbüchern Zeilen zu veröffentliche wie

Der Pharao regierte über Ägypten. Doch in seinem Land lebte auch viele Israeliten. Sie breiteten sich immer stärker aus. Das passte dem Pharao gar nicht. Er befürchtete, dass ihn die Fremden eines Tages bekämpfen könnten. »Dieses Volk darf nicht mehr so viele Kinder bekommen«, überlegte er.

Hiermit wird die Vorstellung, dass sich Ausländer im eigenen Land rasant vermehren und zur Bedrohung werden, als real dargestellt. Tatsächlich ist die ganze Geschichte aber erfunden, und die rasante Vermehrung der Israeliten ist bloß eine Legende, ein Aufhänger für die Geschichte.

Beim Pixibuch „David und Goliat“ finde ich es bedenklich, dass den Kindern hier ein primitives Freund-Feind-Schema vermittelt wird. Die Feinde sind einfach nur die Feinde, weil es „die anderen“ sind. Auch diese Geschichte ist extrem weichgespült: In der biblischen Version besteht Goliats Hauptverbrechen darin, dass er Gott lästert, dafür wird er mehrfach verächtlich als “Unbeschnittener” bezeichnet. Nachdem Goliat schon tot ist, schneidet ihm David noch – ganz in IS-Manier – den Kopf ab. Während eigentlich ausgemacht war, dass die Armee des Unterlegenen sich ergibt, werden die Feinde noch von den Israeliten niedergemetzelt. – Sind das wirklich Geschichten, die man heute noch, auch in weichgespülter Form, kleinen Kindern vermitteln will? Ein Problem dabei ist, dass – wie die Erfahrung zeigt – Kinder, die durch derart verniedlichte Versionen an solche primitiven Geschichten gewöhnt werden und diese auch noch als ethisch vorbildlich vermittelt bekommen, später als Erwachsene nicht mehr die Problematik dieser Geschichten wahrnehmen. (Der Umstand, dass der Carlsen Verlag und Frau Nettingsmeier meinten, es sei eine gute Idee, diese Geschichten für Kinder zu veröffentlichen, macht dies deutlich.) Auch die David-Geschichte vermittelt wieder sehr stark die Botschaft “Blinder Glaube ist eine Tugend”.

Darüber hinaus frage ich mich, ob das Titelbild des Pixibuches “David und Goliat” zeitgemäß ist. Es zeigt David in Siegerpose, mit einem Fuß auf dem toten Goliat.

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Pixi-Buch

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IS-Propaganda

Derartige Bilder werden heute bereits kritisiert, wen jemand auf diese Weise mit eine toten Tier posiert (Großwildjäger). Muss man da unbedingt eine solche Pose mit einem getöteten Menschen auf einem Kinderbuch platzieren? Hier wird m.E. eine IS-artige Mentalität vermittelt. Eine kurze Google-Bildersuche ergibt, dass die allermeisten Kinderbücher zu der Geschichte andere Titelbilder haben, es gab wohl auch früher schon mal ein Pixibuch dazu, das ein anderes Cover hatte.

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Selbst die Kirchen verkünden heute, dass jemand “schuldig” wird, der im Krieg einen Menschen tötet. Bilder wie Ihr Pixicover erscheinen mir in Zeiten des IS äußerst unangebracht. Das Cover zeigt einmal mehr, dass bei der Produktion dieser Bücherserie die ethische und pädagogische Problematik dieser Geschichten offenbar nicht erkannt wurde. Mit Ihren Büchern tragen Sie dazu bei, dass das auch so bleibt.

Die Jona-Geschichte halte ich ebenfalls für bedenklich. Es ist dort offenbar völlig in Ordnung, dass Gott androht, eine ganze Stadt vernichten zu wollen. Kollektive Bestrafung würde man das heute wohl nennen, und die Bestrafung käme dem Abwurf einer Atombombe gleich. Ich meine, dass z.B. die folgende Passage auf Kinder verängstigende Wirkung haben kann:

Die Seeleute weckten Jona, weil sie wussten, dass einer von ihnen schuld sein musste an der Notlage.
Wie zur Hölle kann man Kindern vermitteln, dass Naturgewalten bedeuten, dass jemand schuld daran sein muss?
Und Jona ahnte gleich, dass Gott den Sturm seinetwegen geschickt hatte. »Ich bin vor Gott weggelaufen, deshalb sind wir alle in Gefahr«, erklärte er den Männern.
Das ist die Mentalität, die Überschwemmungen als göttliche Strafe für Homosexualität sieht und Erdbeben als göttliche Strafe für unzüchtig gekleidete Frauen. Wie kann man Kindern so etwas vermitteln?
»Werft mich ins Meer, dann hört der Sturm auf.«
Hier wird Kindern tatsächlich vermittelt, Menschenopfer bzw. die Tötung des “Schuldigen” könne Gott besänftigen. Dass Jona überlebt, macht es nicht besser, denn es muss ja zunächst davon ausgegangen werden, dass er ertrinken wird. Dieser Umstand erhöht höchstens die Bereitschaft, Menschen zu opfern oder zu töten, weil Gott sie ja ggf. retten kann.

»Werft mich ins Meer, dann hört der Sturm auf.«

Ich finde, dass diese Mentalität auch schon sehr nah an der von Selbstmordattentätern ist.

Jedenfalls kann man sich leicht vorstellen, dass Kinder, die dieses Pixi-Buch gelesen haben, sich bei Unwettern oder Ähnlichem fragen, wer wohl schuld ist, ob sie es sind, und ob sie deshalb getötet werden müssen.

Aber natürlich vermittelt auch dieses Pixi-Buch wieder die Botschaft “Blinder Glaube ist eine Tugend.” Und der Gott, von dem vermittelt wird, dass er die unschuldigen Seeleute wegen Jonas vermeintlicher Schuld in Lebensgefahr bringt, und der zuvor ankündigte, die Stadt Ninive zu vernichten, wird auch noch als liebender Gott präsentiert:

Da erkannte Jona, dass Gottes Liebe größer ist, als ein Mensch verstehen kann.
Ich denke, Ihre Pixibücher tragen damit dazu bei, Kinder ethisch zu desorientieren.
Das Pixibuch “Daniel in der Löwengrube” transportiert sogar primär die Botschaft, dass blinder Glaube eine Tugend ist:
»Ich hab’s!«, rief der erste [Bösewicht] und erklärte den anderen seinen Pan. »Daniel gehorcht Gott mehr als dem König. Damit kriegen wir ihn!«
Und später:
»Du lebst!«, rief der König voller Freude. »Ja, mein Gott hat mich beschützt!«

Wie Sie vielleicht wissen, sind alle diese Geschichten erfunden. Sie dienen einzig dem Zweck, falsche “Fakten” zu produzieren, die “beweisen” sollen, dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen. In der Realität ist ein Eingreifen Gottes nicht beobachtbar. Es kann daher zu nichts Gutem führen, wenn Kinder vermittelt bekommen, dass Gottvertrauen letztlich alles gut ausgehen lässt, auch, wenn man sich in Lebensgefahr (Krieg, Über-Bord-Gehen, Löwengrube) begibt. Wenn das wirklich so wäre, bräuchte man diese erfundenen Geschichten nicht.

Das Pixibuch “Jesus auf dem See” vermittelt auch wieder blinden Glauben als Tugend:

»Warum habt ihr so große Angst?«, fragte Jesus seine Freunde. »Vertraut doch darauf, dass Gott euch hilft. ich bin bei euch!«
Nun, die Jünger werden wahrscheinlich beobachtet haben, dass bei solchen Unwettern immer wieder auch gottesfürchtige Menschen ertrunken sind. Sie sollten hier nicht gescholten werden, sondern als Vorbilder dargestellt. Sie beobachten die Realität und ziehen daraus Schlüsse. Aber dafür werden sie getadelt, der blinde Glaube wird als vorbildlich vermittelt:
Jesus sagte zu Petrus: „Du weißt doch, Gott hilft dir, wenn du nur auf ihn vertraust. Darauf kannst du dich immer verlassen!«

Hier wird den Kindern, die dieses Pixibuch lesen, genau die Einstellung vermittelt, die bei Erwachsenen dazu führt, dass sie ihre Kinder nicht zum Arzt schicken, sondern sie durch Gebete geheilt werden sollen. Glücklicherweise ist das meistens nicht der Fall, aber mit Ihren Pixibüchern wirken Sie in die falsche Richtung.

Das letzte Pixibuch “Jesus heilt einen Gelähmten” ist auch nicht besser. Simone Nettingsmeier folgt hier leider der biblischen Vorlage und gibt der Hautperson, dem Gelähmten, nicht mal einen Namen. Er ist eine bloße Requisite, damit Jesus jemanden zum Heilen hat. Und wieder die biblische Kernbotschaft:

»Deine Freunde glauben aber fest daran, dass ich dir helfen kann«, sagte Jesus freundlich zu dem Gelähmten.
Und gleich darauf:
»Dann will ich dir auch deine Sünden vergeben.«

Das Pixibuch stellt hier einen deutlichen Zusammenhang zwischen “Sünde” und Behinderung her, die gewiss nicht dazu beiträgt, die Einstellung der Kinder, die diese Bücher vorgelesen bekommen, gegenüber Behinderten zu verbessern. Die Behinderung wird hier sehr deutlich als Konsequenz irgendwelcher Sünden dargestellt.

Ich füge noch hinzu, dass kürzlich eine Studie gezeigt hat, dass religiös sozialisierte Kinder größere Schwierigkeiten haben, Realität und Märchen auseinanderzuhalten. Vermutlich, weil das primitive, magische Denken der religiösen Geschichten, anders als Märchen, als real vermittelt wird. Mit Ihren biblischen Pixibüchern dürften Sie hierzu beitragen.

Ich meine, der Carlsen-Verlag sollte noch mal überdenken, ob er wirklich derart primitive und gefährliche Botschaften an Kinder vermitteln will. Die Botschaften werden auch nicht weniger primitiv oder bedenklich dadurch, dass sie aus der Bibel stammen. Ganz im Gegenteil: Ihre schädliche  Wirkung wird dadurch nur verstärkt. Und wie gesagt: Die Vermittlung von blindem Glaube als Tugend wird selbst von Theologen nicht gutgeheißen. Genau das tun aber Ihre Pixibücher.

Ich wüsste wirklich gerne, was sich der Carlsen Verlag und Frau Nettingsmeier dabei gedacht haben, bzw., was sie jetzt darüber denken. Kann es sein, dass diese 8 Bücher bei Frau Nettingsmeier irgendwie aus der Reihe fallen, oder kommen in ihren Sandmännchen- und Käpt’n Blaubär-Büchern auch Genozid, Mord und Menschenopfer usw. vor?

Ich habe vor, diesen Brief auch auf meinem Blog zu veröffentlichen.

Ich hänge noch meine amazon-Rezension an und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Krause

Blinder Glaube als Tugend: Indoktrination für die Kleinsten

Wie bereits die Vorlagen aus der Bibel, vermitteln auch diese Pixi-Bücher vor allem eine Botschaft sehr effektiv: Dass blinder Glaube eine Tugend ist. Würde man überlegen, wie man Kinder von klein auf zu religiösen Fanatikern erziehen kann, so käme man wieder auf Geschichten wie diese.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Geschichten gegenüber den biblischen Vorlagen z.T. geradezu sinnentstellend verändert wurden. So sagt Eva in „Die Erschaffung der Welt“, nach der Aufforderung der Schlange, die Äpfel zu essen: „Wenn sonst nichts passiert, können wir die Äpfel auch probieren.“ In der biblischen Vorlage hatte Gott als Strafe dafür bereits den Tod angedroht. Im Pixi-Buch belässt Gott es bei „Ihr könnt alle Früchte des Gartens essen, nur die von diesem Apfelbaum nicht.“ Gleich darauf heißt es – eben ganz nach dem Motto „Blinder Glaube als Tugend“: „Adam und Eva hielten sich daran, obwohl sie es nicht verstanden.“

Besonders krass ist allerdings die Vergewaltigung der biblischen Vorlage am Schluss. In der Bibel verfällt Gott bekanntlich in eine zornige Tirade, wo es u.a. heißt:

Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. … Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. … Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.
Im Pixi-Buch heißt es:
„Wie schade!“, sagte Gott traurig. „Jetzt müsste ihr fort von hier und anderswo leben. Aber auch dort werde ich immer bei euch sein, denn ich habe euch sehr lieb.“

Auch hier wird die Botschaft vermittelt: Gott kann machen, was er will. Eine Begründung ist nicht notwendig.

Die Macher dieser Bücher sollten sich fragen: Wenn man die Originalgeschichten schon so verfremden muss, um sie kindgerecht zu bekommen – sind sie es dann überhaupt wert, Kindern erzählt zu werden? Nach dem Muster dieser Pixi-Bücher ließe sich auch ein kindgerechtes Buch „Adolf und die Juden“ produzieren  – aus der Sicht von Adolf. Ich halte es für höchst problematisch, wenn ethisch anstößige Geschichten wie diese für Kinder weichgespült werden, weil diese, so vorgeprägt, dann später kaum noch die ethische Problematik erkennen können.

Mit diesen Geschichten wird den Kindern die Grundlage für eine völlig pervertierte Ethik gelegt. In „Die Arche Noah“ verübt Gott bekanntlich einen weltweiten Genozid an Mensch und Tier. Noahs Kommentar, nachdem alles vorüber ist: „Danke!“ rief er Gott zu. „Danke für alles, was du für uns getan hast!“ Ein solcher Kommentar angesichts eines Genozids verbietet sich aus heutiger Sicht. Selbst im biblischen Original ist dies nicht zu finden – hierdurch wird die „Moral“ des Pixi-Buchs gegenüber der Bibel noch verschlimmert: In der Bibel führt Noah nur Gottes Befehle aus, hier bedankt er sich noch.

Angesichts der gegenwärtigen Versuche, Jugendliche von religiöser Fanatisierung abzuhalten, war die Veröffentlichung dieser Pixi-Bücher ein Schritt in die falsche Richtung. (Der „Islamische Staat“ (IS) wirbt übrigens aktiv um Christen – mit EXAKT dem Gottesbild, das in diesen Geschichten vermittelt wird.)

3 Sterne gibt es einzig deshalb, weil der Käufer hier vermutlich genau das kriegt, was er erwartet. Wer seine Kinder in 15 Jahren zum IS nach Syrien reisen sehen will, sollte nicht zögern, diese Bücher zu kaufen.

Das Problem, dass Religion blinden Glauben als Tugend vermittelt, kritisiert Richard Dawkins in seinem Buch Der Gotteswahn. Ihm wird zwar regelmäßig entgegengehalten, dass blinder Glaube heute nicht mehr als Tugend vermittelt wird. Aber diese Geschichten – im Grunde der ganz überwiegende Teil der Bibel – transportieren genau diese Botschaft, und zwar sehr effektiv, wie die Geschichte der abrahamitischen Religionen zeigt.

Dass das Alte Testament, aus dem 6 dieser 8 Pixi-Geschichten stammen, von religiösen Fanatikern produziert wurde, zeigt Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Der Glaubenswahn„.

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14 Responses to Blinder Glaube als Tugend: Indoktrination mit Pixibüchern

  1. […] Blinder Glaube als Tugend: Indoktrination mit Pixibüchern Beitrag bei Skydaddy’s Blog 12.2.2017 […]

  2. Muriel sagt:

    Hm. Ja. Die Kritik an den Büchern ist vong Grundsatz her sicher in Ordnung, aber ich kann mich damit trotzdem nicht identifizieren.
    Der Dawkins-Bezug am Anfang ist sicher noch Geschmackssache. Ich persönlich hab den Eindruck, dass er auf der theistischen Seite zu sehr als Atheistenpapst gesehen wird und würde deshalb unnötige Bezugnahme auf seine Position vermeiden, und die hier kommt mir sehr unnötig vor, aber das ist wie gesagt Geschmackssache und fast egal.
    Aber die ständigen IS-Vergleiche finde ich wirklich nicht okay. Es gibt jede Menge gläubige Christinnen und Muslime, die keine Terroristen sind,, und fortwährend so zu tun, als wäre das alles das gleiche bin zum.krönenden “Wer seine Kinder in 15 Jahren zum IS nach Syrien reisen sehen will, sollte nicht zögern, diese Bücher zu kaufen.“ finde ich so unangemessen polemisch, billig und in der Sache ungerechtfertigt, dass ich fast einen altmodischen Ausdruck wie “unanständig“ aus der Liste kramen will, um diese Technik zu beschreiben. Was schade ist, weil ich die Kritik an den Büchern eigentlich sehr gut und nötig finde.

    • Skydaddy sagt:

      Hi Muriel, ich kann Deine Kritik nachvollziehen – allerdings nur aus einer stilistischen Perspektive heraus. In der Sache sind die IS-Bezüge absolut gerechtfertigt, wie ja auch durch die Gegenüberstellung des Covers mit dem Propagandafoto deutlich wird. Selbst der Spruch „Wer seine Kinder …“ ist zwar absurd – aber nur deshalb, weil niemand seine Kinder beim IS sehen will. Wollte das jemand, sollte er tatsächlich diese Bücher kaufen. Als abrahamitische Gruppe bezieht sich der IS ja tatsächlich auf die alttestamentlichen Geschichten.

      Da die meisten Leute (z.B. offenbar der Carlsen-Verlag, die Texterin und die Illustratoren) die Problematik dieser Geschichten kaum wahrnehmen, erscheint mir der deutliche Bezug zum IS angebracht und sogar notwendig.

      • Muriel sagt:

        Du bist also im Ernst der Meinung, dass diese Pixibücher der Weg zum IS sind und dass Kinder, die sie gelesen haben, dadurch mit nicht vernachlässigbarer Wahrscheinlichkeit zu Mitgliedern fundamentalistischer muslimischer Milizen werden? Oder wie oder was?

      • Skydaddy sagt:

        Das ist doch Unsinn. Wo sage ich das denn? Dass solche Geschichten eine IS-, oder meinetwegen auch Taliban-Mentalität vermitteln, heißt doch nicht, dass jedes Pixibuch-Opfer später IS-Attentäter wird, oder signifikant viele. Es werden aber sicher auch nicht signifikant viele Muslime IS-Kämpfer.

        Dies SIND die Geschichten (mit Ausnahme der 2 Jesusgeschichten), auf denen auch das Gottesbild des IS basiert.

      • Muriel sagt:

        Du sagst: “Wer seine Kinder in 15 Jahren zum IS nach Syrien reisen sehen will, sollte nicht zögern, diese Bücher zu kaufen.“
        Und wenn ich dich Frage, ob du meinst, dass diese Pixibücher der Weg zum IS sind und dass Kinder, die sie gelesen haben, dadurch mit nicht vernachlässigbarer Wahrscheinlichkeit zu Mitgliedern fundamentalistischer muslimischer Milizen werden, ist das Unsinn?
        Das ist doch genau das, was dieser Satz impliziert. Und die vielen anderen ähnlichen Bemerkungen in deinem Text auch.
        Aber wir müssen das meinetwegen nicht vertiefen. Ich hab mein Feedback gegeben, und wie du damit umgehst, ist natürlich deine Entscheidung.

      • Skydaddy sagt:

        Ich will nicht auf meiner Meinung beharren, aber deutlich machen, was ich meine. Da wir uns wohl im Grunde einig sind über die Wirkung der Bücher, und nur über die Formulierung diskutieren.

        Wenn Eltern solche Bücher kaufen, dürfte der Zweck sein, die Kinder christlich-religiös zu sozialisieren. Das Ziel ist zweifellos, die Kinder zum christlichen Glauben hinzuführen.

        Würde man deshalb sagen, diese Pixibücher führen (ursächlich) dazu, dass eine signifikante Zahl an Kindern später Christen wird? Wohl kaum. Trotzdem könnte man werben – und so ist es ja wohl auch gedacht: Wer will, dass seine Kinder später Christ werden, sollte diese Bücher kaufen.

        Es dürfte ja wohl auch kaum zu bestreiten sein, dass die biblischen Geschichten genau zum Zweck der Indoktrinierung erfunden wurden. Die Geschichten stammen aus einer Zeit, in der die Muster, die ich bemängele, noch die Gesellschaften prägten. Der IS lebt heute noch nach den damaligen Mustern, der Rest der Welt hast sich erfreulicherweise weiterentwickelt.

        Die Geschichten sind aber immer noch die gleichen, und der Umstand, dass sie jetzt als Pixibücher erscheinen, ändert daran nichts.

      • Skydaddy sagt:

        Noch mal analytisch:

        Ich meine den von Dir beanstandeten Satz so, dass diese Bücher eher zum IS hin führen als davon weg. Über die Stärke oder statistische Signifikanz mache ich natürlich keine Aussage. Das gleiche trifft aber auch für den offensichtlichen Zweck der Bücher zu, die Kinder zum Christentum hin zu führen.

      • Muriel sagt:

        Ja, das ist alles okay. Was ich nicht okay finde, sind die Sprüche im Text. Das ist in meinen Augen die Art Krawall-Atheismus, die Christen in ihren Tiraden gerne angreifen, und von dem ich dann immer sage, dass ich ihn eigentlich nicht kenne und dass ich gerne Beispiele dafür hätte. Zum Glück lesen die meisten Christen im Blasphemieblog nicht mit, oder haben den Link nicht zur Hand.
        Na gut, aber es hat halt jeder seine Art. Ich bedanke mich für die Erläuterung und wünsche noch viel Vergnügen.

      • Skydaddy sagt:

        Gleichfalls vielen Dank für die gepflegte Diskussion.

  3. Rene sagt:

    Was mich viel mehr interessiert: Gabe es denn eine Reaktion vom Carlsen Verlag?

  4. Tony sagt:

    Ich habe mich auch schon immer daran gestört, wie die grausamsten Geschichten der Bibel für unsere Kleinen „nacherzählt“ werden. Auch die Cover von Kinderbibeln sind meist mit der Arche Noah gestaltet. Ein Boot, ein Regenbogen, viele Tiere, glückliche Menschen. Wieso sieht man nie eine realistische Darstellung. Wenn man sich ansieht welches Chaos die Hochwasser und Tsunamis unserer Zeit hinterlassen haben. Wo sind denn die Schlammwüsten, die schrecklich entstellten Leichen und Kadaver von Mensch und Tier?
    Da entsteht der Glaube an den Kuschel Gott, der ja dann doch alles wieder gut machen wird.
    Da muss man den Verlag an dieser Stelle vielleicht mal für sein David vs. Goliath Cover loben.

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