Mixa: Unglaubwürdig bis zum Schluss

In einer Pressemitteilung anlässlich des Rücktrittsgesuchs, pardon: der „Bitte um Entpflichtung“ von Bischof Mixa an den Papst meldete das Bistum Augsburg:

Als Bischof, so Dr. Walter Mixa, habe das Wohl der Diözese Augsburg für ihn immer höchste Priorität gehabt. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet. Mit seinem Rücktritt wolle er dafür Sorge tragen, weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen.

Wenn Mixa ernsthaft am Wohl der Kirche interessiert gewesen wäre und nicht in erster Linie an seinem eigenen, dann hätte er schon anlässlich der Prügelvorwürfe zurücktreten sollen, spätestens, nachdem das Waisenhaus den Sonderermittler Knott eingesetzt hatte, der nicht nur den Anschuldigungen des Prügelns, sondern auch dem Verdacht auf finanzielle Unstimmigkeiten nachgehen sollte. Mixa musste wissen, dass seine finanziellen Eskapaden bereits aktenkundig waren und zweifellos ans Licht kommen würden.

Mixa hätte auch gleich zugeben sollen, dass er „möglicherweise“ Kinder geohrfeigt hat. Stattdessen bezeichnete er die Vorwürfe – die nicht nur, aber auch Ohrfeigen beinhalteten – als absurd und erlogen.

Mixa hoffte wohl, die Sache aussitzen zu können, zumal sich die Prügelvorwürfe nach so langer Zeit wohl kaum zweifelsfrei belegen lassen würden und sowohl die körperlichen Übergriffe als auch die Untreue Mixas, so sie denn stattgefunden haben, ohnehin verjährt sind.

Spätestens aber, als er zurückruderte und erklärte, er könne nicht ausschließen, vor 20 oder 30 Jahren die eine oder andere Ohrfeige ausgeteilt zu haben, hätte er sich darüber im Klaren sein müssen, dass er moralisch nicht zu halten war. Ein Bischof, der – zwar nicht ausdrücklich, aber doch deutlich – zugibt, die Unwahrheit gesagt zu haben: In welchem Universum lebt Mixa, dass er glaubte oder sich weismachen ließ, das könne – gerade in der derzeitigen Vertrauenskrise der Katholischen Kirche – durchzuhalten sein?

Mixa versuchte offenbar auf Zeit zu spielen: Am Montag  beauftragte er die Bischöfliche Finanzkammer und eine Münchner Anwaltskanzlei, „die finanziellen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Waisenhausstiftung in Schrobenhausen aufzuklären“. Das muss wie reiner Aktionismus erscheinen: Diesen „Fragestellungen“ wird die Waisenhausstiftung gewiss auch so nachgehen, denn sie ist es ja, die den Schaden erlitten hat. Vielleicht hoffte Mixa, bis zum Abschluss dieser Untersuchungen würde man seitens der Bischofskonferenz nicht seinen Rücktritt fordern, vielleicht erhoffte er sich auch Einsicht, welche Vorwürfe gegen ihn sich belegen lassen und welche nicht.

Mixa spekulierte wohl darauf, dass er als Bischof nur vom Papst abgesetzt werden kann, und rechnete nicht damit, dass sich Teile seiner Augsburger Priester und Laien wie auch die maßgeblichen Bischöfe Zollitsch und Marx offen gegen ihn stellen würden, solange die Vorwürfe nicht abschließend geklärt waren.

In bisher nicht gekannter Weise erklärten Zollitsch und Marx gestern, sie hätten mit Mixa „überlegt, wie er in der derzeit schwierigen Situation im Bistum Augsburg zur Beruhigung beitragen und ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken.“

Zollitsch und Marx dürften Mixa diesen Schritt mit großer Wahrscheinlichkeit angekündigt haben, um Mixa die Möglichkeit zu geben, das Gesicht zu wahren, und auch um der Kirche die Peinlichkeit einer solchen Erklärung zu ersparen, gerade in der jetzigen Situation. Viermal soll Zollitsch mit Mixa telefoniert haben.

Dass es dennoch erst dieser Bloßstellung bedurfte, um Mixa zum Rücktritt zu bewegen, zeugt von Mixas Starrsinn.

In der Pressemitteilung des Bistums heißt es:

An einer weiteren lückenlosen Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe wolle er auch in Zukunft weiter aktiv mitwirken.

Mixa will „auch in Zukunft“ an einer „lückenlosen Aufklärung“ „aktiv“ mitwirken? Davon war bisher nichts zu merken – Mixa hat alle Vorwürfe erst einmal pauschal abgestritten und juristische Gegenmaßnahmen in Aussicht gestellt. Bezüglich der Untreuevorwürfe ließ des Bistum mitteilen, es sei „wohl mehrfach zu finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen zwischen der Waisenhausstiftung und der Pfarrkirchenstiftung gekommen. Dabei ging es nicht um private Anschaffungen des Pfarrers sondern um antiquarische Möbel und Ausstattungsgegenstände für die Kirche und den historischen Pfarrhof.“ Mixa wurde zitiert mit den Worten „Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe.“

Nun zitierte Sonderermittler Knott aber aus einem Dokument, in dem Mixa die Anschaffung von (noch dazu überteuerten) Kunstgegenständen ganz eindeutig dem Waisenhaus zuordnen wollte, damit die Waisen „durch eine entsprechende Ausgestaltung des Hauses ein Gespür für Kunstwerke und für das Schöne entwickeln sollten“. Ganz zu schweigen von der Frage, wer für über 5.000 Mark Wein konsumiert haben soll.

Dem Sonderermittler Knott lässt sich gewiss keine „Hetzkampagne“ oder „Stimmungsmache“ gegen Mixa oder gar die Kirche vorwerfen. Es ist nicht ersichtlich, wie die Untreuevorwürfe aufgeklärt werden sollten, ganz ohne Mixa zu belasten.

Trotzdem hätte der (Noch-) Bischof bei seiner Entschuldigung gestern nicht allgemeiner bleiben können:

 „Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung.“

Kein Wort zu den Ohrfeigen, kein Wort zu seinen Beschuldigungen gegen die Menschen, die sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt hatten, kein Wort zu den überteuerten Anschaffungen, kein Wort zu seiner verspäteten Einsicht, möglicherweise doch geohrfeigt zu haben.

Mixas Worte und Taten (bzw. seine Untätigkeit) lassen nur einen Schluss zu: Dieser Mann ist uneinsichtig bis zum Schluss und gibt nur zu, was sich nicht mehr abstreiten lässt.

Von ihm ist – auch in Zukunft – kein aktiver Beitrag zur Aufklärung zu erwarten.

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3 Responses to Mixa: Unglaubwürdig bis zum Schluss

  1. […] Blog Mixa: Unglaubwürdig bis zum SchlussPäpstliches Geheimnis: Wenig Raum für Meldung an die […]

  2. ebook sagt:

    Der Rücktritt von Bischoff Mixa wird keine Ruhe in die ganzen Unregelmässigkeiten bringen. Am besten ist, mal legt die Karten auf den Tisch und bereut. Die Kirchenaustritte werden sonst noch mehr zunehmen. Es kommt doch alles ans Tageslicht. Am Besten ist, dass die Kirche reinen Tisch macht.

  3. skydaddy sagt:

    Hallo ebook:

    Ich will nicht behaupten, dass es so ist, aber für die Verantwortlichen der Katholische Kirche dürfte nicht entscheidend sein, wieviele jetzt aufgrund der aufgedeckten Vorfälle austreten, sondern ob weniger austreten würden, wenn man „die Karten auf den Tisch legt“ bzw. „reinen Tisch macht“.

    Angenommen, die Verantwortlichen können absehen, dass ein Eingestehen der tatsächlichen Verhältnisse noch viel mehr Menschen aus der Kirche treiben würde, so würde dies das derzeitige Verhalten gut erklären.

    Es kommt hinzu, dass die meisten dieser Verantwortlichen schon weißhaarig sind und das Thema jahrzehntelang keines war. Obwohl es Übergriffe gab – was sicher auch bekannt war, es fragt sich nur wie häufig und wie bekannt – wurden Priester nicht (öffentlich) angezeigt. Das erleichterte wiederum den „Umgang“ mit diesen Fällen, denn wenn sich eh niemand öffentlich meldete, bestand auch bei Vertuschung praktisch kein Risiko. Umgekehrt drohte aber der Imageschaden für die Kirche bei Bekanntwerden.

    Unter solchen Umständen wäre es überhaupt nicht verwunderlich, wenn nicht wenige Herren in leitender kirchlicher Funktion durchaus Kenntnis von Missbrauch und Vertuschung gehabt oder sogar daran mitgearbeitet hätten. Selbst ich als aktiver Kirchenkritiker würde mir wünschen, dass es nicht so ist, aber ich sehe nicht, weshalb es in Deutschland anders gewesen sein sollte als in Irland oder den USA. Vor kurzen wurde doch sogar ein Dankschreiben aus dem Vatikan bekannt, in dem einem Bischof für seinen Vertuschungsversuch gedankt wurde – und der Brief wurde nach dem Inkrafttreten der neuen vatikanischen Regeln 2001 verschickt.

    Unter diesen Voraussetzungen darf man sich dann nicht wundern, wenn Aufklärung nur zögerlich, halbherzig, nur von Einzelnen und hauptsächlich mittels Wortbekundungen betrieben wird. Jede Verlangsamung der Aufklärung wird zumindest einige Fälle verjähren lassen, die Opfer oder die Täter sterben lassen oder Mitwisser dem Ruhestand näher bringen, wo sie dann nicht mehr so in der Schusslinie stehen werden.

    Heute beraten die deutschen Bischöfe über die Neufassung der „Leitlinien“. Mal sehen, was dabei rauskommt.

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