Militärbischof Overbeck erklärt nichtreligiöse Soldaten zu Menschen zweiter Klasse (wenn überhaupt)

Lustloses Geschwurbel in Lourdes: Militärbischof Overbeck

Update: Antwort vom BMVg: „Kein Kommentar“. Daraufhin habe ich jetzt den Dienst verweigert. Unter den gegebenen Umständen finde ich es als Atheist entwürdigend, Teil der Bundeswehr zu sein.

E-Mail an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus:

Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter,

sehr geehrte Damen und Herren,

als konfessionsfreier Reservist beschwere ich mich hiermit über Militärbischof Overbeck. Einzelheiten entnehmen Sie bitte der unten angehängten E-Mail, die ich bereits an das BMVg geschickt habe.

Ich sehe auch bei wohlwollender Betrachtung nicht, wie Overbecks wiederholte Äußerungen mit dem freiheitlich-demokratischen Menschenbild vereinbar sein sollen.

Selbst, wenn man ihm in seiner Eigenschaft als Bischof eine gewisse „Narrenfreiheit“ zugestehen wollte, kann es doch nicht angehen, dass der Verantwortliche für den Lebenskundlichen Unterricht konfessionsfreie Soldatinnen und Soldaten derart zu Menschen zweiter Klasse (um es gelinde zu sagen) degradiert, wie es Overbeck hier in diversen Erklärungen getan hat.

Die Äußerungen von Overbeck unterminieren (um nicht zu sagen: bestreiten) die Vorstellungen von Menschwürde, wie die Bundeswehr sie verteidigen soll – wie sie auch konfessionsfreie Soldatinnen und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens verteidigen sollen.

Die Bundeswehr macht sich m.E. unglaubwürdig, wenn sie solchen Äußerungen nicht klar Einhalt gebietet.

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Krause

E-Mail an die Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums

(Kopie ging an das Katholische Militärbischofsamt.) 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Matthias Krause, ich blogge u.a. zum Thema „Staat und Kirche“. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen als Zeitsoldat beim Bund (1987-1989) interessiere ich mich besonders für das Thema „Militärseelsorge“.

Ich frage mich, wie das BMVg zu den Aussagen von Militärbischof Overbeck steht, die dieser jüngst in Lourdes von sich gegeben hat.

In einem Video erklärt er (5:33):

Ohne Religion und ohne gelebte Praxis von Religion gibt es kein Menschsein.

In einem Interview behauptet Militärbischof Overbeck:

„Oberste Priorität hat, dass Soldaten Gewalt nur im äußersten Notfall und vor allem verantwortungsvoll einsetzen. Mit einem festen Glauben lassen sich solche Entscheidungen gewissenhafter treffen.

Domradio berichtet:

Die Anwendung von Gewalt bedürfe eines gefestigten Gewissens und eines klaren Charakters sowie Gottvertrauens, so der Militärbischof.“

Sie werden vielleicht nachvollziehen können, dass solche Aussagen ein Schlag ins Gesicht konfessionsfreier Soldatinnen und Soldaten ist. Overbeck scheint ihnen das Menschsein abzusprechen, er behauptet, Entscheidungen über den Einsatz von Gewalt ließen sich durch Gläubige „gewissenhafter“ treffen, und die Anwendung von Gewalt bedürfe „Gottvertrauens“.

Ich meine, es lässt sich klar feststellen, dass Bischof Overbeck damit nichtreligiöse Menschen, insbesondere aber auch nichtreligiöse Soldatinnen und Soldaten, als Menschen zweiter Klasse (bzw. überhaupt nicht als „richtige“ Menschen) darstellt.

Dies wäre m.E. bereits schlimm genug, wenn er diese Aussagen nur als Bischof machte. Als Militärbischof ist Overbeck aber – mit seinem evangelischen Kollegen – auch für den verpflichtenden berufsethischen Unterricht der Soldatinnen und Soldaten, den Lebenskundlichen Unterricht, verantwortlich.

Ich brauche Ihnen gegenüber wohl nicht weiter auszuführen, dass sich die Menschenwürde unmittelbar aus dem Menschsein ableitet und nicht an irgendwelche religiöse Praxis als Bedingung gekoppelt ist.

Es ist mir unbegreiflich, wie das Bundesverteidigungsministerium einen solchen, milde ausgedrückt muss man wohl sagen: Ignoranten mit der Verantwortung für den Lebenskundlichen Unterricht betrauen kann. Was er in Lourdes von sich gegeben hat, ist doch wohl objektiv nicht mit dem Grundgesetz und den Menschenrechten vereinbar (von Anstand mal ganz abgesehen).

Wird das Bundesverteidigungsministerium in irgendeiner Weise auf die Äußerungen von Militärbischof Overbeck reagieren? – Falls nicht: haben Militärbischöfe quasi „Narrenfreiheit“, oder gibt es irgendwo eine Grenze, wo für das BMVg die Toleranzschwelle erreicht ist. Die Frage drängt sich auf, weil es, wenn überhaupt, nur ein sehr schmaler Grat ist zwischen dem, was Bischof Overbeck oben gesagt hat und der Behauptung, nichtreligiöse Soldatinnen und Soldaten seien „Untermenschen“. (Sollten Sie das anders sehen, bitte ich ehrlich um die Erläuterung, wo der Unterschied zwischen „kein Menschsein“ und „Untermenschentum“ liegt.)

Für eine zeitnahe Antwort bin ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Krause

Zu diesem Thema siehe auch:

Militärbischof Overbeck: Der Bock als Gärtner (hpd)

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat mit seinen Äußerungen zur Homosexualität erneut für Empörung unter Schwulen und Lesben gesorgt. Besonders problematisch: Overbeck ist auch Militärbischof und als solcher für den berufsethischen Unterricht der deutschen Soldaten zuständig.

Ein Vergleich der Positionen von Bundeswehr und katholischer Kirche zum Thema Sexualität zeigt, dass den katholischen Militärgeistlichen besser Nachhilfe in Sachen Ethik und Lebenskunde erteilt werden sollte – statt sie diese Themen unterrichten zu lassen.

8 Antworten zu Militärbischof Overbeck erklärt nichtreligiöse Soldaten zu Menschen zweiter Klasse (wenn überhaupt)

  1. Max sagt:

    Wenn sich die Bundewehr nicht eindeutig von Overbeck´s Äusserungen distanzieren möchte, möge sie bitte alle Nichtchristen aus ihren Reihen entfernen und auch deutlich machen, dass sie künftig nicht an atheistischen Rekruten interessiert ist.

  2. Linus Heilig sagt:

    Genau so, außer für Lütz ist der Bleibischof untragbar. Bliebe noch die Anfrage, ob das Wehrmachts-Koppelschloss „Gott mit uns“ mit dem Zusatz „gegen Gottlose“ reaktiviert wird?

  3. stephancologne sagt:

    Ich hab das ganze mal auf die FB-Seite der Bundeswehr getackert :

    http://m.facebook.com/profile.php?id=122840837780517&story_fbid=390405400998643&v=feed&src=email_notif

  4. Katholiban: Hassprediger Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck erklärt Menschen zu Untermenschen!…

    Lasst es Euch auf der Zunge zergehen: „Ohne Religion und ohne gelebte Praxis von Religion gibt es kein Menschsein.“ Damit bin ich also nach des Bischofs Ansicht kein Mensch. Wer aber hat……

  5. […] Zum Dank für ihre Unterstützung durften sich die konfessionslosen Soldaten dann von Militärbischo… Nichts zu danken, Herr Militärbischof! […]

  6. W.Müller sagt:

    Seine Äusserungen, die nicht weit von von den islamischen Hasspredigern entfernt sind kann man nur mit der Narrenfreiheit, die gläubige Menschen für sich in Anspruch nehmen dürfen, erklären. Leute, die nach Lourdes pilgern, wo schon unzählige Taschenddiebe wegen der Dummheit der Pilger auf diese warten und große Beute machen.
    Im Hinblick auf seine Äußerungen über besondere Menschlichkeit gläubiger Menschen, verweise ich auf die Praxis der katholischen Kirche seit 2000 Jahren, die an Grausamkeit sowohl Stalin als auch Adolf Hitler bei Weitem übertroffen haben mit ihren von oberster Stelle abgesegneten Untaten aus Inquisition und Vorgehen gegen Wissenschaft und Fortschritt.
    Einer der gescheitesten Wissenschaftler unserer Zeit“ Professor Richard Dawkins“ hat das Lehrbuch der katholischen Kirche, die Bibel, mit genauestens seziert: Ergebnis
    “ Rachsüchtig, Grausam, Frauenfeindlich, Eifersüchtig und Gewalttätig“
    Dass er seinen hochdotierten Posten verteidigt ist verständlich für diesen militärischen Betonkopf (Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Ha-Ha
    Vielleich sollte er mal den Link über Kindermissbrauch öffnen:
    http://netzwerkb.org/2012/06/15/ich-bin-im-hungerstreik-7/#more-14864

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