Baby-Werfen: Indien fortschrittlicher als Deutschland?

Vor einigen Jahren berichteten internationale Medien über einen Brauch in Südindien, bei dem Babys vom Turm eines Tempels in ein Sprungtuch geworfen wurden.

Als die Behörden davon erfuhren, kündigten sie an, diese Praxis verbieten zu wollen. Nach dieser Ankündigung von 2009 scheint es auch keine weiteren Berichte oder Videos mehr dazu zu geben. (Möglicherweise wurde die Praxis auch beändert, so dass die Babys jetzt nur noch von den Stufen des Tempels fallen gelassen werden.)

Stellungnahmen von Muslimen, Juden oder den christlichen Kirchen zugunsten dieser über 500 Jahre alten Praxis waren damals nicht zu vernehmen. Dabei dürfte dieses Ritual weniger beeinträchtigend für die Kinder sein als die Beschneidung. Schließlich berichten Einheimische, „dass es noch nie Verletzungen gegeben hat. Auch bleiben angeblich keine psychischen Schäden zurück.“ Dann muss es ja wohl stimmen.

Wer allerdings jetzt das Urteil des Kölner Landgerichts kritisiert, das die Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Jungen als Körperverletzung gewertet hat, und eine Ausnahmeregelung für die religiöse Beschneidung fordert, wird schwerlich die indische Praxis verurteilen können.

Nun leben in Indien auch viele Muslime (mehr als 10 Prozent), und die werden sicher ihre Söhne beschneiden, von daher ist Indien in dieser Hinsicht nicht wirklich fortschrittlicher als Deutschland. Aber Kritiker des Kölner Urteils müssten erklären, weshalb Babywerfen schlecht sein soll, die Beschneidung aber zulässig. Ansonsten müssten sie ja die Wiedereinführung des Babywerfens fordern.

 

7 Antworten zu Baby-Werfen: Indien fortschrittlicher als Deutschland?

  1. Muriel sagt:

    Kann man die auch fordern, wenn man das Urteil des LG Köln (zumindest im Ergebnis) unterstützt?

    • Skydaddy sagt:

      Eine Frage mit überschaubarer Relevanz, aber:

      Eine Forderung nach der Wiedereinführung des Babywerfens würde nicht im Widerspruch zum Kölner Urteil stehen, weil beim Werfen das Baby ja nicht irreparabel an seiner Körpersubstanz geschädigt wird.

      • Muriel sagt:

        Ausgezeichnet. Ich fordere hiermit nicht nur die Wieder-, sondern überhaupt erst mal die Einführung des Babywerfens in Deutschland. Falls jemand ein Baby hat, das er nicht werfen möchte, übernehme ich das gerne für ihn.

      • Skydaddy sagt:

        Lass mich raten: Du bist für das Werfen, aber gegen das Sprungtuch, stimmt’s?

      • Muriel sagt:

        Ich bin zu leicht durchschaubar.

  2. oder liegt eine Verwechselung mit jener Pseudo-Sportart vor?

  3. Grundgütiger. Wie hat sich dieser Brauch nur entwickelt… Hygienische Gründe können es ja nicht sein… Eine Abwandlung von Darwin?
    LG, Fanny

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