Die Behauptung „Ohne Gott ist alles erlaubt“ führt sich selbst ad absurdum

Screenshot

Philipp Möller hat auf „The European“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er die kirchliche Zweckbehauptung, ohne Gott gebe es keine Moral, meines Erachtens sachlich völlig richtig als „dummdreistes Drohszenario“ beschreibt. Das bot mir die Möglichkeit, in einem Kommentar auf einen Punkt hinzuweisen, den ich bisher noch nirgends erwähnt gefunden habe:

Wieso erkennt eigentlich keiner (weder Christ noch Atheist), dass Argumente á la „Ohne Gott ist alles erlaubt“ oder „Werte brauchen Religion“ sich selbst ad absurdum führen, wenn sie gegenüber Ungläubigen gebraucht werden?

Beide Behauptungen appellieren beim Gegenüber an die Einsicht bzw. den Wunsch, dass eben nicht alles erlaubt sein soll, dass Werte für die Gesellschaft unverzichtbar sind.

Wenn jemand gegenüber nichtreligiösen Menschen so argumentiert, dann zeigt dies, dass er sich zumindest unbewusst darüber im Klaren ist, dass eben auch Ungläubige von der Notwendigkeit von Werten überzeugt sind und nicht alles erlauben wollen. Dass er dies ohne weitere Begründung (und ohne es selber zu merken) tun kann zeigt, dass im Grunde jedem klar ist, dass der Wunsch nach Werten und (ggf. Verbots-) Regelungen des Miteinanders allen Menschen unmittelbar einsichtig ist.

Argumente wie „Ohne Gott ist alles erlaubt“ oder „Werte brauchen Religion“ sind „Trittbrettfahrer-Argumente“, die behaupten, irgendetwas Notwendiges könne nur durch Gott oder Religion bereitgestellt werden. Diese Argumente tun jedoch genau das Gegenteil von dem, was sie behaupten: Sie versuchen, Gott bzw. die Religion mit der Notwendigkeit von Regeln für das Zusammenleben zu begründen, anstatt zu zeigen, weshalb diese Regeln ohne Gott nicht zustande kommen sollten.

Das Argument funktioniert nur bei Notwendigkeiten (andernfalls ließe sich ja wiederum die Notwendigkeit Gottes anzweifeln), und dadurch führt es sich zwangsläufig ad absurdum: Was notwendig ist, existiert ohnehin bereits (andernfalls wäre die Menschheit ja schon ausgestorben) und wird auch weiterhin bereitgestellt, eben weil es notwendig ist – und nicht, weil es Gott gibt.

3 Antworten zu Die Behauptung „Ohne Gott ist alles erlaubt“ führt sich selbst ad absurdum

  1. Muriel sagt:

    Schön gesagt, und das Argument hört man wirklich zu selten.
    Nach meiner Erfahrung antworten Gläubige darauf dann mit den altbekannten und fraktal falschen Thesen, dass man ohne Gott ja dieses Bedürfnis nach Regeln und das Gespür für Gut und Böse nicht hätte, oder dass man auf materieller Basis zwar vielleicht den Sinn von Moral erkennen, sie aber nicht begründen kannn…
    If you could argue with religious people, there’d be no religious people.

  2. rolandschwarzer sagt:

    Lustiger finde ich es noch, wenn man das Argument auf Theisten selber anwendet. Denn dann heißt „Ohne Gott ist alles erlaubt“ genaugenommen: Ohne Gott wäre ich ein stehlender, mordender Kinder- und Frauenschänder. Aber leider hat Gott das verboten.:mrgreen:

  3. Wolfgang sagt:

    Sobald kritisch hinterfragt wird, Bibelzitate gesagt werden, die Kirche zur Rede gestellt wird, erfährt man,
    es ist alles erlaubt, wenn es dem Glauben schaden sollte. “ Auch wenn die Kirche Millionen Menschen umgebracht hat, hast du kein Recht, die Kirche zu kritisieren!“ sagt meine katholische Ehefrau zu mir als Atheisten.
    Es ist leicht, ein Christ zu sein. Man braucht nicht
    zu denken!
    Es ist schwer, ein Atheist zu sein, man denkt und wundert sich über die entsetzliche Dummheit.
    Es ist schwer, ein Gott zu sein, Atheismus und Christentum auf dieser einmaligen Erde. Was hat er sich dabei gedacht??

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: