„Unser Spieß hat sehr von dieser Wallfahrt geschwärmt“

Berichterstattung in „Bundeswehr aktuell“ (21. Mai 2012)

Offiziell begründet die Bundeswehr ihre enorme Unterstützung der internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes auch mit dem völkerverbindenden Aspekt. Es stellt sich allerdings die Frage, weshalb das „Bindeglied“ für die Völkerverständigung von Soldaten ausgerechnet der undemokratische und vernunftfeindliche katholische Glaube sein soll.

Die katholische Militärseelsorge und „Bundeswehr aktuell“, die offizielle und vom Bundesministerium der Verteidigung herausgegebene Wochenzeitung für die Bundeswehr, berichten ausgiebig über die internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes vom 9. bis 15. Mai 2012.

Wir erfahren, dass auch „viele junge Soldaten auch ohne Konfession nach Lourdes reisen“. Genauer gesagt: „Ungefähr ein Drittel der Pilger sei nicht katholisch getauft.“ „Bundeswehr aktuell“ lässt die Hauptgefreite Alexandra K. zu Wort kommen: „Ich bin evangelisch getauft, aber unser Spieß hat sehr von dieser Wallfahrt geschwärmt“. Da kommt es gelegen, dass es bei der Bundeswehr für die Teilnahme an Soldatenwallfahrten oder Katholikentagen komplett Sonderurlaub gibt – nicht ein einziger Tag des eigenen Jahresurlaubs muss geopfert werden.

Und so deutlich, wie man als zu weltanschaulicher Neutralität verpflichteter militärischer Vorgesetzter nur werden kann, hob Generalleutnant Kasdorf in seiner Eröffnungsrede den missionarischen Aspekt der Soldatenwallfahrt hervor:

„Und da gibt es dann auch viele, gerade auch aus den neuen Ländern, die den Weg zu Gott erst finden.“ (ab 0:36)

Und auch noch mal im Interview:

„Natürlich sind die Motive ganz unterschiedlich. Aber es ist eine gute Gelegenheit, auch noch mal an den Glauben herangeführt zu werden. […] Und da kann die Motivationslage ganz unterschiedlich sein. Da kann auch der ein oder andere, der schon ‘n bisschen glaubensferner ist, noch zurückfinden.“ (ab 0:30)

Generalleutnant Kastorf schließt das Interview mit den Worten ab:

„Der Glaube ist die Grundlage für den Sinn des Lebens.“ (ab 1:28)

Das Presse- und Informationsamt hat offensichtlich auch keine Bauchschmerzen bei dem Statement von Oberstleutnant Alfred Warner: „Ich könnte mir nicht vorstellen, ohne meinen Glauben, den Beruf des Soldaten auszuüben.“ Es ist ja völlig in Ordnung, wenn Oberstleutnant Warner sich dafür entscheidet, Christ zu sein. Aber dass ein Oberstleutnant in einer Armee, die zu knapp 50 Prozent aus Konfessionslosen und zu weniger als einem Viertel aus Katholiken besteht, sich nicht einmal „vorstellen“ kann, den Beruf des Soldaten ohne seinen Glauben auszuüben, kann nur als geistiges Armutszeugnis bezeichnet werden.

Wir erfahren weiter, dass die meisten Soldaten des Unterstützungskommandos für den Aufbau und Betrieb des Zeltlagers bei der Wallfahrt „ohne Konfession“ sind und „mit der Kirche nichts zu tun“ haben. Kommandoführer Hauptmann Kai Domack: „Für uns war es am Anfang die größte Herausforderung, wie schaffen wir es, dass sich die Kameraden darauf einlassen?“ Leider geht Hauptmann Domack im Interview nicht weiter darauf ein, wie die konfessionslosen Kameraden, die mit der Kirche „nichts am Hut haben“, dazu bewogen wurden, sich darauf einzulassen.

Zum Dank für ihre Unterstützung durften sich die konfessionslosen Soldaten dann von Militärbischof Franz-Josef Overbeck das Menschsein absprechen lassen. Nichts zu danken, Herr Militärbischof!

Nicht nur die Bundeswehr, auch Militärbischof Overbeck stellt den völkerverbindenden Aspekt der Soldatenwallfahrt heraus:

Vor einem halben Jahrhundert „war es der europäische Friedensgedanke, für den hier in Lourdes gebetet wurde“, sagt [Overbeck] am Rande seines Besuchs im Wallfahrtsort. […] Overbeck betont: „Jetzt gilt es diesen ursprünglichen Friedensgedanken weltweit hinauszutragen.“

Es erscheint allerdings zunehmend widersinnig, die „Völkerverbindung“ ausgerechnet mit einem spezifisch katholischen Großereignis zu fördern – nicht nur in Anbetracht des geringen Katholikenanteils bei der Bundeswehr, sondern auch angesichts der „Herausforderungen“, die der katholische Glaube für die Vernunft und das freiheitlich-demokratische Menschenbild bereithält.

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