Dompropst Norbert Feldhoff sagte die Unwahrheit

In der gestrigen Günther Jauch-Sendung „Heilige Millionen – wozu braucht die Kirche so viel Geld?“ behauptete der Kölner Dompropst und Aufsichtsratsvorsitzende der Pax-Bank, Norbert Feldhoff, über die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen (ab Minute 47:20):

„Die Kirche stellt sich immer schlecht. Denn eine unbefristete Zahlung kann niemals durch eine einmalige Zahlung abgedeckt werden.“

Diese Aussage ist objektiv falsch. Wenn Herr Feldhoff dies tatsächlich glaubt, ist er als Aufsichtsratsvorsitzender für eine Bank ungeeignet. Wenn er es besser weiß, hat er gelogen.

Denn wie ich neulich schon erläutert habe, bedarf es zur Ablösung einer ewigen Zahlungsreihe lediglich der Summe, deren Zinsen jedes Jahr den entsprechenden Betrag liefern – ggf. mit Inflationsausgleich.

Wenn wir z.B. mit langfristig erzielbaren Zinsen von 6% rechnen und einer langfristigen Inflationsrate von 3% kommen wir für jährliche Staatsleistungen von 500 Mio. Euro auf einen Ablösebetrag von 16,666 Milliarden.

6% Zinsen darauf sind 1 Milliarde Euro. Davon ersetzt die Hälfte die bisherigen Staatsleistungen von einer halben Milliarde, die andere Hälfte (3% der Ablösesumme) erhöht die Ablösesumme gerade um die Inflationsrate, so dass im nächsten Jahr die Zahlung mit Inflationsausgleich geleistet werden kann und so fort…

Die 16 Milliarden Ablösesumme sind auch keine Zusatzbelastung des Staates, sondern entsprechen exakt dem heutigen Gegenwert des zukünftigen (ewigen) Zahlungen – es ist für den Staat finanziell einerlei, ob er ewig weiter zahlt oder einmal die Ablösesumme.

Hier geht es aber nur um folgendes: Domprobst Feldhoff hat gestern Abend bei Günther Jauch die Unwahrheit gesagt. Unendliche Zahlungsreihen lassen sich (aufgrund des Zinseszinseffektes) durchaus durch Einmalzahlungen ablösen. Seine Behauptung „eine unbefristete Zahlung kann niemals durch eine einmalige Zahlung abgedeckt werden“ ist objektiv falsch, und jeder, der sich professionell mit Finanzen beschäftigt, weiß das.

6 Antworten zu Dompropst Norbert Feldhoff sagte die Unwahrheit

  1. Muriel sagt:

    In letzten Zitat hast du versehentlich zweimal unbefristet geschrieben.

    • Skydaddy sagt:

      Danke. Im ersten Zitat hatte ich es noch selbst gesehen und korrigiert. War schon spät…

      • Muriel sagt:

        Kein Problem.
        Übrigens ein Schock für mich, dass ein Kirchenvertreter großspurig mit Konzepten um sich wirft, die er entweder selbst nicht versteht oder vorsätzlich falsch darstellt.
        Wer hätte die dazu für fähig gehalten?

  2. Tomm sagt:

    Ich musste umschalten, sonst hätte ich den Fernseher zerschlagen. Für den Herrn Domprobst sind wir zu doof um die Rechtmäßigkeit der Zahlungen zu verstehen – es stört ihn aber nicht weiter auf Kosten dieser doofen Menschen zu leben. Meine Erziehung verbietet es mir, auszusprechen, was ich über den Herren denke. Das er nicht rechnen kann wurde oben bereits erläutert, muss er ja auch nicht, er muss sich ja auch keine Sorgen machen, wo das Geld für seinen Lebensunterhalt herkommt. Abgesehen von der Matheschwäche, hab ich zu dem Sachverhalt eine etwas weiter greifende Betrachtungsweise. Er beruft sich auf ein 200 Jahre altes Gesetz, wo die Kirche zum Teil enteignet wurde. Um die Rechtmäßigkeit des Gesetzes zu beurteilen, muss man auch hinterfragen, wie bzw. ob die Kirche rechtmäßig an die enteigneten Vermögenswerte gekommen ist. Herr Domprobst Sie haben soviel Geld, lassen Sie sich mal von einem Anwalt für Strafrecht die letzten 2000 Jahre Kirchengeschichte erklären. „Kriminelle Organisation“ trifft das nicht mal annähernd (Kriege, Mord, Folter, alles Errungenschaften der Katholischen Kirche, um nur einige zu nennen). Strafrechtlich gehört die Kirche verboten!
    Für alle die das jetzt lesen, ich unterscheide sehr wohl zwischen Kirche und Glauben und respektiere jeden in seiner Religiosität. Herr Domprobst Sie sollten beten wie noch nie, dass wir nicht auf die Idee kommen, das Geld, was bis jetzt zu Unrecht erhalten haben, zurückzufordern.
    Ich denke das alles zeigt, dass sich an der Einstellung der Kirche gegenüber den Menschen in den letzten 2000 Jahren nichts geändert hat, wir sind für die immer noch der Pöbel dem es gilt den Zehnten aus der Tasche zu ziehen.
    Dem Herrn Domprobst wünsch ich ganz persönlich, dass es die höhere Macht wirklich gibt und er irgendwann über sein irdisches Leben Rechenschaft ablegen muss, irgendwas lässt mich glauben, dass er dabei nicht so gut wegkommt.

  3. […] würden sie diese Ablösung nicht ständig komplizierter darstellen als nötig. (Siehe zuletzt die unwahre Behauptung des Kölner Dompropsts Norbert Feldhoff bei Günther Jauch.) Wollten die Kirchen tatsächlich eine Ablösung, so würden sie gerade […]

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