Kirchenfinanzen: Dichtung und Wahrheit

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) lässt sich von kirchlichen Darstellungen blenden. Und der Haushalt des Erzbistums München und Freising belegt: Die Kirchensteuer entlastet den Staat nicht, sie belastet ihn.

Wie die Kirchen ihre Anteile für Bildung und Caritas aufblähen – mit staatlichen Geldern

Anstatt ihren Mitgliedern mitzuteilen, wie viel Geld von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke wie Bildung oder Caritas ausgegeben wird, veröffentlichen die Kirchen lieber ihre Haushalte. Diese umfassen allerdings nicht nur die Einnahmen aus der Kirchensteuer, sondern auch die staatlichen Zuschüsse und alle anderen Einnahmen (z.B. Schulgeld, Gebühren, Pfründe-, Pacht- und Zinseinnahmen, Spenden). Da die staatlichen Zuschüsse im Wesentlichen in die gemeinnützigen Tätigkeitsbereiche gehen, erhöhen sie dort die Haushaltsansätze (s.u.) – und damit den Anteil der gemeinnützigen Bereiche am Haushaltsvolumen. Die Prozentangaben, wie viel anteilig für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird, sind daher für den kirchlichen Haushalt immer viel größer, als wenn der Prozentsatz angegeben würde, der von der Kirchensteuer für gemeinnützige Zwecke ausgegeben wird (s.u.).

Nun ist zwar nichts dagegen einzuwenden und es ist absolut sinnvoll, dass die Kirchen ihre Haushalte veröffentlichen. Ein für die Kirchen angenehmer Nebeneffekt ist allerdings, dass die Öffentlichkeit durch die überhöhten Prozentangaben einen falschen Eindruck von der Verwendung der Kirchensteuer bekommt. Das Erzbistum München und Freising, um das es im Folgenden geht, verweist sogar in seiner Broschüre „Informationen zur Kirchensteuer 2013“ als Antwort auf die selbstgestellte Frage (S. 13) „Wofür wird die Kirchensteuer im Erzbistum München und Freising verwendet?“ auf die Haushaltsangaben – anstatt die Anteile an der Kirchensteuer auszuweisen, wie ich es unten tue.

… und die SZ fällt darauf rein

Vor diesem Eindruck ist man offenbar selbst bei der Süddeutschen Zeitung nicht gefeit. Dort (in der Printausgabe für Bayern) erschien am 21. August 2013 ein Artikel mit der Überschrift „Sozialer Auftrag“. Untertitel: „Die Kirche braucht viel Geld für karitative Zwecke. Allein 40 Prozent der Einnahmen fließen in die Seelsorge“. Darin heißt es über das Erzbistum München und Freising:

Insgesamt investiert die Erzdiözese etwas mehr als 40 Prozent ihrer Einnahmen in die Seelsorge. Der zweitgrößte Posten sind Ausgaben für Bildung: 177 Millionen Euro und damit 27 Prozent der Einnahmen fließen in Bildungseinrichtungen – trotz der staatlichen Zuschüsse für Schulen, Religionslehrer und Kindertagesstätten. Die Erzdiözese trägt 22 Schulen und, gemeinsam mit den Pfarrkirchenstiftungen, 465 Kindertagesstätten. Hingegen sind für Verwaltungskosten lediglich etwas mehr als elf Prozent der Einnahmen vorgesehen.

Der Autor Jakob Wetzel bezieht sich offenbar auf diese Darstellung des Diözesanhaushalts nach Einzelplänen:

EB München Einzelpläne 2013

Für die hier ausgewiesenen Prozent-Anteile (%-Anteil) werden die Ausgaben der jeweiligen Aufgabenbereiche (Einzelpläne) ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben (Haushaltsvolumen)gesetzt.

Im SZ-Artikel impliziert der Satz „177 Millionen Euro und damit 27 Prozent der Einnahmen fließen in Bildungseinrichtungen – trotz der staatlichen Zuschüsse für Schulen, Religionslehrer und Kindertagesstätten“ mit dem Wort „trotz“, dass die genannten 177 Millionen bzw. 27 Prozent die staatlichen Zuschüsse noch nicht enthalten. Tatsächlich sind es aber nicht „trotz“, sondern gerade erst „wegen“ der staatlichen Zuschüsse 177 Millionen Euro, wie der SZ-Autor ohne Weiteres hätte erkennen können. In derselben Darstellung wird nämlich auch der „Mittelbedarf“ ausgewiesen – also der Betrag, den die Kirche aus eigenen Mitteln dazu beiträgt, nach Abzug der Einnahmen. Die Einnahmen im Bereich „Bildung“ betragen knapp 122 Millionen Euro und entsprechen damit  in ihrer Größenordnung den folgenden Einnahmeposten des Diözesanhaushalts (S. 57, auf Mio. gerundet):

  • Leistungen des bayer. Staates für diözesaneigene Schulen, für Kindertageseinrichtungen in diözesaner Trägerschaft  und Baumaßnahmen (81 Mio. Euro)
  • Leistungen des bayer. Staates für Geistliche und für den Religionsunterricht (28 Mio. Euro)
  • Schulgeld, Tagesheimeinnahmen (12 Mio. Euro)

Der Eigenanteil der Kirche beträgt also mitnichten 177 Mio. Euro, sondern nur den ausgewiesenen Mittelbedarf von 56 Mio. Euro – also ein Drittel des von der SZ genannten Betrages. Der Staat wird auch nicht – wie die SZ-Formulierung nahelegt – durch die Kirche um 177 Mio. Euro entlastet, sondern die 177 Mio. stammen zum Großteil vom Staat.

Anteil an der Kirchensteuer

Setzt man nun diesen kirchlichen Eigenanteil (56 Mio.) ins Verhältnis zum Kirchensteueraufkommen (lt. Diözesanhaushalt 474 Mio., dieser Betrag ist aber noch um die interdiözesane Verrechnung und Kirchensteuer-Rückerstattungen zu korrigieren, siehe Tabelle unten), so ergibt sich ein Anteil von 13,3 Prozent – und nicht 26,72 Prozent wie im Diözesanhaushalt.

Gemessen am Mittelbedarf – der die Verwendung der Kirchensteuer viel besser wiedergibt als die Ausgaben – ist der Bereich Bildung mit 56 Mio. auch nicht der zweitgrößte Posten nach der Seelsorge, sondern Platz drei – nach „Verwaltung“ mit einem Mittelbedarf von 69 Mio. Euro. Und der nächste Platz ist nicht – wie im Haushalt – die Caritas, sondern „überdiözesane Aufgaben“; die Caritas kommt, gemessen am Mittelbedarf, erst an fünfter Stelle. Hier eine Tabelle, die den Mittelbedarf ins Verhältnis zur Kirchensteuer setzt:

Berechnung des effektiven Kirchensteueraufkommens
Kirchensteuer aus der eigenen Diözese 474,370,000
Kirchensteuer aus interdiözesaner Verrechnung 4,287,900
Kirchensteuererstattung (70 Mio. abzügl. Einzugsgebühr, s.u.) -60,512,600
Summe 418,145,300 100.0%
Rangfolge Mittelbedarf %-Anteil
1 Seelsorge 221,989,550 53.1%
2 Verwaltung 68,526,350 16.4%
3 Bildung 55,821,800 13.3%
4 Überdiözesane Aufgaben 31,760,300 7.6%
5 Caritas 30,559,900 7.3%
6 Kirchensteuer-Einzugsgebühr an den Staat (2% von 474 Mio.) 9,487,400 2.3%
Summe 418,145,300 100.0%

Im Hinblick auf die Kirchensteuer ließe sich die oben zitierte Passage aus der SZ also wie folgt umformulieren:

Insgesamt investiert die Erzdiözese  mehr als 50 Prozent der Kirchensteuer in die Seelsorge. Für Verwaltungskosten sind mehr als 16 Prozent der Kirchensteuer vorgesehen.  Der drittgrößte Posten sind Ausgaben für Bildung: 55,8 Millionen Euro und damit 13 Prozent der Kirchensteuereinnahmen fließen in Bildungseinrichtungen – trotz der staatlichen Zuschüsse für Schulen, Religionslehrer und Kindertagesstätten. Die Erzdiözese trägt 22 Schulen und, gemeinsam mit den Pfarrkirchenstiftungen, 465 Kindertagesstätten.

Entlastet die Kirche aber nicht den Staat? – Nein!

Mancher wird nun anmerken, dass die Mittelbedarfe von 56 Mio. für Bildung und 31 Mio. für Caritas – zusammen (gerundet) 86 Mio. Euro – immer noch eine beträchtliche Entlastung des Staates aus Kirchensteuermitteln darstellen. Dem ist aber nicht so.

Denn durch die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer subventioniert der Staat die Kirchensteuer zu gut einem Drittel. Dies ist nicht etwa meine persönliche Interpretation der Dinge, sondern das ergibt sich aus dem Subventionsbericht der Bundesregierung (S. 113). Auf das Erzbistum München und Freising bezogen heißt das: Das dortige Kirchensteueraufkommen in Höhe von 474 Mio. Euro verursacht durch die steuerliche Abzugsfähigkeit beim Staat Mindereinnahmen in der Größenordnung von (der Einfachheit halber großzügig abgerundet) 150 Mio. Euro! Der Staat subventioniert also das Erzbistum München und Freising allein schon durch die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer mit gut 150 Mio. Euro, erhält aber als „Gegenleistung“ nur 86 Mio. Euro. (Und dabei wird schon zugunsten der Kirche angenommen, dass alles, was dort unter „Bildung“ und „Caritas“ ausgewiesen wird, tatsächlich der Allgemeinheit zugute kommt.)

Es geht hier nicht darum, die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer infrage zu stellen, sondern nur darum, zu zeigen, dass die Kirche den Staat keineswegs entlastet. Es ist auch nicht abzusehen, dass das jemals passieren wird: Das Erzbistum München müsste seine Eigenbeiträge zu Bildung und Caritas schon verdoppeln, allein um dem Staat sozusagen nicht mehr „auf der Tasche zu liegen“. In diesem Fall wäre der Staat zwar nicht mehr belastet, aber auch noch nicht entlastet.

Kirchenaustritte entlasten die Allgemeinheit

Erst recht lässt sich nicht behaupten, wer aus der Kirche austritt, „entsolidarisiere“ sich, da er nun keine Kirchensteuer mehr zahle und somit weniger für das Gemeinwesen beitrage. Das Gegenteil ist der Fall, wie man erkennt, wenn man überlegt, was passieren würde, wenn alle Münchener Katholiken aus der Kirche austreten würden: Der Staat müsste dann zwar den katholischen Beitrag zu Bildung und Caritas in Höhe von 86 Mio. Euro selbst übernehmen – er hätte aber dafür über 150 Mio. Euro Mehreinnahmen, weil die Kirchensteuer nicht mehr durch ihre Absetzbarkeit das allgemeine Steueraufkommen belastet.

20 Antworten zu Kirchenfinanzen: Dichtung und Wahrheit

  1. Muriel sagt:

    Und dann kommt, wie du ja auch kurz erwähnst, eben noch die in meinen Augen sogar vorrangige Frage hinzu, wie viel Nutzen und wie viel Schaden die Kirche mit ihren Ausgaben in diesen Bereichen stiftet.
    Beim Staat ist anderseits die gleiche Frage angebracht.
    Es geht uns als Gesellschaft ja weniger darum, möglichst viel für Bildung und Sozialhilfe aufzuwenden, sondern möglichst viel Gutes zu bewirken.

  2. […] Skydaddy rechnet am Beispiel des Erzbistums München und Freising vor, warum die Kirchensteuer den Staat belastet und nicht entlastet. […]

  3. sag mal skydaddy, hast du eine Ahnung, warum mir der Beitrag nicht offiziell „gefallen“ kann? Jedes Mal, wenn ich auf „Gefällt mir“ drücke, öffnet sich ein weiteres Fenster, was aber komplett weiß bleibt und so wie es jetzt aussieht, zeigt dein Blog auch nicht an, dass mir der beitrag gefällt.

    • Skydaddy sagt:

      Hmm… bei mir hat es funktioniert (mit einem Mac). Ich kann Dir da leider nicht weiterhelfen, diese Funktionen laufen ja über WordPress. Versuch doch mal, einen anderen Artikel zu „liken“ oder einen Beitrag auf einem anderen WordPress-Blog. Man kann die Beiträge dann auch wieder „unliken“. Oder versuch es mit einem anderen Browser oder auf einem anderen Rechner, falls es etwas mit Java, Pop-Up-Blockern oder so zu tun hat. Viel Erfolg!

      • so wichtig ist es jetzt. Du hast ja zur Kenntnis genommen, dass ich dne beitrag gut finde.
        Ich habe mich halt nur gefragt, ob du evtl als erfahrener Blogger irgendetwas zum Thema wusstest.
        Vllt mag mein PC auch einfach keine kirchenkritischen Beiträge.😉

  4. lotharson sagt:

    Im Gegenteil zu den vereinigten Staaten sind Landeskirchen in Deutschland weitgehend für die Homoehe, machen viele soziale Arbeit, und halten nicht die Bibel für irrtumslos.

    Gibt es in der deutschen und europäischen Gesellschaft nicht dringendere Probleme, als sie zu bekämpfen?

    Liebe Grüsse aus Lothringen.

    Lothars Sohn – Lothar’s son
    http://lotharlorraine.wordpress.com

    • Skydaddy sagt:

      Es gibt immer „dringendere Probleme“, das ist ein Totschlag-Argument. Gibt es nicht auch Dringenderes, als hier auf diesem Blog zu kommentieren?

      Zum Glück müssen ja nicht alle dasselbe machen. Ich meine, dass ich mit meinem Hintergrund, meinem Wissen, meinen Fähigkeiten und meinem Interesse beim Thema Staat und Kirche mehr erreichen kann, als wenn ich der zig-millionste Friedensbewegte oder Umweltschutzaktivist wäre.

      Wofür ich Kirchen kritisiere ist:

      a) Sie verdummen systematisch die Bevölkerung, indem sie bereits bei kleinen Kindern logische Fehlschlüsse als akzeptable Argumentationen etablieren.

      b) Damit bereiten sie den Nährboden für Extremismus und anderen Blödsinn, z.B. Verschwörungstheorien, Impfgegnerschaft, Homöopathie, Esoterik usw.

      c) Sie haben in der Gesellschaft unangemessen wie Einfluss und werden vom Staat in völlig unangemessener Weise gefördert – finanziell und anderweitig

      Was die katholische Kirche angeht, so ist sie durchaus nicht für die Homo-Ehe, sie versucht vielmehr Fortschritte in dieser Richtung – und auch bei anderen Themen: Verhütung, Abtreibung, Ehescheidung (auf Malta) – mit Zähnen und Klauen zu verhindern. Die katholische Kirche fordert, dass ihre eigene Lehre als „Wahrheit“ anerkannt wird, das ist genauso gefährlich, wie die Bibel als irrtumslos zu verstehen. Und die soziale Arbeit ließe sich m.E. anders besser machen. Bezahlt wird sie sowieso komplett vom Staat (s.o.).

      Von daher treffen Deine Einwände auch in Deutschland nur teilweise zu, so dass Kirchenkritik weiterhin notwendig ist.

      • lotharson sagt:

        Hallo Himmelspapa,

        sicherlich haben wir sehr unterschiedliche Ausgangspunkte.

        Ich glaube, dass der Materialismus falsch ist, und bin ganz offen für die Existenz Gottes. Von daher sehe ich nicht diese logischen Fehlschlüsse innerhalb von Landeskirchen.

        b) ist falsch, es betrifft zumindest nicht viele gläubigen Menschen (wie mich), die ständig, vielleicht sogar jeden Tag, Fundies kritisieren und bloßstellen. Jeder, der meinen Blog und den Blog von Randal Rauser, Thom Stark und viele andere besucht, wird das selber feststellen.

        in Bezug auf c) denke ich durchaus, das die Christenheit treue und engagierte homosexuelle Paare als etwas gutes anerkennen soll, wie ich auf meinem Blog in der Kategorie „homosexuality“ berichte.

        Dennoch denke ich nicht, dass das Töten von ungeborenen Kindern ein Fortschritt ist.

        Ehescheidungen sollte es nur aus guten Gründen (ständige Seitensprünge, Missbrauch) geben. Aber wenn es daran liegt, dass einer der Partner sich nur unwohl fühlt, ist es sehr egoistisch, und es fördert eine für Kinder nicht fördernde Mentalität.

        Viele Grüsse aus Lothringen.

        Lothars Sohn – Lothar’s son

        http://lotharlorraine.wordpress.com

  5. @Lothar,

    Ich glaube, dass der Materialismus falsch ist, (…)
    hast du dafür Gründe?

    Von daher sehe ich nicht diese logischen Fehlschlüsse innerhalb von Landeskirchen
    Du lehnst also Logik und somit auch das Erkennen logischer Fehlschlüsse ab, weil du nicht an den Materialismus glaubst? Erkennst du logische fehlschlüsse in anderen unabhängigen Kirchen oder anderen Religionsgemeinschaften auch ab?

    b) ist falsch, es betrifft zumindest nicht viele gläubigen Menschen (wie mich), die ständig, vielleicht sogar jeden Tag, Fundies kritisieren und bloßstellen.
    woher nimmst du die Erkenntnis, dass es nicht viele gläubige menschen betrifft? Über ein Viertel der wiender Gmynasiasten hält hellsehen, Hexerei und andere magische Rituale für real. Es scheint doch so zu sein, dass die (kath) Kirche in Zentraleuropa durch ihren Einfluss Dinge wie esoterische Vorstellungen beeinflusst (s. Eder: Zwischen Glaube und Wissenschaft, Skeptiker, 2/2011)

    Ehescheidungen sollte es nur aus guten Gründen (ständige Seitensprünge, Missbrauch) geben.
    Und leute wie du sollen entscheiden, was gute und was schlechte Gründe sind, oder wie? Meinst du nicht, dass es anmassend ist, die Gründe anderer Leute, ob und warum sie eine Ehe beenden wollen, zu bewerten?

    Dennoch denke ich nicht, dass das Töten von ungeborenen Kindern ein Fortschritt ist.
    Die selbe Denke hatten auch ein paar irische Ärzte, die wie sie betonen in einem kath. Land/Krankenhaus arbeiten. Das Resultat war eine tote Frau, die nicht einmal den christlichen Glauben geteilt hat.
    Hälst du solche Fälle wie der von Savita Halappanavar für fortschrittlich? http://www.telegraph.co.uk/women/womens-life/9682839/India-confronts-Irish-government-over-woman-denied-abortion.html

    c) denke ich durchaus, das die Christenheit treue und engagierte homosexuelle Paare als etwas gutes anerkennen soll, wie ich auf meinem Blog in der Kategorie “homosexuality” berichte.
    Jetzt lies noch einmal, was skydaddy geschrieben hat. Er schrieb explizit von der katholischen Kirche und ihrer Gegnerschaft zur Ehegleichheit. Skaydaddy kritisiert also eine explizit genannte Organisation, deren Gegnerschaft leicht nachzuweisen ist und du willst di Kritik relativieren, indem du anführst, dass du es anders siehst. Bist du die kath. Kirche?

  6. @Lothar
    Ich mache besser 2 mittellange Kommentare als einen ellenlangen.

    in Bezug auf c) denke ich durchaus, das die Christenheit treue und engagierte homosexuelle Paare als etwas gutes anerkennen soll, wie ich auf meinem Blog in der Kategorie “homosexuality” berichte.
    Ach so?
    I am a Christian and I feel really sorry for all the homosexuals who have suffered under the persecution of many churches during two thousand years of Christian history. (aus Lothars Blog zum Thema Gay Marriage in France)
    Warum um alles in der Welt sollten Homosexuelle darunter zu leiden haben, dass Kirchen verfolgt werden?
    Sicher bin ich für Religionsfreiheit, aber ich bin als Homo nicht wirklich durch eine Verfolgung einer Kirche betroffen (es sei denn, ich wäre da Mitglied, aber dann würde ich wegen meiner Religion verfolgt werden und nicht wegen meiner sexuellen Orientierung).
    Vllt interessiert es Homosexuelle tendenziell etwas mehr, dass sie von etlichen Kirchen diskriminiert und verfolgt haben? Nur mal so ein kleiner Gedanke von mir.

    Many people are angry because the (so-called) socialist administration didn’t really promote a civil, respectful and rational discussion between both parts of the debate,
    das kann ich jetzt irgendwie nicht ganz so glauben. Warum sollten viele Leute verärgert sein, dass die sozialistische verwaltung/(Regierung) keine Diskussion zwischen den beiden Teilen der Debatte gefördert hat? Wenn die Verwaltung/Regierung eine solche Debatte in zwei Teilen gefördert hat, warum sollte sie das acuh noch zwischen Teil 1 und Teil 2 tun? Warum können Leute, die dazwischen diskutieren wollen, nicht einfach von selber einen normalen Ton verwenden?

    And it is no secret that gay marriage (at least in a French context) is only the first step of a far-reaching agenda ultimately aiming at making surrogate pregnancy fully free.
    die agenda, inkl. der gay agenda, da ist sie wieder. Was wäre eine Diskussion über LGBT-Rechte ohne eine Agenda?
    Außerdem, was ist jetzt das Problem an kostenloser leihmutterschwangerschaft? Ist deine Kritik jetzt, dass die betrofenen etwas zahlen sollen? Und wenn ja, warum sollen sie für die Schwangerschaft zahlen?
    Meinst du nicht, dass es sinnvoller wäre eine Gebühr für die Leistungen der Klinik/des Labors zu erheben?

    This fact [priority of the „agenda“ over social & welfare concerns, K.K.] of became all too obvious after Arnaud Montebourg, the Minister of Industrial Renewal, proposed to temporarily nationalize a enterprise threatening to fire many of its French employees to increase its benefits.
    das macht nur leider keinen Sinn. So überhaupt gar keinen. Ich hoffe, dass liegt daran, dass du nicht weißt, dass „benefits“ Sozialhilfe/Sozialleistungen heißt, das englische Wort für Gewinn(e) ist „profit(s)“.
    Wenn es jetzt nicht am Englisch gelegen hat und du wirklich glaubst, dass Firmen/Unternehmen Solzialleistungen bekommen, weil sie (französische) Angestellte entlassen, dann… dann könnte eine Diskussion mit dir ziemlich sinnlos sein, sagen wir es mal so.

    du hast natürlich auch noch einen anderen Blogeintrag verfasst On the Sinfulness of Homsexuality. Der ist aber für Leute, die sich nicht mit LGBT-Rechten innerhalb der Kirche befassen vollkommen benlanglos. (Dein Beitrag bezog sich mehr darauf, was Kirchen selber so tun soltlen oder nicht)
    Ich nehme an, dass sich Skydaddys Kritik an der kath. Kirche hauptsache die Einflussnahme auf die staatliche Ehe und Ehegesetzgebung bezieht.
    Und mir persönlich ist es egal, ob Kirchen oder welche Kirchen Trauungen für alle anbieten, es geht primär um staatliche/offizielle Belange, aus denen sich die Kirche rauszuhalten haben. Sie können ihre Bibel drehen und wenden und interpretieren, wie sie wollen. Sie sollen sich nur nicht in Angelegenheiten außerhalb der Kirche einmischen.

  7. Hat dies auf heroinefor1day rebloggt und kommentierte:
    So funktioniert das also, wenn die Medien ihre Hausaufgaben nicht machen (wollen?) und der Allgemeinheit entsprechende Informationen weitergeben. Wodurch sich dann ein bestimmtes Bild der Kirchen weiter festigen kann und einem unreflektierten Menschen so die Möglichkeit bietet sich auf die Süddeutsche Zeitung zu beziehen bezüglich seiner Aussagen. Wenn man nicht alles selbst macht…

  8. Jordi sagt:

    Skydaddys Berechnungen sind aufschlussreich. Bevor die Diskussion jetzt ganz in andere Ebenen abgleitet (die Frage, ob es Gott logischerweise gibt oder nicht und wie sich einzelne Kirchen zur Homosexuellenemanzipation stellen, sind hier erstmal nicht von Belang), muss man sich ein paar grundsätzliche Gedanken zur Frage der Verquickung von Kirche und Staat in finanziellen Dingen stellen.

    Wie man sieht, biegen sich kirchliche Stellen die Finanzangaben durchaus zu ihren Gunsten zurecht, um Kritiker zu übertölpeln. Das ist auch nicht anders zu erwarten und Skydaddys Präzisierungen sowie überhaupt die ganzen Beiträge von Religions- und Kirchenkritikern wie Frerk u.ä. zu diesem Thema sind für die Wahrheitsfindung sicher sehr hilfreich.

    Andererseits erkenne ich auch in den kirchenkritischen Berechnungen durchaus Einseitigkeiten, die man zumindest benennen muss und die m.E. mit der grundsätzlichen Herangehensweise zu tun haben,

    Wie sich erkennen lässt, sind Staat und Kirche in diesen Finanzfragen tief miteinander verquickt, so tief, dass es sich nur mit analytischen Scharfsinn aufdröseln lässt und selbst die SZ hier etwas blauäugig erscheint.

    Nun muss man sich aber vor Augen halten, dass diese Verquickung ja durchaus gewollt ist. Fragwürdig wird die Sache (abgesehen von offensichtlichen Absurditäten wie bspw. die von Frerk u.a. enttarnten Reparationszahlungen für uralte Enteignungen) grundsätzlich erst, wenn man die Kirchen als Fremdkörper begreift, die ihr eigenes Ding machen, das der Gesellschaft nicht dient oder sogar eher schadet. Diese Perspektive ist dem (eh. west-)deutschen Staat allerdings fremd, was sich in der älteren Gesetzgebung widerspiegelt.

    Die Logik der Verquickung zwischen Staat und Kirche liegt darin begründet, dass beide ein mehr oder weniger deckungsgleiches Klientel begünstigen. Die Bürger, die der Gesetzgeber vor Augen hat, sind eben meistenteils auch Mitglieder einer Kirche. Abweichungen an den Rändern (nichtchristliche Religionen, Religionslose etc.) sind zu vernachlässigen und können über Minderheitenschutzregelungen effektiv aufgefangen werden. Aber grundsätzlich gilt eben: Was den Kirchen nutzt, nutzt auch den Bürgern, die ja Mitglieder der Kirchen sind, und damit ist die staatliche Beteiligung gerechtfertigt.

    Dass diese Logik angesichts einer fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft nicht mehr fraglos geteilt wird, ist verständlich. Aber man muss ihr erst einmal eine zumindest historisch nachvollziehbare Berechtigung zugestehen. Das Gegenmodell, wie es im sozialistischen Deutschland bis 1990 praktiziert wurde, hat dazu geführt, dass sich dieser Landesteil bis auf gewisse Inseln dem kirchlichen und religiösen Leben ganz entfremdet hat. Ob diese Gesellschaft deswegen besser funktioniert, glaube ich nicht, aber man muss natürlich auch diesen Aspekt berücksichtigen und kann nicht einfach das westdeutsche Modell dort anwenden und glauben, die Leute würden das einfach so mittragen. In Bayern aber ist dieses Bewusstsein, das die Kirchen als einen wesentlichen Teil der Gesellschaft und nicht als Fremdkörper begreift, sicher noch recht lebendig.

    (Forts. folgt)

  9. Jordi sagt:

    (Fortsetzung: Jetzt zu den „Einseitigkeiten“, die ich bei den Kirchenkritikern sehe:)

    Von daher ist z.B. zu fragen, wieso die Seelsorgeausgaben per se nicht dem gemeinnützigen Anteil zugerechnet werden sollen. Natürlich kümmern sich die Geistlichen primär (aber auch nicht ausschließlich) und die eigenen Schäfchen, aber es ist die Frage, ob man das nicht als gesamtgesellschaftlichen Nutzen begreifen, da die Begünstigten ja Teil der Gesellschaft sind und mit der Seelsorge ein (für sie) wesentliches Bedürfnis abgedeckt wird. Die Kirche macht (weder im eigenen Verständnis noch in dem bislang unhinterfragten Verständnis des Gesetzgebers) eben nicht nur ihr eigenes Ding, sondern dient den Menschen im umfassenden Sinne. Gäbe es die Kirche nicht oder würde sie marginalisiert, so würden z.B. sonntags keine Glocken läuten, es gäbe keine Prozessionen, die religiöse Folklore würde eingehen, Bau- und Kulturdenkmäler entbehrten mangels Interesse und Mitteln der liebevollen Pflege etc. pp. Natürlich kann es Menschen geben, die sagen: Das interessiert mich alles nicht, es wäre sowieso besser, all dieses Zeug verschwindet aus dem öfftl. Leben. Aber der Kulturverlust, den dies bedeuten würde, kann der Staat eben (jedenfalls momentan noch) nicht hinnehmen.

    Eine andere Einseitigkeit besteht m.E. darin, dass Religionskritiker gern die Masse der Indifferenten für sich vereinnahmt und alles so hinstellt, als würden diese Kirchenmitglieder genau wie die Religionslosen zu den „Benachteiligten“ gehören, die vom kirchlichen Wirken nicht profitieren. Das mag bei anhaltender Säkularisierung auf lange Sicht vllt. sogar zutreffen, für die Finanzierungsdiskussion greift es aber zu kurz. Die Tatsache, dass es viele religiös uninteressierte Kirchenmitglieder gibt, die (zumindest im seelsorglichen Bereich) kaum Leistungen der Kirche in Anspruch nehmen, aber eben auch nicht austreten (trotz der erhöhten Steuerbelastung), rechtfertigt das nicht. Sie könnten sich ja durchaus stärker in die Kirche einbringen und die Kirche begrüßt das ja auch und versucht, solche Menschen anzusprechen. Dass sie sich nicht vollends von der Kirche lossagen, spricht dafür, dass sie sich wenigstens rudimentär mit ihr identifizieren und nicht einfach den Religionslosen zugerechnet werden können.

    Ein dritter, eher technischer Punkt wäre: Die Aufrechnung der Belastung durch die Absetzbarkeit der Kirchensteuer gegenüber der „Entlastung“ durch kirchliche Sozial- und Bildungsinvestitionen greift zu kurz, da der Staat diese kirchlichen Leistungen ja nicht einfach selbst übernehmen kann. Es wäre wesentlich teurer für den Staat, bspw. selbst einen ganzen Kindergarten oder ein Sozialwerk aufzubauen, als eine bestehende Einrichtung zu fördern, in die dann ergänzend auch noch kirchliche Mittel fließen (so zeigt ja auch bspw. Eva Müller in „Gott hat hohe Nebenkosten“). Das einzige Gegenargument, was hier zieht, ist also nicht finanzieller, sondern weltanschaulicher Art: Wer meint, die Kirche verhetzt oder indoktriniert ihre Klientel, kann so ein Engagement natürlich trotzdem nicht gutheißen, auch wenn es dem Staat Gelder erspart oder ohne die Kirchen gar nicht existieren würde. Nur ist diese Prämisse sehr voreingenommen und trifft m.E. nicht zu.

  10. RDA sagt:

    Tja, nachdem nun schon zwei Päpste eine arme Kirche für die Armen gefordert haben und Ratzinger in seiner Freiburger Rede ausdrücklich die Vorteile der Säkularisation hervorgehoben hat, sollten nun Taten folgen: Das gesamte Vermögen der deutschen Kirchen (die bischöflichen STühle nicht vergessen!) sollte eingezogen und zugunsten der Armen in Deutschland aufgelöst werden. Beispielsweise könnten davon Kindergärten, bessere Schulen und Mindestrenten für arme Menschen bezahlt werden. Die diversen kirchlichen Ländereien könnten als Baugrundstücke für bezahlbaren Wohnraum genutzt werden – schließlich werden in wenigen Jahren Millionen von Rentnern in Altersarmut fallen und die Mieten in den Städten nicht mehr bezahlen können (und nein, ich fordere NICHT den Abriss von Kirchengebäuden, sondern die Nutzung von brachliegenden Flächen).
    Außerdem sollten Staatsleistungen an die Kirche endlich eingestellt und die Kirchensteuer abgeschafft werden. In anderen Ländern lebt die Kirche auch ohne staatlichen STeuereinzug. Die steuerrechtliche Privilegierung „kirchlicher Zweck“ sowie die Ausnahmen für kirchliche Arbeitgeber im AGG und BetriebsverfassungsG gehören ersatzlos gestrichen, damit Wettbewerbsgleichheit im Sozialbereich mit anderen gemeinnützigen Trägern besteht.

  11. […] rechne ja gern vor (zuletzt der Süddeutschen Zeitung), dass allein die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer den Staat mehr kostet, als im […]

  12. […] Bereits vor einigen Wochen hatte M. Krause in einem Kommentar zu einem Artikel in der Süddeutschen …, dass die Kirchen ihre Berichte „schönen“ und Tatsachen verfälschen, indem beispielsweise bei den Zuwendungen an Bildungseinrichtungen oder Caritas seitens der katholischen Kirche nicht nur Einnahmen aus der Kirchensteuer sondern auch die staatlichen Zuwendungen kommentarlos (additiv) angegeben werden, so dass sich ein völlig verzerrter Eindruck dahingehend einstellt, als seien sämtliche Zuwendungen aus den Mitteln der Kirchensteuer getätigt. […]

  13. Nic sagt:

    Der Link zur Süddeutschen funktioniert nicht mehr…

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