„Ich will endlich Geld sehen, viel Geld“

Ich weiß, ich weiß… seit zwei Wochen beschäftige ich mich hier praktisch ausschließlich mit Robert Zollitsch, dem Erzbischof der Diöseze Freiburg. Aus Gründen der Ausgewogenheit deshalb heute mal etwas ganz anderes: Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Das Zitat in der Überschrift stammt zwar von Zollitschs Kollegen Lehmann (der es dreisterweise quasi Missbrauchsopfern in den Mund legte, die die Frage nach finanzieller Entschädigung anzusprechen wagen), es passt aber auch gut zum Thema dieses Artikels:

Am 11.06.2010 brachte das Handelsblatt ein Interview mit Zollitsch zu den Sparplänen der Bundesregierung. Zollitsch machte sehr deutlich, dass er Steuererhöhungen gutheißen würde, und konstruierte auch gleich eine Situation, die diese unvermeidlich machen dürfte:

„Mit Blick auf die kommenden Generationen und die Wahrung der Handlungsfähigkeit des Staates muss sie die rapide gestiegene Staatsverschuldung eingrenzen. Andererseits ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, künftigen Generationen einen guten Bestand an Wissen, Technik und Infrastruktur zu hinterlassen.“

Unabhängig von der Frage, ob Steuererhöhungen sinnvoll sind oder nicht – wenn sich Kirchenvertreter dazu äußern, muss man sich immer darüber im Klaren sein, dass sie hier nicht als Unbeteiligte sprechen: Denn mit den Steuern sinkt und steigt auch die Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt ist. Ganz offen haben beide Kirchen noch vor wenigen Monaten gegen Steuersenkungen opponiert – und zwar ausdrücklich mit den Argument, dass dann auch die Kirchensteuern weniger würden. (Obwohl die Kirchen das durch eine Anhebung des Hebesatzes ganz einfach ausgleichen könnten. Mehr zum Thema hier, hier und hier.) Bei allen wirtschaftlichen und sozialen Erwägungen ist Zollitsch hier Lobbyist in eigener Sache. Er weiß: Wenn die Steuern erhöht werden, fließt automatisch auch mehr Geld in die Kirchenkassen.

Weiter sagte Zollitsch:

Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und die Teilnahme am Erwerbsleben begrüße ich, dass der Bildungsbereich aus den Sparplänen ausgeklammert wird.

Ich vermute, dass Zollitsch noch viel mehr begrüßt, dass die Staatsleistungen an die Kirchen – etliche Milliarden Euro jährlich aus allgemeinen Steuermitteln, nicht die Kirchensteuer – mal wieder von allen Sparvorschlägen ausgenommen sind. Darunter z.B. Zollitschs Bischofsgehalt von schätzungsweise um die 10.000 Euro im Monat. Trotz der Vorgabe des Grundgesetzes, diese Zahlungen (die z.T. aus jahrhundertealten Abmachungen resultieren) „abzulösen“. Aber Zollitsch ist natürlich schlau genug, dies nicht extra zu erwähnen.

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Eine Antwort zu „Ich will endlich Geld sehen, viel Geld“

  1. Johannes B. sagt:

    Zollitsch…
    siehe Kirchenhasser Brevier…

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