Bischöfe halten sich das Thema „Missbrauchsstudie“ vom Leib

Wie erwartet, halten sich die deutschen katholischen Bischöfe das Thema „Missbrauchsstudie“ bei ihrer Herbstvollversammlung vom Leib, indem sie die Studie jetzt ausschreiben und die Frist für die Ausschreibung erst nach der Vollversammlung ablaufen lassen.

Wenn Bischof Ackermann und seine Berater sieben Monate brauchen, um so eine Ausschreibung hinzurotzen, wie soll sich in zwei Monaten – zumal zur Urlaubszeit – ein Forschungskonsortium finden und eine vernünftige Antragsskizze erarbeiten?

Diese Ausschreibung muss m.E. scheitern. Sie erscheint wie der übliche Schnellschuss, zum Zeit zu gewinnen, kurz, nachdem Medien und Politik dankenswerterweise wieder auf das Thema aufmerksam gemacht haben. Bis dahin war seitens des Missbrauchsbeauftragten der katholischen Bischöfe in dieser Angelegenheit nichts zu hören gewesen.

Dass die Ausschreibung in erster Linie auf die Öffentlichkeit abzielt, zeigt sich m.E. auch daran, dass noch einmal die bisherigen „Leistungen“ der Bischofskonferenz (Abschlussbericht der Missbrauchshotline und die „Leygraf-Studie“) und des Klosters Ettal (Projektbericht) aufgelistet werden – und sonst nichts, wo es doch z.B. aus den USA zwei Studien, die von der dortigen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurden, gibt, einen höchst interessanten Artikel des Kirchenrechtlers Prof. Norbert Lüdecke, sowie Untersuchungsberichte zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche aus diversen Ländern. Dass diese Aufzählung für die Öffentlichkeit bestimmt ist ergibt sich auch daraus, dass die potentiellen Forscher die einschlägigen Studien ohnehin kennen dürften und nicht erst durch Bischof Ackermann darauf hingewiesen werden müssen.

In einem Seitenhieb gegen Prof. Pfeiffer heißt es in der Ausschreibung:

Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir Sie, die Forderungen der Nr. 5 [ethische Aspekte] und 6 [Datenschutz und Archivrecht] bei Ihrer Planung so früh wie möglich zu berücksichtigen.

Wenn es den Bischöfen ernst wäre, hätten sie hierzu ja schon einmal ihrerseits vorarbeiten können: Wo sind überhaupt noch ausreichend viele Akten vorhanden, welche Aspekte sind kirchenrechtlich zu berücksichtigen?

Ich hoffe, die Medien erkennen diese Augenwischerei als das, was es ist.

3 Antworten zu Bischöfe halten sich das Thema „Missbrauchsstudie“ vom Leib

  1. m.d. sagt:

    vielleicht wollten die Kirchenfürsten nur warten bis die kirchenfreundliche Studie der Herren Hans-Ludwig Kröber, dem Essener Psychiater Norbert Leygraf und dem Ulmer Psychotherapeuten Friedemann Pfäfflin fertig ist ?

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/2218561/
    letzte Absätze daraus:
    „Gerichts-Gutachter Hans-Ludwig Kröber verteidigt allerdings den Wiedereinsatz auffällig gewordener Priester. Eine konsequente Entlassung, wie sie etwa in den USA praktiziert wird, sei häufig ungerecht:

    „Das ist häufig völlig inadäquat, hart in Bezug auf das, was sie tatsächlich verschuldet haben. Die völlige Zerstörung der sozialen Existenz von Leuten, die halt Kindern verwerflicherweise zwischen die Beine gegriffen haben oder so etwas gemacht haben, ist eigentlich ’ne inadäquate Maßnahme, die wohl bei uns so nicht vorkommen wird.“
    Während die Autoren der Missbrauchsstudie hoffen, einen Beitrag dafür geschaffen zu haben, „die bislang zuweilen etwas zu emotional gefärbt und teils auch vorurteilsbehaftet erscheinende Diskussion auf einer wissenschaftlich-sachlichen Basis fortzuführen“, konstatieren ihre Kritiker das Gegenteil: ungenaue Methoden, überzogene Interpretationen und – indirekt- eine Verharmlosung der Gefahr durch Geistliche. Der Regensburger Professor Michael Osterheider vermutet, dass die umstrittene Studie insgesamt weniger eine wissenschaftliche, als eine kirchenpolitische Funktion erfüllen soll.

    „Ich glaube, dass daraus die Kirche möglicherweise PR-technisch versucht, einen Vorteil zu ziehen.“

  2. Bluebeardy sagt:

    Toll, skydaddy, dass Sie wieder am Ball sind!

    Und unerträglich, wie da , nicht nur mit der Forschungsausschreibung gerade jetzt, wo der Reichertshofer Priester in U-Haft sitzt, Aussenbildverschönerung betrieben wird.

    Die seit Ende 2012 verkündete Überarbeitung der Richtlinien hinsichtlich der Null-Toleranz dürfte sich anscheinend auch erledigt haben.

    Man fühlt sich wieder sicher…leider – und ackermännt weiter.

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