Verpflichtung auf christliches Menschenbild nicht akzeptabel

Konfessionslosenverband protestiert gegen Merkels Äußerungen zur Säkularisierung

Pressemitteilung des IBKA vom 18.10.2010

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) wendet sich nachdrücklich gegen die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach in Deutschland fehl am Platze sei, wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere.

„Der Staat ist Heimstatt aller Bürger und hat das Grundrecht der Weltanschauungsfreiheit zu schützen. Die Kanzlerin wurde auf die Wahrung der Verfassung vereidigt und missachtet deren Prinzipien, wenn sie Nichtchristen quasi rhetorisch ausbürgert“, sagt Rudolf Ladwig, Zweiter Vorsitzender des IBKA.

„Grundwerte wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frau wurden gegen das Christentum errungen, sie auf ein ‚christliches Menschenbild‘ zurückzuführen ist dreister Etikettenschwindel. Noch heute ist es um die freiheitlichen Grundwerte in etlichen Religionen oft schlecht bestellt.“

Als Affront gegen die nichtreligiösen Bürger Deutschlands empfindet der IBKA die Aussage von Kanzlerin Merkel, die schleichende Säkularisierung sei „ebenso beunruhigend wie Integrationsprobleme“.

„Die Emanzipation vieler Menschen von religiösen Dogmen trägt zum innergesellschaftlichen Frieden bei. Eine Bundeskanzlerin sollte die Säkularisierung anerkennen, statt zu diffamieren. Es wird Zeit, dass Frau Merkel sich endlich integriert, statt den geistigen Bürgerkrieg zu schüren“, erklärt Ladwig.

Hintergrund:

Auf der CDU-Regionalkonferenz am 15. Oktober erklärte Angela Merkel: „Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht.“ Wer das nicht akzeptiere, der sei „bei uns fehl am Platz“.

Weiterhin äußerte sie, sie empfinde die schleichende Säkularisierung ebenso beunruhigend wie Integrationsprobleme.

Links:

Seehofer und Merkel befeuern Leitkultur-Debatte
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,723466,00.html

Das Multikulti-Eiapopeia
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/das-multikulti-eiapopeia/

Regionalkonferenz: Spannende Diskussionen – auch im Internet
http://www.cdu.de/portal2009/26423_31713.htm

Über den IBKA:

Im IBKA haben sich nichtreligiöse Menschen zusammengeschlossen, um die allgemeinen Menschenrechte – insbesondere die Weltanschauungsfreiheit – und die konsequente Trennung von Staat und Religion durchzusetzen. Wir treten ein für individuelle Selbstbestimmung, wollen vernunftgeleitetes Denken fördern und über die gesellschaftliche Rolle von Religion aufklären.

6 Antworten zu Verpflichtung auf christliches Menschenbild nicht akzeptabel

  1. Martin sagt:

    Könnte mir jemand sagen, warum Politikern sagen über solche Sachen? Sie sollen mehr über Wirtschaft denken – nicht über (Menschen)bildern.

    • Max Headroom sagt:

      Martin, es liegt sehr wahrscheinlich an der Erziehung und der damit verbundenen Vorstellung, es gäbe – insbesondere hier bei uns – eine einheitliche „Hauptreligion“, und dies wäre das Christentum.

      Die Tatsache ist, dass wir genauso eine Hauptreligion besitzen, wie eine Hauptsportart (Fußball) oder ein Hauptbetriebssystem (Windows). Wenn „Gott“ bzw. der Mensch es möchte, wird man zum Tennis-Fan und beobachtet Wimbledon, oder nutzt Linux.

      Die Politiker, sie fühlen sich – da C-Partei – einer bestimmten Ideologie verbunden. Und das ist das Christentum. Sie möchten all diese herrlichen Bergpredigten, Liebeshohelieder und Himmelsgeschenke für uns alle „in Aktion“ sehen, und verstehen es hervorragend, den größeren Rest der Bibel, mitsammt ihren Menschenrechtsverletzungen und abstrusen Fantasiegeschichten entweder wegen Manipulation zu verschweigen, oder aus Unwissenheit nicht zu wissen. Ich vermute mal, die meisten C-Politiker kennen nur das, was sie vorne an der Kanzel gepredigt bekommen. Einen genaueren und kritischen Blick in der Bibel werden nur die wenigstens riskiert haben. Dazu fehlt ihnen sicherlich die Zeit und die Kraft.

      Und so bleiben sie Möchtegernchristen, welche als Marionetten exakt das machen, was die klerikale Schicht von ihnen verlangen. Ob es die Streichelung der Kirchenstaatsverträgen sind, oder die Betonung, dass das christliche Menschenbild für uns einheitlich representabel ist. Hätte die IBKA eine finanzstarke Lobby und unzählige Arbeitsplätze, die sie als Druckmittel nutzen könnte, würden die Politiker plötzlich völlig andere Töne spucken, wetten ?😉 .

  2. Andreas P sagt:

    Was soll man machen?

    Merkel hat Rechtsstaat und Demokratie halt nur auf dem zweiten Bildungsweg gelernt. Und dann so schnell Karriere gemacht, dass sie das GG wohl nicht auslesen konnte – so was wie

    „Art. 136 (2) Weimarer Verf.

    Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis.“

    kann da schnell schon mal ueberlesen werden.

    Was soll sie auch machen?

    Von den besser Qualifizierten (und auch anderen mit Durchblick und Weitsicht) verlassen 30000 p. a. das Land (… waehrend sich Bundestheologieministerin Schavan dafuer feiert, jaehrlich etwa ein Dutzend mit Spezialkonditionen zurueckzuholen – „Weltniveau!“). Die Theologen, Kirchenfunktionaere und ihre Kirchenhoerigen bleiben dagegen – wer wollte die auch schon gross als Einwanderer?

    Da ist es nur konsequent, in dem Milieu lieb Kind zu machen. Um mehr geht’s auch nicht: Das niedere Volks ist ihr laestig und findet nur wegen der Stimmen gelegentlich Beachtung.

    Aus ihrem billigen und leicht durchschaubaren populistischen Anwandlungen spricht die blanke Verachtung nicht nur fuer alle Kirchenfreien und Nichtchristen, sondern auch fuer die eigenen Waehler, die sie fuer doof genug haelt, ihr wegen solchem Schmonzes weiterhin die Stange zu halten.

  3. Humanikus sagt:

    Liegt hier ein Missverständnis vor?

    Merkel sagte dies doch auf einem Parteitag ihren Parteigenossen!

    Sowohl bei „Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden“ als auch bei „Wer das nicht akzeptiere, der sei „bei uns fehl am Platz“.“ bezieht sich das WIR und das UNS doch nur auf CDU-Mitglieder!

    Oder ist das faktisch falsch?

    • Skydaddy sagt:

      @Humanikus:

      Mag sein, dass es sich um ein „Missverständnis“ handelt. Medienberichten zufolge musste man jedenfalls den Eindruck haben, dass Merkel das im Hinblick auf Einwanderer gesagt hatte, hier nur ein Beispiel aus der taz:

      In Berlin ruft Merkel der Basis zu, man brauche angesichts von 2,2 Millionen arbeitsfähigen Hartz IV-Empfängern „keinen Zuzug von außen“. Dann beschwört sie das christliche Menschenbild und ruft in den Saal: „Wer das nicht akzeptiert, ist bei uns fehl am Platze.“ Applaus braust auf, obwohl der Sinn dieser Verknüpfung dunkel bleibt.

      Migranten sollen, bei Strafe der Ausweisung, das christliche Menschenbild akzeptieren? Die Formulierung zeigt, wie unsicher die CDU beim Thema Migration ist.

      Merkels tatsächlicher Redetext war online nicht verfügbar. Ich hatte selbst gleich in einer Mail gegenüber dem Bundeskanzleramt mein Missfallen zum Ausdruck gebracht, dort schien man jedenfalls nicht an einer Richtigstellung interessiert zu sein. Ich habe jedenfalls keine Antwort erhalten.

      Abgesehen davon finde ich eine solche Bemerkung für eine Bundeskanzlerin trotzdem unangebracht. Und es scheint dem Bundeskanzleramt ja auch herzlich egal zu sein, wenn Merkels Behauptung missverstanden wird (s.o.) Oder gab es eine Klarstellung im Hiblick auf die IBKA-Erklärung?

      Unabhängig davon, in welchem Zusammenhang Merkels Äußerung „gemeint war“ halte ich es angesichts zahlreicher haarsträubender Erklärungen von Politikern in letzter Zeit für wichtig, dass Konfessionslose deutlich machen, dass bestimmte Äußerungen bei Politikern fehl am Platz sind.

    • Skydaddy sagt:

      Im übrigen hat sich die NSDAP auch zum „positiven Christentum“ bekannt; die Wehrmacht hatte „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss.

      Von daher sollte sich die Kanzlerin m.E. nicht auf einen so schwammigen Begriff die „das Christliche Menschenbild“ berufen, sondern konkret sagen, was sie meint. Will sie, dass Kinder geschlagen werden, dass Homosexuelle diskriminiert oder ins Gefängnis gesteckt werden? Will sie die Trennung von Staat und Kirche (noch mehr) aufweichen?

      Nein? Dann soll sie das bitte klar sagen – die gerade aufgelisteten Forderungen werden nämlich auch alle unter Berufung auf das „christliche Menschenbild“ aufgestellt.

      Aber Merkel benutzt natürlich absichtlich den schwammigen Begriff, damit sich jeder angesprochen fühlt.

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