Was nun, Erzbischof Zollitsch?

Die Badische Zeitung meldet heute, dass der pädokriminelle Pater, der in Birnau (Deutschland) und Mehrerau (Österreich) in den 60er Jahren Kinder sexuell missbraucht hat, noch an einem weiteren Ort tätig war, der zuvor verschwiegen wurde: nämlich im Zisterzienserkloster Himmerod in der Eifel bei Trier. Dort soll er auch die Pfarrei Gransdorf betreut haben, die laut Website „schon immer sehr eng mit der Abtei Himmerod verbunden“ gewesen ist. Offenbar eine ganz ähnliche Situation wie in Birnau, wo die dortige Gemeinde seit 1946 ebenfalls von den Patres des Zisterzienser-Priorats betreut wird – in Auftrag des Erzbischofs von Freiburg.

Die Badische Zeitung schreibt:

1971 wurde er mit der Auflage, libidodämpfende Medikamente zu nehmen, in die Schweiz versetzt. Das Bistum Basel hat bestätigt, dass es damals wusste, „dass er die vorherigen Einsatzorte in Deutschland und Österreich wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen“. Wird der Aufenthalt in Himmerod verschwiegen, weil es auch dort Probleme gab?

Was die Badische Zeitung nicht schreibt: Dieser Aufenthalt passt perfekt in die „Lücken“, die die Erklärungen des Ordinariats Freiburg bisher immer wieder gelassen haben: So wurde erst vor zwei Wochen (anlässlich der Einstellung der Ermittlungsverfahrens gegen Zollitsch) wieder erklärt, das Zollitsch damals nichts von „Vorwürfen aus den 60er Jahren“ gewusst habe – seit Wochen stelle ich hier die Frage: Was ist mit der Zeit danach?

Als die Ermittlungen gegen Erzbischof Zollitsch Anfang Juni bekannt wurden, erklärte das Ordinariat, dass erst seit Ende 2006 bekannt war, dass es in den 60er Jahren zumindest einen Fall von sexuellem Missbrauch bei der Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau gab. Seitdem hatte ich gefragt: Was ist mit Missbräuchen, die woanders stattgefunden haben?

Der Aufenthalt von Pater Gregor Müller in Himmerod von 1969 bis 1971 würde genau in diese „Lücken“ der erzbischöflichen Dementis fallen. Und die triebhemmenden Medikamente werden dem Pater ja wohl kaum ohne Grund verordnet worden sein.

Was nun, Erzbischof Zollitsch? Vielleicht wollen Sie sich doch noch mal etwas klarer äußern? Sie wollen doch nicht, dass die Ministranten, die auf Ihrer großen Rom-Wallfahrt am Freitag Ihre Messe besuchen, darüber nachsinnen müssen, ob Sie Ministranten-Missbrauch in irgendeiner Weise vertuschen?

Zumal die Badische Zeitung außerdem schreibt, Pater Gregor sei 1968 auf Druck eines Vaters aus Birnau abgezogen worden. Und davon soll das Ordinariat Freiburg nichts gewusst haben?

Aber sicher brauchen sich die Ministrantinnen und Ministranten keine Sorge zu machen. Schließlich hat Erzbischof Zollitsch ja schon im Februar erklärt:

Wo immer nämlich ein  Verdacht vorliegt, muss es eine lückenlose und absolut transparente Aufklärung geben. […] Wir deutschen Bischöfe drängen darauf, dass die früheren und teils lange zurückliegenden wie natürlich alle neueren Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen aufgeklärt werden.

Das war allerdings, bevor die Themen „Birnau“ und „Oberharmersbach“ aufkamen – Fälle, die Zollitschs Zeit als Verantwortlicher für Seelsorge und Personal betreffen.

3 Antworten zu Was nun, Erzbischof Zollitsch?

  1. ichglaubsnicht sagt:

    Gerade kam in den SWR-Nachrichten (BW) ein halbwegs ausführlicher Beitrag zu deinem „Lieblingsthema“, den Du dir nachher ja auch noch in der Mediathek anschauen kannst falls Du ihn nicht zufälligerweise gesehen hast.
    Der Beitrag war schon ganz kritisch, hat aber Zollitsch nicht erwähnt, nur ein gewisser Eugen Maier hat zugegeben einen Fehler gemacht zu haben. Es wurde eben erklärt wie das mit den Zuständigkeiten aussieht, und dass die eben anscheinend zu Österreich gehören und die Anweisungen des Bistums ignoriert hätten und das Bistum es daraufhin nicht weiter verfolgt hätte.

  2. ichglaubsnicht sagt:

    http://swrmediathek.de/player.htm?show=8fcc02e0-a521-11df-a7c0-00199916cf68

    Das ist der Beitrag, allerdings war die Version die in den späteren Nachrichten lief etwas länger (finde ich aber nicht).

  3. almabu sagt:

    Ich habe zu der Zeit auf der anderen Seeseite mit Sicht auf die Barockkirche Birnau gelebt. Wenn ich damals von dem Missbrauch gewusst hätte, dann wäre ich mal kurz da rüber und hätte dem Bruder mal so ins Gemächt getreten, dass er keine „Libido-dämpfenden Mittel“ mehr gebraucht hätte!

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