Bundestagsrede: Der Papst pfeift auf dem letzten Loch

In seiner Rede vor dem Bundestag hat der Papst eine „nur“ naturalistische Weltsicht kritisiert und den Eindruck erweckt, als ob eine solche Weltsicht, die ja immerhin vom Atom bis hin zum Universum, vom Urknall bis in ferne Zukunft, von den Naturgesetzen bis hin zur evolutionären Entwicklung von Selbstbewusstsein und Ethik reicht, ein eingeschränktes Weltbild sei, das offenbar der Ergänzung durch archaische Vorstellungen aus Bronzezeit und Mittelalter bedürfe.

Letztlich mahnte der Papst in seiner Rede eine Verantwortung vor Gott, Gerechtigkeit und und die Unterscheidung von Gut und Böse an. Leider machte er nicht deutlich, nach welchen Kriterien dabei geurteilt werden soll.

Damit sind Christen in keiner besseren Lage als Atheisten oder Humanisten: Wir alle müssen uns überlegen, welches eigentlich die Kriterien für unser Handeln, für die Unterscheidung von Gut und Böse sein sollen, und was „Gerechtigkeit“ bedeutet.

Nicht einmal der Begriff der Nächstenliebe kam in seiner Rede vor, wobei auch dieser offen lässt, was denn konkret Nächstenliebe sein soll (z.B. Sterbehilfe oder Leidensverlängerung).

Damit liefert der Papst lediglich Schlagworte („Verantwortung vor Gott“, „Gerechtigkeit“, „Gut und Böse“), aber keine Maßstäbe (Kriterien), wie man diesen Zielsetzungen näher kommt.

Mit anderen Worten: Der Papst hat zwar von Verantwortung, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Gut und Böse gesprochen, aber nicht den geringsten Hinweis gegeben, an welchen Kriterien sich diese Werte konkret festmachen sollen.

Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung, denn offiziell behauptet die katholische Kirche ja durchaus – und schreibt dies im ihrem Katechismus auch bis ins Detail vor –, was „gut“ und was „böse“ (bzw. schlecht) ist.

Offenbar fehlen selbst dem Papst – der ja oft als großer Intellektueller bezeichnet wird – allgemein nachvollziehbare Argumente für die Unterscheidung zwischen Gut und Böse (z.B. hat Ratzinger ja im Zusammenhang mit der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften von der „Legalisierung des Bösen“ gesprochen) und das Verständnis von „Gerechtigkeit“, wie es die katholische
Kirche lehrt. Um sich an „Verantwortung“ und „Gerechtigkeit“ erinnern zu lassen, hätte es der Rede des Papstes im Bundestag wohl kaum bedurft.

Da der Papst offenbar keine vernünftigen Argumente für seine Vorstellung von Gut und Böse hat, hat er sich darauf beschränkt, die naturalistische Weltsicht als unzureichend darzustellen – als ob die moderne Weltsicht eine Ergänzung durch einen dogmatischen, mittelalter- bis bronzezeitlichen Aberglauben bedürfe. Die Ökobewegung dürfte er gerade deshalb als Beispiel erwähnt haben, weil sie teilweise starke emotionale und irrationale Elemente enthält. Durchgesetzt haben dürften sich Umweltschutzbelange allerdings, weil sie auch vernünftig sind. Umweltschutz ist auf dem Vormarsch, der Katholizismus – zumindest in Europa – auf dem Rückzug.

Man kann nur für die Katholiken hoffen, dass das noch nicht alles war. Eine Erinnerung an Verantwortung und Gerechtigkeit hätten sie von mir für deutlich weniger als 30 Millionen Euro haben können.

7 Antworten zu Bundestagsrede: Der Papst pfeift auf dem letzten Loch

  1. Muriel sagt:

    Ja, ist mir auch aufgefallen. Die Schlussfolgerung mit dem letzten Loch ist vielleicht doch etwas zu früh gefreut. Das Fehlen nachvollziehbarer Argumente hat Religionsgemeinschaften noch nie aufgehalten.

  2. Moment! Der Papst srach nicht zur katholischen Kirche oder zur Theologie, er hatte den Anspruch über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates zu sprechen, sagt dies auch in der Rede.
    Seine These war, soweit ich das sehe, daß das Problem da auftritt, wo man von einem Sein nicht zu einem Sollen kommt, also keine Methoden dafür bieten kann. Denn ansonsten kann man die Wet nur beschreiben, wie sie ist.
    Das leistet das naturwissenschaftliche Weltbild. Das würdigte er auch.
    Allerdings ist damit eben noch überhaupt nicht geklärt, was an all dem Beschriebenen nun gut oder schlecht ist. Und daher rührt auch die Einschränkung des Naturalismus. Er kann nicht nennen, was gut ist und was schlecht. Er benennt nur Fakten (genauer Wahrscheinlichkeiten für Fakten).

    Damit alleine kann man aber nicht erklären, warum Kindesmißbrauch ein Verbrechen ist oder warum das Zölibat gut ist (zwei willkürlich ausgewähte Beispiele).

    Ich denke, damit hat der Papst Recht. Weiters hat er von der Hoffnung gesprochen, daß eine Diskussion aufkommt über das Thema.

    Wir sind uns sicher einig, daß der Katholizismus oder das Christentum nicht allgemeingütlig sagen kann, was gut und schlecht ist, und zwar nicht, weil diese Unrecht hätten (woran wollte man das messen?), sondern weil es Menschen gibt, die anderen Werten folgen.

    Nun ist aber die Frage: Welche Werte oder Grundsatzvorstellungen sind allgemein in der Gesellschaft anerkennbar?
    Nur solche Vorstellungen können auch als Grundlage für den freiheitlichen Rechtsstaat gelten, weil damit alle zufrieden sein können.

    Diese Grundlagen müssen dann aber die Religionen wie die nichtreligiösen Ansichten integrieren. Geschieht dies nicht, werden einzelne Gruppen untergebuttert, oder die Gesellschaft bricht auseinander.

    Was nicht geht ist, alles per Mehrheit entscheiden zu wollen. Wir hatten das schonmal aufm AMB: Wenn die Bevölkerung hinreichend aufgehetzt ist, können alle möglichen Mehrheiten auftreten.

    Der Papst hat nun vom Naturrecht geredet, daß also aus der Natur (≠ beschriebene oder beschreibbare Natur) Gott oder zumindest eine allgemeine Linie abzuleiten wäre, was die Grundlagen angeht (ich bin skeptisch, ob das wirklich so einfach geht). Bei AMB ging es auch schon darum, ob der Mensch qua Menschsein ein gewisses Verständnis für gut und böse mitgegeben hat.

    Ich finde nicht, daß der Papst hier aus dem letzten Loch gepfiffen hat, er hat über ein rechtsphilosophisches Thema gesprochen und dabei nur andeutend über den eigenen Glauben gesprochen – möglicherweise auch aus Respekt vor der religiösen Pluralität des Bundestags und der Bevölkerung der BRD.

  3. Wolfgang sagt:

    Er kann als fast göttliches (Un) Wesen nicht von einem Naturrecht sprechen. Naturrechte beinhalten das Recht von Mensch und Natur und zwar ohne irgendwelche Konfessionszugehörigkeiten. Es gibt keine katholische Eiche und keinen vom Menschen benutzten katholischen Bahnhof. Die Planeten und unsere Sonne sind ebenfalls nicht katholisch und es gibt auch keinen Unterschied zwischen einem katholischen und konfessionsfreien Geschlechtsakt.

  4. @Bundesbedenkenträger:
    Der Pontifex selbst stelle fest, das alle Maßstäbe für Gerechtigkeit (und damit auch „gut“ und „böse“) letztendlich aus der „Natur“ komme bzw sich über diese äußere – und nur ihr entnehmbar sei.

    Er unterschied dabei zwischen „rationalem“ (womit wohl Naturwissenschaft gemeint ist) und „subjektivem – und stellte immerhin auch noch fest, das der subjektive Teil sich aus einem jedem Menschen selbst heraus entfalten müsse.

    Damit liegt er gar nicht so falsch wie in krassem Widerspruch zu der von ihm vertretenen Religion, die nur einzelnen „besonderen“ Menschen die Legitimation für das Finden von gut und böse einräumt.

    Selbst wenn sich – wie er sagt – „Gott“ über die Natur zu uns äußere, dann ist und bleibt die Natur der Maßstab der Dinge. Jede allgemeingültige Erkenntnis über rationale Erkenntnisprinzipien hinaus bleibt willkürlich und kann nicht Maßstab für die Menschheit sein, sondern maximal der dessen, der da willkürlich ins Subjektive greift.

    Moral und Werte erwachsen nicht aus Religion, sondern der Natur – sie sind Garant für den Fortbestand der Arten. Sie stecken uns in den Genen wie die Haarfarbe oder die Körpergröße, lediglich ihre Entfaltung bedarf bewusster Betrachtung und Reflektion – aber sicher keine kollektive Selbststäuschung.

  5. emporda sagt:

    @Niels
    Du versuchst mit dem Bundesbedenkenträger einen Dialog, das ist ein verbohrter evangelischer Seminarist in Theologenausbildung.

    Wenn der etwas anders denkt als das was ihm erlaubt ist, dann wird er vielleicht noch mit glück Parkplatzwächter im Puff und triff dort alle seine ehemaligen Kumpel, die viel besser gelogen haben.

  6. emporda sagt:

    Der Papst vertritt ein Verbrechregime 1.ter Ordnung, gegen das die Mafia ein kleiner Kindergarten ist.

    Kroatien ist bis 1945 zusammen mit Bosnien-Herzegowina ein pseudo-souveräner Staat von 6,5 Mill. mit etwa 2 Mill. Serben. Papst Pius XII empfängt 1941 Präsident Ante Pavelic nach dessen Besuch beim GRÖFAZ, obwohl nur 4 Tage vorher im Ort Glina 33% der orthodoxen Bevölkerung bestialisch ermordet werden. Katholische Priester dienen dem Regime Pavelic als Funktionäre, KZ-Kommandanten, Gauleiter usw. indem sie Massenmorde und Transporte organisieren und Todeslisten anlegen. Die Klöster dienen als Waffenlager, Mönche in Ustascha-Uniformen überwachen KZ-Lager wie Jasenovac und Samiste, wo Pater Miroslav Filipovic eigenhändig viele Gefangene enthauptet. Insgesamt werden etwa 800.000 Serben, Roma, Sinti und Juden in den katholischen KZs ermordet, darunter über 20.000 Kinder.

    Papst Pius XII und Kardinal Alojzije Stepinac beschwören die Katholiken dem Staat unter Ante Pavelic bei der „Endlösung“ der Serben und Juden zu helfen, ist im Genozid doch das „Wirken der göttlichen Hand“ zu erkennen. Für Minister Budak ist es ein Kreuzzug der katholischen Kirche wie die Befreiung des Grabes Christi. Etwa 300 orthodoxe Kirchen werden zerstört, 128 Priester ermordet und der Besitz der orthodoxen Kirche von der RKK geraubt. Der Prozeß von 1945 gegen verhafteten Kardinal Alojzije Stepinac wird vom Vatikan hintertrieben, Papst Pius XII bezeichnet es als den „traurigste Prozess (tristissimo processo) in der Kirchengeschichte“. Ante Pavelic flieht 1945 mit seinen Helfern und 300 Kilo Gold mit RKK–Hilfe als Priester verkleidet über Österreich in den Vatikan und wie viele NAZI-Mörder nach Argentinien. Nach dem Sturz von Juan Domingo Peron 1955 flieht Pavelic nach Spanien des regierenden Faschisten Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo.

    Paps Johannes Paul II spricht 1998 den Massenmörder Kardinal Stepinac selig, er hat 7000 Kinder vor katholischen Mördern gerettet, deren Eltern von Ustascha Katholiken ermordet wurden. Papst Ratzfatz huldigt sogar dem früheren katholischen Regime unter Ante Pavelic. Es gab niemals Christen hier und Nationalsozialisten dort, die 95% deutsche Christen waren die frenetischen „Sieg-Heil“ Jubler des Adolf Hitler, die Kirchenführer trimmen ihre Gläubigen auf den NAZI-Arierwahn mit letztlich 50 Mill. Toten. Papst Ratzfatz verdreht 2011 auf der Pilgerfahrt nach Assisi wie vielfach vorher Ursache und Wirkung und bezeugt die Lernunfähigkeit der RKK: „Die Abwesenheit Gottes ist die Ursache von Gewalt und Konzentrationslagern, denn die Leugnung des Göttlichen verdirbt die Menschen, lässt sie das Maß verlieren, lässt sie die Menschlichkeit verlieren. Der Gebrauch von Gewalt im Namen der Religion ist nur ein beleidigender Missbrauch des christlichen Glaubens“. Die Nichtchristen sind alle Verbrecher.

  7. Wolfgang Brosche sagt:

    Es ist ja entlarvend, daß beim Papst und beim BBT das Diktum vom „Sein und Sollen“ fällt – diese „Herr“schaften können sich nur vorstellen, daß menschliches Leben hierarchisch geordnet und strukturiert wird. Das „Wollen“ kommt bei ihnen überhaupt nicht vor, sondern nur der Druck, nur die gruppenegoistische Moral der Christen, niemals die Einsicht, niemals die biologische Notwendigkeit und die anthropologisch oder evolutionär hergeleitete Ethik – die ja ja auch nur eine temporäre sein kann.
    Sie können und wollen nicht begreifen, daß Moral und Ethik niemals außerhalb der menschlichen Gesellschaft existieren. Sie wollen sich unterordnen unter ihren erfundenen göttlichen Popanz. Fast könnte einem dieser Gott, falls er existierte Leid tun, daß sich solche Wichte unter seine Knute drängen. Religionswahnsinnige sind eben durch und durch Masochisten und wollen nicht selbstständig denken.
    Nur – es war doch eigentlich zu deutlich, was der Papst in seiner Rede reklamierte: das erneute Primat seiner Kirche und des Papstes über die Politik – eben über alles und jeden: extra ecclesia nulla salus est.
    Dieser Papst ist ein gefährlicher Irrer; hätte er die politischen Möglichkeiten, er würde handeln wie Achmadineschad. Wie Demokratie und Menschenrechte abgebaut, wie die Mordene und die Wissenschaft bekämpft werden, das hat er sich von den Piusbrüder bereits ausarbeiten lassen.
    Welches war der erste Staat, der Ungarn zu seiner neuen, menschenrechtsfeindlichen und undemokratischen, aber die katholische Kirche bevorzugenden Verfassung gratulierte? Der Vatikan.
    Ungarn macht vor, wie es in Europa verlaufen könnte – neuerliches Aufschwingen des Katholzismus zur Staatsreligion, Abschaffung der Menschen-, Frauen, Kinder- und Schwulenrechte. Mißachtung der Wissenscahft etc. – Ungarn ist ein Menetekel. Wenn sich der katholisch-politische Flächenbrand, den der Vatikan bejubelt, von da ausbreitet, dann wird Europa bald so aussehen wie die von den Evangelikalen völlig kaputt gemachte USA!

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