Parasitäre Existenzformen

In einem Interview bezeichnete der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller innerkirchliche Reformgruppen als „parasitäte Existenzformen“. Eine dieser Reformgruppen, „Wir sind Kirche“, hat nun einen Brief an Bischof Müller veröffentlicht, der mir aus dem Herzen spricht und sehr zu Recht darauf hinweist, dass Müller mit seinem Vorwurf im Glashaus sitzt.

Müller, der auch „Gastgeber“ des nächsten Katholikentages 2014 in Regensburg ist, hatte in einem dpa-Interview gesagt:

Wie werden Sie dort mit Reformgruppen umgehen?

Bischof Müller: «Die Reformgruppe sind wir selbst, Reform stecken wir uns an den Hut. Unter Reform verstehe ich Erneuerung aus der Kirche heraus. Es ist die Frage, ob die sogenannten Reformgruppen wirklich solche sind. Es kann nicht sein, dass Leute, die von sich aus nichts zustande bringen, sich an die großen Veranstaltungen dranhängen und eine parasitäre Existenzform bringen. Aus ihren eigenen Kräften heraus müssen sie ihre Aktionen machen, die nicht nur destruktiv sein dürfen. Nur dagegen zu sein, Vertreter der Laien zu sein, aber nie in einem Pfarrgemeinderat mitgewirkt zu haben, das geht nicht.»

Beim Katholikentag in Mannheim wurde der Ruf nach Reformen immer lauter. Müsste die Kirche nicht analog zum Zweiten Vatikanischen Konzil frischen Wind wehen lassen?

Bischof Müller: «Es ist die Frage, was man darunter versteht. Wenn das die bekannten Themen sind – damit kann man die Kirche nicht erneuern. Es geht nicht darum, dass wir gesellschaftskonform sind, sondern wir müssen evangeliumskonform sein. Durch Applaus oder Phonstärke darf kein Druck ausgeübt werden. Es laufen auch keine Leute weg. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist heilsnotwendig, wir haben sie nicht gestiftet, sie ist auch nicht das Eigentum der Bischöfe. 25 Millionen Menschen in Deutschland sind katholisch, die treten nicht aus wegen des Missbrauchsskandals, von 20 000 Missbrauchverurteilungen 2012 war nicht ein Priester dabei. Wenn von uns jemand so etwas tut, dann ist das natürlich verheerend.»

Die „KirchenVolksBewegung“ „Wir sind Kirche“ veröffentlichte daraufhin jetzt einen Brief des Religionspädagogen Norbert Scholl an Bischof Müller. Darin schreibt Scholl (Hervorhebung von mir):

Mit Erstaunen habe ich davon Kenntnis genommen, dass Sie die Reformgruppen in der römisch-katholischen Kirche als eine „parasitäre Existenzform“ bezeichnet haben. Parasiten betreiben lt. Wikipedia ihren „Ressourcenerwerb mittels eines in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art“.

[…] Mir kam bei Ihren bemerkenswerten Ausführungen […] in den Sinn, dass sie eigentlich auch auf die deutschen Bischöfe zutreffen. Denn Sie und Ihre Mitbrüder im bischöflichen Amt erhalten ihre „Ressourcen“ nicht von der Kirche, sondern von einem „erheblich größeren Organismus“, vom Staat. Dabei handelt es sich nicht um Peanuts. Ungefähr 8.000 Euro sind es im Monat, Erzbischöfe oder Kardinäle bekommen bis zu 12.000 Euro. Sie verfügen über ein Dienstfahrzeug (meist BMW – bei Bedarf mit getönten Scheiben und Standarte, wie beim Bischof von Limburg – oder Mercedes mit Chauffeur). Das ist noch nicht alles: Die Bundesländer – mit Ausnahme des Stadtstaates Bremen – bezahlen in der Regel auch noch Weihbischöfe, Kanoniker, Domkapitulare und Dom-Mesner. So zahlte das Bundesland Bayern im Jahr 2000 für derartige Zwecke die stolze Summe von rund 121 Millionen DM (62 Millionen Euro) allein an die sieben Bistümer im Freistaat – von den „Jahresrenten für 7 Bischöfe/Erzbischöfe“ und „60 Kanoniker“ über „Dienstentschädigungen für 7 bischöfliche Sekretäre“ und „Einkommensergänzungen der 15 Leiter und 33 Erzieher an den bischöflichen Priester- und Knabenseminaren“ bis hin zu den „Beiträgen zum Sachbedarf der Domkirchen“ (Carsten Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen, Aschaffenburg 2002, 104). 10 Jahre später hat sich daran nichts geändert“.

Eine Antwort zu Parasitäre Existenzformen

  1. W.Müller sagt:

    Reform ist für Bischof Müller eine weitere Macht-Festigung der Amtskirche. Grundlage ist der absolute Gehorsam aller Gläubigen, die zu Recht als Schafe bezeichnet werden und nach Belieben wie seit urdenklichen Zeiten (als Tradition bezeichnet) gemolken, geschoren oder verspeist werden können. Um diese Schafe zu diszplinieren rennt er ständig mit einem riesigen goldenen Kreuz mit einer Leiche dran, herum. (Die Nazigauner hatten wenigstens einen Totenkopf als Zeichen)
    Was will Ratzinger, zurück ins Mittelalter, Opus Deii, Piusbrüder, Engelswerk etc., da machen die Schafe nicht mehr alle mit.
    Das ist das gesamte Problem von Ratzinger und Vatikan.
    W.Müller

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