Endlich! Michael Schmidt-Salomons „Keine Macht den Doofen“ auch als Hörbuch

Seit ein paar Tagen gibt es Michael Schmidt-Salomons „Keine Macht den Doofen!“ auch als Hörbuch. An der Produktion waren offenbar keine Doofen beteiligt.

Ich hatte ja im Februar bereits eine positive Rezension von Michael Schmidt-Salomons Buch „Keine Macht den Doofen!“ verfasst.

Nun, seit ein paar Tagen gibt es „KMDD“ auch als Hörbuch. Als Dreifach-CD (12,90 Euro), aber auch als Download (9,95 Euro) bei audible.de. Als jahrelanger Hörbuch-Abonnent mit zwei Audiobüchern pro Monat glaube ich, eine fundierte Kritik dazu abgeben zu können.

Auf den Inhalt will ich nicht weiter eingehen, weil ich mich dazu ja schon in der ursprünglichen Rezension ausführlich geäußert hatte. Nur noch ein Hinweis: Oft wurde, z.B. bei Amazon (und meist wohl von Leuten, die das Buch gar nicht wirklich gelesen haben), die Kritik geäußert, Michael Schmidt-Salomon bezeichne alle anderen als Idioten, Religioten, Ökonomioten usw., dies sei arrogant und überheblich. Beim Hören des Buches fiel mir jetzt auf, dass „MSS“, wann immer es geht, von „wir“ und „uns“ spricht: „unserer“ Spezies „homo demens“. Er beschreibt in dem Buch das Phänomen, das er „Schwarmdummheit“ nennt, kritisiert also weniger die angebliche oder tatsächliche Dummheit Einzelner, sondern die „Dynamik der Dummheit“. (Das ist jetzt aber meine Formulierung, nicht seine.)

Andererseits lässt sich nun mal nichts an der Tatsache ändern, dass auch Einzelne dumme Dinge glauben. Nirgendwo ist das so gut belegt wie bei der Religion: Egal, was man glaubt – der Großteil der Menschheit wird es nicht ernst nehmen und den Unsinn des Geglaubten (zumindest bei anderen) auch sofort erkennen.

Aber wann soll man tun, wenn man meint, im wahrsten Sinne des Wortes katastrophale Dummheit auszumachen (man denke nur an die Finanzkrise)? Soll man etwa schweigen? Ebenso gut könnte man dem Kind in Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ vorwerfen, es stehe ihm nicht zu, den Kaiser als „nackt“ zu bezeichnen.

Wer meint, Schmidt-Salomon bezichtige andere zu Unrecht der Dummheit, der soll bitte zeigen, wo MSS falsch liegt. Oder schweigen.

Aber nun zum Hörbuch. Die Qualität eines Hörbuchs hängt für mich von drei Kriterien ab:

  • technische Qualität
  • Qualität des Vortrags
  • Eignung des Textes für ein Hörbuch

Ich habe das Hörbuch noch nicht ganz durch, aber die Qualität ist ausgezeichnet. Insbesondere bei englischsprachigen Hörbüchern habe ich oft den Eindruck, die Stimme klingt zu „telefonartig“. Nicht so hier: Die Stimme des Sprechers, des Schauspielers Stéphane Bittoun, kommt sehr angenehm rüber.

Womit wir bereits beim zweiten Kriterium sind. Ich hatte immer gehofft, Michael würde mal selbst eins seiner Bücher einsprechen, weil ich finde, dass er eine angenehme Stimme hat und auch gut vortragen kann. Sofern die Vortragsweise nicht allzu schlecht ist, gewinnen Hörbücher meiner Erfahrung nach meist dadurch, dass sie vom Autor selbst vorgelesen werden. Schließlich weiß niemand besser, was der Autor sagen wollte, als dieser selbst.

Deshalb war ich zunächst enttäuscht, dass „Keine Macht den Doofen!“ von jemand anders eingesprochen wurde. Allerdings nur, bis ich bei audible.de die „Kostprobe“ anhörte: Stèphane Bittoun ist ein exzellenter Sprecher mit einer sehr angenehmen Stimme und hervorragender Aussprache. Von ihm würde ich gerne mehr hören.

Bleibt also noch das dritte Kriterium: Eignet sich „Keine Macht den Doofen!“ überhaupt als Hörbuch? Oft genug höre ich Audiobücher, bei denen ich den Eindruck habe: Diesen Text kann man zwar lesen, er eignet sich aber nicht zum Vorlesen. Dies ist meist dann der Fall, wenn die „Schriftsprache“ zu sehr von der gesprochenen Sprache abweicht. Da ich praktisch nur Sachbücher höre, ist das oft genug der Fall.

Glücklicherweise aber nicht hier: Schmidt-Salomon schreibt, wie man spricht, und das macht das Hörbuch zu einer rundum gelungenen Produktion. Hinzu kommt, dass es mit 3:47 Stunden auch eine gute Länge hat.

Da ich mit Schmidt-Salomon in den meisten Punkten übereinstimme, empfinde ich es übrigens als ausgesprochen angenehm, dass ich beim Hörbuch das Tempo nicht ändern kann. Beim „richtigen“ Buch wurde ich manchmal unaufmerksam, weil ich häufig dachte „Natürlich!“, „Kenn‘ ich schon!“ und so weiter. Das soll aber nicht so verstanden werden, dass „Keine Macht den Doofen!“ nichts Neues zu bieten hat: Ich hatte ja bereits in meiner Rezension des Buches hervorgehoben, dass Schmidt-Salomon auf etliche interessante Punkte aus Büchern verweist, die erst vor kurzem erschienen sind.

Jetzt, wo ich dies schreibe, fällt mir allerdings auf: Diese zahlreichen Verweise, die für mich ein Highlight des gedruckten Buches ausmachten, kriegt man bei der Hörbuch-Version leider nicht mit, denn die entsprechenden Fußnoten werden, wie bei Hörbüchern üblich, nicht mit vorgelesen. Eigentlich sollte deshalb den CDs eine Liste mit den „Fußnoten“ beigelegt werden. Vielleicht könnte man die auch auf der Website zum Buch zur Verfügung stellen.

Das tut allerdings meiner Freude an dem Hörbuch keinen Abbruch. Ich würde mir jetzt wünschen, dass auch noch Schmidt-Salomons „Jenseits von Gut und Böse“ und das „Manifest des evolutionären Humanismus“ als Hörbuch produziert werden. Gerne auch wieder mit Stéphane Bittoun als Sprecher.

Und jetzt entschuldigt bitte – ich will noch das Buch zu Ende hören…

Hier übrigens ein knapp 20-minütiges Video, wo Schmidt-Salomon tatsächlich selbst aus seinem Buch vorliest. (Dank an Ricarda und David vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst für das für das tolle Video.)

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