Frechheit!

Heute bin ich auf der Buchmesse in Frankfurt. Als ich um 6:45 Uhr zur Bushaltestelle ging, fingen plötzlich die Kirchenglocken an zu läuten. (Paderborn halt…) Ich dachte erst, das sind die drei Glockenschläge für „Viertel vor“, aber dann musste ich feststellen, dass ein minutenlanges Gebimmel einsetzte. Wohlgemerkt: Der Kirchturm, von dem das Geläut kam, dürfte etwa einen Kilometer entfernt gewesen sein, es war also nicht etwa so, dass ich mich in unmittelbarer Nähe befunden hätte.

Was für eine Frechheit, am Sonntag Morgen in aller Frühe einen solchen Lärm zu veranstalten! Ich musste mich unweigerlich fragen, wie dies mit dem Grundgesetz vereinbar sein soll, das ja Sonn- und Feiertage als Tage der Ruhe und der seelischen Erhebung schützt. (Leider schützt das Grundgesetz nur die ARBEITSruhe…)

Hinzu kommt noch – bald ist es ja wieder so weit – dass, wenn z.B. einmal im Jahr zu Halloween eine öffentliche Party veranstaltet werden soll, die aber in einen „stillen“ Feiertag hineinreicht, vielerorts Kirchenvertreter und Behörden diese Feiern unterbinden. Die Kirche nimmt sich also heraus, das ganze Jahr über sonntags am frühen Morgen völlig überflüssigen Lärm zu machen, und gleichzeitig anderen Leuten, die einmal im Jahr feiern wollen – ohne vergleichbare Lärmbelästigung wohlgemerkt – dieses Privatvergnügen  verbieten zu lassen – unter Berufung auf den „stillen“ Feiertag.

Es heißt ja, wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wer dagegen im Gotteshaus sitzt, braucht in Deutschland keine Rücksicht walten zu lassen.

3 Antworten zu Frechheit!

  1. Atheist für Glockenschlag: Ist ein »leiserer« Schlag die Lösung?…

    Glockenschlag: Mittlerweile gibt es mehr Befürworter als Gegner für das nächtliche Läuten an Auferstehungskirche Lohr Lohr Der Glockenschlag der evangelischen Auferstehungskirche bleibt vorerst weiterhin zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens aus. Au…

  2. marya sagt:

    Ich finde Kirchenglocken beruhigend und schön! Störend finde ich grölende und kreischende alkoholisierte Jugendliche und Handy-Gespräche allerorts!

  3. Skydaddy sagt:

    Hallo Marya, willkommen hier auf dem Blog!

    Ich kann lärmenden und laut telefonierenden Mitmenschen auch wenig abgewinnen.

    Die Jugendlichen würden aber wahrscheinlich sagen, sie haben nur ihren Spaß, wir sollten nicht so kleinlich sein.

    Also: Des einen Freud‘, des ander’n Leid. Deshalb gibt es Gesetze und Vorschriften („Spielregeln“), die die widerstreitenden Interessen zu einem fairen Ausgleich bringen sollen und allen ein faires Miteinander ermöglichen.

    Du schreibst ja lediglich, dass Du den Glockenklang angenehm empfindest. Ich denke, es ist aber nachvollziehbar, dass jemand, der z.B. neben einer Kirche wohnt, nachts seine Ruhe haben will.

    Jedenfalls gibt es auch, was Lärm angeht, Vorschriften, und mir scheint, dass die Kirchen mal wieder von den für alle geltenden Gesetzen ausgenommen sind.

    In der heutigen Zeit lässt sich jedenfalls Glockengeläut weder mit der „Zeitansagefunktion“ noch mit dem „Ruf zum Gottesdienst“ begründen.

    Wie oben angedeutet, steht diese „Extrawurst“ für die Kirche wieder einmal im extremen Gegensatz dazu, wie in anderen Fällen verfahren wird: Will eine Disco im Industriegebiet eine Halloweenparty veranstalten, die nun wirklich niemanden stört, wird das unter der Berufung auf den „stillen Feiertag“ untersagt („Tanzverbot„).

    Ich finde es jedenfalls unfair, dass die Kirchen das ganze Jahr läuten können, wann immer sie wollen, aber gleichzeitig anderen, die einmal im Jahr feiern wollen, das Tanzen verbieten – selbst, wenn es niemanden stört.

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