Bischof Overbeck bezeichnet Homosexualität als „Überzeugung“

„Nun, wenn das so ist, soll Overbeck diese Aufforderung doch einmal an die eigenen Reihen richten.“ (Steven Milverton)

Ich hatte ja beim hpd schon mal darauf hingewiesen, dass es ein Unding ist, dass die Bundeswehr ausgerechnet katholische Geistliche mit dem berufsethischen Unterricht für die Soldaten betraut, da diese von Amts wegen Positionen vertreten müssen, die den offiziellen Bundeswehr-Richtlinien zum Umgang mit Homosexualität zuwider laufen. Das gilt insbesondere auch für Militärbischof Franz-Josef Overbeck, der in der Vergangenheit durch entsprechende Äußerungen zur Homosexualität negativ aufgefallen ist. (Obwohl diese „lediglich“ die kirchliche Lehrmeinung wiedergeben.)

Nun, Overbeck wollte sein Image wohl etwas aufpolieren. Die Rheinische Post berichtete jetzt (offenbar als einziges Medium):

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat sich bei der 54. Soldaten-Wallfahrt in Lourdes zur Homosexualität von Soldaten geäußert. Angesprochen darauf, ob sich schwule Soldaten outen sollten, sagte er, dass „man möglichst klar zu seinen Überzeugungen stehen sollte“.

Allerdings schränkte der 47-Jährige ein, dass „man aufpassen muss, dass man auf diese Weise nicht in die Fallen vieler öffentlicher Meinungen gerät“. Das gelte aber nicht nur für „diese Form der Lebensführung, sondern für viele andere auch“.

Homosexualität soll Overbeck zufolge eine „Überzeugung“ sein? Etwa so wie Heterosexualität?

Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht übrigens von „tiefsitzenden homosexuelle Tendenzen“ (Nr. 2358) und davon, dass sich Menschen „zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen“ (Nr. 2357). Die psychische Entstehung der Homosexualität sei „noch weitgehend ungeklärt“ (Nr. 2357).

Nicht auszuschließen ist, dass Overbeck — in bewährter bischöflicher Manier — absichtlich eine Formulierung gewählt hat, die zwar für sich genommen richtig ist („Man soll möglichst zu seinen Überzeugungen stehen.“), aber bei näherer Betrachtung gar keinen Bezug zur Homosexualität aufweist.

Jedenfalls wurde Overbecks Statement meines Erachtens in der Öffentlichkeit noch nicht gebührend gewürdigt. Die Homosexuellen-Website queer.de griff zwar die Meldung der Rheinischen Post auf, stieß sich allerdings nicht an dem Begriff „Überzeugung“ und fügte dem letzten oben zitierten Satz lediglich hinzu: „so der Bischof kryptisch“.

Ich habe lediglich zwei Blogs gefunden, die die Meldung aufgegriffen haben.

DAS ist meine FDP schreibt unter der Übersxchrift „Ist Homosexualität eine Überzeugung?„:

Also irgendwie schafft es Bischof Overbeck es immer wieder sich, freundlich ausgedrückt, etwas ungeschickt zu äußern… Es wird an der Zeit, das er einfach einmal lernt das Homosexualität keine „Überzeugung“, noch etwas unnatürliches ist. Ich kann zu meiner Überzeugung stehen, das ich Liberaler und Mitglied der FDP bin. Allerdings hat mich niemand überzeugt schwul zu sein, noch habe ich jemals dazu eine bewusste Entscheidung gefällt, sondern bin es und fühle so, solange ich denken kann. Was ich bewusst entschieden habe, war lediglich die Tatsache dies nicht zu verheimlichen. Falls er das damit meint, hat er sich ein weiteres mal bei der Wahl des Begriffs „Überzeugung“ höchst ungeschickt ausgedrückt.

Noch besser gefiel mir allerdings Steven Milvertons Kommentar (Hervorhebung von mir):

Queer.de deutet die Äußerung Overbecks wie folgt:

„Der katholische Bischof Franz-Josef Overbeck hat bei der Soldaten-Wallfahrt ins französische Lourdes am Wochenende homosexuelle Militärangehörige aufgefordert, sich offen zu ihrer Sexualität zu bekennen.“

Nun, wenn das so ist, soll Overbeck diese Aufforderung doch einmal an die eigenen Reihen richten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: